Kurzgeschichten aus dem Hause SVEN1421

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    • Kurzgeschichten aus dem Hause SVEN1421



      Die Geschichte, die ich hier erzähle, ist reine Fiktion. Sie hat nichts mit 24 zu tun, und in welche Richtung sie genau geht, ist mal wieder völlig offen. Seid gespannt und glaubt mir, daß auch diesmal gilt: Nichts ist am Ende so, wie es am Anfang scheint! ... Aber lest selbst. Ich wünsche Euch fürs erste viel Vergnügen und spannende Unterhaltung. Über Kommentare und Kritik würde ich mich natürlich auch wieder sehr freuen!

      Ein Licht in der Dunkelheit

      Mein Name ist Ment. Dieter-Erich Ment ... um genauer zu sein. Meines Zeichens Hauptkommissar bei der Berliner Polizei. Geboren bin ich am 12.11.1936 in Danzig. Nach dem Krieg mußten meine Eltern und ich - wie viele andere - unsere bisherige Heimat verlassen und sind in die deutsche Hauptstadt gezogen, wo wir zunächst bei einer Familie Müller einquartiert wurden. Harte Jahre folgten, während die völlig zerstörte Metropole um uns her langsam aus ihren Ruinen wieder auferstand und sich ihrer Zukunft zuwandte. Am 17. Juni 1953 trat ich schließlich nach einem Jahr Ausbildung den Dienst bei der Polizei an. Daß ich mich noch so genau an das Datum erinnern kann, liegt sicher daran, daß es im Ostteil der Stadt an diesem Tag zu einem bedeutenden Volksaufstand kam, der sogar später in die Geschichtsbücher Einzug fand. Und die Zeiten blieben unruhig, während das ewige verbissene Kräftemessen zwischen Ost und West seinen Tiefstpunkt erreichte im Bau der Mauer am 13. August 1961. Meine neue Heimatstadt schien nun endgültig geteilt. Hoffnung keimte auf, als US-Präsident John F. Kennedy anläßlich des 15. Jahrestages der Berliner Luftbrücke die Stadt und ihre Menschen besuchte und einem ganzen, leidgeprüften Volk Mut machte mit seinem Satz: "Ich bin ein Berliner" ...

      Aber all das ist ja Geschichte. Geschichte, die Sie in jedem Lexikon und jedem Geschichtsbuch nachlesen können. Meine Geschichte aber, die ich Ihnen jetzt erzählen werde, die finden Sie so in keinem Geschichtsbuch der Welt. Und dabei begann doch alles so unscheinbar und mit einer Tatsache, die schon in der Bibel steht: "Am Anfang war das Licht".

      Es war mitten in der Nacht, als ich plötzlich von meinem Bett hochschreckte. Um mich herum war alles dunkel, aber aus Richtung des Flurs schien ein schmaler Lichtfetzen auf den Fußboden meines Schlafzimmers. Dabei wußte ich doch ganz genau, daß ich vor dem Schlafengehen überall in der Wohnung das Licht gelöscht hatte. Ich stand also auf, zog meine Latschen über die Füße und begab mich in den Flur. Tatsächlich, das Licht im Badezimmer war an. Ein wenig benebelt ging ich zum Lichtschalter und knipste ihn aus. Dabei kam ich leicht ins Wanken. Nanu, was war denn das? Es fühlte sich ja an, als ob ich irgendwie betäubt worden war - so, als hätte ich ein Schlafmittel bekommen. Aber das konnte ja gar nicht sein. Denn zum einen hatte ich gar keine solchen Mittelchen im Haus, und zum anderen lebte ich doch ganz allein hier in meiner kleinen Zweizimmerwohnung mitten im Wedding.

      Ich schüttelte den Kopf. Auf meinem Rückweg in mein Bett lehnte ich mich dann etwas an der Wand an. Ich wollte schließlich in meinem blau-weiß gestreiften Pyjama gerade wieder unter meiner warmen Bettdcke verschwinden, als ich heftig erschrak. Meine Hand hatte beim Griff unter die Bettdecke etwas ertastet. Da lag etwas, nein nicht etwas ... jemand. Meine andere Hand suchte aufgeregt nach dem Lichtschalter der Nachttischlampe. Licht fiel ins Dunkel des Raumes. Neben meinem leeren Platz im Bett lag tatsächlich jemand - eine mir völlig fremde Frau - und schlief. Oder war sie etwa ... tot?! Ich rüttelte an ihrem Arm, wodurch sie langsam zu sich kam. Sie drehte ihren Körper ein wenig zu mir, blinzelte mir seelenruhig mit einem Auge entgegen und sagte dann mit verschlafener Stimme: "Dieter, was ist denn los? Leg Dich doch wieder ins Bett, Schatz!"

      Schatz? Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen. Schatz? Ich war ein seit Jahren alleinstehender und alleinlebender Mann. Was sollte der Blödsinn?! Ich stellte die Fremde zur Rede: "Wer sind Sie? Wie kommen Sie in mein Bett mitten in der Nacht? Und was um alles in der Welt wollen Sie von mir?" Die Angesprochene öffnete nun beide Augen und richtete sich langsam im Bett auf: "Aber Dieter, ich bin doch die Erika, Deine Frau. Nun komm schon, Liebling. Es ist erst 3 Uhr, und wir zwei Beide haben wieder einen anstrengenden Tag vor uns. Zieh Deine Pantoffeln aus und leg Dich wieder hin". In meinem Kopf fuhren die Gedanken und Gefühle Achterbahn. Was wollte diese wildfremde Frau von mir? Wer hatte sie mir ins Bett gelegt? Hatte das vielleicht damit zu tun, daß ich als Polizist am morgigen Tag für den reibungslosen Ablauf des Berlinbesuchs von Präsident Kennedy mit verantwortlich war. Stimmten etwa die Gerüchte, und es war tatsächlich ein Attentat auf den Amerikaner oder gar auf den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt geplant? Hatte jemand diese Dame eingeschleust, um mich aus dem Weg zu räumen oder mich in meiner Wohnung festzuhalten, während einer der Attentäter meine Identität annahm? Wenn es so war, dann mußte ich das unbedingt verhindern! Aber wie nur? Ich wußte ja nicht einmal, ob die geheimnisvolle Frau noch Hintermänner hatte oder ob sie bewaffnet und gefährlich war. Ich beschloß also mit kühlem Kopf, ihr infames Spiel fürs erste mitzuspielen, zumindestens solange, bis sie eingeschlafen war und ich still und heimlich die Wohnung verlassen konnte.

      Und so legte ich mich wieder brav zu ihr ins Bett und sagte ganz ruhig: "Gute Nacht, Schatz!" Sie gab mir zur Erwiderung noch einen sanften Kuß auf den Mund, dann drehte sie mir wieder den Rücken zu und schlief ein. Ich lag derweil ganz ruhig, hatte die Hände ineinandergefaltet und starrte im Dunkel an die Zimmerdecke. Ja, das machte Sinn. Sicher hatte man mir am Vorabend irgendwie in einem unachtsamen Moment ein Schlafmittel in das Bier, das ich jeden Abend in meiner Stammkneipe zu mir zu nehmen pflegte, getan. Das würde auch die Benommenheit von vorhin erklären. Dann hatte man sich Zutritt zu meiner Wohnung verschafft und die Frau dort einfach neben mich ins Bett gelegt. Und nun sollte sie auf mich aufpassen, während der oder die Attentäter an meiner Stelle seelenruhig ... aber nicht mit mir, meine Damen und Herren. Ich lauschte und hörte das ruhige, regelmäßige Atmen der Frau neben mir. Sie schlief. Zur Sicherheit wartete ich noch ein paar Minuten, dann stand ich ganz leise auf, nahm meine bereitliegende Kleidung vom Stuhl in der Ecke und zog mich vorsichtig im dunklen Flur an. Ich schlich zur Wohnungstür und drückte die Klinke behutsam nach unten.

      Mist, die Tür war verschlossen. Kluger Schachzug, meine Dame! Aber nicht klug genug. Was sie nämlich nicht ahnen konnte, war, daß ich in der obersten Schublade der Flurkommode unter meinen Winterhandschuhen stets einen Zweitschlüssel zu liegen hatte. Ich holte ihn hervor und schloß damit ganz vorsichtig die Tür auf. Eine Minute später stand ich im Hausflur und lauschte. Es war nichts zu hören. Anscheinend gab es hier wieder meinem Erwarten erstmal keine weiteren Komplizen von ihr. Langsam schlich ich die Treppen herunter und begab mich auf die Straße. Ich machte mich auf den Weg zu meiner Polizeiwache in der Davidsstraße 110. Dabei versuchte ich, mich möglicht unauffällig zu verhalten. Einige der vorübergehenden Passanten beäugten mich dennoch ein wenig mißtrauisch, aber ich blieb gelassen und ging einfach stur geradeaus blickend weiter. Nur nicht nervös werden. Ich mußte meine Jungs in der Wache warnen! Ich mußte den Bürgermeister und den Präsidenten retten! Das war mein erstes und einziges Ziel!

      Endlich erreichte ich das spärlich beleuchtete Polizeigebäude und atmete auf. Geschafft! Ich betrat den Wachraum und ging auf den jungen Beamten hinter dem Schalter zu. Nanu, den kannte ich ja gar nicht?! Aber naja, mein Chef hatte ja bei der Dienstbesprechung am Nachmittag verkündet, daß unsere Dienststelle angesichts der besonderen Situation, die der Kennedy-Besuch darstellte, Unterstützung von anderen Revieren bekommen sollte. Ich stellte mich also vor dem Schalter auf und meldete kurz und bündig: "Herr Wachtmeister, Hauptkommissar Ment hat eine wichtige Mitteilung zu machen, die sich entscheidend auf die Sicherheit des Regierenden Bürgermeisters und seines hohen amerikanischen Gastes auswirken könnte". Der Wachtmeister hinter dem Thresen musterte ihn von oben bis unten. Dann grinste er ein wenig blöd und meinte: "Ah ja, der Herr Hauptkommissar. Zu so früher Stunde schon dienstlich unterwegs. Was gibt es denn so Eiliges?" Ich war ein wenig verdutzt. Daß der das so leicht nahm?! Naja, die Jugend von heute eben! Und so setzte ich meine Meldung fort: "Jemand hat mich wahrscheinlich betäubt und mir anschließend eine wildfremde Frau in mein Bett gesteckt, die nun behauptet, mit mir verheiratet zu sein. Ich nehme an, sie soll mich an der Ausübung meiner heutigen Dienstaufgabe hindern. Vermutlich ist auch schon jemand an meine Stelle getreten und hat meine Identität angenommen, um ungehindert an unseren Staatsbesuch herankommen zu können. Es geht wahrscheinlich um das befürchtete Attentat auf Präsident John F. Kennedy!" Der junge Beamte wurde plötzlich ernst und nachdenklich: "Ja, wenn das so ist. Sie warten bitte hier, ich informiere nur rasch die entsprechenden Stellen!" Damit lief er ins Hinterzimmer ans Telefon. Er wählte eine längere Nummer und sprach dann minutenlang ganz aufgeregt in den Hörer hinein. Anschließend tätigte er noch einen zweiten Anruf und kam dann in die Wachstube zurück. Er klopfte mir freundlich auf die Schulter und meinte: "Prima, Herr Hauptkommissar. Unsere Leute sind gleich hier und nehmen Sie dann mit zur weiteren Einsatzbesprechung".

      Fünf Minuten später betraten drei kräftige Männer in Rot-Kreuz-Montur die Wache. Sie tuschelten kurz mit dem Wachtmeister und postierten sich dann um mich herum. Einer von ihnen ergriff meine Hand und sagte: "Herr Ment? Ich bin Doktor Zwinger. Und die Herren zu meiner Rechten und Linken würden Sie jetzt gern einmal mitnehmen. Ihre Frau haben wir auch schon mitgebracht, die wartet in unserem Krankenwagen auf Sie. Legen Sie sich doch bitte mal auf die Trage". Mit diesen Worten gab er zwei weiteren Männern in weiß vor der Tür ein Zeichen, die dann eine Krankentrage hereinbrachten. Jetzt verstand ich das Grinsen des vermeintlichen Wachtmeisters vorhin! Das Ganze war eine großangelegte Verschwörung zur Ermordung Kennedys. Und alle steckten mit drin: meine sogenannte Frau, der ach so freundliche Beamte hinterm Schalter und diese ganzen als Mitarbeiter des Roten Kreuzes verkleideten Mistkerle. Ich wehrte mich verzweifelt mit Händen und Füßen, aber es half nichts. Gegen diese Übermacht konnte ich einfach nichts ausrichten. Und so landete ich binnen weniger Sekunden gefesselt an Händen und Füßen auf der Krankentrage und anschließend im Rettungswagen, der mit mir davonbrauste.

      Im Krankenwagen wurde mir sofort eine gelbliche Flüssigkeit über eine Spritze injiziert, die mich augenblicklich wieder ruhig und müde machte. Das Letzte, was ich vorm Einschlummern noch sah, war jene mir fremde Frau, die sich als meine Ehefrau ausgab und nun leise weinend meine Hand hielt. So ein durchtriebenes Luder, weint sogar ... man könnte denken, sie sei ehrlich besorgt um mich. Was wird jetzt bloß aus den gefährdeten Staatsmännern. Hoffentlich gelingt es, den gemeinen Anschlag noch rechtzeitig zu vereiteln ... Das war mein letzter Gedanke, dann wurde es dunkel um mich ...

