"Blut ist dicker als Wasser"

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    • "Blut ist dicker als Wasser"

      Was haltet ihr vom Titel meines neuen und fünften Buches?

      Es wird sich um eine Fortsetzung von Maiky handeln. Doch diesmal spielt eine andere Person aus seiner Familie eine wichtige Rolle, sein Adoptivsohn Léon (18 Jahre mittlerweile). Ich denke, der Titel sagt schon einiges aus. Und so in etwa wird mein Deckblatt aussehen:



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      [Blockierte Grafik: http://de.freepik.com/image/th/417128.jpg] Blut ist dicker als Wasser [Blockierte Grafik: http://us.cdn4.123rf.com/168nwm/anyka/anyka0903/anyka090300172.jpg]





      Und, gefällt es euch? Dieses WE werde ich wohl die ersten Zeilen auf´s Papier bringen. Doch bis ich anfangen werde einzustellen, wird noch einige Zeit vergehen.


      Die Grundidee ist schon im meinem Kopf, das ist aber auch schon alles.


      Ihr hört wieder von mir. jackbauerfan :34:
      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jackbauerfan ()

    • Hallo M.V.V.M. :34:

      Na, habe ich dich schon neugierig gemacht?

      Ich hoffe es geht bald wieder los.

      Das hoffe ich auch. Mal sehen, wie ich zum Schreiben komme. Was mein Kopf dazu meint.

      Aber das Wichtigste ist schon mal geschafft, eine Idee zu haben. :yay: Der ein oder andere Gedanke schwirrt mir schon im Kopf herum. Daraus lassen sich garantiert einige spannende Szenen aufs Papier bringen.

      Ich halte dich auf dem Laufenden.

      Schönes Wochenende wünscht dir jackbauerfan :thanks:
      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Suuuuuuupie es gibt also doch eine Fortsetzung. :yahoo:

      Also mir gefällt der Titel Deines neuen Buches. Und die Bilder lassen ja schon mal nichts Gutes erahnen. :eek: Ja das sieht wirklich schon wieder nach Qualen und Schmerzen aus. :11:

      Auf diese Story bin ich schon sehr gespannt. :thumbs02: Ich freue mich schon wenns wieder weitergeht. :freudentanz:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Hallo Saxi. :34:
      Suuuuuuupie es gibt also doch eine Fortsetzung.
      Ja, denn ich weiß am WE mit meiner vielen Freizeit sonst nichts anzufangen :03: und eines Nachts kam mir dann die passende Idee für eine Fortsetzung. Das Wetter ist super für eine weitere Geschichte. Draußen kann man eh nichts machen.
      Und die Bilder lassen ja schon mal nichts Gutes erahnen
      Das im oberen Teil des Deckblattes soll Léon sein.
      Auf diese Story bin ich schon sehr gespannt. :thumbs02: Ich freue mich schon wenns wieder weitergeht.

      Eigentlich wollte ich am WE schon beginnen, aber mein Kopf hatte dazu eine andere Meinung. Vielleicht klappt es dieses. Drück mir die Daumen. :daumendruck:

      Bye bye jackbauerfan


      P.S. Ich habe dieses WE die ersten Seiten von meiner 5. Geschichte zu Papier gebracht. Was haltet ihr von meinem Anfang?



      Namen mit bekannten Personen aus "24" sind rein zufällig. :03:



      + + +



      1.


      Am Wochenende beginnt das Münchner Oktoberfest. Schon jetzt sind in der bayrischen Landeshauptstadt kaum noch Hotelzimmer frei. Da haben die Leute Glück, die in oder um München wohnen. Für sie ist das traditionelle Volksfest auf der Theresienwiese leichter zu erreichen. In diesem Jahr haben die Veranstalter eine gute Vorahnung, daß sie die Umsätze vom letzten Jahr toppen werden. Der Wettergott Petrus ist ihnen hold gesonnen. Die Tagestemperaturen bewegen sich zwischen 20 und 25°C. Ein richtiges Wohlfühlwetter, so daß das Bier in Strömen fließen wird. Reisebusse aus aller Herren Länder bieten Kurztripps zu diesem Ereignis an.

      Auch an der Ludwig-Maximilians-Universität steht das Barometer auf Party. Die jungen Leute die dort studieren, freuen sich ebenfalls auf das alljährliche Fest. Endlich klingelt für diese Woche zum letzten Mal die Schulglocke. Noch herrscht auf dem Campus der LMU die sagenumwobene Ruhe vor dem Sturm. Aber dies wird sich in den nächsten Minuten ändern. Schon kommen die ersten Studenten aus der Hochschule. Mehr und mehr füllt sich der Platz vor der Uni mit jungen ehrgeizigen Studierenden. Kleine Grüppchen bilden sich und besprechen ihre Wochenendplanung. Eine etwas größere Gruppe, bestehend aus fast nur Jungen, albert herum. "Hey, Léon." sagt einer von ihnen zu einem dunkelblonden schlanken Kommilitonen. "Ich hoffe du vergißt nicht, daß du uns noch was wegen deinem 18. Geburtstag ausgeben mußt. Was hälst du davon, wenn wir uns Morgen Abend alle beim Hackerbräu treffen und du spendierst uns ein Bier."

      "Also kommt, ich bin ein armer Student." sagt der angesprochene junge Mann mitleiderregend.

      "Mir kommen gleich die Tränen." Kontert ein anderer neckend. Dabei nimmt er diesen Léon scherzhaft in den Schwitzkasten. "Du kannst dich jetzt entscheiden, entweder du gibst uns eine Maß aus, oder ich erzähle Stephanie, daß du sie süß findest."

      "So etwas nennt man glatt Erpressung?" sagt der junge Mann lachend und versucht sich zu befreien.

      Doch sein Kumpel drückt den Arm nur noch mehr um den Hals seines Freundes. "Nenn es wie du willst. Ich glaube, ich sehe Stephanie dort vorn bereits kommen." Léon kann nicht sehen ob es stimmt. Als sein Kamerad dann noch laut ruft: "Ach Stephanie, kannst du bitte mal zu uns kommen! Ich muß dir was sagen!" Gibt Léon auf und klein bei. "Okay okay, ihr bekommt eure Maß." "Habt ihr das alle gehört?" will der Junge wissen und die anderen von der Gruppe nicken erfreulich. Léon bekommt seine Freiheit wieder. Gleich im Anschluss sucht er mit seinen Augen hektisch nach seiner heimlichen Liebe. Doch Stephanie ist nirgends zu sehen. "Du hast geblufft. Sie ist gar nicht auf dem Uni-Gelände." sagt Léon. "Doch, ist sie. Ich habe sie vorhin ins Direktorzimmer gehen sehen." Nach diesem Geständnis sucht der Erpresser schneunigst das Weite. Léon rennt hinter ihm her. "Hilfe!" schreit sein Freund und schlägt auf der Uniwiese Haken. Ihre gespielte Verfolgungsjagd wird von den anderen Studenten kaum wahrgenommen. Nach kurzer Zeit kommen sie zu ihrer Gruppe zurück. Beide sind völlig außer Atem.

      Ein silberfarbener Mercedes hält an der Straße und hupt. Ein Junge aus der Gruppe sagt: "Meine Mam ist da. Was ist nun mit Morgen?" "20 Uhr vorm Hackerbräu?" sagt Léon. Der Junge nickt und rennt zu seiner Mutter. Auch die anderen müssen heim. Nach und nach wird die Truppe kleiner, bis nur noch Léon und ein weiterer Studienfreund dastehen. "Ich muß jetzt auch los, sonst ist meine Bahn weg. Also dann, bis Morgen Abend." sagt der Junge und hebt seine Hand zum Abschied. "Ja, bis Morgen Abend. Sei aber pünktlich." "Werde ich sein." Danach trennen auch sie sich. Der Platz vor der Uni hat sich zwischenzeitlich geleert. Léon steht fast als einzigster noch da. Er schaut auf seine Uhr und stellt entsetzt fest, daß es bereits kurz vor 15 Uhr ist. "Oh Shit." sagt er und hebt seinen Greenburry Studentenumhängetasche vom Rasen auf. Auf dem Weg zu den letzten parkenden Autos öffnet er diese um darin seinen Autoschlüssel zu suchen. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein jungen Mädchen auf und rempelt ihn an. Léon versucht noch seine Tasche festzuhalten, doch es ist zu spät. Alle seine Bücher und Hefter fallen auf den Rasen. Auch die Unterlagen der Frau folgen der Schwerkraft. "Das wollte ich nicht." sagt sie sofort. "Es tut mir Leid. Ich bin heute so ungeschickt." Sie hilft dem jungen Mann seine Studienunterlagen zusammenzusammeln. Ihre Blicke treffen sich zufällig und Léons Herz bekommt einen heftigen Stich. Er wurde von Amor´s Pfeil präzise erwischt. Lächelnd sagt er zu dem Mädchen was in seinem Alter ist. "Das kann doch mal passieren. Ich hätte ja auch bisschen aufpassen können." "Nein nein. Das liegt einzig und alleine an mir. Ich bin immer bisschen durcheinander. Das sagt mein Chef auch ständig. Dauernd lasse ich was fallen oder schmeiße etwas um. Eigentlich müßte mein zweiter Name Tollpatschine heißen." Léon beobachtet die junge hübsche Frau stillschweigend. Nervös sucht sie die Sachen auf der Wiese zusammen, dabei streicht sie sich ständig ihre langen braunen Haare aus dem Gesicht. Als nur noch ein Studienheft auf dem Boden liegt, greifen beide danach. Ihre Hände berühren sich und den jungen Mann durchfährt es, wie von einem Stromschlag getroffen. Wieder sehen sich beide an. Léon lächelt und will wissen: "Redest du immer so viel." Er benutzt absichtlicht die DU-Anrede. Erstens, weil beide fast im selben Alter sind und zweitens, um der Frau ihre Nervösität zu nehmen. Sie lächelt und ihre dunklen, fast schwarzen Augen strahlen ihn an. "Eigentlich nicht. Bloß, wenn ich wieder mal ne Dummheit angestellt habe." Beide stehen auf. Léon hält seine noch offene Studententasche in der Hand. Die Frau gibt ihm das letzte Heft. "Bitteschön." sagt sie kleinlaut. "Dankeschön." erwidert Léon und schließt seine Tasche. Die unbekannte bildhübsche Frau bückt sich nach ihren Unterlagen, die noch auf der Wiese liegen. "Gehst du auch hier auf die Uni?" will Léon wissen. "Nein. Dazu hat es bei mir nicht gereicht. Ich bin nur eine kleine Sprechstundenhilfe." sagt sie und erhebt sich jetzt ebenfalls. Sie schaut dem jungen Mann nur kurz in die Augen, dann senkt sie ihren Blick und wird sofort knallrot. "Wenn ihnen nichts passiert ist, dann werde ich jetzt gehen. Mein Chef wird schon auf mich warten. Also dann und entschuldigen sie noch einmal." sagt sie, dreht sich um und will gehen. Doch Léon hat es erwischt. Er möchte sie unbedingt wiedersehen. Falls das nicht geht, wenigstens ihren Namen wissen. "Warte mal." ruft er aufgeregt hinter ihr her. "Ich kenne nicht mal deinen Namen." Die Frau bleibt stehen, dreht sich nach einiger Zeit langsam herum. Ihre persönlichen Unterlagen hält sie dicht an ihren Körper gedrückt. "Meine Freundinnen nennen mich Nina." sagt sie leise. "Angenehm und meine Freunde nennen mich Léon." Plötzlich klingelt dessen Handy. Ohne auf das Display zu schauen weiß er, wer der Anrufer ist. "Ich muß jetzt leider los." sagt er. "Aber ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen. Was hälst du Heute Abend von Kino? Du darfst dir den Film auch aussuchen." Sie lächelt. "Nein, besser nicht. Wir kennen uns doch noch gar nicht richtig." "Das können wir ja bei einem Drink danach nachholen. Ich verspreche dir auch, daß ich im Kino meine Finger brav bei mir halten werde." Nina muß lächeln. "Das ist sehr nett, aber nein." "Warum nicht? Ich bin wirklich ein anständiger Kerl." "Das glaube. Ich muß jetzt wirklich gehen, sonst bekomme ich Ärger." "Schade." sagt Léon traurig und läßt seine Flamme gehen. Wieder klingelt sein Handy. "Ich bin ja schon auf dem Weg." sagt er ohne es aus seiner Jacke zu nehmen und wendet sich dem Parkplatz zu. Als er sich noch einmal nach dem hübschen Mädchen umschaut, ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Genauso unerwartet wie sie aufgetaucht war, ist sie wieder verschwunden.

      Léon drückt auf seinen Autoschlüssel und mit einem leisen Piepton öffnen sich die Türen seines dunkelblauen Ford Mustang Shelby GT 500. Den hatte er von seinem Onkel Chris Evans und seinen Eltern vor einem Monat zu seinem 18. Geburtstag bekommen. Seinem Onkel gehört eine riesen Autoreparaturkette. Den Wagen hatten er preiswert erstanden und sofort an seinen Neffen gedacht. Chris ist nicht wirklich sein Onkel, das weiß der Junge. Er wurde mit 4 Jahren von seinen jetzigen Eltern, Maik und Bianca Tayler, adoptiert. Seine leiblichen Eltern sind schon lange Tod. Die Mutter wurde bei einem Überfall getötet und sein Vater. Der soll Italiener gewesen sein. Als dieser seine Eltern besuchen wollte, ist er in ein Kugelgefecht zwischen den Carabinieri und der Mafia geraten. Mehr weiß Léon nicht. Er weiß nicht einmal seinen richtigen Nachnamen. Wozu auch. Ihm geht es bei seinen Adoptiveltern gut. Nur manchmal kommen seine italienischen Wurzeln zum Vorschein. Denn er ist ein sehr temperamentvoller Junge. Besonders seine "Stiefschwester" bekommt dies oft zu spüren. Ihr "Halbbruder" will sie vor dummen Anmachsprüchen bewahren. Dabei geht er hin und wieder zu weit. Das weiß er, aber er liebt seine kleine Schwester und möchte sie vor bösen Erfahrungen beschützen. Bevor Léon den Parkplatz verläßt, schaut er noch einmal in Richtung Uni. Seine Augen suchen erneut nach dem hübschen Mädchen. Aber sie bleibt weiterhin verschwunden. Sie war wie eine schöne Fee aufgetaucht, um gleich wieder in die Schatten der Vergangenheit abzutauchen.

      Was der junge Mann nicht wissen kann. Nina ist alles andere als eine Fee. Sie nähert sich gerade einem schwarzen Brabus Widestar von Mercedes-Benz, der einige Querstraßen weiter parkt. Darin wartet bereits ein Mann auf sie. Er ist doppelt so alt, trägt eine dunkle Lederjacke und einen 3-Tage-Bart. Als sie eingestiegen ist, fragt er sie sofort: "Und?" "Ihr Männer seit doch alle gleich gestrickt. Er hat mir sofort die Nummer von dem kleinen tollpatschigen Mädchen abgekauft. Schwieriger dagegen war es, ihn danach wieder loszuwerden." Nina greift sich in die langen braunen Haare und zieht sie vom Kopf. Unter der Perücke kommt ein blonder Bubikopfschnitt zum Vorschein. "Ich will nicht deine Meinung über Männer wissen." blufft sie der Kerl an. " Ich will nur wissen, ob du das Heft von dem Bengel hast." "Ja." sagt sie. Wirft die falschen Haare auf den Rücksitz und sucht in ihren Unterlagen. Sie holt ein Uniheft von Léon heraus. Nur um dies zu bekommen, hatte sie den Zusammenstoß inszeniert. "Da habt ihr es." Sie gibt es dem Mann. Dieser blättert darin herum. Es ist fast vollgeschrieben mit irgendwelchen Uniaufzeichnungen." "Wozu braucht ihr das Heft eigentlich?" will sie wissen. "Das geht dich einen Scheißdreck an!" fährt sie der Kerl böse an. "Du wirst nur für diese eine Sache hier bezahlt." sagt er und wedelt mit Léons Heft vor ihrem Gesicht herum. "Und nicht, um dumme Fragen zu stellen." Danach steckt er sich das Heft in seine Jackeninnentasche und startet den Motor.