      ---

      Gestatten, daß ich mich vorstelle?! Mein Name ist Sven Schindler, und ich trete in meinen Geschichten sonst eigentlich niemals so direkt in Erscheinung wie gerade eben jetzt und hier. Aber an dieser Stelle tue ich es dennoch, denn es ist wohl niemand geeigneter, die Geschichte des Herrn Ment weiterzuerzählen als ich. Es ist eine recht traurige Geschichte, wie Du gleich bemerken wirst. Ich darf doch Du sagen, ja?! Vielleicht noch ein paar kurze Worte zu meiner Person: Ich arbeite seit nunmehr 12 Jahren als Hilfskraft in der Altenpflege. Meine Hauptaufgabe besteht dabei darin, älteren Menschen bei der Meisterung ihres Lebensalltags zu helfen - sie zu wecken, ihnen beim Aufstehen zu helfen, sie beim Waschen zu unterstützen, sie einzucremen, sie anzukleiden, ihr Essen vorzubereiten und auszuteilen und es gegebenenfalls auch zu verabreichen, mit auf die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente zu achten und darauf daß sie ausreichend essen und trinken, sie zur Toilette zu begleiten oder ihnen die Windeln zu wechseln, sie zu beschäftigen und mich mit ihnen zu unterhalten, sie auszukleiden, ihnen beim zu Bett gehen zu helfen und ihren möglichst ungetrübten Nachtschlaf zu bewachen ... und das sind nur die wichtigsten all jenr Aufgaben, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit zu erledigen habe. Es ist eine körperlich wie seelisch anstrengende, und dennoch eine schöne und dankbare Arbeit - besonders dann, wenn man als Lohn ein Lächeln oder ein Lob aus dem Munde eines seiner Schutzbefohlenen erntet. Doch genug von mir und zurück zu Herrn Ment ...

      Herr Dieter-Erich Ment wurde am 07. August 2009 im Alter von 72 Jahren in das Pflegeheim am Rande Berlins gebracht, in dem ich arbeite. Ich höchstpersönlich habe das Türschild an seinem Zimmer angebracht, daß nicht nur seinen Namen wiedergibt, sondern auch seine Hauptkrankheitsdiagnose: "D.E.MENT". Aufgrund jener Erkrankung, die viele verschiedene Bezeichnungen und Formen hat, fehlt Herrn Ment das Kurzzeitgedächtnis. Er vergißt Dinge, die er eben gerade getan hat. Und er erinnert sich dafür an deren Stelle an Dinge, die sehr lange zurückliegen, so als seien sie eben gerade erst passiert. Herr Ment lebt somit in seiner ganz eigenen Welt, und die liegt stets ein kleines oder auch mal ein größeres Stück weit in seiner Vergangenheit. Als er zu uns kam, war es in dieser Welt wohl gerade der 26. Juni 1963, der Tag des Berlinbesuchs vom damaligen Präsident John Fitzgerald Kennedy. Herr Ment glaubte fest und unverrückbar daran, daß er ein im Dienst befindlicher Hauptkommissar der Berliner Polizei sei. Er drohte bei seinem Eintreffen, die ganze Verschwörung auffliegen, uns alle verhaften und lebenslänglich wegsperren zu lassen. Außerdem schrie er die ganze Zeit lauthals um Hilfe und wollte unbedingt und auf der Stelle mit dem Regierenden Bürgermeister von Westberlin Willy Brandt telefonieren. Schließlich ginge es um Leben und Tod. Dieser Bitte von ihm konnte ich leider nicht entsprechen, hatte ich doch höchstpersönlich schon Jahre zuvor im Oktober 1992 mich vor seinem Sarg verbeugend Abschied von jenem ehrenvollen deutschen Politiker genommen.

      Stattdessen versuchten wir als Pflegepersonal, Herrn Ment erst einmal zu besänftigen und ließen dann einen Arzt kommen, der ihm etwas zur Beruhigung gab. Nach ein paar Wochen hatte sich Herr Ment schon recht gut bei uns eingelebt. Nur hin und wieder wollte er noch nach Hause zu seinen Eltern in die kleine Wohnung am Danziger Hafen. Aber er freute sich jeden Tag, wenn seine Frau ihn besuchen kam, auch wenn er sie dabei stets für seine Mutter hielt und mit Minna ansprach. Bei der Suche nach seinem Zimmer und der Toilette muß ich ihm freilich jeden Tag aufs Neue behilflich sein. Und daß er nun für immer hier wohnt, will er mir meistens auch nicht so ganz abnehmen. Aber er bleibt dabei zumindest immer sehr höflich und freundlich. Nur ein einziges Mal noch habe ich den lieben, alten Herrn zornig und mit geballten Fäusten erlebt ... an jenem Tag, an dem ein Nachrichtensender im Fernsehen eine Dokumentation über das Kennedy-Attentat vom 22. November 1963 im texanischen Dallas ausstrahlte. Da meinte er dann mit Tränen in den Augen leise zu mir, er hätte das vielleicht verhindern können, in jener Nacht in der er erwachte - durch ein Licht in der Dunkelheit ...
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    • he, he, he ... du scheinst ja im moment nur so vor ideen zu sprudeln ... :respekt:

      ... schön, dass du diese mit uns teilst :04:

      ich liebe ja deinen schreibstil, immer flüssig zu lesen und immer mit einer portion (schwarzen) humor. dein neustes werk hat wieder von allem etwas, und diesmal spielst sogar du eine rolle. grandios finde ich ja mal deine wortspielerei d.e.ment ... es liegt einem so klar und deutlich vor augen, aber ich würde nie auf so etwas kommen, und ich bewundere jeden, der/die ein talent dafür hat.

      vielen dank für deinen neusten streich ... und der nächste folgt zugleich!?

      l.g.

      skinhunter
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      Mit einem freundlichen Wort und einer Kanone kommt man viel weiter als nur mit einem freundlichen Wort. (Capone)
    • Ja bei unserem Sven sprudeln die Ideen wirklich nur so. Auch von mir :respekt:
      Hat mir wieder super gut gefallen. Und jetzt kommst Du schon selbst darin vor. Und die Wortspielerei d.e.ment ist echt klasse. :thumbs02: Ich weiß ja, dass Du sowas sehr gerne machst. ;) Also gib uns ruhig noch mehr davon. :thumbup:
      Ich hoffe auch, dass noch weitere Streiche folgen und vielen lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • skinhunter schrieb:

      ich liebe ja deinen schreibstil, immer flüssig zu lesen und immer mit einer portion (schwarzen) humor. dein neustes werk hat wieder von allem etwas, und diesmal spielst sogar du eine rolle. grandios finde ich ja mal deine wortspielerei d.e.ment ... es liegt einem so klar und deutlich vor augen, aber ich würde nie auf so etwas kommen, und ich bewundere jeden, der/die ein talent dafür hat.
      Danke für das Kompliment. Ich bin meinem Schöpfer auch sehr dankbar, daß er mich mit dieser von Dir sehr treffend beschriebenen Gabe zum Beobachten und teilweise humorvollen (Um-)Schreiben so reich beschenkt hat. :cool1:

      Saxi schrieb:

      Ja bei unserem Sven sprudeln die Ideen wirklich nur so. Auch von mir :respekt:
      Hat mir wieder super gut gefallen. Und jetzt kommst Du schon selbst darin vor. Und die Wortspielerei d.e.ment ist echt klasse. :thumbs02: Ich weiß ja, dass Du sowas sehr gerne machst. ;)
      Tja, was soll ich sagen: In puncto Autorenkenntnis bist Du eben den anderen hier im Forum ein kleinwenig voraus. Auch wenn ich sagen muß, daß es inzwischen auch andere Forumsmitglieder ganz gut verstehen, hinter meine tw. sehr verwirrenden Ideen und Gedankensprünge zu steigen. Wie dem auch sei: ich hoffe natürlich auch, daß mir recht bald wieder ein neuer Geistesblitz die Idee zu einer weiteren Kurzgeschichte bringt. Und bis dahin werde ich mich eben ganz meiner Faust-Buchbesprechung und den "Zwei Frauen am Zug" sowie ihrer inzwischen sehr umfangreichen Umgebung widmen.

      Also, in diesem Sinne: Man(n) [und Frau natürlich auch] liest sich! :daumen:

      EDIT: Und das geht manchmal schneller als gewollt. Aber diesmal muß ich schreiben, solange der Eindruck noch frisch und unverbraucht ist. Also nicht lang gefackelt, hier kommt Kurzgeschichte Numero 2! :daumen:



      Die Geschichte, die ich hier erzähle, ist reine Fiktion. Sie entspringt einem meiner verrücktesten Träume. Sie hat nichts mit 24 zu tun, und man darf von ihr - wie von fast jedem meiner Träume - vor allem zwei Dinge nicht erwarten: zum einen normale menschliche Logik und zu zweiten ein Ende, das diesen Namen verdient hätte. Seid gespannt und glaubt mir, wenn ich Euch sage: Die Ängste, die den Haupthelden gleich befallen werden, die hat auch der Autor als der Träumende zu 100% am eigenen Leib durchlebt! ... Aber lest selbst. Ich wünsche Euch fürs erste viel Vergnügen und spannende Unterhaltung. Über Kommentare und Kritik würde ich mich natürlich wie stets unheimlich freuen!

      Geburtsstunde der Angst


      Dunkelheit umgab uns inmitten des von allen Menschenseelen verlassenen Waldgebietes, in dem wir uns befanden. Nur der Vollmond und der klare, wolkenlose Himmel verhinderten, daß wir gänzlich im Finstern standen. Der einzige Weg, der die dichten Baumreihen durchbrach, bildete einen in sich geschlossenen Kreis, an dessen äußerem und innerem Rande in unregelmäßigen Abständen hier und da ein einzelnes längst verlassenes Haus oder aber auch das eine oder andere alte, lieblos abgestellte Autowrack herumstand. Ein kräftiger, eisiger Wind war aufgezogen und hatte neben der klirrenden Kälte auch Nieselregen mitgebracht, der uns zusätzlich um die Ohren pfiff und sowohl auf den Weg als auch auf unseren aufgeregten Gesichtern einen kleinen Eisfilm zu hinterlassen begann.

      Aber vielleicht sollte ich erst einmal aufklären, wen ich meine, wenn ich hier gleich zu Beginn andauernd von wir rede. ICH, nun ja - das bin ich: Sven, 37 Jahre alt und eigentlich ein ganz normaler, recht unauffälliger Mann mit einem sehr unspektakulären, normalen Leben. Aber wie ich eben schon sagte: nur eigentlich! Heute nämlich nicht - ganz und gar nicht, wie sich noch herausstellen sollte. Denn ich stand hier in der klirrenden Kälte jenes nächtlichen Waldes mit einer geladenen und entsicherten Pistole in der zitternden rechten Hand, jederzeit bereit zu schießen, auf alles, was sich mir oder IHR und vor<allemIHM feindlich nähern könnte. IHR - das ist sie: Michaela, die taffe Frau an meiner Seite im sexy schwarzen Lederoutfit. Eine Männerphantasie im Stile von Catwoman halt, nur ohne Maske, dafür aber mit einem herrlich süßen, unschuldigen Gesichtchen, das nur noch verführerischer wird, wenn sie lächelt. Aber im Moment ist Michaela zu angespannt, um zu lächeln. Im Moment steigt sie nämlich in einen schneeweißen Flitzer, der auf der Straße bereitsteht und dessen laufender Motor unter ihren erfahrenen Händen nun selbst zu fauchen beginnt wie ein wildes Kätzchen. Aber ich schweife ab, ist doch die Auflistung der erwähnten Personen noch nicht vollständig. Schließlich bleibt da noch das erwähnte IHM.

      Tja, und hier endet bereits jede normalmenschliche Logik in meiner kleinen Erzählung. IHM, das ist nämlich das kleine, unschuldige Baby, das da seit nunmehr neun Monaten im Bauch heranwächst, und das sich gerade diese ungemütliche, unheilvolle Nacht ausgesucht hat, um ans Licht - oder sollte ich in dem Fall lieber sagen: ans Halbdunkel - dieser Welt zu gelangen. Nun werdet Ihr sicher sagen: Ja, aber so eine Schwangerschaft ist ja auch nichts so Unlogisches oder Außergewöhnliches - selbst unter diesen Umständen. Klar, da gäbe ich Euch ja Recht, wenn das kleine, ungeborene Wesen auf der Suche nach dem Ausgang nicht gerade in diesem Moment frech und ungestüm von innen gegen MEINE stark gewölbte Bauchdecke trampeln würde.
      Ich hab ja keine Ahnung, wie es den Männern unter Euch gehen würde, aber ich hatte jedenfalls fürchterliche Angst. Zum einen vor den Schmerzen der Geburt - die schon als unbeteiligter Zuschauer nicht unbedingt schön mit anzusehen sind, wie ich aus eigener Erfahrung nur allzu gut weiß - und zum anderen vor der anstrengenden Prozedur an sich. Wann um alles in der Welt sollte ich denn nun pressen und wann atmen. Man(n) sollte eben ruhig sicherheitshalber doch einen Geburtsvorbereitungskurs mitmachen und sei es nur, damit man(n) für solche Ausnahmeträume wie den meinen dann entsprechend vorbereitet ist.

      Doch zurück von mir und dem IHM in mir sowie zu ihr, und dem IHM vor ihr. Da war nämlich noch jemand: der Grund, warum ich immer noch die Waffe in der Hand hielt und der, warum Michaela so blitzschnell in den roten Wagen geklettert war. ER, das war ein schrecklich finster dreinblickender Typ mit einem Dreitagebart, dessen Stoppeln ebenso kurz waren wie der Rest der pechschwarzen Haare auf seinem kurzgeschorenen Schädel. Sein Name war Antonio, und er war die Verkörperung des Bösen. Ein Kerl, der ohne ein Wimpernzucken über Leichen ging - wenn es sein sollte, dann heute Nacht auch über die unseren. Bei diesem skrupellosen Tier zählte nicht einmal die Tatsache, daß ich hochschwanger war, dessen war ich mir absolut sicher. Wie dem auch sei: Jener Antonio war in seinen schwarzen Aston Martin DBS gestiegen und hatte inzwischen ebenfalls den Motor gestartet. So standen sich die beiden Autos nun gegenüber, sich mit ihren Lichtkegelaugen böse anleuchtend und ihre Räder raubtierkrallenähnlich in den Sand drückend - jederzeit zum Sprung bereit.

      Antonio machte schließlich mit seinem Wagen den Anfang, aber er fuhr wider Erwarten erst ein paar Meter zurück und schlug dann einen kräftigen Haken, der sein Auto erst wieder zum Stehen kommen ließ, als es sich einmal komplett gedreht hatte und nun dieselbe Fahrtrichtung einschlug wie Michaelas Jaguar. Jener hatte sich bis jetzt noch völlig ruhig verhalten, sich keinen einzigen Zentimeter weit bewegt. Und auch nun wartete er - wartete darauf, daß Schwarz den nächsten Zug machen würde. Und Antonio verstand diesen Wink. Mit quietschenden Reifen startete er seine Fahrt auf der Rennbahn, zu der er sich den nahezu kreisrunden Weg nun endgültig auserkoren hatte. Michaelas strahlendweißes Flitzerchen tat es ihm nur Sekundenbruchteile später gleich - und so ging das Rennen Schwarz gegen Weiß und Gut gegen Böse in die erste Runde.

      Irgendwie hatte ich so gar keine Lust, dabei einfach nur den unbeteiligten Zuschauer zu spielen, der abwartet, wer gewinnt - um dann schlußendlich dem Sieger mit offenen Armen entgegenzurennen - je nach Ausgang mit einem Kuß auf die Wange oder einer tödlichen Kugel belohnt. Und so lief ich vorsichtig ein paar Meter weiter am Rande der Rennstrecke entlang bis hin zu einem der abgestellten Autowracks. Im wahren Leben hätte ich - gerade in meinem derzeitigen Zustand - sicher keine Chance gehabt, das Wrack auf die Straße bewegt zu bekommen. Aber wir waren ja hier nicht im wahren Leben, sondern in meinem Traum, und da ging, was ich wollte - allen physikalischen Gesetzen zum Trotz. Das kleine Blechmonster war sogar federleicht, was mich sogleich zum nächsten Autowrack auf der gegenüberliegenden Seite des Wegs laufen ließ, um hier die Demonstration meiner ungeheuren Stärke gleich noch einmal zu wiederholen. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich so im Alleingang eine exzellente Straßensperre aufgebaut, vor der auch Antonios schwarzer Sportwagen ganz gewiß Halt machen mußte. Und so wartete ich nun, die Pistole im Anschlag, auf den unvermeidlichen Boxenstop des mörderischen Fieslings - wobei ich gleichzeitig beide Daumen drückte, daß Michaela ihn nicht schon mit ihrem weißen Flitzer überholt hatte.

      Das Daumendrücken hatte geholfen, Antonio raste unangefochten als Erster ganz in sein schwarzes Blech gehüllt ungebremst auf meine Barriere zu. Nur noch wenige Meter trennten ihn vom unschönen Aus seiner noch ach so jungen Rennfahrerkarriere. Aber der durchtriebene Mistkerl bekam in letzter Sekunde noch die Kurve. Er riß das Lenkrad herum und bretterte nun mitten durch die dichten Baumreihen des inneren Waldkreises, wo ihn ein paar Sekunden später ein Baumstamm unsanft stoppte. Michaela, die ihm die ganze Zeit auf den Fersen gewesen war, sprang aus ihrem inzwischen zum Stehen gebrachten Wagen und zückte nun ebenfalls die mitgeführte Pistole aus der Tasche ihres Ledernanzugs heraus. Dann rannte sie auf das verunglückte Schrottauto Antonios zu, das mit seiner starkverbeulten schwarzen Hülle bereits dem Anlaß seines traurigen Ablebens passend gekleidet war. Sie öffnete mit einem kräftigen Ruck die Tür auf der Fahrerseite und leuchtete mit einer mitgebrachten Taschenlampe in die nur leicht zusammengeschrumpfte Fahrerkabine hinein. Ich, der ich nach Luft ringend inzwischen ebenfalls an der Unglücksstelle angelangt war, schaute im selben Augenblick von vorn durch die zersplitterte Windschutzscheibe ins Autoinnere. Und für einen Moment lang stockte uns nun Beiden der Atem ... denn der Fahrersitz war leer, und Antonio scheinbar im Dickicht des Waldes verschwunden.

      Michaela gewann recht schnell ihre Fassung zurück und erkannte, in welcher Gefahr wir uns doch jetzt befanden. Sie packte mich mit ihren eisigen Fingern bei meiner zitternden Hand und riß mich mit einem kräftigen Ruck aus meiner ängstlichen Erstarrtheit heraus. Dann rannten wir Hand in Hand auf die Mitte des Waldwegs zurück, wo wir uns sogleich in stummer Übereinkunft Rücken an Rücken stellten, die Waffen nach vorn gerichtet und uns langsam im Kreis zu drehen begannen, um so nach Möglichkeit jederzeit die gesamte Umgebung fest im Blick zu haben und bereit zu sein, wenn jener skrupellose Schuft aus dem Schutze des Waldes zurückkehren würde, um seine mörderischen Pläne an uns Dreien zu vollenden. Daß er zurückkehren würde, daran bestand für keinen von uns Beiden je ein Zweifel. Noch nie hatte ein Profikiller wie er seiner von langer Hand vorbereiteten Mordanschläge unvollendet abgebrochen. Und so drehten wir uns weiter langsam und voller Angst im Kreis um uns selbst, während sich in meinem fruchtbaren Leib ein kleines Menschenkind - unaufhaltsam und nichts ahnend von all dem Bösen und Furchteinflößenden dieser Welt hier draußen - auf seine Geburtsstunde vorbereitete, die im schlimmsten Falle auch gleichzeitig die Stunde des Todes für uns alle zusammen sein würde ...

      [ENDE]
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von sven1421 ()

    • Ja was hast Du denn da alles zusammengeträumt. :03:

      Erst bist Du schwanger und dann noch nächtliche Verfolgungsjagdenund dann hebst Du auch noch in Deinem Zustand Autos durch die Gegend als obs nichts wär. Also sowas Verrücktes kann man ja wirklich nur träumen. :thumbs02:
      Vielen lieben Dank, dass Du uns auch mal an Deinen Träumen teilhaben läßt. :danke:

      Ich hoffe, dass Du mit Deinen Kurzgeschichten weitermachst. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Nächste. :freudentanz:

      Übrigens das Banner zu dieser Geschichte finde ich super. :thumbs02:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • @Saxi: Freut mich, daß Dir meine Geschichte und das passende Banner gefallen haben. Letzteres hat übrigens beim Erschaffen weit länger gebraucht als die Geschichte selbst, aber auch ich fand am Ende, daß sich der Einsatz absolut gelohnt hat. Und was die Kurzgeschichten angeht, damit werde ich auf alle Fälle weitermachen. Ist halt immer mal wieder was für zwischendurch ... Und vor allem macht das Schreiben tierisch Spaß. Ich spinn doch nunmal so gern ... :daumen:

      EDIT: Nach längerer Kurzgeschichtenpause mal wieder etwas Neues von mir, diesmal eine kleine Dichtung zu einem ernsten Thema:

      Der Tod

      Finger und Zehen färben sich blau,
      weil das Rot des Blutes sie nicht mehr erreicht.
      Haut wird blaß und kalt,
      weil Strahlen und Wärme den Körper verlassen.

      Atem beginnt zu schnappen,
      zu schnappen nach Luft.
      Es gelingt ihm nicht mehr, sie einzufangen,
      denn sie geht ihm langsam aus.

      Gedanken fliegen, schweifen hin und her,
      Erinnerung läßt Leben Revue passieren.
      So vieles scheint unerledigt geblieben.
      Doch Zeit wird knapp, viel zu knapp.

      Ängste greifen nach einem letzten Strohhalm.
      Ein Funke Lebenswille, aus Todesfurcht geboren.
      Puls wird flacher, Augen schließen sich, Geist schwindet ...
      Und der seelenlose Leib heißt den Tod willkommen.

      Menschen bleiben zurück, stehen am Grab,
      Tränen füllen die Augen, Trauer macht stumm.
      Die Frage nach dem Warum schwebt unausgesprochen im Raum
      und bleibt unbeantwortet bis zum Jüngsten Tag.

      Ist in dieser Form so etwas wie mein erster Versuch. Bin mal gespannt, wie Ihr es findet?!

      EDIT: Nach meinem leicht düsteren Ausflug in die Dichtkunst, heute am Neujahrstag mal wieder ein wenig Erhellendes:

      Neujahrsreflektion

      Die Tür zum alten Jahr war endgültig ins Schloß gefallen und ließ sich nicht mehr öffnen - nie mehr. Das Tor zum neuen war aufgestoßen, aber noch scheute ich mich, hindurchzutreten. Was würde mich dahinter erwarten? Gutes? Schlechtes? Wer konnte das schon vorhersagen?

      Meine Gedanken flogen zurück. Wer hatte es denn 365 Tage zuvor sagen können, was da wohl alles auf mich zukam?! Hätte ich denn jemals zu ahnen vermocht, daß ich einen Chef bekomme, der seine Untergebenen von oben herab wie Dreck behandelt und der in den wenigen Monaten seiner skrupellosen Regentschaft vieles von dem zunichte zu machen vermag, was wir zuvor in vielen Jahren mühevoll an Vertrauen und Teamgeist aufgebaut hatten?! Und auch, daß er nach einem Wechsel seines Vorgesetzten ganz schnell wieder von der Bildfläche verschwindet, hatte ich zwar lange insgeheim gehofft, aber doch kaum zu träumen gewagt. Und auch, daß es privat eher eine Achterbahnfahrt der Gefühle und bitteren Erkenntnisse werden würde, das wußte ich vor einem Jahr noch nicht.

      Ich stellte das Glas roten Traubensaft beiseite, mit dem ich mir um Punkt Mitternacht einsam vorm Computer selbst zugeprostet hatte. Und mein Blick fiel auf meine Hände, die in den letzten zwölf Monaten vieles vollbracht hatten. Menschen hatten sie gepflegt, viele Menschen - einige von ihnen bis an die Schwelle des Todes, andere im ständigen Wechsel zwischen Freude und Trauer, Klarheit und Verwirrung, Angst und Wut. Und sie hatten immer wieder getippt - auf Tasten getippt. Tasten am Telefon, die Nummern wählten und SMS verschickten - Kontakt suchend zu anderen Menschen. Ein Wort loswerden, manchmal auch ein paar mehr - ja, darum war es bei all dem Tippen eigentlich immer gegangen. Meine Augen hatten freudig gefunkelt, wenn jemand auf diese Kontaktsuche reagierte - egal ob durch ein liebes Wort oder eine witzige Bemerkung. Auch eine gutgemeinte Kritik war mir stets mehr als willkommen. Traurig war ich nur manchmal, wenn jede Reaktion ausblieb. Aber auch damit muß man umzugehen lernen - jeder muß das, wenn er nicht verzweifeln will, auch ich.

      Ein "Prosit Neujahr" drang in diesem Moment von Ferne an mein Ohr. Ja, was hatten meine beiden Ohren nicht in den vergangenen 52 Wochen alles um die selbigen gehauen bekommen. Unzählige Geräusche, Worte ohne Ende und jede Menge Musik. Oh ja, Musik! Das Wunderbarste, was der Mensch je hervorgebracht hat. Sie vermag Dich in jeder Stimmung abzuholen und zu begleiten, und manchmal holt sie Dich auch aus einer schlechten Stimmungslage heraus - richtet Dich geradezu auf. Und in ganz besonderen Fällen stößt sie in Deinem Kopf einen Gedanken an, aus dem dann mehr wird ...

      Ja, so war das auch, als ich das Lied über "Die Frau im Zug" hörte. Eine Österreicherin hatte es gesungen, Simone Stelzer mit Namen. Da soll noch mal ein Piefke behaupten, unser Nachbarland bringe nur größenwahnsinnige Anstreicher hervor. So a Schmarrn! Keine Ahnung, wie ich an das Lied kam, es war auf einmal da und bohrte sich wie ein Ohrwurm einen Tunnel in mein aufnahmebereites Horchorgan. Und da stieß es ins Hirn vor, wo ein Gedankenfunke sogleich von Synapse zu Synapse hopste und schließlich alle zehn Fingerchen zum wilden Tastenspiel veranlaßte.