      Léon kommt zwischenzeitlich vor einer Sporthalle an. Davor stehen nur noch 2 Personen. Ein junges hübsches Mädchen und ein Kerl. Als sich der Mustang nähert, heben beide ihre Sporttaschen vom Boden auf. Das Mädchen gibt dem Jungen zum Abschied einen Kuss auf die Wange und sagt: "Wir telefonieren später." "Ja." Danach verschwindet er sofort. Als sie die Autotür vom Ford öffnet, will Léon wissen. "Wer war das?" "Nur ein Freund." "Welche Art von Freund?" nervt er weiter. "Komm, zieh deine italienischen Wurzeln wieder ein. Er ist die Art von Freund zu der man sagt, ganz ok, mehr aber auch nicht." Als sie ihre Tasche auf die Rücksitzbank gelegt hat und im Auto neben dem Fahrer sitzt, beugt sie sich zu ihm hinüber. Gibt ihm ebenfalls einen Kuss auf die Wange und sagt: "Schön daß du mich abholst, Brüderchen. Aber warum kommst du erst so spät? Ich hatte bereits vor einer halben Stunden AG-Schluss." "Mir ist noch was dazwischengekommen." "Wie heißt sie denn?" will sie wissen. Léon lächelt. "Wie kommst du darauf, daß ich wegen einer Frau zu spät komme." "Hey, ich kenne dich nun schon seit meiner Geburt vor 16 Jahren, ich kenne den Blick." "Welchen Blick?" will Léon wissen und schaut seine Schwester mit einer lustigen Grimasse an. Sie schlägt ihm lachend auf den rechten Oberarm. "Du bist albern." sagt sie. "Komm, laß uns fahren. Mam wird schon warten."


      2.

      Am Rand von München hat sich die bayrische Großstadt ebenfalls ganz schön gemausert. Zahlreiche neue Villen und Einfamilienhäuser sind entstanden. Hier scheint die Weltwirtschaftskrise die manche in den Ruin getrieben hat, spurlos vorbeigegangen zu sein. Die meisten Frauen sind zu Hause und erledigen den Haushalt. Sie haben es nicht mehr nötig arbeiten zu gehen. Ihre Männer tuen dies und versorgen die Familie ziemlich gut. Die Ehefrauen kümmern sich um die Kinder und wenn diese aus dem Haus sind, um sich selbst. Ab da gehören Kaffeekränzchen und Schmuckpartys zu ihrem Alltag wie früher Babyflaschen und -brei.

      Nur eine Familie auf der Straße ist auf dem Boden der Realität geblieben. Hier gehen noch Mann und Frau auf Arbeit. Ansonsten könnten sie sich diesen Lebensstandard gar nicht leisten, denn ihre beiden Kinder gehen noch zur Schule, bzw. studieren seit einigen Monaten. Außerdem lieben beide ihren Job und würden ihn nie aufgeben. Sie ist in einer Münchener Fachlinik Stationsschwester für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie und ihr Mann, er hat sich eine ziemlich gut laufende Personenschutz- und Sicherheitsdienstfirma aufgebaut, die M & L Security. Die Leute in der Gegend munkeln, daß der Hausherr früher mal ein ziemlich hohes Tier bei einer Spezialeinheit der Polizei gewesen sein soll. Aber die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist.

      Ganau vor dessen Anwesen hält gerade ein dunkelblauer Mustang Shelby. 2 junge Leute steigen aus und gehen mit ihren Schulsachen ins Haus. Léon sieht seine "Mutter" in der Küche stehen. Sie räumt gerade die Spülmaschine aus. "Mam, wir sind´s." ruft er.

      "Na endlich. Ich muß gleich zum Dienst. Gab es was besonderes in der Uni?"

      "Nein." ruft Léon und verschindet nach oben in sein Zimmer.

      "Und bei dir Amelie?" will die Frau wissen.

      Das Mädchen geht in die Küche, gibt ihrer Mutter einen Kuss und sagt: "Nein. Alles in Ordnung. In der Englischarbeit habe ich ne 2 bekommen."

      "Das freut mich. Aber jetzt muß ich unbedingt los, sonst komme ich zu spät."

      "Laß. Die Spülmaschinen können auch wir ausräumen."

      "Wirklich?"

      "Ja. Wir sind doch schon groß." sagt das Mädchen und lächelt.

      "Das ist lieb von euch. Euer Essen steht im Kühlschrank."

      "Was gibt es denn?"

      "Nudeln mit Gulasch."

      "Mmmm. Das ist mein Leibgericht." sagt Amelie freudig.

      "Das weiß ich doch." antwortet die Frau. "Ich weiß nicht, wie spät es heute Abend werden wird. Aber Maik müßte so gegen 19 Uhr nach Hause kommen."

      "Schon gut. Wir sind doch keine kleinen Kinder mehr."

      "Manchmal kommen mir da so gewisse Zweifel, wenn dich mit deinem Bruder herumzicken sehe."

      "Léon ist aber auch nervig."

      "Er ist doch nur auf deine Sicherheit bedacht."

      "Wir wohnen hier in einer Großstadt. Wer soll mir da schon was tun. Und meine Freunde, die sind alle in Ordnung. Kannst du nicht mal mit ihm reden, daß er mir bisschen mehr Freiheiten lassen soll."

      "Das kann ich machen. Aber erst Morgen."

      Die Frau nimmt ihre Jacke sowie ihre Handtasche vom Haken, danach scheint sie etwas zu suchen.

      "Suchst du schon wieder mal dein Handy?" fragt Amelie amüsiert.

      "Ja. Warum können diese Dinger nicht antworten, wenn man sie ruft."

      "Doch, können sie." sagt das Mädchen und zieht ihr Telefon aus der Hosentasche. Sie sucht im Telefonspeicher den Namen ihrer Mutter. Als Bianca auf dem Display erscheint, drückt sie die Ruftaste. Den Namen Mam in ihren Speicher einzugeben, fand sie peinlich. Aber wenn sie Bianca anruft, da lästert keiner. Aus der oberen Etage ist ein Klingeln zu hören. "Stimmt, ich hatte es mit hochgenommen." Schnell geht Amelies Mutter nach oben und ins Bad. Dort liegt ihr Telefon auf der Spiegelablage. Sie steckt es in ihre Handtasche. Auf dem Weg nach unten, klopft sie noch einmal an eine Tür. "Ja." hört man die Stimme von Léon.

      Bianca öffnet dessen Zimmer und sieht ihren Sohn am Schreibtisch sitzen. "Was machst du?" will sie wissen.

      "Hausaufgaben. Damit ich am Wochenende meine Ruhe habe. Ich will Morgen mit der Clique zum Oktoberfest gehen."

      "Nimmst doch deine Schwester mit?"

      "Mam, Amelie ist noch ein halbes Kind und würde nur stören."

      "Ich weiß, du dagegen bist schon ein richtiger Mann." sagt sie scherzhaft. Dabei fällt ihr Blick auf seine Zimmerwände. Früher hingen da Bilder von Superman und Hulk. Und heute, heute kleben dort Poster von Jack Bauer aus der Serie "24" sowie Daniel Craig als James Bond. Das einzigste was noch an sein altes Kinderzimmer erinnert, ist eine Weltkarte über dem Schreibtisch. Léons größter Wunsch seit seiner Kindheit, einmal die ganze Erde zu bereisen. Keine geplante Weltreise. Nein, er will den Globus als Rucksacktourist erkunden.

      Lange wird es nicht mehr dauern und ihre Kinder verlassen das elterliche Haus entgültig. Dann ist sie mit ihrem Mann alleine. Doch daran möchte Bianca noch nicht denken. So schiebt sie diese Vorstellung ganz weit von sich weg. Sie betritt das Zimmer komplett, geht zu ihrem Sohn und sagt: "Hast du gehört, das Essen steht im Kühlschrank."

      "Ja, später vielleicht. Ich habe noch keinen Hunger." wehrt der Junge ab.

      "Alles in Ordnung?" will Bianca wissen.

      Léon sieht sie an und lächelt. "Mach dir keine Sorgen, alles bestens."

      "Gut, dann mache ich jetzt los. Tschüß mein Schatz." Zum Abschied gibt sie ihrem Sohn einen Kuss auf dessen rechte Wange.

      "Och Mam." wehrt der Tenny ab und wischt sich mit der rechten Hand provokant über diese Gesichtshälfte. Nie würde Bianca ihren Sohn in der Öffentlichkeit Küssen, vielleicht noch vor seinen Freunden. Sie weiß wie ihre Kinder ticken und wie peinlich es ihnen wäre. Genauso peinlich wie den Namen Mam im Telefonspeicher zu haben. Ihr beiden Kinder werden langsam aber sicher erwachsen.

      + + + +




      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von jackbauerfan ()

    • Wow, dieser Part lässt sich sehen!!! Gibt's schon mehr davon??

      Kurze Zusammenfassung:
      Leon trifft kurz auf eine unbekannte junge Frau, die ihm sofort den Kopf verdreht. Was er nicht wissen kann ist, dass diese Frau keine zufällige Begegnung war.

      Toller Part, bin schon gespannt wie das weitergeht. Ich kann mir für Leon auch keine bessere Story denken, als den Werdegang seines leiblichen Vaters, doch ich glaube Maik hat da etwas dagegen!!

      MfG

      M.V.V.M.
      Ich glaube das menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution. ---- RUST Cohle
    • Hallo M.V.V.M. :34:

      Na, jetzt bin ich ja auf deinen Kommentar gespannt. :11:

      Wow, dieser Part lässt sich sehen!!! Gibt's schon mehr davon??


      Man, bin ich froh. Er scheint dir zu gefallen. :schwitz:

      Ich schreibe nur am WE, wenn Zeit ist und mein Kopf will. Leider gibt es noch nicht mehr, aber das wird sich bald ändern. Schau einfach nach einem WE vorbei und laß dich überraschen.

      Ich kann mir für Leon auch keine bessere Story denken, als den Werdegang seines leiblichen Vaters, doch ich glaube Maik hat da etwas dagegen!!


      Richtig. :daumen: Aber auch Léon fühlt sich nicht wohl in seiner Rolle als eiskalter Mafiaenkel. Doch nach der Gehirnwäsche die sie ihm verpassen, ich weiß nicht. Vielleicht findet er doch gefallen an der Macht.

      Laß dich einfach überraschen. Ich tue es auch. Mal sehen, was meine Phantasie so aufs Papier bzw. in den PC bringt.

      LG jackbauerfan
      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Wow, das ist aber mal eine super Fortsetzung. :clappingsmi3: :clappingsmi3: :clappingsmi3:

      Diese unbekannte Junge Frau war mir schon gleich nicht ganz geheuer. :11: Aber auif Leon kommt ganz schön was zu. Wahnsinn gleich eine Gehirnwäsche und das ist bestimmt noch nicht alles. :eek:
      Also ich bin auch sehr gespannt wie das weitergeht. :thumbs02:

      Ich freue mich schon auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Einen wunderschönen Gruß an alle. :34:

      Ich habe heute wieder paar Seiten zu Papier gebracht. Hier kommt die Fortsetzung.

      Viel Spaß beim Lesen wünscht euch wie immer jackbauerfan

      + + + + +

      3.

      Es ist Freitag kurz vor 17 Uhr. Vor einer alten, aber modernisierten Sporthalle stehen viele Autos. Der Parkplatz wurde extra für diese neu angelegt. Dort finden ca. 30 Autos Platz. Léon hat mit seinem Mustang zu tun, noch eine freie Stelle zu ergattern. Neben dem Auto seines Vaters findet er schließlich eine Möglichkeit. Gegenüber dem schwarzen Range Rover Sport sieht Léons Mustang irgendwie eigenartig aus. Aber neidisch ist er nicht auf den Geländewagen. Er ärgert seinen alten Herrn immer damit, in dem er sagt, daß der Rover ein Auto für alte Leute ist. Da diese es nicht mehr schaffen, aus einem sportlichen Flitzer wie dem Mustang zu kommen.

      Léon steigt aus und geht in die Sporthalle. Über der Tür hängt ein riesen Schild:

      M & L Security

      Maik & Léon Sicherheitsfirma. Langsam tritt Taylers Sohn in die Sporthalle. Sein Vater hält gerade den Kurs Nahkampftechniken. Er ist fast am Ende angekommen. Léon hatte ihm dabei schon oft zugeschaut und weiß genau, wann Schluss ist. Diesmal hat sein Vater 10 Schüler. Keiner von ihnen älter als 30 Jahre. Als sich der Junge leise gegen eine Wand lehnt um zuzuschauen, kommt Maiks Partner zu ihm. "Grüß dich Léon. Auch mal wieder hier?" will er wissen.

      "Ja. Ich wollte mal wieder vorbeischauen."

      "In der Uni läuft alles?"

      "Ich kann nicht klagen."

      Das Telefon am Tresen klingelt und der Mann sagt: "Du entschuldigst mich. Kennst dich ja aus."

      "Aber klar doch. Bin hier doch fast groß geworden."

      Der Mann verläßt den Jungen und Léon schaut weiter zu.

      Sein Vater hebt gerade ein Trainingsscharfschützengewehr vom Boden auf und stellt sich etwa 3 Meter vor einem Schüler hin. Die Anderen beobachten ihren Lehrer genau.

      Maik zielt mit der Waffe auf den jungen Mann. "Hat der Angreifer von dieser Entfernung aus eine Chance, sie mir abzunehmen?"

      "Nein." antworten alle Schüler.

      "Auch bei einer Pistole hätte er keinerlei Möglichkeit dazu."

      Maik geht einen Schritt weiter nach vorn. "Und jetzt?" will er wissen.

      "Jetzt schon."

      "Richtig." Tayler gibt die Übungswaffe seinem Schüler. Stellt sich wieder vor ihm hin, hebt seine Hände hoch in die Luft und spricht weiter. "Als erstes müßt ihr ihn Ablenken. Immer Hände hoch, das wiegt euren Angreifer in Sicherheit. Dann müßt ihr euch schleunigst aus dem Schusslauf distanzieren." Maik geht plötzlich einen Schritt schräg nach vorn, hält den Lauf der Waffe fest und drückt ihn von sich weg. "Wenn der Angreifer die Waffe herumreißen will, müßt ihr folgendes machen." Plötzlich zieht Maik das Gewehr an sich heran und somit auch den überraschten Schüler. Danach verpaßt er ihm mit seinem Kopf einen kräftigen Schlag auf die Stirn. Allerdings nur Andeutungsweise. "Euer Gegner ist danach etwas benommen. Jetzt müßt ihr den Vorderschaft nehmen und dem Mann in die Halsseite rammen. Anschließend den Hinterschaft voll auf die andere Seite." Maik hat die Waffe in der Hand und sein Schüler liegt am Boden.

      "Allen klar?" will Tayler wissen.

      "Ja."

      "Gut, dann übt das noch 5 x, danach ist Schluss für heute. Wir sehen uns nächste Woche, gleiche Zeit, wieder. Dann zeige ich euch die Messerabwehrtaktik."

      Maik geht zu seinem Sohn. "Hallo Léon. Schön, daß du mich besuchen kommst. Ist was in der Uni?"

      Langsam wirkt der Junge genervt. "Wieso fragt mich heute jeder, wie es in der Uni läuft. Kann ich nicht mal meinen alten Vater einfach so abholen?"

      "Doch doch. Aber es ist einfach schon so lange her." Tayler reicht ihm die Hand. "Schön dich zu sehen."

      Doch Léon hebt seine Hände etwas an, geht einen Schritt zur Seite und sagt lächelnd. "Oh nein. Mit dem Trick hast du mich früher immer reingelegt."