      Aus zwei Frauen, die sich zufällig im Zug trafen und in denselben Mann verliebt waren, entspann mein kleines Hirn eine Geschichte - eine kleine Geschichte, die schnell größer wurde. Mordsmäßig groß sogar. Ein Inspektor mußte her, der der Sache auf den Grund geht. Es mußte so einer sein, wie ihn mir die Erinnerung der Kindheit ins Hirn gebrannt hatte - einer im zerknautschten Regenmantel, stets auf der Suche nach Wahrheit und dennoch immer bemüht, die Geschichte hinter dem Fall zu finden und in all seinem Handeln Mensch zu bleiben. Ja, sich selbst treu bleiben, auch wenn die Vorschriften es verbieten, das war das Wichtigste - eine Goldene Bauer(n)regel, die mir eine ganz besondere Serie in ihren 7 mal 24 Folgen ins Poesiealbum meines Lebens geschrieben hatte.

      Die Geschichte nahm immer weiter an Umfang zu, plötzlich angetrieben von der eigenen Sucht danach, zu wissen, wie es weitergeht mit all den Personen - die von meinem Geiste geboren wurden. Wer von uns will schließlich nicht wissen, wie es mit seinen Kindern weitergeht? Und so wurde auch die Biografie des ermittelnden Beamten und seines Umfeldes immer umfangreicher. Und wie ein Vater durch seine Gene und die Erziehung seines Nachwuchses sich selbst in die Entwicklung des Kindes einbringt, so brachte ich auch mich mehr und mehr in den Inspektor ein. Und so wurde über die Wochen und Monate des emsigen Schreibens aus Svensson langsam immer mehr Svens Sohn. Was soll ich sagen? Nomen ist eben Omen!

      Das Große Tor mit der feurig am mitternächtlichen Himmel aufblitzenden 2010 geriet wieder in mein Blickfeld zurück. Alles klar - am Himmel wie auch in meinem Kopf. Ich bin bereit, ein kleiner Schritt - und schon steh ich mittendrin. Das Jahr 2010 begrüßt mich, und ich begrüße das neue Jahrzehnt. Was es mir bringen wird, ist jetzt gar nicht mehr so verschwommen wie noch vor wenigen Minuten. Ich werde meinen Inspektor weiterbegleiten in seinen Geschichten, immer weiter in die Tasten hauen, in freudiger Erwartung jeglicher Reaktion. Und wo sie ausbleibt, da werde ich auch weiterhin nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nur umso emsiger fortfahren mit der Kontaktsuche. Ich werde neue Kontakte aufbauen und alte pflegen. Ach ja, klar: Alte pflegen natürlich auch im wörtlichen Sinne. Die Pflegebedürftigen in meinem Heim warten ja schon sehnsüchtig darauf - auch 2010.

      Last but not least freu ich mich auf die Fortsetzung einer Serientat, die in diesem Jahr schon in die achte Runde geht und die mein Leben begleitet, inspiriert und verändert hat. Dafür bin ich Euch Beiden unendlich dankbar, und darum widme ich Euch auch diesen kurzen Einblick in meine kleine Neujahrsreflektion. Danke für alles, Mister Bauer und Twentyfour!

      Euer Sven - Vater & Sohn
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    • Also Deine Dichtung "Der Tod" ist sehr gut geschrieben aber auch sehr traurig. Und Du schreibst es so, wie es wirklich ist. Für so ein ernstes Thema wirklich gut getroffen. :respekt:

      Deine Geschichte "Neujahrsreflektionen" hat mir sehr gut gefallen. :clappingsmi3: Du gewährst uns wieder mal einen kleinen Einblick in Dein Leben. Angefangen von Deiner Arbeit über Deine persönlichen Empfindungen bis hin zu Inspektor Svensson. Also ich finde das sehr schön. :thumbs02:

      Ich hoffe doch, dass wir weiterhin ab und zu die ein oder andere Deiner Kurzgeschichten zu lesen bekommen. :thumbs02:

      Vielen lieben Dank, dass Du uns an Deinen Geschichten teilhaben läßt und Dir die Mühe machst sie für uns zu schreiben. :04: :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Also Deine Dichtung "Der Tod" ist sehr gut geschrieben aber auch sehr traurig. Und Du schreibst es so, wie es wirklich ist. Für so ein ernstes Thema wirklich gut getroffen. :respekt:
      Ist halt ein trauriges Thema, mit dem man in meinem Beruf viel Erfahrungen sammeln "darf". Gerade erst wieder an Heiligabend mußten wir uns von einer Bewohnerin verabschieden, ohne daß es vorher auch nur ein einziges Anzeichen dafür gab. Die Gute war zudem noch nicht einmal 70 Jahre alt. Und trotzdem geht rundherum das Leben weiter - im Heim wie auch privat. Aber ab und zu sollte man dann eben doch mal stille werden und ein wenig über die Vergänglichkeit nachsinnen. Das tut gut und reinigt die Seele. So eine Seelenwäsche ist dann eben auch mein Gedichtsversuch gewesen.

      Saxi schrieb:

      Deine Geschichte "Neujahrsreflektionen" hat mir sehr gut gefallen. :clappingsmi3: Du gewährst uns wieder mal einen kleinen Einblick in Dein Leben. Angefangen von Deiner Arbeit über Deine persönlichen Empfindungen bis hin zu Inspektor Svensson. Also ich finde das sehr schön. :thumbs02:
      War halt gerade der rechte Moment für einen dichterischen Schnellschuß in Sachen Jahreswechsel. Auch hier wieder ein Stück weit Vergänglichkeit und die Frage nach dem, was bleibt. Was auf jeden Fall bleibt, sind meine Geschichten ... :cool1:

      Saxi schrieb:

      Ich hoffe doch, dass wir weiterhin ab und zu die ein oder andere Deiner Kurzgeschichten zu lesen bekommen. :thumbs02:
      Vielen lieben Dank, dass Du uns an Deinen Geschichten teilhaben läßt und Dir die Mühe machst sie für uns zu schreiben. :04: :danke:
      Ich danke Dir und all den anderen MitleserInnen fürs Lesen. Was wären meine Geschichten ohne die geneigten Augenpaare, die sie verschlingen. Nicht mehr als ein Schrei in der Wüste, der ungehört verklingt. Und keine Sorge: Das Schreiben ist für mich längst zu einem Mittel geworden, mich mit meinen Gedanken auseinanderzusetzen. Und so werden sicher auch 2010 noch einige Kurzgeschichten folgen, da bin ich mir ziemlich sicher! :daumen:

      EDIT: Neues Jahr - neue Kurzgeschichte! Mein erster frühlingshafter Waldspziergang der Saison hat mich zu einer kleinen paradiesischen Betrachtung inspiriert, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ist ein kleiner Spaziergang zwischen Himmel und Hölle draus geworden, aber lest nur selbst:

      Paradiesische Zustände

      Seelenruhig und gelassen schlenderte ich über einen weichen Wolkenteppich hinweg durch die Unendlichkeit einer strahlendweißen, hellerleuchteten Umgebung. Vor meinen Augen aber zeichnete in die Leere des Raumes hinein der Schöpfer hochstpersönlich mit unsichtbarem Pinsel in den lebendigsten Farben eine zauberhafte Waldlandschaft. Zu meiner Rechten waren die dichtstehenden Bäume in ein herbstlich buntes Laubkleid gehüllt, dessen herabgefallene Verwandschaft vetrocknend und in seiner Vergänglichkeit langsam zu Staub zerfallend den Erdboden komplett bedeckte. Zu meiner Linken hingegen grünte und blühte es frühlingshaft aus dem frisch aufgetauten Erdreich heraus. Den Astspitzen der kahlen Bäume entsprangen zaghaft klebrig hellgrüne Knospen und strebten dem Licht jener Sonne entgegen, die gemeinsam mit Mond und Sternen am Himmel stand und hochsommerliche Hitze ausstrahlte. Sie wärmte meinen gänzlich unbekleideten Körper, an dem hier weder ich noch meinen Weg kreuzende - gleichsam unverhüllte - Passanten in irgendeiner Weise Anstoß nahmen. Unter meine barften Füßen knirrschte bei jedem meiner unbeschwerten Schritte die - den Waldweg dünn bedeckende - Schneeschicht. Am Wegesrand aber saßen in unregelmäßigen Abständen Fuchs und Hase, Reh und Wildschwein, Katze und Maus, Hund und Igel einträchtig beisammen.

      Verschiedenartigste Vögel zwitscherten auf beiden Seiten des Wegs, und ich erkannte in ihrem mehrstimmigen Gesang sofort die unbeschwerte Melodie von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Außer diesem erquickenden Ohrenschmaus herrschte um mich herum himmlische Stille. Die Gedanken in meinem Kopf aber kamen und gingen gleichzeitig - eigene wie auch fremde. Kindlich verspielt tobten sie miteinander, wurden eins oder trennten sich nach kurzem leidenschaftlichen Diskurs freundschaftlich voneinander. Eine leises engelhaftes Frauenstimmchen drang plötzlich an mein Ohr. Es säuselte: "Werte Gottesgeschöpfe, versäumt bitte nicht die Gesprächsrunde zum Thema 'Einführung in die hohe Kunst des Dichtens und Schreibens' unter der Leitung der Herren Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Ernest Hemmingway. Treffpunkt ist heute um 14 Uhr Himmlischer Ewigkeitszeit auf Wolke 7. Als Dauer des lockeren Gedankenaustauschs sind zirka 20 Erdenjahre anberaumt. Momentan liegt die Teilnehmerzahl, der nach oben hin keine Grenzen gesetzt sind, bei 240.171 Himmelsbürgern". Ja, diese Gesprächsrunde reizte mich sehr. Denn wenn ich auch während meiner Erdentage Pflegehelfer von Beruf gewesen war, so hatte ich doch stets - von Kindesbeinen an - das Schreiben von Geschichten als meine eigentliche innere Berufung angesehen. Meine Lippen formten ein lautloses Ja und schon bestätigte dieselbe engelhafte Stimme meine Anmeldung zu dem literarischen Gesprächskreis. So einfach und problemlos gestaltete Kommunikation hier oben, waren wir doch alle als Gottes Kinder mit unseren Gedanken gleichsam über eine Art drahtloses Netzwerk mit dem zentralen Server Gott verbunden, so daß ein jeder jederzeit uneingeschränktes Gedankengut der gesamten Menschheit vom Beginn seiner Schöpfung an hatte.

      Ich atmete tief ein und aus, sog den Duft der reinen unverbrauchten Waldluft in mich ein. Das ewige Leben war einfach herrlich. Von einem oftmals jahrelangen Exkurs ging es zum nächsten, unterbrochen nur von mehrwöchigen Spaziergängen durch eine Landschaft, die man sich im Geiste frei wählen konnte. Ich hatte mir - wie schon früher zu Lebzeiten - den Wald zum Entspannen ausgesucht, andere wählten den Südseestrand, den Polarkreis oder das Hochgebirge.
      Besonders mein letzter Exkurs hatte es in sich gehabt: ein sechstägiger Ausflug zum Rande der Hölle unter der Reiseleitung von Herrn Dante Alighieri, der durch seine allseits bekannte "Göttliche Komödie" als Kenner der dortigen Szene galt. Auf einem Sonnenstrahlexpreß ging es hinab zum Rande der Finsternis.
      Und auch wenn uns als gläubigen Menschen der Zutritt zum inneren Kreis verwährt blieb, war das, was wir von oben her durch den Rauchabzug zu erspähen vermochten, grausam genug. Durch den ununterbrochenen Qualm hindurch, welcher einen ekelhaften Gestank von Fäulnis und Verwesung verbreitete, erblickten wir dreckige, blutverkrustete Gestalten, die man nur noch schwerlich als ehemals menschliche Wesen zu identifizieren vermochte. In dem Flammenmeer, daß ständig von den zahlreichen Brandstiftern und Feuerteufeln aller Zeiten am Brennen gehalten wurde, herrschten allerorts Folter, Kannibalismus, Vergewaltigung und Mord. Männer und Frauen schlugen sich gegenseitig die Schädel ein. Sie rissen sich mit den Krallen - die einst ihre Hände waren - die Haut in Fetzen vom Leibe und stachen sich mit ihren messerscharfen Fingernägeln die diabolisch blitzenden, kalt ins Leere starrenden Augen aus. Angetrieben wurden sie dabei von langhaarigen, gehörnten Monstern mit langen, vernarbten Schwanzen an ihren üppigen, mit riesigen Eiterbeulen übersäten Hinterteilen. Hinter jenen peitscheschwingenden, teuflisch lachenden Horrorgestalten aber knieten auf dem schlammbedeckten Untergrund ganz in schwarz gekleidete, totenbleich geschminkte junge Mädchen, die mit ihren blutroten Lippen ohne Unterlaß angewidert über die eitrigen Gesäße leckten.
      Selbst der an sich lustvolle Akt geschlechtlicher zwischenmenschlicher Liebe verkam an jenem unheilvollen Ort zur unreinen, abartigen Perversion. Überall suhlten sich nackte, in Schlamm und eigene Exkremente gehüllte, stinkende Menschenleiber - wildgrunzend ineinander verknäult. All diese gespenstischen Szenarien hatten etwas Tierisches, völlig Entmenschlichtes an sich. Über alldem aber spottete eine düstere Stimme unaufhörlich: "Es gibt keinen Gott! Der Mensch ist durch und durch verdorben. Und in seiner Verdorbenheit ist er dem ewigen Verderben geweiht!".
      Wie war ich innerlich froh und glücklich, als wir am Ende des sechsten Tages auf einem zweiten Sonnenstrahl die himmlische Heimreise antreten durften. Und ich dankte meinem Schöpfer während und nach meiner Heimkehr ununterbrochen dafür, daß er mich zum Glauben geführt hatte, durch den mir jenes höllische Schicksal ewiger Verdammnis erspart blieb.

      Ein heller Trompetenton riß mich in diesem Moment aus meinen dunklen Erinnerungen. Ein Engel verkündete den Anbruch der zweiten Nachmittagsstunde und damit den Beginn des literarischen Kreises. Fröhlich vor mich her summend machte ich mich auf den Weg zu Wolke 7. Und nach Ablauf der zwanzig Jahre würde ich mich dann gleich zum nächsten Kurs anmelden: "Die hohe Kunst des Betrachtens und Malens" unter der Leitung der Herren Albrecht Dürer und Michelangelo.

      Ja, meine irdischen Freunde, so könnte es aussehen - jenes himmlische Paradies, in das ich am Ende meines Erdendaseins eingehen werde. So oder so ähnlich ... oder aber vielleicht auch ganz anders ...

      [ENDE]
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    • Oje, ich habe ja ganz vergessen Deine Kurzgeschichte zu kommentieren, obwohl ich sie schon längst gelesen habe wie Du Dir ja denken kannst. :daumen:

      Na das war wirklich ein Spaziergang zwischen Himmel und Hölle. :daumen: Und was Du alles für Kurse und Gesprächsrunden gemacht hast und noch machen willst. Vor allem habe ich geschmunzelt bei der Dauer des Kurses von 20 Jahren. Und dann noch der ekelige 6tägige Ausflug zum Rand der Hölle. Also wahnsinn, darauf muss man erst mal kommen. :respekt: Ganz lieben Dank fürs Schreiben von dieser klasse Geschichte. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Oje, ich habe ja ganz vergessen Deine Kurzgeschichte zu kommentieren, obwohl ich sie schon längst gelesen habe wie Du Dir ja denken kannst. :daumen:
      Ist ja nicht weiter schlimm. Schön, daß meine kleinen Geschichten immer wieder erreichen, auch wenn nicht immer gleich ein Feedback kommt. :daumen:

      Saxi schrieb:

      Na das war wirklich ein Spaziergang zwischen Himmel und Hölle. :daumen: Und was Du alles für Kurse und Gesprächsrunden gemacht hast und noch machen willst. Vor allem habe ich geschmunzelt bei der Dauer des Kurses von 20 Jahren.
      Ja, mein erster Spaziergang war eben wahnsinnig anregend für meine Sinne und Gedanken. Und was die Kurslänge angeht: Man hat halt unendlich viel Zeit in der Ewigkeit. :)

      Saxi schrieb:

      Und dann noch der ekelige 6tägige Ausflug zum Rand der Hölle. Also wahnsinn, darauf muss man erst mal kommen. :respekt:
      Nun, die Hölle stell ich mir halt einfach mal als Summe alles abgrundtief Schlechten vor. Und so muß man nur seine abartigsten und grauenvollsten Vorstellungen vereinen, um mit Worten ein Bild dieses schrecklichen Ortes zu zeichnen. :ohm:

      Saxi schrieb:

      Ganz lieben Dank fürs Schreiben von dieser klasse Geschichte. :danke:
      Bitteschön! Freut mich, wenn es Dir gefallen hat. :cool1:

      EDIT:Es hat wieder ein paar Monate gedauert, aber der heutige Geburtstag einer guten Freundin und ein altes Märchen - das mir meine Oma abends immer vorgelesen hat - haben mich gemeinsam zu einer neuen märchenhaften Kurzgeschichte inspiriert, die ich meinen geschätzten Lesern nicht vorenthalten möchte, prägt ihr Leitgedanke doch quasi mein ganzes Leben ...

      Die Halle der Lebenslichter - Ein Märchen vom Gebruder Sven

      Es war einmal einmal ein Mann, der saß an seinem vierzigsten Geburtstag einsam und verlassen in seiner kleinen Wohnung und dachte über das Leben nach. Dabei beschäftigte ihn vor allem die Frage, ob es wohl einen Ort gäbe, an dem die Lebenzeit des Menschen festgelegt sei. Und wie er so darüber nachsann, da rückte unbemerkt die Nacht herein. Als die Glocke des nahegelegenen Kirchturms schließlich zwölf schlug, flackerte plötzlich gespenstisch das Licht in seinem Zimmer - und vor ihm erschien eine große düstere Gestalt, in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, mit unter einer Kapuze verdecktem, zu Boden blickenden Gesicht. Der Mann erschrak beim Anblick jenes Fremdes und wisperte ganz leise mit einem deutlichen Zittern in seiner Stimme: "Wer bist Du? Und was willst Du von mir?". Der Kopf des nächtlichen Besuchers erhob sich langsam, und unter der schwarzen Kapuze strahlte dem Mann im Halbdunkel des Zimmers aus einem nicht erkennbaren Gesicht ein Paar glutroter Augen entgegen. Dazu ertönte zeitgleich eine tiefe, furchteinflößende Stimme: "Mein Name ist Gevatter Tod. Und ich komme, um Dir Antwort zu geben auf jene Frage, die Dich in den letzten Stunden Deines Lebens so unheimlich in ihren Bann gezogen hat". Damit warf er seinen schwarzen Mantel um den wie versteinert in seinem Sessel hockenden Mann, um den herum es nun mit einem Schlage stockfinster wurde.

      Es kam dem verängstigten Mann wie eine Ewigkeit vor, bis sein Begleiter schließlich den Mantel wieder öffnete. Vor seinen Augen erschien dabei ein strahlend hell erleuchteter Saal, auf dessen Marmorfußboden Millionen von dicht an dicht stehenden Kerzen brannten. Einige von ihnen waren hoch, und ihre Flammen wiegten ganz sachte hin und her in dem leichten Hauch, der sie umspielte. Andere waren schon verloschen, so daß nur noch der kalte, schwarze Docht aus einer erstarrten, unansehnlichen Talgmasse hervorlugte. Wieder andere näherten sich eben jenem Ende, und ihre Flammen schlugen kämpferisch wild hin und her - gerade so, als wollten sie das unvermeidliche Schicksal ihres Ablebens damit herauszögern.

      Der Mann schaute dem Gevatter Tod tief in die düster funklenden Augen und fragte: "Wo sind wir hier? Was ist das für ein Ort?". Die Stimme des Todes aber antwortete kühl: "Dies ist die himmlische Halle der Lebenslichter. Jeder Mensch auf Erden hat hier seine eigene Kerze, die für die Dauer seines Lebens steht. Solange ihre Flamme ruhig leuchtend erstrahlt, lebt der Mensch. Sobald sie aber erlischt, endet damit auch das irdische Leben des Menschen, für den sie hier stellvertretend brannte". Und während der Tod noch so zu ihm rederte, da fiel der Blick des Mannes auf eine jener fast niedergebrannten Kerzen, deren schwindende Wachsmasse nur noch für ein paar Minuten Lebenszeit zu sprechen schien. Aufgeregt deutete er mit dem Finger auf die flackernde Lichtgestalt und wandte sich dabei wieder an seinen schwarzumhüllten Begleiter: "Sag mir, wem gehört dieses Lebenslicht, das so unaufhaltsam dem Ende zustrebt und dennoch in seinem verzweifelten Todeskampf so eine ungeheure Wärme und Leuchtkraft verbreitet". Der Tod schaute finster, dann sprach er: "Das ist eine sehr traurige Geschichte. Doch wenn es Dich so sehr interessiert, so sollst Du erfahren, wem dieses in Kürze verlöschende Lebenslicht gehört". Damit warf er erneut seinen Umhang um die Gestalt des Mannes und nahm ihm damit die Sicht.

      Wieder dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Umhang vor seinen Augen zurückgeschlagen wurde. Diesmal fand sich der Mann in einem kleinen dunklen Zimmer wieder. Mitten im Raum stand ein Bettchen, in dem ein etwa sechsjähriges Mädchen lag. Die Kleine hatte im Mondlicht, welches durch das Fenster hineinfiel, ein ganz bleiches Gesicht. Ihre Augen schienen matt und hatten all den Glanz verloren, welchen die unbeschwerten Kinderaugen gleichaltriger Mädchen normalerweise auszustrahlen vermögen. Sie atmete schwer, und auf ihrer Stirn standen dicke Schweißperlen. Erst jetzt bemerkte der Mann neben dem Bett einen kleinen Kinderstuhl, auf dem - in sich zusammengesunken - eine Frau saß, die dem Kind in diesem Moment mit einem Handtuch die kaltfeuchte Stirn abtupfte. Die Kleine aber wimmerte: "Mami, Mami, mir wird so kalt. Sag, muß ich jetzt auch sterben so wie der Papa im letzten Winter?". Die Mutter drehte ihren Kopf zur Seite und schluchzte: "Ach mein Liebes, mein armes Kleines, Du darfst mich jetzt nicht verlassen. Ich hab doch sonst keinen Menschen mehr auf der Welt". Das zitternde Händchen des Mädchens suchte auf dem Bettlaken die Hand der Mutter. Es fand und umfaßte sie, während das Mädchen kaum hörbar zu flüstern begann: "Aber liebste Mami, wein doch nicht! Ich bin doch dann beim Papa im Himmel. In dem wunderschönen Paradies, von dem Du mir damals so viel erzählt hast, als der Papa plötzlich nicht mehr bei uns war. Da warten wir dann beide gemeinsam auf Dich. Und wenn Du uns eines Tages dort besuchen kommst, dann feiern wir alle Zusammen ein großes Wiedersehensfest. Das ist doch schön, oder?!". Die Mutter wischte rasch mit dem Handtuch über ihr verweintes Gesicht. Dann ergriff sie mit der freien linken Hand das kraftlose kleine Händchen ihrer Tochter und sprach, sichtlich um Fassung ringend: "Ja, mein Schatz, das ist eine ganz wundervolle Idee. Genauso machen wir das - Du, der Papi und ich". Über das Gesicht des Mädchens huschte ein kurzes Lächeln, dann schlossen sich seine müden Augen.

      Mit einer Mischung aus Bestürzung und hilfloser Wut schaute der Mann auf den Gevatter zu seiner Rechten und schrie: "Wie kannst Du nur so ruhig dastehen? Warum tust Du denn nichts? Wiillst Du das arme kleine Mädchen seelenruhig sterben lassen und ihrer Mutter damit das Herz brechen?". Der Tod in seinem schwarzen Mantel aber zuckte nur kurz mit den Schultern: "Ich kann da gar nichts machen! So ist das Leben nunmal. Es kommt, und es geht - ein ewiger Kreislauf". Und damit ergriff der schwarze Mantel des Todes erneut Besitz von seinem leidenschaftlichen Ankläger und umnachtete ihn.

      Aus der Umhüllung freigelassen, sah sich der Mann nun wieder inmitten der hell erleuchteten Halle der Lebenslichter. Die Flamme auf dem Lebenslicht des Mädchens flackerte inzwischen wild hin und her, als der Mann daneben ein großes, ruhig brennendes Talglicht erblickte. Wieder schaute der emotional immer noch völlig Aufgewühlte dem Tod ins Angesicht und sprach: "Was geschieht eigentlich, wenn ich nun eines der großen Lichter hier nehme und es auf das verlöschende Lebenslicht des kleinen Mädchens aufsetze?". Die düstere Stimme des nahen Todes erwiderte: "Dann freilich wird das Mädchen so lange weiterleben, bis eines Tages das neue aufgesteckte Lebenslicht erlischt. Der Besitzer des anderen Lichts aber wird im selben Moment sein Leben verlieren". Der Mann erschrak sichtlich und dachte nach. Durfte er einfach so ein Leben beenden, um ein anderes zu retten?! Ratsuchend sah er den Gevatter zu seiner Rechten an, der aber sprach ganz unbeeindruckt: "Nun, es ist Deine Entscheidung. Aber Du mußt sie rasch treffen, denn es dauert nur noch wenige Sekunden, bis die Kleine ihren letzten Atemzug macht. Und dann kommt jede Rettung zu spät". Nervös sah der Mann abwechselnd auf das zitternde Flämmchen des kleinen Mädchens und die ruhige Flamme daneben. Es dauerte noch einige Momente, dann aber gab sich der Mann einen Ruck, ergriff das große Kerzenlicht und pflanzte es entschlossen auf das im Ausgehen begriffene Licht des kranken Kindes ...

      Wie von ferne vernahm der Mann mit großer Genugtuung noch im selben Augenblick den wundervollen Freudenschrei der Mutter am Bett ihrer wie durch ein Wunder plötzlich wieder genesenen Tochter, während sein eigener Körper zeitgleich inmitten der düsteren Einsamkeit seiner Wohnung tot zu Boden sank. Das kleine Mädchen und ihre Mutter aber verbrachten noch viele schöne Jahre ihres Lebens zusammen. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
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    • Ah, suuuuper mal wieder eine Kurzgeschichte von Dir. :thumbs02:

      Das ist eine schöne aber auch anrührende Erzählung. Und dieses Märchen kenn ich auch. :daumen:
      Also mir hat Deine Geschichte auf jeden Fall sehr gut gefallen. :thumbsup: Und vielen lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Das ist eine schöne aber auch anrührende Erzählung. Und dieses Märchen kenn ich auch. :daumen:
      Also mir hat Deine Geschichte auf jeden Fall sehr gut gefallen. :thumbsup: Und vielen lieben Dank fürs Schreiben. :danke:
      Wichtig ist mir bei meinen Geschichten ja immer, daß sie zu berühren vermögen. Wenn das gelingt, dann ist damit das Ziel auch schon erreicht! Danke für Deine herzlichen Worte! :daumen:

      EDIT: Mein Hausarztbesuch, bei dem ich ausgiebig Gelegenheit hatte, meinen Mitmenschen "aufs Maul" zu schauen, hat mich mal wieder zu einer kleinen kurzweiligen Geschichte inspiriert. Viel Vergnügen!