      "Was meinst du?" fragt Maik scheinheilig.

      "Ich gebe dir die Hand und liege eine Sekunde später auf dem Rücken wie ein Käfer."

      "Echt? An so etwas kann ich mich gar nicht erinnern." Auch sein Vater lächelt.

      Plötzlich greift Léon doch zu, zieht seinen Vater an sich heran, dreht ihn dabei nach links und rammt ihm leicht das linkes Knie in die Nieren. Maik sinkt auf nieder. "Hey, das war gar nicht schlecht." Doch bevor Léon seinen Sieg genießen kann, greift sein Vater nach dessen Hosenaufschlag, zieht ruckartig daran und holt ihn so von seinen Füßen. Laut krachend geht der Junge zu Boden. Die Schüler in der Halle sehen dem Treiben erschrocken zu. Sie können die Situation nicht deuten. Nur Maiks Partner kennt das Spiel zwischen Vater und Sohn. Grinsend schaut er zu. Léon scheint gelernt zu haben. Als Maik auf ihn springen will, rollt sich der Junge zur Seite und tritt seinem Vater mit der Verse ins Rückgrat. Tayler stöhnt kurz auf. Aber es hat nicht wirklich weh getan. Léon steht auf. Doch er macht einen großen Fehler. Er bleibt in der Reichweite seines Vaters stehen. Dieser dreht sich, noch immer auf dem Boden liegend, kraftvoll zur Seite und benutzt sein oberstes Bein als Fußfeger. Léon zieht es erneut die Beine weg und er kracht auf den Hallenboden.

      "Autsch." sagt Maiks Partner als er den harten Aufprall hört. Der Junge ist mit dem Hinterkopf voll auf den Fußboden aufgeschlagen und scheint ziemlich benommen zu sein. Er dreht sich langsam auf die linke Seite, stöhnt dabei und bleibt dann bewegungslos in einer fast stabilen Seitenlage liegen. Er scheint bewußtlos zu sein. Maik bekommt nun doch etwas Angst. Sein Sohn war schon länger nicht mehr hier und ist daher außer Übung. "Man Léon, mach keinen Scheiß. Was ist mit dir?" Doch der regiert nicht, selbst sein Brustkorb hebt und senkt sich nicht mehr. Seine Atmung hat ausgesetzt. Die Schüler bekommen den Zwischenfall mit und bilden einen Kreis um die beiden Männer herum. Maik kriecht sofort panisch zu seinem Sohn und kontrolliert mit seinem Zeige- und Mittelfinger dessen Puls an der rechten Halsschlagader, dabei sieht er zu seinem Partner auf und brüllt ihn an: "Ruf doch endlich nen Krankenwagen!" Dieser zieht sein Handy aus der Hosentasche und wählt die 112. Kurz bevor er auf den grünen Knopf drückt, schaut er noch einmal zu Léon. Dieser hat seine Augen etwas offen und zwinkert ihm zu. Maik bekommt davon nichts mit. Völlig unerwartet greift der Junge seinem Vater mit der rechten Hand von links herum ins Genick und drückt ihn kraftvoll zur Seite. Er nutzt dabei seine eigene Hebelwirkung aus. Maik fällt zu Boden. Léon stürzt sich sofort auf ihn und legt ihm seinen rechten Unterarm an den Hals, dann drückt er zu. Das linke Knie des Jungen sucht den Unterleib seines Vaters und drückt darauf. Maik hat keine Chance. Er bekommt kaum Luft und wenn er sich wehrt, dann bekommt sein bestes Stück etwas ab. Léon kauert grinsend über seinem Vater und sagt: "So und jetzt reden wir mal über eine Taschengelderhöhung." Der Freund von Maik steht lächelnd da. Damit hatte sein Partner nicht gerechnet. Nach Luft schnappend sagt der Vater des Jungen: "Das war unfair."

      "Böse Jungs kämpfen doch auch nicht fair. Also, wie sieht es nun mit meinem Taschengeld aus? 50 Euro mehr im Monat und ich lasse los."

      "Wenn ich JA sage, dann macht mir deine Mam die Hölle heiß."

      "Das regelst du schon. Also?"

      "Laß mir 2 Minuten Bedenkzeit." bettelt Maiks. Doch das war nur Ablenkung. Wie eine Sprungfeder schießt seine rechte Faust nach oben und trifft genau Léon´s Milz. Schon dieser zaghaft ausgeführte Schlag raubt dem Jungen seine Kraft und Maik dreht ihn zur Seite. Jetzt liegt er oben und raubt seinem Sohn die Luft zum Atmen.

      "Ok, es bleibt bei meinem alten Taschengeld." sagt Léon scherzhaft. Maik lächelt und läßt von seinem Sohn ab. Er steht auf, reicht seinem Sprößling die Hand. Dieser greift dankbar zu und steht ebenfalls auf.

      "Gar nicht schlecht." lobt Maiks Partner und klopft dem Jungen auf die Schulter.

      "Bei dir alles in Ordnung?" fragt Léons Vater fürsorglich.

      "Ja, alles ok."

      "Da bin ich froh. Deine Mutter würde mich lynchen, wenn ihrem geliebten Sohn etwas passiert. Ich geht noch schnell duschen, dann können wir nach Hause fahren."

      Nach einer halben Stunde verlassen die Sportschüler die Halle und Maik bleibt alleine in der Umkleidekabine zurück. Als er aus dem Duschraum kommt, sitzt sein Sohn auf der Bank vor dem Spint seines Vaters. Er hat sein Handy in der Hand und schreibt eine SMS.

      "Warum bist du wirklich hier?" will sein Vater wissen.

      "Ich will mich heute Abend mit Markus treffen. Wir wollen in den Club gehen. Bis dahin habe ich noch 2 Stunden Zeit."

      "Und warum wartest du nicht zu Hause? Nicht, daß ich mich über deinen Besuch nicht freuen würde."

      Léon schaut seinen Vater an. Dieser hat noch immer nur ein Badetuch um die Hüften gewickelt. Dabei kann Léon die lange Narbe auf dessen linker Bauchseite sehen und ein Trivaltattoo was an seiner rechten Hüfte beginnt und bis fast zur Brust hochgeht. Damit will er eine alte Brandwunde verdecken. Doch wenn man genau hinschaut, sieht man noch die Initialien G 6.

      Léon antwortet auf die Frage seines Adoptivvaters. "Weil mein geliebtes Schwesterchen wieder mal nervt. Ich soll ihr helfen den Geschirrspüler auszuräumen. Dazu habe ich heute aber keinen Bock. Den habe ich erst letzte Woche ausgeräumt."

      "Streite dich doch nicht immer mit Amelie."

      "Manchmal geht sie mir einfach nur auf die Nerven."

      "Sei froh, daß du überhaupt eine Schwester hast."

      "Bin ich ja auch. ... Irgendwie. Aber sie ist halt ein kleines Mädchen."

      Maik grinst und sucht in seinem Spint nach seinen Anziehsachen. Léons Blick heftet sich auf den Rücken seines Vaters. Dieser weist wie dessen Bauch zahlreiche Wunden auf. Fast noch mehr. Woher er die hat, darüber hat er noch nie gesprochen.

      4.

      Das Wochenende ist vorbei und die Wiesenbudenbesitzer zufrieden mit ihren Umsätzen. Nun hat der Alltag fast alle Menschen in München wieder fest im Griff. Außer die, die extra wegen dem Oktoberfest hierher gekommen sind und paar Tage Urlaub machen wollen.

      Die erste morgendliche Rush-Hour-Welle ist kurz vor dem Abklingen. Unter den vielen Autos deren Fahrer nur schnell zur Arbeit wollen, weil sie wieder einmal zu spät aufgestanden sind, befindet sich ein schwarzer Brabus Widestar. Er hält zielsicher vor einem größeren Bürohochhaus. Der Fahrer, ein Mann in die 40 und mit einem 3-Tage-Bart, wartet in seinem Fahrzeug auf irgendetwas oder irgendjemanden. Immer mehr Autos fahren in die hauseigene Tiefgarage. Für die zahlreichen Immobilienmakler, Versicherungsvertreter und andere Branchenmitarbeiter die in diesem Hochhaus ein Büro haben, beginnt bald der Arbeitsalltag. Am Eingang sind etliche Schilder angebracht. Jedes von ihnen funkelt in einer anderen Farbe und reflektiert die aufgehende Sonne. Schon damit sollen potenzielle Kunden auf die Eigentümer aufmerksam gemacht werden. Die Namen klingen teilweise nach dubiose Briefkastenfirmen, wie z.Bsp: Schnell und Billig In- & Export sowie Reiseunternehmen "Schau ins Land". Doch es gibt auch namenhafte Firmen wie "AXA", "R+V-Versicherung" und "LVM". Nicht so richtig hinein paßt ein Schild:
      Conrad Miller
      Graphologe

      Der Schriftexperte steuert gerade auf die Eingangstür zu. Er hat nicht das Privileg, einen der begehrten und teuren Mietparkplätze in der Tiefgarage sein Eigen zu nennen. So etwas könnte er sich gar nicht leisten. Er hat so schon zu tun, die Miete für sein Büro aufzubringen. Viel zu schlecht laufen derzeit seine Geschäfte. Er ist auf jeden Auftrag angewiesen, auch wenn er noch so beschissen ist. Aus diesem Grund hatte er den von diesem ominösen Fremden angenommen, einen Brief und Ansichtskarten zu fälschen. Und zwar so zu fälschen, daß sie selbst einem graphologischen Gutachten standhalten würden. Auf die Frage nach dem Warum, hatte der Mann ziemlich heftig reagiert. Für "Urkundenfälschung", was die Fälschung von Briefen und Karten auch irgendwie ist, gibt es in Deutschland harte Strafen. Für Fälschungsdelikte nach dem § 267 des StGB bis zu 5 Jahren Haft oder eine empfindliche Geldstrafe. Doch darüber kann sich Conrad Miller keine Gedanken machen. Er steht kurz vor seinem Aus und da kommen ihm die 10.000 Euro des Fremden gerade recht. Außerdem sollte er nur ganz banale Sätze nachahmen, wie:

      "Bin gut in Mexiko gelandet. Wetter ist toll und auch die Leute. Melde mich wieder.",

      "Kanada ist einfach unbeschreiblich. Bloß zu dieser Jahreszeit etwas kalt.",

      "China, ein Land, was ihr euch unbedingt mal ansehen müßt.",

      "Hier in Afrika ist es wieder viel zu heiß, aber trotzdem toll.".

      Alle Postkarten zeigten die Länder, wo sich der Schreiber gerade aufhält bzw. aufhalten müßte. Wo er wirklich war, darauf wollte Miller gar keine Antwort haben. Denn dieser Fremde bereitete ihm schon durch sein bloßes Auftreten ein unangenehmes kribbeln im Magen. Ein besonders beklemmendes Gefühl bekam der Graphologe bei der Fälschung des Briefes:

      "Mir geht es gut. Macht euch keine Sorgen. Ich brauche einfach nur mal eine Aus-Zeit. Es wird mir alles zu viel. Melde mich demnächst. Hab euch lieb! Léon."

      Miller hat seinen in die Jahre gekommen Opel Astra F in einer Seitenstraße geparkt. In der Innenstadt von München einen kostenlosen Parkplatz zu bekommen, das ist ein Unding. So zahlt er jeden Tag 8 Euro für ein Tagesticket. Was seinen Finanzen einen weiteren Tiefschlag versetzt. Seine Frau hatte ihn wegen seiner finanzellen Lage bereits vor Jahren verlassen, zusammen mit den 2 Kindern. Nur 1 x im Monat kommen sie ihn besuchen und selbst da können sie nicht viel unternehmen. Es fehlt einfach weiterhin das Geld. Doch mit den 10.000 Euro des Fremden, könnten sie alle zusammen ein Wochenende weg fahren und vielleicht kommt auch seine Ehe damit wieder ins Lot. An dieser Hoffnung klammernd, hatte Miller dem Auftrag letztendlich zugestimmt. Doch ein gutes Gewissen hatte er dabei nicht.

      In einem alten hellen Trenchcoat und mit einer ebenfalls ziemlich abgenutzten Aktentasche, steuert Miller auf den Eingangsbereich des Bürohauses zu. Seine Haare haben sich bereits gelichtet und sein Gang ist gebeugt. Gezeichnet von Jahren der Entbehrung. Plötzlich hupt von irgendwoher ein Auto. Der Graphologe achtet nicht darauf, bis es erneut hupt und diesmal intensiver. So bleibt er stehen und schaut sich um. Sein besonderes Augenmerk gilt einem schwarzen Offroad-Bullen. Den Fahrer erkennt er sofort, es ist dieser zwielichtige Mann mit den 10.000 Euro. Miller schaut sich nervös um. Doch wer sollte schon auf ihn achten, wenn er in diesen Brabus Widestar steigt. Zügig nähert er sich Fahrzeug und Fahrer, steigt schließlich ein.

      "Haben sie meinen Auftrag erledigt?" will der Fremde wissen. Dessen rauhe und dunkle Stimme läßt Miller erstarren und ein unangenehmer kalter Schauer läuft ihm über seinen gesamten Rücken. Seine Nackenhärchen stellen sich auf und lassen ihn frieren. Er fühlt sich in der Anwesenheit dieses Mann, wie in einem Kühlhaus eingeschlossen. Mit zitternden Händen öffnet er seine braune Aktentasche und holt den Brief sowie die zahlreichen Postkarten heraus. Unsicher über die Qualität seiner Arbeit, reicht er sie dem Fahrer. Dieser nimmt sie und begutachtet die Ausführung. Er quittiert sie mit einem zufriedenen Lächeln. "Nicht schlecht. Gar nicht schlecht." sagt er anerkennend. Als letztes holt Miller das Uniheft von Léon aus seiner Aktentasche und gibt es dem Mann. Dieser legt den Brief und die Urlaubskarten in dasselbe und verstaut es in der Seitentür. Dann greift er in die Innentasche seiner Jacke und holt ein Bündel Geldscheine heraus. Auf der Papierbanderole steht 20 x 500 Euro. Zügig nimmt der Graphologe das Geld, bevor es sich der Kerl anders überlegt. Die Scheine verschwinden in der unscheinbaren Aktentasche und schon greift Miller nach der Türentriegelung. Er möchte so schnell wie möglich dieses Fahrzeug verlassen. Doch schon packt ihn dieser Kerl derb am Rever seines Mantels und droht: "Wenn sie zu irgendjemanden ein Sterbenswort über unser Geschäft verlauten lassen, lege ich sie um. Haben sie das verstanden?" Die grünen Augen des Mannes funkeln böse und bohren sich tief in Millers Herz, lassen es fast stehen bleiben. Der Kerl meint seine Drohung erst, das weiß der Schriftexperte. "Ich werde niemanden etwas sagen." verspricht dieser. "Ich behalte sie im Auge." antwortet der Fremde und läßt den ängstlichen Mann los. Dieser verläßt fluchtartig das Fahrzeug und geht schnurstracks auf den Eingangbereich des Hochhauses zu. Nur dort glaubt er in Sicherheit zu sein. Als er diesen betreten hat, schaut er sich noch einmal nach dem schwarzen Auto um, doch es ist bereits verschwunden. Noch immer zittern seine Hände, sind seine Nackenhärchen aufgestellt und ihm ist kalt, verdammt kalt.
      5.
      In dem Haus der Taylers ist wie üblich früh Morgens ein hektisches Treiben. Léon und Amelie wollen erst nicht aus ihren Betten und dann hängt ihnen die Zeit im Nacken. So haben sie auch heute wieder einmal keine Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Der Hausherr sitzt am Eßtisch und liest gemütlich seine Zeitung. Er kennt das allmorgendliche Treiben und regt sich nicht mehr darüber auf. Bloß seine Frau Bianca hat es noch nicht aufgegeben an einem stinknormalen Arbeitstag alle 4 an den Frühstückstisch zu bekommen. Die Tochter kommt gerade von oben aus ihrem Zimmer. Die Schultasche wirft sie in eine Ecke und setzt sich an den Tisch. Schnell ißt sie ein Brötchen und trinkt ihren heißen Kakao dazu. Sie ist zwar schon 16 Jahre alt, aber Kaffee findet sie noch immer ekelig. Ihre Mutter ermahnt sie: "Man Mädchen, schling nicht so. Du bekommt noch ein Magengeschwür."