      ARZTBESUCH IN DER PRAXIS

      Im Gang zwischen der Anmeldung und dem Sprechstundenzimmer der Allgemeinmedizinerin Frau Dr. Buratino stand ein halbes Dutzend Patienten sorgsam zu einer Schlange aufgereiht. Ich war der Dritte in dieser losen Folge von mehr oder minder Wartewilligen. Meinen Eintrittspreis für dieses Event von 10 Euro hatte ich bei der etwas mürrischen Schwester am Tresen gelöhnt und die Quittung dafür in Form eines schwarzblau bedruckten Papierfetzens erhalten. Zudem hatte mich die Gute zähneknirschend und ein wenig kurz angebunden daran erinnert, daß für mich die Lebenszeit in Kürze abgelaufen sei - also eigentlich nicht meine, sondern die meiner Krankenversicherungskarte. Und nun stand ich also mit gekreuzten Beinen und vor dem Bauch verschränkten Armen da, lehnte meine Schulter gegen die kalkweiße Flurwand und studierte dabei so unauffällig wie möglich meine Leidensgenossen.

      Vor mir unterhielten sich zwei Oberstufenschüler eifrig darüber, wie man wohl der Doktorin am schnellsten und reibungslosesten einen Krankenschein aus der Hüfte leiern könne. Der Dünnere der beiden Knaben schwor auf eine vorgespielte Grippe mit Husten, Schnupfen und mindestens 44,4 Grad Fieber. Der andere aber meinte nur abwinkend, diese Symptome habe er schon vor der letzten Matheklausur vorgetäuscht, und es sei jetzt mal Zeit für was Neues. Durchfall und Erbrechen wäre nicht schlecht, er müsse vorher nur noch das Blaßausschaun üben. Der Schlanke nickte eifrig und zog aus seiner Hosentasche eine zerknüllte Fotografie hervor. Dazu klopfte er seinem Kumpel freudestrahlend auf die Schulter und sprach in feinstem Hauptstadthochdeutsch: "Da hab ick wat für Dir! Det hilft bei mich imma, een Foto von meene Oma, wo ihr beim Lachen de Zähne rausfliejen und jradezu in det weitausjeschnittene Dekolte von ihre Sommerbluse rinrutschen". Besagte Momentaufnahme verfehlte ihre Wirkung nicht. Der pummlige Knabe neben den Fotoinhaber wurde auf der Stelle leichenblaß. Auch ihm drohte nun etwas aus dem Gesicht zu fallen, doch der sanfte Ruf der Ärztin "Der Nächste bitte!", welcher aus dem eben geöffneten Sprechzimmer an sein Ohr drang, bewahrte ihn und uns vor den üblen Folgen seiner allzu intensiven Lichtbildbetrachtung.

      'Prima', dachte ich, 'und schon bin ich der Nächste bitte!'. So etwas sollte man im Angesicht einer Arztpraxis als zurückhaltender Kassenpatient natürlich niemals laut aussprechen. Ja, nicht einmal denken sollte man das! Zu schnell wird man sonst von der rauhen Wirklichkeit eines besseren belehrt. Und so nahm auch an diesem sonnigen Vormittag nun das Unheil seinen unaufhaltsamen Lauf.

      Denn kaum hatte sich die Tür des Sprechzimmers hinter den beiden Knaben geschlossen, walzte in meinem Rücken jene leichtbekleidete Drei-Zentner-Dame, die bis dato das dicke Ende der Schlange gebildet hatte, ihren übergewichtigen Körper an ihrem Vormann vorbei. Der ältere Herr löste kurz seinen Blick von seiner mitgebrachten Zeitung und wollte wohl etwas sagen, aber die schnaufende Dampfwalze mit den XXL-Blümchenmustergewand kam ihm zuvor und fuhr ihm lauthals über den eben erst leicht geöffneten Mund: "Sach mal Opa, willste mir etwa nich vorbeilassen. Will een Jentelmänn sein und läßt ne junge Lädi nicht mal vor. Wat is bloß aus mit juten ollen Knigge jeworden? Ach, det wird überhaupt alles imma schlimma, findste nich! Und nu mach mal jefällichst Platz, sonst platz ick nämlich gleich mal! So'n oller Kerl wie Du hat schließlich jenuch Zeit zum Anstehn, wa?!".

      Zack - war sie an dem armen alten Mann mit dem offenstehenden Mund vorbei und nahm nun bereits den nächsten Herrn aufs Korn, einen Jüngling mit einem Kopfhörerknopf im Ohr, welcher schon die ganze Zeit hinter mir ununterbrochen einen stampfenden Beat von sich gab. Der junge Mann zog sich den Stopfen aus der Hörmuschel, als die Überbreite - schon etwa auf gleicher Höhe mit ihm - ihren Überholversuch startete. Ich hatte mich natürlich längst umgedreht, und brauchte nach der ersten stimmgewaltigen Attacke der oppulenten Blümchenfee keine hellseherischen Fähigkeiten mehr, um zu erahnen, daß der Jüngling den Stöpsel lieber als Lärmschutz im Ohr hätte behalten sollen. Allein, es war bereits zu spät für diese Einsicht. Die blümerante Dampflok hatte ihr lautes Mundwerk schon wieder voll aufgedreht, und brüllte dem sportlich gebauten Jüngling sofort ins eben frei gewordene Ohr: "Na und Du, Männekin, wat willst Du denn jetz von mir? Stänkern, oder wat? Du Rotzlöffel hast wohl inne Schule nich uffjepaßt, wa? Erwachsne soll man nämlich höflich gegenübertretn, Platz anbieten und so! Nu tu mal nich so, als ob Du mir nich verstehn tust! Tritt lieba mal een zwee Schritt zurück, damit ick meen formschönet Fahrjestell vor Dich einparken kann". Der junge Mann war viel zu überrumpelt von der Fülle und dem forschen Auftreten der Rubensdame, als daß er es wagte, zu protestieren.

      Zack - auch diese Hürde hatte die recht stabile Mittvierzigerin genommen. Alles, was ihr nun noch im Wege stand bei ihrem Vordingen auf die Poolposition der Warteschlange, das war ich! Ich machte mich bereits auf eine erneute Brüllattacke ihrerseits gefaßt und stopfte mir daher rasch beide Zeigefinger tief in die Ohren, doch das sollte sich in der Folge rasch als großer Fehler erweisen. Schließlich waren mir jetzt zum einen quasi die Hände gebunden, und zum anderen schien die 100-Kilo-Frau bei mir plötzlich ihre bisher so erfolgreiche Taktik des Shock&Go zu ändern. Breit grinsend schaute sie mich an und klimperte dabei auffällig mit den Wimpern. Dann formte ihr Mund irgendetwas Leisegesprochenes. Hören konnte ich das Gesagte dank meiner schallisolierten Gehörgänge zwar nicht, aber was ich da mehr oder weniger buchstäblich von ihren Lippen ablesen konnte, jagte mir augenblicklich einen Schauer kaltnassen Schweißes über den gesamten Rücken. Das buntgekleidete Nilpferdweibchen flüsterte doch tatsächlich so etwas wie: "Na, Du Schnuckelchen, Du?! Du läßt mir doch bestimmt den Vortritt, oder? Und weil Du es bist, kriechste och een extra dicken Schmatzer von mir uffjedrückt. Komm an meene breite Brust, Du Zuckerstückchen, Du!". Ich sah ihren breiten Knutschmund immer weiter auf mich zukommen, dann versank die Welt um mich plötzlich im Dunkeln, und es duftete mit einem Male unangehm intensiv nach Veilchen. 'Du meine liebe Güte', schoß es mir durch den nun aromaversiegelten Kopf, 'jetzt hat sie mich inmitten ihres üppigen, parfümüberfluteten Vorbaus eingeklemmt. Ich bin begraben, lebendig begraben'. Panik erfaßte mich, denn ich fürchtete, im Schwitzkasten ihrer Weiblichkeit jammervoll zu ersticken. Ich begann zu strampeln, unaufhörlich und wild zu strampeln. Irgendwann löste das Vollweib seine massive Umklammerung. 'Heureka, das Leben hat mich wieder!', dachte ich noch, doch dann schwanden mir erneut die Sinne.

      Als ich schließlich aus meiner temporären Ohnmacht wiedererwachte, saß ich am Fuße des Empfangstresens. Vor mir wedelte mir die - immer noch sichtlich mißgelaunte - Sprechstundenschwester mit ihrem, mit eingetrockneten Popeln reichlich besetzten Stofftaschentuch gelangweilt Frischluft zu und meinte schließlich: "Na, da isser ja wieder?! Denn können Se sich ja jetz wieder janz hinten anstellen in die Schlange! Schönen Tach noch!". Vorsichtig erhob ich mich und schritt wackligen Fußes zum Ende der inzwischen sogar noch etwas länger gewordenen Menschenkette. Vorn aber an ihrem anderen Ende öffnete sich im selben Augenblick die Tür zum Sprechzimmer und heraus stampfte jene mir so unverhofft nähergekommene, liebeshungrige Blümchentonne in Menschengestalt, mir im Vorbeiwalzen eine laszive Kußhand zuwerfend.
      Vom Sprechzimmer her aber tönte einmal mehr die sanfte Stimme meiner Ärztin: "Der Nächste bitte!". Ja, das dürfte dann jetzt wohl der Jüngling mit dem Hang zur wummernden Technobeschallung sein. Ich aber selbst war an diesem wundervollen Vormittag noch für längere Zeit keineswegs "Der Nächste bitte!" ...

      [ENDE]
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    • Also diese Geschichte ist klasse. :thumbs02: Ich habe mich so amüsiert. :totlach:
      Vor allem was Du der guten Frau immer wieder für Namen gegeben hast. Ich glaube am besten gefallen hat mir die blümerante Dampfwalze.
      Absolut super war auch der letzte Teil als sie zu Dir kam. Und Du fast noch erstickt wärst und Dich dann eine gnädige Ohnmacht von ihr erlöste.
      Also Du hast das so gut geschrieben, dass ich die ganze Zeit das auch vor meinem inneren Auge gesehen habe. Einfach göttlich. :traenenlach:
      Vielen lieben Dank fürs Schreiben von dieser witzigen Geschichte. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Auch von mir ein "fettes" DANKESCHÖN für Deine humorvolle Geschichte, Sven! :zwinker:

      Auch ich habe mir lebhaft vorstellen können, wie dieses blumige Berliner Urgestein in die Praxis "rollt" fast als wäre ich selbst im Wartezimmer dabei gewesen. Obwohl... :fear2: Das möchte ich mir dann doch lieber nicht zu lebhaft vorstellen... :grin_still:

      Wenn ich dazu komme, werde ich mir demnächst auch mal Deine anderen Kurzgeschichten zu Gemüte führen. Hoffe, dass da auch noch was aus der Sparte "Humor" dabei ist. Aber auch für potentielle zukünftige (Kurz-)Komödien aus dem Hause "sven1421" bin ich jederzeit zu begeistern – also: nur her damit! :dafuer:
    • @Saxi & Annie03: Vielen lieben Dank für Eure ermunternden Kommentare zu meiner kleinen lustigen "praxisnahen" Episode. Schön zu sehen, daß das Lesen ebensoviel Spaß zu machen scheint, wie es das Schreiben getan hat. :cool1:
      Sicher wird es auch in Zukunft das eine oder andere augenzwinkernde Geschichtchen aus dem Alltag des Sven Sch. geben, heute aber steht erst einmal ein - ebenfalls dem Alltag des Sven Sch. entlehntes Märchen auf dem Programm, von einem kleinen Mädchen - das nicht ganz zufällig den Namen meiner Tochter trägt - seiner Mama und seinem Papa - der mir übrigens schon ein wenig ähnlich schaut - sowie einem schrecklich lauten Monster. Aber keine Sorge - wie in den meisten Märchen gibt es auch hier ein Happy End ... im realen Leben soll es das ja dann doch nicht so häufig geben, hab ich mir sagen lassen :13:

      Laura & das Sch-Monster

      Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Laura. Es wohnte mit seinen 3 Jahren bei seiner Mami und seinem Papi in einer kleinen Wohnung in einem kleinen Städtchen. Die kleine Laura war ein liebes, aufgewecktes Kind, das beiden Eltern viel Freude bereitete. Nur vor einem hatte Laura Angst. Es war das dickbäuchige giftgrüne Sch-Monster, das sich die meiste Zeit über still und unheimlich in der Ecke hinter dem Kleiderschrank im Zimmer ihres älteren Bruders Iwan versteckt hielt. Nur alle 2 bis 3 Tage holte es ihre Mama dort hervor und legte es im Wohnzimmer auf den Teppichboden. Sie zog ihm dann den dürren Schwanz lang und steckte das Ende in einen kleinen Kasten an der Wand, den die Erwachsenen Steckdose nannten. Dann streichelte sie kurz mit ihrem Finger über eine kleine Erhebung auf dem Rücken des grünen Monsters. Kaum aber hatte sie dies getan, da begann das Monster mit einem lauten Sch-Laut sein ohrenbetäubendes Gebrüll, wozu es durch seinen langen schlauchförmigen Rüssel mit dem Rohrhals und der gefährlich breiten Plastikschnute die Luft in seiner Umgebung geräuschvoll aufsaugte. Lauras Mama pflegte das Untier dabei am oberen Ende des Halses zu packen und es durch das ganze Zimmer zu schleifen, seine Schnute immer dicht an den Boden gepreßt. Die Monsterschnauze aber fraß auf dem Boden alles, was ihm in den Weg kam - Schmutz, Stoffäden und Papierschnipsel. Ja, wenn man nicht aufpaßte, dann verschluckte es sogar kleine Spielzeuge, die das kleine Mädchen auf dem Teppich liegengelassen hatte. Und wer weiß, was es erst mit der kleinen Laura angestellt hätte?! Vermutlich hätte sie das böse Monster dann auch mit Haut und Haar verschlungen und in seinen finsteren Bauch eingesperrt. Doch das kluge Kind war stets auf der Hut und nahm vor dem schnaufenden Untier rasch reißaus, sobald es die gefräßige Schnute auf sich zukommen sah.