      "Das bekomme ich nicht vom Essen, sondern von meinem Bruder." Sie wendet sich in Richtung Treppe und schreit nach oben. "Komm Léon, mach hin! Sonst komme ich zu spät zur Schule!"

      "Ja, gleich! Ich kann mein beschissenes Deutschheft nicht finden!"

      "Kein Wunder bei deinem Saustall!"

      "Hey, du kannst auch mit dem Bus zur Schule fahren oder laufen wenn es dir lieber ist!"

      "Kinder, streitet euch doch nicht schon am frühen Morgen." versucht die Mutter zu schlichten.

      "Ist doch wahr." kontert Amelie. "Warst du schon mal wieder in seinem Zimmer? Ein Schweinestall sieht dagegen noch sauber aus." Doch Bianca weiß, daß ihre Tochter unrecht hat. Klar, bei Léon ist es nicht so aufgeräumt wie in ihrem Zimmer, aber so schlimm ist es auch nicht.

      Das Radio läuft und soeben beginnen die 7 Uhr Nachrichten.

      "Hast du dein blödes Heft endlich gefunden?" will Amelie von ihrem Bruder wissen. "In einer halben Stunde fängt meine Schule an."

      "Ja doch!" kommt die kurze Antwort von oben, dann taucht der Junge auf. Er greift nur schnell zu einem trockenen Brötchen und geht in Richtung Tür, seinen Rucksack hat er über die Schulter gehängt. "Was ist jetzt?" fragt er seine kleine Schwester. "Ich denke, du mußt zur Schule." Diese trinkt schnell ihren Kakao aus und steht auf. Als Léon die Haustür öffnet, ruft Bianca hinterher: "Habt ihr beide nicht was vergessen?" Die Kinder wissen sofort, was damit gemeint ist, drehen sich herum und kommen zurück. Zuerst gibt Amelie ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und sagt: "Tschüß Mam." Danach ist Léon an der Reihe. In der Zeit ist das Mädchen bei ihrem Vater und gibt auch ihm einen Kuss. "Tschau Dad. Hab euch beide lieb." Dann verläßt sie das Haus. Léon sagt zu seinem Adoptivvater: "Bis heute Nachmittag Daddy. Vergiß nicht, du wolltest mir helfen den Sportfilter in mein Auto einzubauen."

      "Wie könnte ich." sagt dieser lächelnd. Dann verlassen die Kinder das Haus und es zieht Ruhe ein.

      Maik legt die Zeitung beiseite und trinkt seinen Kaffee aus. "Ich muß jetzt auch los." sagt er, steht auf und geht zu seiner Frau, die bereits dabei ist, den Geschirrspüler einzuräumen. Sie hat heute ein verführerisches kurzes dunkelblaues Röckchen und eine fast durchsichtige weiße Seidenbluse an. Maik liebt seine Frau über alles. Für sie und die Kinder würde er durch die Hölle gehen. Er stellt seine Tasse in den obersten Korb vom Geschirrspüler. Dabei schlägt er seiner Frau zärtlich auf ihren Po und flüstert ihr ins Ohr: "Du sieht heute wieder zum Anbeißen aus. Ich frage mich jeden Tag, ob ich das verdient habe." "Das frage ich mich auch." sagt sie und sieht schmunzelnd ihren Mann an. Dieser schmiegt sich ganz sachte an sie an, dabei drängt er sie mit dem Rücken an die Küchenteile. Sie läßt es mit sich geschehen. Maik hebt seine rechte Hand und fährt ihr liebevoll durch die Haare. "Wann habe ich dir eigentlich das letze Mal gesagt, daß ich dich liebe?"

      "Gestern erst, aber ich könnte es immerzu hören."

      Ihr Mann sieht sie lächelnd an, dabei hat er wieder diese süßen Grübchen im Gesicht und seinen blauen Augen funkeln wie Sterne. Bianca bekommt weiche Knie bei dem Anblick. Sie liebt ihren kleinen Ex-Polizisten wie am ersten Tag. Die Zeit mit ihm ist einfach nur ein Geschenk des Himmels. Maik nähert sich langsam mit seinen Lippen den ihren. Plötzlich wird die Haustür aufgerissen und Léon kommt hereingestürmt. "Hab meinen Autoschlüssel vergessen." ruft er. Als er seine Eltern beim Turteln erwischt, sagt er schmunzelnd: "Seit ihr dafür nicht schon bisschen zu Alt? Ich dachte, mit fast 50 macht man so etwas nicht mehr." Maik läßt von seiner Geliebten ab und wendet sich seinem Sohn zu: "Was heißt hier, wir sind dafür zu Alt? Sieh bloß zu, daß du Land gewinnst." Und schon geht er einen Schritt auf seinen Sohn zu. Dieser nimmt schnell seinen Autoschlüssel vom Schlüsselbrett und rennt aus dem Haus. Maik hinter ihm her. Doch der Junge weiß, daß es nur Spaß ist. Mit einem Satz rutscht er mit seinem Hintern über die Motorhaube des Mustangs zur Fahrerseite hinüber. Dabei hat er bereits die Türöffnung bedient. Maik ist schon nach wenigen Metern stehen geblieben und sieht nun zu, wie sein Sohn den Wagen startet und samt Schwester davon fährt. Diese winkt ihrem Vater noch einmal zu, auch Léon hält seine Hand zum Abschiedsgruß aus dem fahrenden Auto.

      Maik geht zum Haus zurück. In der Eingangstür steht seine geliebte Bianca. Sie hat ihre Arme vor der Brust verschränkt und sieht ihren Mann spöttisch an. "Du warst auch schon mal schneller. Naja, der Jüngste bist du wirklich nicht mehr. Da muß ich Léon Recht geben." Maik steht nun vor seiner Frau und fragt sie: "Was soll das heißen? Soll ich dir mal zeigen, wie fit ich noch bin?"

      "Du kannst es mir beweisen, indem du den Müll zur Tonne bringst. Ich will ja nicht, daß du dich gleich übernimmst."

      "Das hast du nicht grundlos gesagt." meint Maik und schnappt sich Bianca. Er legt sie über seine rechte Schulter, hält sie fest und schließt die Tür.

      Sie trommelt ihm leicht mit ihren Fäusten auf dem Rücken herum. "Was hast du mit mir vor?" will sie wissen.

      "Das wirst du gleich sehen." sagt Maik ernst. Anschließend geht er mit ihr hoch ins Schlafzimmer. Dort angekommen, wirft er sie auf das Bett. Bianca versucht jedoch zu fliehen. Diesmal ist Maik schneller, schlägt die Tür zu und verstellt ihr den Weg in die Freiheit.

      "Das nennt man Nötigung und Freiheitsberaubung." sagt sie lachend.

      "Dann zeige mich doch an. Aber ich lasse dich erst wieder hier raus, wenn du den alten Mann zurück nimmst."

      "Niemals!"

      "Niemals?"

      "Ja, du hast richtig gehört. Niemals."

      "Ok. Du hast es nicht anders gewollt. Ich werde dir zeigen, was der alte Mann noch drauf hat." Maik küßt Bianca.

      Anschließend sagt sie: "Naja, so richtig bin ich noch nicht überzeugt."

      "Nein?"

      "Nein."

      Der nächste Kuss ist leidenschaftlicher. Maik fährt mit seiner rechten Hand unter ihren Rock. Biancas Atmung verschnellert sich. Nach einer halben Drehung steht sie mit dem Rücken zur Tür und ihr Mann öffnet ihr langsam einen Blusenknopf nach dem Anderen. Auch sein Blut kommt in Wallung. Er küßt das samtweiche Dekoltee seiner Frau. Diese genießt sichtlich die Leidenschaft ihres Mannes. Maik hebt sie etwas an und Bianca schlingt ihre Beine um seine Hüften, dabei kann sie bereits das Harte etwas in seiner Hose spüren. Behutsam trägt ihr Mann sie zum Bett hin und legt sich mit ihre zusammen darauf. Danach beginnen sie sich gegenseitig auszuziehen und überhäufen sich mit Küssen am ganzen Körper.

      + + + + +

      Morgen vielleicht mehr.
      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa UPDATE-TIME

      Kurze Zusammenfassung:
      Leon besucht Mike und fängt eine gestellte Prügelei mit ihm an. In der Zwischenzeit wird ein Graphologe eingeschüchtert und ein Brief wird gefälscht. Der gute Leon weiß noch nicht, dass es dabei um ihn geht.

      Ein toller Part, der mal wieder zeigt, was Maik noch draufhat und sein Adoptivsohn Leon dazu.

      Ich freu mich schon auf die Fortsetzung und danke für diese tolle Story

      MfG

      M.V.V.M.
      Ich glaube das menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution. ---- RUST Cohle
    • Und genauso super geht es auch weiter. :thumbs02:

      Ja die Beiden haben wirklich ganz schön was drauf. :thumbsup: Oha der arme Graphologe. Das kann ja noch was werden das alles. Da kommt auf uns alle noch ganz schön was zu befürchte ich. :eek:

      Ich freue mich schon auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Hallo ihr 2, Saxi und M.V.V.M. :34:

      Wie ich lese, hat euch meine Fortsetzung gefallen. Da will ich mal nicht so sein und gleich meine Schreibkünste von Heute einstellen. Viel Spannung, Prügel und eine herbe Enttäuschung für Léon.

      Na, hab ich euch neugierig gemacht?

      Ich wünsche euch und meinen anderen Lesern eine schöne Woche. Bis zur nächsten Einstellung, vielleicht schon am Samstag.

      jackbauerfan

      + + + + +

      6.

      Léon parkt seinen Mustang kurz vor der ersten Vorlesung auf dem Uniparkplatz. Zuvor mußte er noch seine kleine Schwester am Gymnasium absetzen. Dadurch ist wieder einmal ziemlich spät dran. Seine Freunde warten bereits vor der Schule auf ihn. Sie werten ihre Feier auf der Wiesn vom Samstag aus. Léon hatte wie versprochen die Geburtstagsrunde Bier ausgegeben. Alle hatten an diesem Abend eine wunderschöne Party. Sie tranken und tanzten zur Festzeltmusik. Dabei lernten sie auch paar fesche Mädchen aus Nürnberg kennen. Aber mehr als das übliche schmusen war nicht. Keiner von seinen Kumpels war so betrunken, daß er sich in ein wildes Abenteuer gestürzt hätte. Kurz nach Mitternacht kam Léon schließlich wieder zu Hause an. Die anderen wollten noch zur After-Wiesn-Party in die 089Bar gehen, aber Léon hatte dazu keine richtige Lust. Ihm ging dieses hübsche Mädchen Nina einfach nicht aus dem Kopf. Gerne hätte er sie näher kennengelernt. Doch anscheinend bleibt dies ein Traum. In Zukunft wird er aufpassen, ob er sie noch einmal in der Nähe der Uni sieht. Dann probiert er es einfach ein weiteres Mal, sie zu einem Date zu überreden.

      Die Schulglocke kündigt den baldigen Beginn der Ersten Vorlesung an. So machen sich alle Studenten auf den Weg zu ihrem entsprechenden Hörsaal. Auch Léons Kommilitonen machen sich auf. Der Junge dreht sich aus irgendeinem Grund noch einmal um und entdeckt Nina. Sie steht gleich neben einem Baum. Ein Lächeln taucht auf beider Gesichter auf. Léon stößt seinen Kumpel an: "Geht schon vor. Ich komme gleich nach." Und schon dreht sich Maiks Sohn herum und läuft in Richtung des Mädchens. "Wo willst du hin? Die Vorlesung geht gleich los!" ruft ihm sein Freund hinterher. "Ich weiß. Dauert nicht lange." Während die Schüler verschiedener Semester die Ludwig-Maximilian-Universität betreten, kommt Léon bei Nina an. Er sagt: "Das freut mich aber, daß wir uns doch noch einmal wiedersehen. Wie komme ich denn zu der Ehre?"

      "Ich möchte dir etwas zurückgeben."

      Léon schaut erst etwas irritiert, dann lächelt er und sagt: "Du hast also mein Herz gefunden. Du kannst es gerne behalten, ich schenke es dir."

      Nina schaut schmunzelnd und etwas geschmeichelt zu Boden. Dabei werden ihre Wangen wieder so süß rot wie beim letzten Mal. Léon gefällt diese Unschuldsmiene.

      "Danke für das Angebot. Aber ich meine eher dein Uniheft. Bei unserem Zusammenstoß am Freitag muß es ausversehen bei meinen Unterlagen gelandet sein." Die Frau greift in ihre Umhängetasche und gibt Léon sein Deutschheft zurück.

      "Man, das habe ich schon verzweifelt gesucht. Danke." Der Junge steckt das Heft in seinen Rucksack. "Da uns das Schicksal ein zweites Mal zusammengeführt hat, sollten wir es nutzen. Was hälst du heute Nachmittag von einem schönen Kaffee?"

      Wieder wird das Mädchen rot. "Das sehe ich als Einladung zu einem Date."

      Léon schmunzelt und sagt: "Ja, so ist es. Was hälst du nun davon?"

      "Naja, ich weiß nicht."

      "Jetzt komm nicht wieder damit, daß wir uns doch noch gar nicht richtig kennen. Wir haben uns schon das 2x getroffen. Ich kenne deinen Namen und du meinen. Also sind wir uns nicht mehr fremd. Außerdem lade ich dich ja nicht zu mir nach Hause ein. Was sagst du?"

      Nina schaut ihren Verehrer unschuldig an, was Léons Herz sofort schneller schlagen läßt.

      "Also gut. Du gibst ja doch nicht auf. Heute Nachmittag um 4 am Marienplatz vor dem Fischbrunnen?"

      "Um 4 ist schlecht. Da habe ich mit meinem Vater etwas vor. Wie sieht es mit 5 aus?"

      "Ok. Um 5 vor dem Fischbrunnen."

      "Ich freue mich. Aber jetzt muß ich los, sonst fängt die Vorlesung ohne mich an."

      "Ich muß auch gehen. Ansonsten verpasse ich meinen Bus."

      Gerade in diesem Moment kommt ein Linienbus angefahren. Er hält kurz an der etwa 100 Meter entfernten Haltestelle. Als keiner der Fahrgäste anstalten macht auszusteigen und niemand an dem Wartehäuschen steht, gibt der Fahrer Gas und fährt weiter.

      "Meinst du den Bus?" will Léon wissen.

      "Verdammter Shit! Jeden Tag fährt der eher. Jetzt muß ich mir ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen."

      Das ist das Stichwort für Léon. "Wohin mußt du denn?"

      "Ich muß nach Neuperlach."

      "Das liegt doch nur einen Katzensprung vor München. Komm, ich fahre dich."

      "Mußt du nicht zur Vorlesung?"

      "Schon. Aber für eine schöne Frau lasse ich die gern mal ausfallen."

      "Du bist süß." sagt Nina geschmeichelt.

      "Ich weiß." antwortet Léon mit einem verführerischen Lächeln. "Jetzt aber schnell. Bevor mich noch ein Professor erwischt."

      Beide rennen zum Mustang. Dabei kichert Nina wie ein kleines Mädchen.

      10 Minuten später verlassen sie bereits die Innenstadt. Der Verkehr in diesem Bereich hat extrem zugenommen. Bis zur nächsten Vorlesung wird es knapp werden, denkt sich Léon. Aber was soll´s. Verpaßt er halt auch die Zweite.

      In der Nähe einer Schule darf er nur 30 km/h fahren. 2 Elektriker machen sich gerade an einem Stromkasten zu schaffen. Ihr weißer Kleintransporter mit der Aufschrift "Stadtwerke München", parkt halb auf der Straße. Der Mustang muß abbremsen um den Gegenverkehr durchzulassen. Léon fällt dabei nicht auf, daß die beiden Männer in den blauen Arbeitsanzügen auffallend in Richtung Auto schauen. Nina lächelt sie an.

      Endlich, Léon kann an dem Transporter vorbeifahren und somit seinen Weg in Richtung Neuperlach fortsetzen. Kaum sind sie außer Sicht, holt einer von den Elektrikern ein Funkgerät aus seinem Blaumann und sagt: "Ok. Sie sind gerade an uns vorbeigefahren. In 5 Minuten müßten sie bei dir ankommen." "Habe verstanden. Packt schon zusammen und macht euch bereit zur Übernahme des Päckchens."

      "Geht klar." Die Männer packen ihre Werkzeugkiste zusammen und verschließen das Stromhäuschen. Danach setzen sie sich in ihr Auto und folgen dem Mustang. Dieser ist bereits seit längerer Zeit außer Sicht. Aber das ist egal, es gehört zum Plan.

      Léon hat das CD-Radio angemacht und hört die Lieblingsscheibe seiner Schwester. Sie steht voll auf Tim Bendzko. Gerade kommt das Lied: Nur noch kurz die Welt retten. Und wie zu erwarten war, fährt Nina voll darauf ab. "Das ist ein echt schönes Lied. Darf ich lauter machen?" will sie wissen.

      "Aber klar doch." sagt Léon und dreht den Klangregler höher.

      Er sieht zu ihr hinüber und muß schmunzeln, als sie dazu rhythmisch ihren Oberkörper bewegt und mitsingt. Dabei achtet er nicht auf einen schwarzen Brabus Widestar, der ihm die Vorfahrt nimmt. Verärgert über den Fastzusammenstoß hupt Léon und schimpft: "Blöder Arsch du! Kannst du nicht aufpassen? Ich hatte Vorfahrt und nicht du!"

      Als ob der Fahrer dies gehört hätte, bremst er auf einmal ab und bleibt dann sogar stehen. Plötzlich ist der Fahrer des Mustangs nicht mehr so mutig. Léon schaut in den Rückspiegel, doch er ist mutterseelenallein auf der Landstraße. Der Fahrer des Geländewagens steigt aus und der Junge erkennt sofort, daß er gegenüber diesem Mann keine Chance hat. Er ist einen Kopf größer und auch wesentlich muskulöser. Das kann man schon durch seine schwarze Lederjacke erkennen. In seinem Hosengürtel steckt außerdem eine Waffe.

      "Oh oh, das sieht nach Ärger aus!" sagt Léon panisch. Dann wendet er sich an Nina. "Halt dich fest!" Während Maiks Sohn den Rückwärtsgang einlegt, zieht der Mann seine Waffe und zielt auf den Junge. Doch er drückt nicht ab. Dann passiert etwas völlig unerwartetes. Nina hat plötzlich eine 380 Ruger in der Hand und zielt auf Léon. Diese kleine Pistole konnte sie problemlos in ihrer Umhängetasche verstecken.

      "Was soll der Scheiß?" will Léon wissen.

      Doch Ninas Gesichtsausdruck ist zu allem entschlossen. "Gib mir den Autoschlüssel." fordert sie kalt.

      Nun kann sich Maiks Sohn entscheiden. Entweder wird er von dem Kerl der vor seinem Auto steht erschossen, oder von der Frau auf seinem Beifahrersitz. Beide Varianten gefallen ihm ganz und gar nicht. Aber was soll er tun? Noch immer ist kein anderes Auto in Sicht. Irgendwie kommt Léon die ganze Sache spanisch vor. Das mit dem verpaßten Bus war mit ziemlicher Sicherheit erstunken und erlogen und er war dank seiner jugendlichen Hormone auch noch darauf hereingefallen. Seinem Vater wäre dies nicht passiert. So wie es aussieht, haben die Beiden es auf sein Auto abgesehen.

      "Den Schlüssel! Ich fordere dich nicht ein weiteres Mal auf." sagt Nina kaltschnäuzig.

      "Du bist eine verdammt verlogene Schlampe." sagt der Junge und zieht widerwillig den Autoschlüssel aus dem Schloss. Diesen wirft er in ihren Fußraum mit der Hoffnung, daß sie sich danach bückt. Doch sie ist clever und tut es nicht. "Aussteigen!" lautet ihr nächster Befehl. Léon greift nach dem Türgriff. Der Fahrer des Brabus "hilft" ihm unsanft beim Verlassen des Fahrzeuges.

      "Los, Pfoten aufs Autodach und Beine auseinander!" blafft er den Jungen an.

      "Von Höflichkeit habt ihr wohl noch nichts gehört?" will Léon wissen.

      Dafür bekommt er von dem Mann mit dem Waffengriff einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf. "War das höflich genug für dich?" will er wissen.

      "Anscheinend haben wir beide verschiedene Ansichten von gutem Benehmen." sagt Léon angeschlagen. Er hofft durch seine Provokation Zeit zu gewinnen. Irgendwann muß hier doch mal ein Auto vorbeikommen. Maiks Sohn spürt die Glock 20 des Mannes im Genick, während er von ihm durchsucht wird. Sein Handy und seine Wohnungsschlüssel steckt er sich ein, den Rest wie Geldbörse, Uniausweis und Kleingeld wirft er achtlos in den Mustang. Wenn sie bloß sein Auto klauen wollen, wieso wird er dann so gründlich gefilzt? fragt sich Léon. Ihm sein Handy abzunehmen versteht er noch, damit er nicht die Bullen rufen kann, aber alles andere? Irgendetwas paßt hier nicht zusammen.

      Der Kerl durchsucht ihn sehr gründlich. In jede noch so kleine Tasche fast er hinein. Léons Vater, Maik Tayler, hatte ihm zwar verschiedene Nachkampftechniken gelehrt, aber hier brachten sie ihm nichts, denn eine zweite Waffe zielt auf seinen Bauch, die Waffe von Nina. So kann er nur abwarten, was weiter geschieht.

      Auf einmal erkennt der Junge am Horizont ein Auto. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Er bekommt Hilfe. Weder der Mann noch Nina haben bis jetzt den Wagen entdeckt und das soll auch so bleiben. Léon versucht alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Was wollt ihr eigentlich von mir? Wollt ihr mein Auto? Bitteschön, nehmt es euch. Aber macht mir ja keine Kratzer ran, sonst vergesse ich meine gute Kinderstube."

      Der Kerl ist mit der Durchsuchung fertig, jetzt steht er ganz dicht neben seinem Opfer und flüstert ihm ins Ohr: "Halt deine vorlaute Fresse, sonst stopfe ich sie dir."

      "Wenn schon dann: BITTE, halte deine vorlaute Fresse."

      Das fremde Fahrzeug nähert sich zusehens. Léon kann schon erkennen, daß es sich um einen weißen Kleintransporter handelt. Sein Herz schlägt schneller und er fängt an, seine Muskeln anzuspannen. Denn sobald der Kerl und auch Nina das Fahrzeug entdecken, werden sie für paar Sekunden abgelenkt sein. Dann wird Léon einen Gegenangriff starten. Doch noch ist es nicht soweit. Maiks Sohn versucht nicht zu auffallend nach rechts in Richtung Retter zu schauen. Dann sind sie da, doch der Kerl mit der Waffe zeigt keinerlei anstalten von seinem Opfer abzulassen. Auf dem weißen Transporter steht an der Seite: "Stadtwerke München." Dieser fährt langsam an dem Mustang vorbei und hält schließlich in gleicher Höhe wie der Brabus parkt. Die Ladetür wird aufgeschoben und 3 Männer in dunkler Kleidung steigen aus. Sie gehen zu Léon. Dieser sieht seine Befreiung schwinden. Entweder er unternimmt jetzt sofort selber etwas, oder er ist verloren, denn die Kerle haben es eindeutig nicht auf sein Auto abgesehen, sondern auf ihn selbst.

      Léon dreht sich ruckartig vom Auto weg, verpaßt dem Kerl mit der Waffe einen heftigen Schlag mit dem Ellenbogen ins Gesicht. Dieser schreit auf und faßt sich an die Nase. Blut schießt sofort aus dieser heraus. Einem weiteren Mann tritt der Junge mit voller Wucht in die Weichteile. Er sinkt jammernd auf die Knie und hält seine Hände schützend vor die Genitalien. Dabei hat er zu tun, daß er sich vor Schmerz nicht übergeben muß. Während sich Léon dem zweiten Mann aus dem Transporter zuwendet, schleicht sich der Letzte um den wildgewordenen Teeny herum. In einem günstigen Moment greift er ihn sich von hinten und drückt ihm ein mit Ether getränktes Tuch ins Gesicht. Es dauert nur wenige Sekunden und Léon verliert das Bewußtsein.

      Die gesamte Aktion hat nicht länger als 10 Minuten gedauert. Die Männer legen den schlafenden Adoptivsohn von Maik Tayler in den Transporter, steigen ein und verschwinden. Der Fahrer des schwarzen Geländewagens bleibt zusammen mit Nina zurück. Er wischt sich mit seinem Taschentuch das Blut von der Nase. Man, der Bengel hatte ihn voll erwischt. Noch etwas mehr Schlagkraft von ihm und seine Nase wäre ein Fall für den Chirurgen geworden.

      Nina hat sich zwischenzeitlich auf den Fahrersitz des Mustangs gesetzt und ihre Perücke abgenommen. Die kratzt unerträglich. Innerlich muß sie grinsen, daß der Kerl doch paar ganz schöne abbekommen hat. Er behandelt sie die ganze Zeit wie Dreck, obwohl er auf sie als erfahrene Diebin angewiesen ist. Der Mann hat seine Waffe wieder in den Hosenbund gesteckt, zieht nun 2 Umschläge aus seiner Jackentasche und beugt sich zu der Fahrerin hinunter. "Du weißt was du zu tun hast?" will er wissen.

      "Ja. Den Mustang stelle ich in der Nähe vom Flughafen ab und dann verschwinde ich."

      "Richtig. Und dann vergißt du ganz schnell, daß wir uns kennen."

      "Eigentlich kennen wir uns gar nicht richtig. Ich weiß nicht mal euren Namen."

      "Es reicht, wenn ich deinen kenne. Wenn du das Auto des Jungen parkst, legst du diesen Umschlag ins Handschuhfach."

      "Ok."

      "Vergiß es nicht."

      "Ich bin zwar blond, aber nicht blöd. Den Umschlag ins Handschuhfach zu legen, kann ich mir gerade noch merken." wiederholt sie eingebildet.

      Völlig unerwartet für die Frau, greift der Kerl ihr blitzschnell in die kurzen Haare und zieht derb daran. "Leg dich lieber nicht mit mir an." droht er ihr.

      "Das war auch gar nicht meine Absicht." sagt sie kleinlaut.

      "Dann ist ja gut." Er läßt sie wieder los, zeigt ihr den zweiten Umschlag. "Hier in dem sind deine 3.000 Euro. Gibt nicht alles auf einmal ausgeben." sagt er grinsend.

      Am liebsten hätte sie dem Kerl einen weiteren Nasenstüber versetzt, aber sie läßt es lieber.



      7.

      Die zweite Vorlesung hat begonnen. Doch noch immer fehlt von Léon jede Spur. Seine Freunde machen sich langsam Sorgen. Bloß sein bester Kumpel Markus sieht es anders. "Habt ihr vorhin nicht diese dunkelhaarige Schönheit gesehen, zu der unser Casanova hin ist. Ich möchte wetten, die probieren gerade Biologie in der Praxis aus." Alle müssen sich das Lachen verkneifen. Denn Markus hat Recht. Léon ist schon ein Frauenheld und Draufgänger was das andere Geschlecht betrifft. Kein Wunder, so wie er aussieht.

      Nina hat endlich eine Parkmöglichkeit in der Nähe vom Flugplatz gefunden. Sie nimmt den Brief in die Hand, den sie im Handschuhfach deponieren soll. Er ist verschlossen. Sie möchte zu gern wissen, was der Inhalt ist. So sieht sie sich kurz um und reißt schließlich den Umschlag auf. Darin liegt ein Brief, darauf steht:





      Mir geht es gut. Macht euch keine Sorgen. Ich brauche einfach nur mal eine Aus-Zeit.

      Es wird mir alles zu viel. Melde mich demnächst.

      Hab euch lieb!

      Léon





      Jetzt versteht die Frau auch, warum sie unbedingt das Heft von diesem Jungen stehlen sollte, wegen der Fälschung seiner Handschrift. Und sie kapiert ebenfalls, weshalb sie den Mustang unbedingt in der Nähe vom Flughafen platzieren sollte. Hier wird er irgendwann gefunden und dann sieht es so aus, als ob der Junge ein Aussteiger ist. Mit ziemlicher Sicherheit ist ein Flug auf seinem Namen gebucht wurden. Allerdings wird ein anderer Mann diesen antreten. Niemand wird auf die Idee kommen, daß der Junge entführt wurde. Aber warum? Auf alle Fälle nicht wegen Lösegeld. Die Sache muß einen anderen Grund haben. Vielleicht läßt sich aus dem Wissen noch etwas mehr Kapital herausschlagen, mehr als diese läppischen 3.000 Euro mit denen sie abgespeist wurde. Vorsichtshalber macht sie mit ihrem Handy ein Foto vom Brief. In den nächsten Tagen wird sie die Zeitungen genauer studieren. Vielleicht setzt jemand eine ganz bestimmt Vermißtenanzeige hinein.

      Sie legt den Brief, ohne Umschlag, in das Handschuhfach. Ansonsten würde es blöd aussehen. Dann verläßt sie das Auto, schließt ab und läßt den Schlüssel unbemerkt in einen Gulli fallen. Für sie ist der Auftrag erledigt. Vorerst.

      Ganz in der Nähe vom Münchener Flughafen fährt ein weißer Kleintransporter mit der Aufschrift "Stadtwerke München" und ein Brabus Widestar auf ein stillgelegtes Flugfeld. Hier werden sie bereits von einem schwarzen Leichenwagen erwartet. Als sich beide Fahrzeuge nähern, steigen der Fahrer und Beifahrer desselben aus. Ebenfalls vollkommen in schwarz gekleidet. Sie öffnen zwischenzeitlich die Kofferraumklappe. Im Inneren befindet sich ein schöner Eichensarg mit viel aufwendiger Verzierungen. Die Männer klappen ihn auf und eine weiße samtweiche Verkleidung kommt zum Vorschein. Dann warten sie auf das Eintreffen der beiden Fahrzeuge. Zuerst hält der Geländewagen neben dem Leichenauto. Ein gut trainierter Mann steigt aus. Er begrüßt den Fahrer des Sarggespannes. Dieser will wissen: "Alles glatt gelaufen? Habt ihr ihn?" Dabei hört man ganz deutlich einen südländischen Akzent heraus.

      "Ich denke, wir haben den Richtigen." sagt der Fahrer des Brabus selbstgefällig.

      "Das würde meinen Boss freuen."

      Nun hält auch der Kleintransporter. Wieder werden die Seitentüren aufgeschoben und 3 Männer steigen aus. Sie helfen einem vierten, der hinter dem Rücken Handschellen und einen grauen derben Sack über dem Kopf trägt. Sie setzen den anscheinend noch etwas benommen Mann auf die Ladekante. Dabei muß einer ihn festhalten, ansonsten wäre er gleich wieder nach hinten gekippt.

      "Was ist mit ihm?" will der Fahrer des Leichenwagens wissen.

      Grinsend antwortet ihm der Boss der Entführer: "Wir mußten ihn bisschen ruhig stellen."

      "Warum?"

      "Naja. Sagen wir mal, er hat ein ziemliches Temperament."