      Eines Tages - es war schon Winter und der erste Schnee fiel - war Lauras Papa spurlos verschwunden. Im elterlichen Schlafzimmer hatte das kleine Mädchen vormittags laute Geräusche aus dem Wohnzimmer vernommen, fast so laut, als ob das Sch-Monster dort sein Unwesen trieb. Allerdings schien es diesmal seine Stimme verstellt zu haben. Mal ahmte des die tiefe Stimme ihres Papas nach, dann wieder die deutlich höhere ihrer Mama. Neugierig, aber auch ein wenig ängstlich, öffnete die Tür zum Wohnzimmer einen Spalt breit. Doch das böse grüne Monster war nicht zu sehen. Nur ihre Eltern standen sich mit verschränkten Armen gegenüber, und Papa hatte einen großen Koffer und eine kleine Plastiktüte in der Hand. Wozu brauchte er denn den großen Koffer, den Mama und Papa doch sonst nur zum Verreisen hervorholten?! Das kleine Mädchen lief auf seinen Papa zu und schaute ihn mit großen Augen an. "Papi, was machst Du da?", fragte sie schließlich und hatte dabei ein ganz eigenartiges, mulmiges Gefühl. Der Papa aber beugte sich zu ihr herunter und sprach bedrückt: "Ich muß jetzt gehen, mein Schatz! Auf Wiedersehen! Papi hat Dich lieb!". Dazu drückte er seinem geliebten Mädchen mit seinem pieksenden Schnurrbart einen sanften Kuß auf die Stirn und verschwand im Hausflur, die Tür hinter sich ins Schloß fallen lassend. Laura verstand das nicht. Warum mußte Papa denn jetzt gehen, und wohin wollte er?! Zur Arbeit oder zum Einkaufen vielleicht?! Aber warum war die Mama dann auf einmal so traurig, jetzt wo er weg war - und das, obwohl sie noch vorher mit ihm ganz doll geschimpft hatte?! Jetzt jedenfalls saß sie mit gesenktem Kopf schluchzend auf der Lehne der Wohnzimmercouch und streichelte ihrer herbeigeeilten Tochter immer wieder über das blondhaarige Kindsköpfchen.

      Die Tage vergingen, ebenso das alte Jahr, aber Lauras Papa blieb verschwunden. Irgendwann kam dem kleinen Mädchen ein schrecklicher Verdacht. Vielleicht hatte Papa ja beim Nachhausekommen nicht aufgepaßt, und das böse Sch-Monster hatte ihn schon an der Wohnungstür verschluckt. Vorsichtig stiefelte Laura ins Zimmer ihres Bruders. Iwan war nicht zuhause, und so konnte sie sich weiter vorwagen. Sie lugte hinter den Schrank. Tatsächlich, da war das Monster. Unheimlich sah es aus, selbst wenn es nur einfach so ruhig da lag. Und sein häßlicher grüner Bauch schien dem kleinen Mädchen, dessen Herz wild zu schlagen begann, heute noch viel dicker. Bestimmt war da ihr Papa drin. Mutig und entschlossen wagte sich das kleine Mädchen noch ein paar Schritte weiter heran. Irgendwann berührte die Spitze ihres ausgestreckten Fingers sogar die gräßliche Monsterschnute. Die aber rutschte ihr im selben Moment auf dem Teppich entgegen, wobei das Untier ihr seinen Rohrhals laut zu Boden polternd entgegenschob. Da packte die erschrockene Laura panische Angst. Sie drehte um und rannte aus dem Zimmer zurück in die sicherere Wohnstube, wo sie sich sogleich hinter der Couch versteckte. Ganz mucksmäuschenstill wartete sie dort zusammengekauert und zitternd, bis ihre Mama aus der Küche kam, um nach ihr zu schauen. Lauras Mama nahm ihr Töchterchen liebevoll in den Arm und fragte es, warum es denn solche Angst habe. Laura aber zeigte ängstlich in Richtung der Zimmertür ihres Bruders. Die Mama folgte dem Fingerzeig und kehrte kurze Zeit später kopfschüttelnd zurück, wobei sie beruhigend sprach: "Aber mein Schatz, das ist doch nur der Staubsauger! Vor dem mußt Du doch keine Angst haben!". Laura aber bebte immer noch am ganzen Körper und schluchzte: "Und was ist mit Papa?". Da begann auch Lauras Mama am ganzen Körper zu zittern und wurde mit einem Mal sehr traurig. Das kleine Mädchen, das sogleich tröstend ihr Köpfchen an das der Mutter legte, aber flüsterte: "Nicht weinen, Mama! Der Papa kommt schon wieder! Ich hol ihn ja wieder zu uns zurück, ja?!". Lauras Mama nickte nur stumm. Dann aber schossen ihr nur noch mehr Tränen in die Augen, und sie weinte einmal mehr den ganzen Nachmittag und Abend.

      Wieder vergingen die Tage, der Frühling kam und ging. Schließlich kündigten sich schon die ersten warmen Sommertage an. Viele Stunden hatten Laura und ihre Mama in der ganzen Zeit gemeinsam verbracht. Aus dem kleinen Mädchen wurde ein immer größeres. Hin und wieder traute sich ihre Mama jetzt sogar schon, das Kind für ein paar Minuten allein in der Wohnung zu lassen, wenn sie rasch den Müll herunterbringen mußte oder etwas aus dem Keller holte. So auch an diesem Juniabend. Laura aber nutzte die kurze Abwesenheit ihrer Mama diesmal nicht zum Weiterspielen mit ihren Puppen, wie sie es sonst meist tat. Nein, heute hatte sie sich etwas ganz anderes vorgenommen. Seit dem unheimlichen Zusammenstoß mit dem Sch-Monster hatte es sich Laura schon einige Male vorgenommen, dem Untier wieder zu Leibe zu rücken und ihren geliebten Papa aus dem dicken Bauch zu befreien. Aber am Ende hatte sie jedesmal einfach zuviel Angst gehabt, um sich näher an das schlafende Monster heranzuwagen. Diesmal sollte das anders sein, denn heute war sie bewaffnet. Sie hielt in ihrer kleinen Hand eine hölzerne Flöte, die ihr ihre Mama vor ein paar Wochen geschenkt hatte. Und so wagte sie sich noch einmal in das leere Zimmer ihres Bruders, wo sie für einen Augenblick hinter dem Schrank in Deckung ging. Dann tat sie einen kühnen Sprung, und landete breitbeinig vor dem Ungeheuer. Die Flöte aber erhob sie drohend in Richtung Zimmerdecke und brüllte das Monster an: "Gib sofort meinen Papa wieder her! Oder ich hau Dir solang mit der Tut-Tut auf Deinen ollen dicken Bauch, bis Du ihn wieder ausspuckst!". Dabei kniff sie die Augen zu und schlug mit der Flöte in der Hand wieder und wieder in Richtung des dicken grünen Monsterbauchs. Erst als ihr ihre inzwischen zurückgekehrte Mama die Flöte aus der Hand nahm, öffnete das kleine Mädchen seine Äuglein wieder, die sich sogleich mit dicken Kullertränchen füllten. Laura begann, sich die Augen zu reiben und schluchzte: "Aber Mama, was tust Du denn da?! Ich wollte doch nur den Papa wieder zurückholen!". Auch Lauras Mama lief nun eine einsame Träne die Wange herab. Sie half ihrer Tochter auf und faßte sie am Händchen. Und leise flüsternd sprach sie zu dem weinenden Kind: "Ach Laura, da hab ich aber jetzt vielleicht eine ganz große, tolle Überraschung für Dich. Die hab ich nämlich gerade eben unten vor der Haustür entdeckt. Und jetzt wartet sie schon vor der Wohnungstür auf Dich!". Laura hörte schlagartig zu weinen auf und schaute ihre Mama mit weit aufgerissenen, fragenden Augen an. Sie lief aufgeregt zur nur angelehnten Wohnungstür und riß sie weit auf. Da stand ein großer Mann mit einem kleinen Schnurrbärtchen und einem großen Koffer in der Hand. Und wie sie ihn sich ganz genau von oben bis unten betrachtete, erkannte sie ihn plötzlich. Ihre Mama aber beugte sich zu ihr herab und fragte lächelnd: "Na Laura, weißt Du noch, wer das ist?". Laura nickte eifrig und erwiderte überglücklich: "Ja, das ist mein Papi!". Und der große Mann, dessen Augen in diesem Augenblick zu strahlen begannen, schloß das kleine Mädchen ganz fest in seine Arme. Mein Gott, wie groß sie doch inzwischen geworden war und wie sehr sie ihm doch gefehlt hatte. Während er sie so minutenlang - erfüllt von unendlicher Wiedersehensfreude - umarmt hielt, gab er sich und ihr im Stillen das feste Versprechen, sein kleines Mädchen nie wieder in seinem Leben so lange allein zu lassen, wie er es in den vergangenen 6 Monaten getan hatte ...
      Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

      [ENDE]
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    • Ah, wie süß. Ein Vater-Tochter-Märchen. So grausam und traurig viele der alten Märchen auch sind, so wichtig sind sie dennoch. Und Kinder lieben Märchen nach wie vor. Natürlich besonders eins, was gut endet und wie Deins mit dem Klassiker:
      Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
      Finde ich schon allein deshalb schön, weil auch ich eine kleine Laura zu Hause habe. Der kann ich das jetzt auch mal vorlesen. :zwinker:
      Achtung: Spoiler für Season 8!!!
    • Das ist wirklich ein lustiges aber auch anrührendes Märchen mit Vater und Tochter. Das kommt mir teilweise doch irgendwie bekannt vor. ;)
      Hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ist wieder super geschrieben. :thumbs02:
      Ist ja witzig, dass jackpot auch eine kleine Laura hat.

      Ganz lieben Dank fürs Schreiben und fürs uns dran teilhaben lassen. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • jackpot schrieb:

      Ah, wie süß. Ein Vater-Tochter-Märchen. So grausam und traurig viele der alten Märchen auch sind, so wichtig sind sie dennoch. Und Kinder lieben Märchen nach wie vor. Natürlich besonders eins, was gut endet
      Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Märchen sind zeitlos und für Kinder wie Erwachsene gleich wichtig und schön.

      jackpot schrieb:

      Finde ich schon allein deshalb schön, weil auch ich eine kleine Laura zu Hause habe. Der kann ich das jetzt auch mal vorlesen. :zwinker:
      Tja, da wundert es mich auch gar nicht mehr, daß ich diese lang schon durch meine Gedanken spukende Geschichte grad jetzt niedergeschrieben habe. Sollte wohl so sein, daß unseren beiden Lauras dieses Märchen zu Ohren kommt.

      Saxi schrieb:

      Das ist wirklich ein lustiges aber auch anrührendes Märchen mit Vater und Tochter. Das kommt mir teilweise doch irgendwie bekannt vor. ;)
      Naja, ein klarer Fall von Insiderwissen über den Schreiberling ... würde ich mal sagen! :zwinker:

      Saxi schrieb:

      Hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ist wieder super geschrieben. :thumbs02:
      Dankeschööön! Freut mich, daß es Dir auch gefallen hat.

      Saxi schrieb:

      Ganz lieben Dank fürs Schreiben und fürs uns dran teilhaben lassen. :danke:
      Bitteschöön! Und damit komm ich auch gleich zur nächsten Kurzgeschichte. Diesmal ein wenig schwerere Kost. Den letzten Anstoß zu dieser - auf meine Beschäftigung mit der Deutschen Geschichte innerhalb meines Brüder Krause Romans aufbauende - Geschichte gab mir ein gedanklicher Austausch mit Annie03, der ich die folgende Kurzgeschichte ganz nebenbei auch gleich widmen möchte ... Ihr und all meinen anderen Lesern wünsche ich eine recht nachdenkliche Unterhaltung ...

      VORWORT: Die Handlung und die Hauptperson in meiner Kurzgeschichte sind frei erfunden. Und dennoch könnte sich alles genau so oder so ähnlich tatsächlich zugetragen haben.

      SCHULDFRAGE

      Mein Name ist Robbes, Pierre Robbes. Und ich bin Franzose. Bonjour mes amis! Allerdings bin ich mir gar nicht sicher, ob Sie mich überhaupt noch zum Freund haben wollen, wenn ich Ihnen erst einmal meine Geschichte erzählt habe. Ich bin nämlich in gewisser Weise nicht ganz unschuldig am Tod von Menschen, am gewaltsamen Tod von mehr als 50 Millionen Menschen. Wie ich auf diese ungeheurliche Zahl komme? Nun, es ist die Zahl derjenigen, die im zweiten Weltkrieg zu Tode gekommen sind. Im Grunde genommen muß ich an sich sogar noch die etwa 13 Millionen Opfer des nationalsozialistischen Regimes in den sogenannten Friedenszeiten des Dritten Reiches dazurechnen. 63 Millionen Menschenleben habe ich demzufolge also mit auf dem Gewissen. Und alles nur, weil ich einst im entscheidenden Moment eine Sekunde zu lang gezögert habe. Aber vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis meine ganze schicksalhafte Geschichte von Anfang an erzählen ...

      Es war am 3. Oktober anno 1916. Ich lag als gerade erst fertig ausgebildeter 18jähriger Scharfschütze in meinem Schützengraben am Ufer des französischen Flusses Somme mittags gegen 12 Uhr in Stellung und beobachtete die Front. Nur hin und wieder ragte eine vereinzelte wilhelminische Pickelhaube über den Rand der deutschen Stellungen hinaus, ansonsten herrschte schon seit Stunden eine geradezu gespenstische Stille. Die vielbeschworene Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Die linke Hand hatte ich die ganze Zeit am Abzug meines französischen Präzisionsgewehrs, während ich mit der rechten die Hühnerbullion aus meinem Feldgeschirr verspeiste. Da bemerkte ich beim flüchtigen Blick durch das Visier meines Gewehrs einen jungen deutschen Gefreiten, allem Anschein nach ein Meldegänger des Gegners, der eiligen Schrittes von einem Schützengraben zum nächsten hechtete. Ich konnte in den kurzen Pausen, die er bei seinen Sprüngen einlegte, sein Gesicht recht genau erkennen. Es war ein schmales, ganz unauffälliges Gesicht, aus dem lediglich der akurat gestutzte Schnurrbart ein wenig hervorstieß. Ich legte meine blecherne Suppenterine eilig zur Seite und legte mit allen zehn Fingern Hand an mein Gewehr. Mein linkes Auge kniff ich zu, mit dem rechten aber holte ich mir durch das gefühlvolle Bewegen meiner mir anvertrauten Waffe den ungeschützten Kopf des sprunghaften Fritzen ins Fadenkreuz. Dann hatte ich ihn, konnte abdrücken und ihm - dem Feind - das Lebenslicht für immer ausblasen. Da kauerte er nun, einen Moment verschnaufend, auf dem vom Kampf vielfach zerpflügten Erdboden und verpustete. Nichts ahnte er von der Bedrohung seines Lebens, die ich mit meinem Schießprügel für ihn darstellte - nur gut 120 Meter von ihm entfernt. Irgendwie erinnerte er mich in diesem Moment an meinen älteren Bruder Francois, der kurz vor Kriegsausbruch in unserem Dorf einen Brunnen gestürzt und ertrunken war. Meine sonst so ruhigen Hände begannen zu zittern. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn und verschleierte im Herabrinnen meinen Blick. Ich mußte die rechte Hand kurz von der Waffe nehmen, um mir mit meinem schmutzigen Taschentuch über die feuchtgewordenen Augen zu wischen. Noch einmal gelang es mir, den Deutschen anzuvisieren, aber als ich gerade abdrücken wollte, da hopste er wie ein aufgescheuchter Feldhase ins nächstbeste Loch, wo er innerhalb von Sekundenbruchteilen abtauchte und verschwand.

      Nach dem Krieg hatte ich die kurze Episode aus dem langen, leidvollen Krieg schon fast wieder vergessen. Mir selbst waren schließlich in den letzten Kriegstagen des ersten Weltkriegs noch im wahrsten Sinne des Wortes Hören und Sehen vergangen. Die Explosion einer feindlichen Granate ein paar Meter von mir entfernt hatte mir in beiden Ohren das Trommelfell platzen lassen. Bei einem Senfgaseinsatz zwei Tage später büßte ich kurzzeitig meine komplette Sehkraft ein. Das Augenlicht kam mit dem Kriegsende zurück, die Taubheit aber blieb. Nie hätte ich da auch nur im Traum daran gedacht, den hüpfenden Meldefritzen noch einmal im Leben wiederzusehen. Umso mehr erschrak ich, als ich ihn dann Anfang 1933 auf dem Titelblatt vom "Le Petit Parisien" an einem Zeitungskiosk wiederentdeckte. Dieser Mann, den ich vor mehr als 16 Jahren im Visier gehabt hatte, sollte als Führer der Nationalsozialisten nun der neue Reichskanzler des Deutschen Reiches sein.

      Von da an hab ich sein Treiben aus sicherer Entfernung genaustens verfolgt. Wie er Bücher und den Reichtstag in Brand steckte, wie er die ersten Konzentrationslager errichtete, wie er mit seinen ewigen Friedensbekundungen und dem Olympischen Feuer die Nachbarvölker blendete und wie er gleichzeitig seine Finger längst gierig nach fremden Ländereien auszustrecken begann. Dann kam er mir mit seinem sich ausdehnenden Reich langsam näher und näher - über das Saarland und das Ruhrgebiet, Österreich und die Tschechoslowakei. Im September 1939 fingierte er einen polnischen Angriff auf einen seiner Reichssender und löste dann in einem Anflug von exellent gespielter Entrüstung den "Vergeltungsschlag" gegen Polen aus. Bevor er nach dem vernichtenden Blitzsieg über die - gegenüber der Wehrmacht - geradezu kläglich bewaffneten Polen seinen Ostfeldzug weiter fortsetzte, schlug Hitler jedoch erst noch die entgegengesetzte Richtung ein und steuerte damit in Form seiner neueröffneten Westfront zum zweiten Mal in seinem Leben im Eiltempo über die Beneluxstaaten auf meine Heimat zu. Was ihm beim ersten Mal nicht gelungen war, das schaffte er jetzt - als selbstgefälliger Sieger zog er ins besiegte Paris ein. Als eine schmachvolle Demütigung sondersgleichen empfanden wir Franzosen dabei besonders seine Siegesparade durch die Straßen unserer geliebten Hauptstadt.

      Da ich aufgrund meiner Taubheit in diesem Krieg selbst nicht mehr hatte kämpfen können, hielt ich mich seit dem Überfall auf meine Heimat nahe Verdun in einem Unterschlupf bei Freunden der Resistance versteckt.

      Der Krieg aber ging weiter. Hitlers Größenwahnsinn wurde dabei immer grenzenloser. Mit seinem russischen Spiegelbild Stalin hatte er zunächst insgeheim noch über den gegenseitigen Nichtangriff paktiert. Nun aber überfiel Hitler, für den so ein Pakt rein gar nichts bedeutete, auch das gigantisch anmutende, gleich in mehrfacher Hinsicht unberechenbare Sowjetrußland. Die schnellen Siege in ganz Europa hatten Hitler geblendet. Er glaubte, bei der Planung seines Rußlandfeldzugs alles mit einberechnet zu haben. Nur mit Väterchen Frost und dessen verfrühtem Eingreifen ins östliche Kriegsgeschehen hatte er ganz und gar nicht gerechnet. Ebensowenig wie die von ihm ausgeschickten Truppen. Der deutsche Vormarsch erstarrte in Schnee und Eis. Für die Soldaten des Führers hieß die neue Marschrichtung plötzlich wieder Westen. Dafür marschierten die Soldaten an der Westfront jetzt gen Osten - angetrieben durch den Vorstoß der jetzt endlich doch in den Krieg eingreifenden Briten und Amerikaner. Und der Krieg kehrte schlußendlich immer schneller wieder dahin zurück, woher er gekommen war - heim ins Reich. Erst als er schließlich vor den Toren Berlins angekommen war, befreite uns Hitler von seiner mehr als unerträglichen Gesellschaft - indem er sich höchstpersönlich eine Kugel durch den kranken Kopf jagte.

      Der Mai war gekommen - und mit den ausschlagenden Bäumen auch der langsam erblühende Frieden. Ich kroch wieder aus meinem Versteck und wollte die wiedergekehrte Sonne und das neu gewonnene Leben in vollen Zügen genießen. Aber dann zogen plötzlich dunkle Wolken in mir auf. Düstere Gedanken schwirrten mir durch den Kopf, quälten und folterten mehr und mehr mein taubes Hirn. Immer wieder hämmerte es dumpf in meinem Schädel: Was wäre, wenn ...???

      Und so frage ich mich seitdem jede Minute meines einfach nicht enden wollenden Lebens: Was wäre, wenn ich damals im Graben an der Somme, als ich diesen deutschen Meldegänger namens Adolf Hitler im Visier hatte, nicht gezögert, sondern einfach abgedrückt hätte?! Wäre uns ohne Hitler nicht vielleicht der ganze Nationalsozialismus mit all seinen Greultaten erspart geblieben?! Wäre es überhaupt zu einem zweiten Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten gekommen?! Oder hätte es dann etwa eine kommunistisches deutsche Weltrepublik unter der sowjetrussischen Regie Stalins gegeben, von der womöglich ihrerseits Völkermord und ein neuer Weltkrieg ausgegangen wären?!

      Die Frage aber, die mich bei all den Fragen in meinem Kopf am allermeisten quält, ist die der Schuld! Trage ich durch mein Handeln bzw. Nichthandeln Schuld oder Mitschuld an den Verbrechen des Hitler-Regimes? Hätte ich ganz allein all das Grauen verhindern können? Die Schuldfrage - sie ist es, die mich seitdem nicht mehr losläßt. Sie hat mir das ruhige In-Frieden-Sterben bisher unmöglich gemacht. Sie macht mir Tag für Tag das Leben zur Hölle.

      Was ist denn Schuld? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Wer trägt sie, wer kann sich von ihr freisprechen? Genügt es, daß man nicht der Einzige war, der Hitler nach dem Leben getrachtet und dabei versagt hat? Reicht es, einfach schon vor Hitlers Geburt gestorben oder erst nach seinem Tod geboren zu sein? Ist man schon als Mitläufer schuldig oder erst als aktiver Nazi? Ist man gar automatisch schuldig, nur weil man Deutscher ist? Ist man dann automatisch unschuldig, wenn man Russe, Engländer, Amerikaner oder Franzose ist? Wiegen die Verbrechen Hitlers gegen die Menschlichkeit bei der Frage nach der Schuld schwerer als jene unter Stalin, Franco und Mussolini - oder die der Ulbrichts, Honeckers, Ceaucescus, Milosevics, Saddams und Bin Ladens und wie sie alle heißen, welche dem Beispiel von Stalin und Hitler nachfolgten?

      Heute, im Jahre 2010, bin ich - Pierre Robbes - 112 Jahre alt. Meine Knochen sind morsch, meine Muskeln erschlafft, meine Haut ist faltig und ledern, meine zittrigen Hände und geschwollenen Füße schlafen mir immer wieder abwechselnd ein. Nur mein verwirrter Verstand ist stets hellwach und bombardiert mich unaufhörlich mit solchen Fragen, auf die ich selbst als weiser alter Mann keine erschöpfende, geschweige denn zufriedenstellende Antwort finde. Vielleicht stell ich mir aber auch einfach nur zuviele unnütze Fragen. Vielleicht genügt es, man selbst zu sein. Stolz auf das an sich und seiner Heimat zu sein, auf das man getrost stolz sein kann. Das aber, was man an Schuld als Mensch oder als Volk in seiner Vergangenheit auf sich geladen hat, sollte man in der Erinnerung verwahren, ohne sich selbst oder sein Leben von jener Last erdrücken zu lassen. Denn dann und nur dann kann man in Frieden leben und auch in Frieden sterben!

      Pierre Robbes schlief noch am selben Tag, an dem er seine Geschichte zu Papier gebracht hatte, ganz friedlich ein. Ihm und uns allen ist diese, seine Geschichte gewidmet!

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    • Die Fragen, die sich Pierre Robbes in Deiner anrührenden Kurzgeschichte stellt, haben sich wohl schon viele in dieser oder in ähnlicher Form gestellt. Vielleicht wären sie sogar ein Schlüssel zu einem friedlichen Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Religionen. Denn ich könnte mir gut vorstellen, dass ein reflektierter (!) Umgang mit eben jenen Fragen, wenn auch keine "erschöpfenden" oder "zufriedenstellenden" Antworten, vielleicht aber einen veränderten und toleranteren Blick für fremde Kulturen hervorbringen könnte.

      Es ehrt mich jedenfalls sehr, dass Du unseren "Gedankenaustausch", den Du in dieser mich sehr nachdenklich machenden Kurzgeschichte verarbeitet und ausgerechnet an einem Tag veröffentlicht hast, der leider auch kein Meilenstein der jüngeren Geschichte ist, mir gewidnmet hast. Dafür sage ich schlicht: Danke.
    • Das ist wirklich eine schöne und anrührende Geschichte. Man könnte meinen das hätte sich tatsächlich so zugetragen.
      Und wie Annie schon sagte, sie macht wirklich sehr nachdenklich.

      Ich freue mich schon auf Deine nächste Kurzgeschichte :freudentanz: und ein dickes Dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"