      "Ich will ihn sehen." fordert der südländische Mann.

      "Kein Problem. Jungs." befielt der Fahrer des Brabus seinen Leuten. Der Chef des Leichenwagens sieht sich zu seinem Beifahrer um. Dieser greift in seine Anzugjacke und holt ein Bild heraus. Darauf ist Léon zu sehen, wie er sich mit seinen Freunden im Park unterhält. Der Beifahrer tritt näher an den auf der Ladekante sitzenden Mann heran. Nun zieht einer von den Kidnappern dem Jungen die Kapuze vom Kopf. Dieser muß seine Augen durch die plötzliche Helligkeit schließen. Den Mann vor sich nimmt er nur verschwommen war, denn das Diethyl-Ether in seinem Körper hat sich noch nicht vollständig abgebaut. Da Léon seinen Kopf gesenkt hält, kann der Mann dessen Gesicht nicht mit dem vom Foto vergleichen. Einer von den Entführern faßt daher Léon derb in die Haare und zieht dessen Kopf brutal nach hinten. Schmerzvoll stöhnt der Junge auf, gleichzeitig zeigt er Gegenwehr. Doch diese wird sofort im Keim erstickt. Der Mann vor Léon dreht sich zu seinem Boss und bestätigt: "Das ist eindeutig der Enkel von Salvadore Graziano."

      "Zufrieden?" will der Geländewagenfahrer wissen.

      "Ja. Ich bin sehr zufrieden Herr Jäger." bestätigt der Boss der schwarzen Limousine. Nun wendet er sich noch einmal seinem Gehilfen zu: "Während ich das Geldliche regel, kannst du den Jungen bereits transportfähig machen." "Geht klar." bestätigt sein Mitarbeiter. Er steckt das Foto zurück in seine Anzugtasche und holt so etwas wie einen dicken Kugelschreiber aus der anderen heraus. Die Schutzkappe steckt er sich in den Mund und zieht sie somit ab. Jetzt kann man sehen, daß es kein Kugelschreiber ist, sondern ein Pen, ein Injektionswerkzeug was man besonders bei der Gabe von Insulin benutzt. Das Besondere daran ist, daß bereits vorab eine bestimmte Menge eines Medikamentes eingestellt werden kann. Man muß nur noch die kurze Kanüle in die Haut stechen und schon wird der Stoff automatisch freigesetzt. Doch in diesem Pen hier ist kein Insulin, sondern Secobarbital, ein rasch wirkendes Schlafmittel. Kaum erkennt Léon, daß er wieder etwas bekommen soll, schon wird er erneut gemeingefährlich. Er tritt um sich und versucht auch seinen Oberkörper als Waffe einzusetzen. Aber 3 : 1, da ist er chancenlos. Es dauert nicht lange und sie haben den Jungen wieder fest im Griff. Nun kann ihm der Kerl problemlos das Secobarbital injizieren.

      Jäger und der Interessent für den Jungen haben sich zwischenzeitlich etwas zurückgezogen. Sie klären das Finanzielle. Vor ihnen liegt auf der Motorhaube des Brabus ein schwarzer Aktenkoffer. Der noch Geldbesitzer öffnet ihn und sagt: "Hier, das sind genau 250.000 Euro, wie abgemacht." Jäger kontrolliert die Scheine, schaut auch die unteren Reihen durch. Doch alles scheint in Ordnung zu sein. Zufrieden schließt er den Koffer und gibt dem Mann die Hand: "Es ist mir immer ein Vergnügen mit Ihnen Geschäfte zu machen, Herr Bertani."

      Nachdem ihre Bosse das Geschäftliche geklärt haben, gehen sie zu ihren Männern zurück. Diese sind mit dem Verladen des Sarges fast fertig. Léon liegt bereits tief und fest schlafend darin, dadurch wird er allerdings seinen Flug nach Sizilien verträumen.

      Eine Air Berlin Maschine wartet bereits auf dem Rollfeld auf die angekündigte Fracht. Es ist für die Flugbegleiter nicht alltäglich einen Leichnam zu transportieren, aber hin und wieder kommt es vor. Endlich kommt der Leichenwagen angefahren. Er hält unter dem Flugzeug. Sofort wird das Transportband, was das Gepäck der Gäste in die Ladeluke befördert, erneut angelegt und der Sarg nach oben transportiert. In der Zeit ist Bertani in das Flugzeug gestiegen. Er wird die unfreiwillige Reise von Léon Graziano überwachen. Dieser liegt angeschlossen an eine Sauerstoffflasche sowie in speziellen Wärmedecken gepackt in seinem kleinen, stillen und luftdichten "Bettchen" und schlummert friedlich.

      + + + + +

      :wavey: :31:




















      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Verdammt, die haben Leon!!!

      Kurze Zusammenfassung:
      Leon fällt auf die Diebin herein und wird prompt entführt. Seine Entführer handeln wohl im Auftrag von Salvadore Graziano. Er kann sich für kurze Zeit wehren, doch wird er trotzdem entführt.

      Tolles und vor allem schnelles Update!!!!

      Danke für diese tolle und spannende Story, ich freue mich schon auf eine Fortsetzung

      MfG

      M.V.V.M.
      Ich glaube das menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution. ---- RUST Cohle
    • Grüß dich M.V.V.M.

      Ja, sie haben Léon. :13: Der hatte aber auch absolut keine Chance. Aber wenigstens konnte er seinem Entführer, diesem feinen Herrn Jäger, paar anständige verpassen. :daumen:


      Und in Punkto großer Klappe scheint er voll nach seinem Adoptivvater Maik zu kommen. Das kann noch lustig werden, irgendwie jedenfalls. Denn Léon bekommt eine Gehirwäsche verpaßt. Eh sein Kopf dazu bereit ist, wird er durch die Hölle gehen müssen. Aber ich will nicht zu viel verraten.

      Tolles und vor allem schnelles Update!!!!


      Ja. Diesmal ging es Schlag auf Schlag. Und von Nina dürften wir auch noch einiges erwarten.

      Danke für deinen superschnellen Kommentar. :d87470fe:

      Bis vielleicht nächstes Wochenende.

      LG jackbauerfan
      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Shit, jetzt haben sie doch tatsächlich Leon geschnappt. :11:

      Ja das war wirklich gut, dass er diesem Herrn Jäger noch eine verpassen konnte. Und mit der großen Klappe kommt er tatsächlich nach seinem Adoptivvater Maik.
      Oh, oh durch die Hölle muß Leon gehen. :eek: Das hört sich aber überhaupt nicht gut an. Das klingt nach viel Schmerzen und Blut. :eek:
      Na ich bin mal gespannt wie das weitergeht.

      Und deshalb freue ich mich schon auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Hallo Saxi ! !
      Ja das war wirklich gut, dass er diesem Herrn Jäger noch eine verpassen konnte.
      Schade, daß Léon noch nicht die Kraft seines Adoptivvaters hat. Ansonsten wäre Jägers Nase Brei bewesen. :daumen:
      Und mit der großen Klappe kommt er tatsächlich nach seinem Adoptivvater Maik
      Das macht den Jungen doch gleich noch sympatischer.
      Oh, oh durch die Hölle muß Leon gehen. Das hört sich aber überhaupt nicht gut an. Das klingt nach viel Schmerzen und Blut
      Genau das wollt ihr doch lesen und ich will es schreiben. :zwinker:
      Na ich bin mal gespannt wie das weitergeht.


      Und schon geht es weiter. Denn ist WE und ich komme zum Schreiben.

      Viel Spaß beim lesen wünscht jackbauerfan

      + + + + +

      8.

      Ein weißer Kleintransporter mit der Aufschrift "Stadtwerke München" verläßt soeben die Innenstadt. Er nähert sich einem kleinen aber noblen Außenbereich mit zahlreichen neugebauten Villen. Vor einem Haus bleibt er stehen und der Beifahrer wählt mit seinem Handy eine einprogrammierte Nummer. "Wo befindet sich die Zielperson?"

      "Auf Arbeit."

      "In Ordnung." Das kurze aussagekräftige Gespräch wird sofort wieder beendet und der Kerl wählt erneut. "Wo seid ihr?"

      "Wir stehen vor der Klinik. Ihr habt grünes Licht."

      "Geht klar." Auch diesmal unterbricht der junge Mann gleich darauf die Verbindung. Er sieht zu seinem Partner und sagt: "Das Haus ist sauber."

      "Gut, dann packen wir mal paar Sachen zusammen."

      Beide Männer steigen aus. Sie tragen noch immer ihre Elektrikerkleidung. Einer von ihnen hat einen größeren Rucksack über der Schuler hängen und der andere trägt einen Handwerkerkasten. So ausgestattet achtet niemand von den Nachbarn auf die beiden Fremden. Mit festen Schritten nähern sie sich dem Anwesen. Der Fahrer greift in seine Hosentasche und holt den Schlüsselbund von Léon heraus. Damit kommen sie unproblematisch auf das mit einem eisernen Tor verschlossene Grundstück. Eine 2 m hohe Hecke aus Buchsbaum schützt die Eigentümer vor neugierigen Blicken. Die beiden Elektriker von den Stadtwerke folgen dem kleinen Weg hin zu dem 2 stöckigen Wohnhaus. Die Wiese ringsherum ist kurz gemäht. Einige kleinere Rotahornbäume säumen den Pfad hin zum Gebäude. Ihr herbstliches Laub wiegt sich im zarten Wind wie kleine rote Flammen. In dem künstlich angelegten Teich gleich neben dem Haus rauschen die wunderschönen großen Blütenwedel der Silberfeder. Sie verleihen dem Grundstück ein gepflegtes Ambiente. Auf der Terrasse die sich vor dem Wohnbereich befindet, spiegelt sich der gute Geschmack der Hausfrau genauso wieder, wie auf dem kompletten Gelände. Beeindruckende Herbstarragements aus Ton, Blumen sowie verschieden Zierkürbisse runden das Bild eines idyllischen Familielebens ab. Doch diese Harmonie wird bald bis auf die Grundmauern erschüttert. Problemlos kommen die beiden Männer mit Hilfe von Léons Schlüsselbund ins Haus, ohne irgendwelche Einspruchsspuren zu hinterlassen. Der Fahrer des Kleintransporters sagt zu seinem Kumpel: "Du suchst hier unten und ich oben."

      "Geht klar."

      Auch nach der 4. Vorlesung ist Léon noch nicht aufgetaucht. So langsam wird sein bester Freund Marcus nervös. In der Pause versucht er seinen Kameraden über Handy zu erreichen. Doch es schaltet sich nur dessen Mailbox ein. "Hey, sag mal, wo steckst du?" spricht er darauf. "In 2 Stunden schreiben wir den Sprachtest. Den solltest du lieber nicht verpassen, ansonsten macht dich Professor Henken zur Schnecke."

      Die Air Berlin Maschine aus München ist soeben auf dem Flughafen in Palermo gelandet. Mit Bussen werden die Gäste zum Ankunfsterminal und der Zollkontrolle gefahren. Ihr Gepäck bekommen sie später. Noch wird es vom Bodenpersonal auf entsprechende Wagen verladen. Der mitgeflogene Sarg bekommt einen Gesonderten, der nur für solch exklusive Fracht gedacht ist. Da der Leichnam direkt von einem hiesigen Bestattungsunternehmen in Emfang genommen wird, braucht der Sarg nicht die Zollkontrolle passieren, sondern wird direkt vom Gepäckwagen in eine schwarze Limousine verladen. Diese hält noch einmal kurz vor dem Terminal 4. Bertani steigt zu dem Fahrer ins Auto und fragt ihn: "Gab es Probleme?"

      "No, kessun problema." (Nein, keine Probleme.)

      "Meraviglioso." (Wunderbar.)

      Danach fahren sie in Richtung Innenstadt.

      Gleichzeitig verlassen die beiden falschen Elektriker das Grundstück der Familie Tayler. Außen dem Rucksack und dem Werkzeugkasten haben sie nichts zusätzliches bei sich. Alles sieht nach einer routinemäßigen Kontrolle aus, die vom Eigentümer selbst in Auftrag gegeben wurden war. Zügig steigen die 2 in ihren Transporter und verschwinden aus der Gegend.

      20 Minuten nachdem die schwarze Limousine den Flughafen verlassen hat, hält diese vor einem großen Garagentor mitten in Palermo. Der Fahrer hupt 2 x und schon wird das Tor wie von Geisterhand geöffnet. Langsam fährt der Opel Senator in das menschenleere Gebäude. Nur ein dunkelgrüner Jeep Commander parkt bereits dort. Die Scheinwerfer zeigen dem Fahrzeugführer den sicheren Weg. Erst als der Leichenwagen hält und das Tor geschlossen ist, werden wie von einer unsichtbaren Kraft verursacht Neonröhren eingeschaltet. Die Insassen des Opels bleiben ruhig sitzen, auch als plötzlich 5 Männer mit Maschinengewehren wie aus dem Nichts auftauchen. "Aussteigen, aber schön langsam." brüllt einer von ihnen auf italienisch. Die beiden Männer in dem Leichwagen folgen dem Befehl. Kurz darauf liegen ihre Oberkörper auf der Motorhaube und sie werden von 2 Männern gründlich durchsucht. Als diese jedoch keine Waffen finden, sagt der Anführer der bewaffneten Männer: "Sono pulite!" (Sie sind sauber.)

      Sekundenlang geschieht nichts. Eine bedrückende Stille mischt sich mit dem Geruch von altem Motorenöl. 2 von den Neonröhren sind defekt. Ihr ständig flackerndes Licht und das Klickgeräusch was sie dabei verursachen, erinnern an einen Horrorfilm. Den beiden Männern aus dem Leichenwagen ist in ihrer Haut nicht wohl. Wieso bekommen sie nicht einfach ihre Geld? Der Auftrag ist ausgeführt. Der gesuchte Junge aus Deutschland liegt fest schlafend in dem Sarg und wurde wie ausgemacht hier abgeliefert. Was wollen die Kerle noch? Unverhofft geht die hintere Tür vom Jeep auf und ein kräftiger Mann mit braungebrannter Haut steigt aus. Er trägt Tarnkleidung, eine kurzärmlige Weste und eine lange Hose. Seine muskulösen Oberarme sind mit dem Tattoo der hiesigen Cosa Nostra verziert. Ein Totenkopf von 2 Schwertern durchbohrt und auf der Stirn des Schädels stehen die Großbuchstaben: GG. Giuseppe Guttadauro, die Initialien einer ziemlich einflußreichen Mafiafamilie hier in Palermo. Dieser Kerl ist eindeutig ein Mitglied dieser Gruppe. Den beiden Männern auf der Motorhaube rutscht sofort ihr Herz in die Hose. Sie sehen sich ängstlich an. Wer ihr wahrer Auftraggeber ist, davon hatten sie bis jetzt keine Ahnung.

      Der Kerl zündet sich provokativ langsam eine teure kubanische Zigarre an. Das Streichholz berührt nicht die Spitze, denn das würde den Geschmack verderben. Vorsichtig dreht er den in Papier gehüllten Tabak in seinem Mund und zündet ihn dadurch gleichmäßig an. In der Zeit fällt kein Sterbenswort. Es ist wie ein Ritual. Endlich brennt die Zigarre und sofort erfüllt ihr herber und doch süßlicher Duft die Garage.

      "Habt ihr Léon Graziano?" fragt das Mafiamitglied schließlich die beiden Männer.

      "Ja, er schlummert friedlich in seinem Bettchen." antwortet Bertani.

      Der Anführer der bewaffneten Männer sieht zu seinen Leuten und nickt ihnen zu. Daraufhin gehen Drei der Fünf zu dem Leichenwagen und öffnen den Kofferraum. Den Sarg der sich darin befindet, ziehen sie nach vorn und stellen ihn auf den Boden. Die anderen Beiden zielen weiterhin mit ihren Maschinengewehren auf die ängstlichen Männer die vorn auf der Motorhaube liegen. Bedächtig geht der Mafiamann mit seiner Zigarre zu dem Opel. In der Zeit haben seine Männer den Sarg geöffnet. Ein junger Mann, gerade mal 18 Jahre alt, liegt darin. Vor seinem Mund ist eine Sauerstoffmaske angebracht und die dazugehörige Flasche liegt etwas weiter unten an der Seite. Die 3 Männer entfernen die Maske sowie die Sauerstoffflasche und auch die wärmende Decke die über dem Körper des Jungen liegt. Da es im Frachtraum eines Fliegers ziemlich kalt ist, sollte diese das Auskühlen verhindern. Handschellen vor dem Körper schränken seine Bewegungsfreiheit ein. Léon steht noch immmer unter dem Einfluss des Secobarbitals. Wieder einmal wird sein Gesicht mit dem von einem Foto verglichen. Der Kerl der dies tut, nickt seinem Boss anschließend zu. Dieser lächelt zufrieden und zieht erneut an seiner Zigarre. "Weckt ihn auf." sagt er ruhig. "Ich möchte nur sicher gehen, daß er keinen Schaden genommen hat." Der Mann mit dem Foto läßt dieses in seiner Jackeninnenseite verschwinden und holt eine kleine durchsichtige Ampulle heraus. Diese hält er unter Léons Nase und zerbricht sie. Der beißende Geruch des Ammoniaks läßt den Jungen leise aufstöhnen und den Kopf zur Seite drehen. Doch die Dosis reicht noch nicht aus, um die Wirkung des Schlafmittels aufzuheben. Die winzigen Scherben der Ampulle wirft der Mann hinter sich und greift erneut in seine Jackentasche. Eine weitere wird unter Léons Nase zerbrochen. Diesmal ist seine Reaktion heftiger. Er hebt blitzartig seine gefesselten Arme an und versucht den Mann abzuwehren.

      Der Kerl in Tarnkleidung sieht dem Treiben stillschweigend zu, dabei raucht er weiterhin genüßlich seine Zigarre.

      Der Junge in dem Sarg hat seinen rechten Unterarm auf seiner Stirn liegen. Seine Atmung ist bereits schneller geworden, doch sein Geist scheint weiterhin auf Snooze zu stehen. Ein 3. Mal greift der Kerl in seine Jackentasche und holt eine kleine Glasampulle mit dem Ammoniumcarbonat heraus. Doch diesmal sagt Léon leise: "Wag es ja nicht." Der Mann sieht zu seinem Boss, dieser grinst nur. Danach wendet er sich an die beiden Männer die vorn auf dem Leichenwagen liegen. "Ich bin sehr zufrieden." sagt er. Dann sieht er zu seine Männer die Bertani und den Fahrer noch immer bewachen. "Bezahlt sie." Bevor die Lieferanten von Maiks Sohn regieren können, trifft sie eine tödliche Salve. Die Schüsse gehen jedoch ungehört in dem Straßenlärm von Palermo unter.

      In Deutschland parkt währenddessen ein schwarzer Brabus Widestar mit Jäger am Steuer am Ufer der Isar, etwas abseits von München. An dieser Stelle hier ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Genau der richtige Ort für ihr Vorhaben. "Wo bleiben die Beiden bloß?" fragt sich der Fahrer des Geländewagens. Dann taucht ein weißer Kleintransporter mit der Aufschrift "Stadtwerke München" auf. Er verläßt die Bundesstraße und fährt in Richtung Isar. Neben dem Brabus hält der Fahrer, läßt seine Scheibe herunter und fragt scheinheilig: "Wartest du schon länger?"

      "Laß deine blöden Witze." wird er von Jäger angeschnauzt. "Habt ihr die Sachen."

      "Na klar. War eine von den leichteren Übungen."

      "Dann kommt. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit."

      Jäger verläßt seinen Jeep und geht nach hinten zu seinem Kofferraum. Dort holt er einen 10 Liter Benzinkanister heraus und geht damit zum steinigen Ufer. Die 2 Elektriker folgen ihm kurz darauf. Einer von ihnen hat seinen übergroßen Rucksack über der Schulter hängen. Diesen stellt er vor Jäger auf den Boden, öffnet ihn und holt eine Adidas Reisetasche heraus. Auch diese öffnet er. Darin befinden sich verschiedene Kleidungsstücke. "Ich habe alles zusammengepackt, was ein Teeny bei seinem Welttrip so brauchen könnte. Shirts, Hosen, Schuhe. . . . Kondome." Bei Letzterem zieht der Kerl grinsend eine Schachtel mit Billy Boy Kondomen heraus. "Was die jungen Leute so alles im Nachttisch haben."

      "Verschone mich mit den Einzelheiten." blafft Jäger. "Habt ihr auch den Pass gefunden?" will er wissen. Nun greift der andere Mann in seine Gesäßtasche und holt einen Reisepass heraus. Diesen gibt er Jäger. Der öffnet ihn und liest leise den Namen des Besitzers: Léon Tayler. Dabei kann man ein Lächeln auf seinem ansonst mürrischen Gesicht erkennen. "Sehr gute Arbeit."

      "Ich weiß." sagt nun wieder der Fahrer des weißen Transporters. "Wir sind eben die Besten die du unter Vertrag hast."

      "Ansonsten würdet ihr auch schon längst auf dem Friedhof liegen." sagt Jäger ernst und schaut beide Männer böse an. Diese Worte bringen die Beiden sofort wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie sind keine Freunde, sondern nur eine Zweckgemeinschaft. Ben Jäger versorgt die Aufträge und sie führen sie aus. Dafür werden sie bezahlt und mehr nicht.

      Ihr Boss wirft den Reisepass von Léon auf die offene Tasche, danach entleert er den Benzinkanister darüber. Im Anschluss daran holt er den Studentenausweis des Jungen aus seiner Lederjacke und zündet ihn mit einem Feuerzeug an. Als dieser brennt, wirft er ihn in die Reisetasche. Mit einer fast 1 Meter hohen Stichflamme entzündet sich der Inhalt. Wieder greift Jäger in seine Jacke und fördert die Geldbörse und den Personalausweis von Taylers Sohn zu Tage. Beides wirft er in die Flammen. Diese verzehren sich nach weiterer Nahrung und sie sollen sie bekommen. Denn als letztes holt Jäger das Handy von Léon heraus. Er öffnet die Rückseite, nimmt das Akku und die SIM-Karte heraus, danach wirft er die 3 Sachen ebenfalls in das lodernde Gemisch aus Benzin, Textilien und Papier. Einer von den Elektrikern läßt den Wohnungsschlüssel von Léon ebenfalls in dem Feuer versinken. Damit verbrennt jedes Anzeichen einer Entführung. Falls Maik Tayler seinen Sohn als vermißt melden sollte, werden alle polizeilichen Ermittlungen ins leere laufen. Denn Léon ist volljährig und kann sich aufhalten wo er will. Alle Indizien werden darauf hindeuten, daß der Junge ein Dropout ist, ein Aussteiger. Auf einer Flugzeugpassagierliste wird letztmalig sein Name auftauchen. Er hat mit seiner EC-Karte einen einfachen Flug nach Mexiko gebucht. Ab da wird sich seiner Spur verlieren. Hin und wieder wird von ihm aus verschiedenen Ländern eine Urlaubkarte bei seinen Eltern eintreffen. Darauf werden ganz banale Dinge stehen wie: Mir geht es gut. Hier ist es schön. Das solltet ihr auch mal sehen.

      + + + + +

      Morgen geht es bestimmt weiter. :daumendruck:









      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Oh weia Leon ist schon in seinem ehemaligen Land.

      Kurze Zusammenfassung:
      Leons Maschine landet in Italien. Dort wird er sofort aufgeweckt und versucht sich sogleich wieder zu wehren. Sein Reisepass wird verbrannt und auch ansonsten weisen alle Spuren darauf hin, als wäre er ein Dropout.

      Man das wird ja immer heftiger. Jetzt wird es sicher ernst für Leon.

      Danke für diese tolle Story, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

      MfG

      M.V.V.M.
      Ich glaube das menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution. ---- RUST Cohle
    • Hallo M.V.V.M. :34:

      Gleich im Anschluß geht es weiter mit einer spannenden Fortsetzung.

      Oh weia Leon ist schon in seinem ehemaligen Land.

      Nicht ganz. Noch hält sich Leon in Sizilien auf. Aber dort soll er auf seine neue Position als Mafia-Boss vorbereitet werden.

      Man das wird ja immer heftiger. Jetzt wird es sicher ernst für Leon.


      Das stimmt. Aber irgendwie erinnert mich Léon an Maiky. Warum? Lies und du kennst die Antwort.

      :Lehrer: Achso, noch etwas wichtiges. Die nächsten 2 Wochenenden werde ich nichts einstellen. Denn da bin ich bei meiner Tochter, weil ..... Ich bin wieder Oma geworden. :yahoo:

      Am 27.10. kam die kleine Alina Marie zur Welt. :daumen: Eine supersüße kleine Maus. :freudentanz:

      Aber jetzt geht es weiter mit Léon. Viel Spaß.

      jackbauerfan

      + + + + +

      9.

      Am Nachmittag desselben Tages hält Maik wieder einen Kurs. Diesmal ist Selbstverteidigung angesagt. Die Teilnehmer sind zwischen 16 und 30 Jahren alt und setzen sich aus Jungen sowie Mädchen zusammen. Sie üben gerade die Abwehr eines Betrunkenen, als Maiks Partner mit dem Schnurlostelefon zu ihm kommt und ihm ins Ohr flüstert, daß seine Tochter am anderen Ende ist. "Sie soll später anrufen." blockt ihr Vater ab, denn er wird bei seinen Kursen nur ungern gestört.

      "Sie klingt aber ziemlich aufgebracht. Du solltest mal mit ihr Reden. Ich übernehme den Kurs derweilen."

      "Ok." Maik nimmt das Telefon und sagt zu den Teilnehmern: "Ich muß mal ganz kurz telefonieren. Dirk macht zwischenzeitlich weiter."

      Tayler geht mit dem Telefon in eine ruhige Ecke und spricht mit seiner Tochter. "Was gibt es denn so dringendes?" will er wissen.

      "Léon hat mich mal wieder versetzt."

      Maik rollt mit seinen Augen. "Und was soll ich da tun? Hast du ihn schon mal angerufen?"

      "Ja, aber es geht nur seine Mailbox ran."

      "Vielleicht ist er in einer Vorlesung."

      "Nachmittag um 3? Da ist keine mehr."

      "Vielleicht ist er bei seinem Kumpel. Wie heißt der gleich? ......" Maik muß kurz überlegen.

      "Du meinst Marcus. Den habe ich auch schon angerufen. Er hat gesagt, Léon sei heute gar nicht in der Uni gewesen."

      "Was?" fragt ihr Vater jetzt auch verärgert. "Wieso nicht? Er ist doch gleich nachdem er dich an deiner Schule abgesetzt hat zur Uni gefahren. Oder hat er dir was anderes gesagt?"

      "Nein. Er meinte sogar noch, daß er sich jetzt beeilen muß, sonst verpaßt er die 1. Vorlesung."

      "Das Schwänzen sieht deinem Bruder gar nicht ähnlich."

      "Eben. Marcus hat mir noch gesagt, daß Léon zwar an der Uni gewesen sei, aber dann nicht mit hineingegangen ist, weil er eine Frau gesehen hat. Er schien sie zu kennen. Marcus und seinen Freunde hatte er geben, daß sie schon in den Hörsaal gehen sollten, er würde sofort nachkommen. Seit dem fehlt jede Spur von ihm. Marcus hat ihm schon mindestens 4 x auf die Mailbox gesprochen. Nix."

      "Wer weiß, wo sich der Junge herumtreibt. Wenn ich heute Abend zu Hause bin, werde ich ihm die Leviten lesen."

      "Na toll. Und wie komme ich jetzt nach Hause?"

      "Wo bist du denn?"

      "Bei meiner Freundin Jessica. Léon wollte mich 14 Uhr von ihr abholen."

      "Dann mußt du halt mit dem Bus nach Hause fahren oder nimmt dir ein Taxi."

      "Das Geld hole ich mir aber von meinem Bruder wieder. Darauf kannst du wetten."

      "Ja, mach das. Jetzt muß ich weitermachen. Wenn sich Léon bei dir meldet, gibst du mir bitte Bescheid."

      "Ja, mache ich." Amelie legt auf. Sie sitzt bei ihrer Freundin auf dem Bett und ist sticksauer auf Léon. Wütend sagt sie: "Mein Bruder macht mich mit seinen Weibergeschichten noch verrückt."

      "Hey, der sieht aber auch süß aus. Ich würde ihn jedenfalls nicht von der Bettkante schupsen."

      "Du bist unmöglich." sagt Amelie grinsend.

      "Ist doch wahr." kontert Jessica. Léon ist ihr schon oft ins Auge gefallen. Aber der hatte sie immer nur als gute Freundin ihrer kleinen Schwester gesehen. Gern hätte sie mehr von diesem süßen Jungen gehabt, aber es sollte nicht sein. Er war bereits 18 und ein Mann, sie dagegen mit ihren gerade mal 16 Jahren in seinen Augen noch ein kleines Kind. "Komm, ich frage mal meine Mam, ob sie dich fahren kann." bietet Jessica ihrer Freundin an.

      Maik ist von dem Anruf seiner Tochter doch etwas aus der Bahn geworfen. Léon ist zwar ein Frauenschwarm, daß hat er schon oft mitbekommen, aber sein Sohn ist auch zuverlässig. Sich in der Uni den ganzen Tag nicht blicken zu lassen und auch nicht an sein Telefon zu gehen, das war nicht seine Art. Hat sein "verschwinden" etwas mit dieser Frau zu tun? Wenn er heute Abend zu Hause ist, wird er sich sein Früchtchen mal vornehmen, denn so geht es nicht.

      Im Anschluss an das Telefonat übernimmt Maik wieder den Kurs. Aber so richtig ist nicht bei der Sache. Seine Gedanken gehen immer wieder hin zu seinem Adoptivsohn. Wo treibt der sich bloß herum?

      Der ehemalige Polizist kann nicht im entferntesten Ahnen, daß zwischen ihm und Léon eine Entfernung von 1.600 km liegt.



      10.

      Ein dunkelgrüner Jeep Commander mit extrem stark getönten Hinterschreiben fährt zügig einen Schotterweg entlang. Dieser Schotterweg ist zwar eine offizielle Straße, aber viele meiden sie und weichen lieber auf die Neugebaute aus. Außerdem gibt es in der Richtung wo der Jeep hin fährt keine touristischen Sehenswürdigkeiten, nur alte Zitrusfarmen die teilweise schon seit Jahren in Familienbesitz sind. Die Farmen sind so weit auseinandergelegen, daß man bis zum Nachbarn mit dem Auto mindestens 1 Std. braucht. Der Fahrer des Geländewagens hält auf den Berg Monte Pellegrino zu, der sich an der Nordküste von Sizilien befindet. Dort, am Fuß des 600 Meter hohen Kalkberges liegt seine Zitrusfarm. Die 75 ha hatte er bereits vor Jahren von Matteo Messina Denaro für seine treuen Dienste geschenkt bekommen. Der Diabolik, wie ihn gute Freunde nennen dürfen, ist der größte Anführer der sizilianischen Cosa Nostra hier in Palermo. Keiner will ihn zum Feind haben und wenige können ihn Freund nennen. Dieses große Glück hat er, Santino Vincenco, ein alter Guerillakämpfer. Vor 10 Jahren hatte er dem Mafiaboss mal den Arsch gerettet, indem er ihn vor einer Razzia in einem seiner Bordelle gewarnt hatte. Wo er gerade dabei war, kiloweise Drogen zu verticken. Seit dem erledigt Vincenco kleinere und größere Auftrage des Despoten. Dieser Auftrag hier war allerdings anders als die Üblichen. Er sollte dafür sorgen, daß dieser Junge aus Deutschland innerhalb von 4 Wochen seine wahre Identität akzeptiert. Noch dachte dieser, daß er der Sohn eines Ex-Bullen und jetzigen Fitnesstrainers ist. Doch Léon Tayler heißt in Wirklichkeit Léon Graziano und ist der Enkel von Salvadore Graziano. Einem sehr bekannten Mafiaboss in Italien, genauer gesagt in der Nähe von Neapel. Doch dieser sitzt schon seit Jahren im Gefängnis. Seinen Mafiatätigkeiten wurde vor 14 Jahren der Gar ausgemacht, indem sich der amerikanische Geheimdienst FBI, die italienische Antimafiaorganisation DIA und das deutsche BKA zu einer Großoffensive zusammengeschlossen hatten. Dabei wurde sein Sohn, Marco Graziano und Vater von Léon, getötet. Dieser Ex-Bulle Maik Tayler mußte dabei eine Rolle gespielt haben. Aber welche, darüber wollte man Vincenco nicht aufklären. Salvadore Graziano sitzt zwar für Lebenslänglich hinter Gittern, aber seine guten Kontakte innerhalb wie außerhalb der Gefängnismauern sind weiterhin erstklassig. So konnte er auch dafür sorgen, daß sein Enkel immer im Auge behalten wurde. Als sich Grazianos Gesundheitszustand jedoch rapide verschlechtert hatte, wollte er noch erleben, daß sein Enkel seine Geschäfte übernimmt und in seinem Namen weiterführt. Zur z.Zt. tat dies sein zweitgeborener Sohn Franco Graziano. Doch der war genauso weichlich wie seine Mutter. Diese war bereits vor 4 Jahren an Krebs gestorben.

      Santino Vincenco konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er von Matteo Messina Denaro den Auftrag bekommen hatte, den 18 jährigen Jungen ohne Aufsehen zu entführen, nach Sizilien zu bringen und ihn, wie sagt man so schön, ihn umzupolen. Aus einem harmlosen Uni-Studenten einen kaltblütigen Killer zu machen, der notfalls über Leichen geht, um die Interessen der Familie durchzusetzen. Anscheinend waren der Diabolik und Graziano enge Freunde.

      Santino hatte über die 4 Wochen Zeit gelacht. 2 Wochen würde er brauchen um alles vorzubereiten, dann hatte er immer noch 2 für die Umerziehung des Jungen. Was sollte ihm ein 18 jähriges Kind für einen großen Widerstand entgegenbringen. Er würde höchstens 2 Tage dafür brauchen. Danach würde der Bengel heulend vor ihm liegen und alles tun, nur um dieser Hölle zu entkommen. Doch damit liegt Vincenco vollkommen daneben, denn Maiks Sohn wird ihm die Hölle heiß machen und ihn an den Rand zum Wahnsinn treiben. Denn eins hatte ihm der Diabolik verboten, den Jungen so hart anzufassen, daß dieser einen körperlichen Schaden davon trägt.

      Der Fahrer des Jeeps, Santino Vincenco, nähert sich nun seinem Anwesen. Im Auto befinden sich weitere 4 Personen. Auf dem Beifahrer- und auf den beiden äußeren Hintersitzen halten sich 3 von seinen Männer auf. Der Vierte ist dieser Junge aus Deutschland. Dieser sitzt auf der Rücksitzbank zwischen 2 Leuten. Wieder einmal verhindert ein Sack über seinem Kopf, daß er was sehen kann. Auch trägt er noch immer seine Handschellen. Léon hat keine Ahnung, wo die Männer ihn hinbringen. Eins macht ihn jedoch sehr unsicher, wieso reden die Männer italienisch? Sind sie etwa nicht mehr in Deutschland? Und falls ja, wohin hatten sie ihn verschleppt und aus welchem Grund?

      Léon kann den penetranten Schweißgeruch der Männer sogar durch seinen "Kopfschmuck" hindurch riechen und ihm wird fast schlecht davon. Von Hygiene scheinen die Kerle nicht viel zu halten. "Kann mal jemand ein Fenster aufmachen, sonst muß ich kotzen. Hier drinnen stinkt es wie in einem Iltisbau." sagt Léon. Anscheinend übersetzt einer von den Männern seine Worte und schon trifft ihn ein brutalen Ellenbogenschlag in den Magen. Seine Bauchdeckenmuskulatur verkrampft sich sofort, ebenso wie sein Zwerchfell. Die Folge daraus, Maiks Sohn bekommt kaum noch Luft. Er beugt sich nach vorn und hält sich seinen schmerzenden Magen mit den gefesselten Händen. Man, die Kerle scheinen keinen Spaß zu verstehen, sind seine ersten Gedanken als er wieder atmen kann. Santino schaut nur kurz in den Rückspiegel und muß grinsen. Der Junge scheint ein kleines Großmaul zu sein, der nicht den blassesten Dunst hat, in was für einer für ihn beschissenen Situation er sich befindet. Diese vorlaute Klappe werden sie ihm ganz schnell austreiben, da ist sich Santino sicher.

      Kurz darauf halten sie vor einer schönen alten Finca. Auf dem Gelände laufen vorwiegend Männer mit Maschinenpistolen herum. Sie tragen fast alle Armeekleidung. Die wenigen anderen haben zerrissene Shirts und Hosen, laufen fast ausnahmslos Barfuß. Deren Körper sind von Wunden übersät und ihre Leiber weisen verherrende Mangelerscheiningen auf. Man bekommt den Eindruck, daß hier auf diesem Areal moderne Sklaverei betrieben wird. Die Hunde die herumlaufen sind keine Schoßhunde, sondern reine Kampfmaschinen. Mit ihren großen Köpfen und messerscharfen Zähnen, die alles zerfleischen was ihnen zwischen das Maul kommt, bestätigt sich der erste Eindruck von Knechtschaft.

      Léon wird unsanft aus dem Auto gezogen. Auf dem Weg zur Finca stolpert er oft, da er nichts sieht. Doch seinen Peinigern ist dies egal. Sie ziehen den Jungen mitleidlos weiter. Sie bringen ihn in das alte Haus aus Backstein. Erst als sie in einer Art Büro ankommen, zwingen sie den Teeny auf einem Stuhl platzzunehmen. Vor dem Gefangenen an einem großen Eichenschreibtisch setzt sich ihr Boss, Santino Vincenco. Ein kurzer Blick zu seinen Männern und sie wissen was sie zu tun haben. Einer von ihnen nimmt dem Jungen den Leinensack vom Kopf. Léon streicht sich erst einmal seine Haare aus dem Gesicht. "Na endlich. Ich dachte schon, ich muß unter dem Ding ersticken." motzt er wieder herum. Danach schaut er sich in dem Büro um, ignoriert absichtlich den Mann am Schreibtisch. An den Wänden sind alte, schon fast vergilbte Bilder der Farm zu sehen. Auf den Möbeln stehen kitschige Gegenstände, als hätte sie der Eigentümer in einem billigen Andenkenladen gekauft. Und Staubgewischt könnte auch mal wieder werden. "Naja, ich hatte schon saubere Absteigen." sagt Léon schließlich. Santino lächelt über den Mut des Jungen. Doch er weiß genau, daß er sich vor Angst fast in die Hosen macht.

      "Fertig?" will der Mann am Schreibtisch wissen.

      "Für´s erste ja. Aber ich habe auch noch nicht alles gesehen."

      "Eine komplette Führung gibt es vielleicht später, wenn du kooperierst."

      "Mit kooperieren meinen sie: An einem Strang ziehen, Hand in Hand arbeiten, Team working? An mir soll es nicht liegen. Aber zur Zeit komme ich mir vor, als hätte ich als einzigster die Arschkarte gezogen. Gut, diese stinkenden Kerle hinter mir ausgenommen, die sind mit so einer bereits auf die Welt gekommen. Also bleiben wir 2 nur als zivilisierte Menschen übrig." Léon geht aufs ganze. Er möchte sehen wieweit die Kerle mitgehen, bevor er paar übergezogen bekommt. Daran kann er dann erkennen, wie wichtig er für sie ist. Ein bedeutendes Indiz dafür, ob er die Sache hier einfach seelenruhig aussitzen oder sich doch lieber aus dem Staub machen sollte.

      "Ich möchte dir einen guten Rat geben." sagt der Kerl am Schreibtisch. "Wenn du dein hübsches Gesicht behalten willst, solltest du besser die Klappe halten."

      "Wieso? Diese Freizeitrebellen hinter mir verstehen doch bloß Bahnhof."

      "Da wäre ich mir nicht so sicher. Kommen wir also wieder zurück zu deinem Grund des hierseins."

      Léon hebt seine gefesselten Hände etwa an und tut so, als ob er sich wie in der Schule melden würde. "Ich hätte da noch eine winzige Frage?"

      Langsam nervt dieser Bengel, stellt Santino fest. "Und die wäre?" fragt er daher gereizt.

      "Habe wir 2 schon mal Bruderschaft getrunken, weil ihr mich dauernd duzt. Also ich wüßte nicht."

      Damit hatte Léon das Maß überschritten. Einer von Santinos Leuten kommt nach vorn und schlägt dem Jungen einen Gewehrkolben genau ins Gesicht. Léon fällt durch die Wucht des Schlages vom Stuhl. Seine dadurch aufgeplatzte Unterlippe blutet wie verrückt und seine Zähne tun ihm weh, aber er scheint keinen eingebüßt zu haben. 4 brutale Hände zwingen ihn auf den Stuhl zurück.

      "Das zum Thema, daß meine Männer nur Bahnhof verstehen." sagt Santino grinsend, nimmt eine Zewa Box vom Schreibtisch und steht auf. Langsam geht er um diesen herum und hält dem Jungen die Spenderbox hin. Doch Léon hat seinen Stolz. Er greift nicht nach einem sauberen Taschentuch, sondern beugt sich zur Seite, spuckt das Blut aus seinem Mund auf den Boden und wischt sich das Restliche, was bereits sein Kinn hinunterläuft, mit den eigenen Händen ab. Seine dunklen Augen blicken den Mann vor sich haßerfüllt an.

      "Dann nicht." sagt Santino und stellt die Box auf den Tisch zurück. Er selbst setzt sich leicht auf die Kante, greift zu einer Mappe und zeigt Léon ein Bild von seinem wirklichen Vater, Marco Graziano. "Kennst du den Mann?" will der Kerl wissen. Irgendwie kommt Maiks Sohn der Mann bekannt vor, aber er kann nicht sagen woher. "Wieso?" fragt Léon.

      "Kennst du ihn oder nicht!" Santino wird nun deutlich aggressiver.

      "Nein, nicht das ich wüßte."

      "Das ist dein Vater, Marco Graziano."

      Léon fängt an zu lachen. "Ah, da haben wir die Erklärung. Ich muß euch enttäuschen, ihr habt den falschen Sohn. Mein Vater heißt Maik Tayler. Würde mich jetzt bitte einer zum Flughafen fahren." Der Teeny steht auf, doch er wird sofort von 2 Leuten zurück auf den Stuhl gedrückt. "Was denn noch?"

      "Sag bloß, deine jetzigen Eltern haben dir nie erzählt, daß du von ihnen adoptiert wurdest." will Santino wissen. Damit glaubt er einen Trumpf auszuspielen.

      Doch Léon hat ein besseres Blatt. "Das hättet ihr wohl gern. Aber da muß ich euch enttäuschen. Ich weiß es." Mit einem triumphierenden lächeln lehnt sich Léon an seinen Stuhl zurück. Noch einmal wischt er sich über seine Unterlippe, die einfach nicht aufhören will zu bluten.

      Santino fährt sich mit seiner rechten Hand über Mund und Kinn. Diese Rotzgöre macht ihn langsam aber sicher verrückt. Immer muß der das letzte Wort haben. Vincenco versucht sich zu beherrschen, damit er ihn nicht auf der Stelle windelweich prügelt und danach seine Fragen stellt. "Gut, du weißt es also." sagt er schließlich und versucht dabei ruhig zu wirken. Doch seine Männer kennen ihn und wissen, daß er kurz vorm explodieren steht.

      "Richtig, der Kandidat hat 100 Punkte."

      Das blöde Grinsen des Jungen läßt Santinos Blutdruck ansteigen.

      "Was haben sie dir alles erzählt?"

      "Zuerst ihr. Dann können wir unser Wissen ja Kollationieren."

      Die Wut auf diesen Bengel läßt Santino nun wie einen Vulkan explodiert. Er steht blitzartig von der Schreibtischkante auf, greift sich den kleinen Scheißer, zieht ihn vom Stuhl hoch und wuchtet dessen Rücken gegen eine Wand. Der Aufprall ist so hart, daß Léon kurzzeitig die Luft wegbleibt und die Bilder an den Wänden wackeln. Santino würgt den Jungen und seine Augen sind dabei vor Wut rotunterlaufen. Maiks Sohn versucht mit seinen gefesselten Händen die des Mannes von seinem Hals zu bekommen, doch dafür hat er einfach nicht die Kraft. Langsam aber sicher bekommt er atemnot.

      "Jetzt hör mir mal zu!" brüllt der Kerl seinen jungen Gefangenen an. "Wenn du denkst, das hier ist ein Spiel, dann muß ich dich enttäuschen." Santino läßt kurzzeitig locker, damit der Junge nicht erstickt. Dann drückt er wieder zu und Léons Hinterkopf knallt zurück an die Wand. "Hier auf meiner Farm gilt nur eine Regel: Ich stelle die Fragen und du antwortest! Nichts anderes! Hat du das jetzt verstanden?!" Léons Gesicht ist knallrot und seine Atmung wird röchelnd. Langsam schwindet auch seine Kraft zur Abwehr. Die Männer von Vincenco stehend grinsend dabei und sehen dem Wutauspruch ihres Bosses amüsiert zu.

      "Ob du das verstanden hast?!" will Santino von dem Jungen wissen. Doch dieser hat ganz andere Probleme. Er steht kurz davor, das Bewußtsein zu verlieren. Bevor dies geschieht, läßt der Kerl von ihm ab und Léon geht stark hustend und nach Luft schnappend zu Boden.

      "Schafft ihn mir aus den Augen!" befielt Santino seinen Leuten lauthals. Diese schnappen sich den Jungen. 2 von ihnen fassen den Bengel unter die Arme und schleifen ihn nach draußen. Léon versucht zwar zu laufen, aber ihm fehlt nach dieser Aktion einfach die Kraft. Seine Füße schleifen über den ausgetrockneten Boden und hinterlassen auf ihm eine staubige Spur. 2 Rottweiler kommen sofort angerannt und fletschen ihre nach Blut gierenden Lefzen. Das bösartiges Gebell läßt viele stehenbleiben und zu den 3 Leuten schauen.

      Santinos Männer bringen den Jungen zu einem kleinen Nebengebäude. Eine weiterer Mann der ebenfalls im Büro war, kommt angerannt und hilft seinen Kameraden die Tür zu öffnen. Wie Abfall werfen sie Léon auf den Boden. Ein Mann tritt neben den völlig entkräfteten Jungen und sagt grinsend zu ihm: "Hier noch ein Gruß von einem der stinkenen Kerle die schon von Geburt an eine Arschkarte besitzen." Danach tritt er dem Teeny mit seinem Armeestiefel voll in den Magen. Léon stöhnt vor Schmerz lautstark auf und muß sich fast übergeben. Lachend verlassen die 3 den Raum und schließen ab. Maiks Sohn bleibt alleine zurück.

      Santino hat sich in der Zeit eine Flasche Grappa genommen und einen großen Schluck getrunken, um wieder runter zu kommen. Er hat sich schon seit Jahren an diesen Tresterbrand gewöhnt. Manche meinen, daß diese italienische Spirituose scharf ist und eine gemeine Nachwirkung hat, aber Vincenco mag mittlerweile den Geschmack.
      Noch immer etwas aufgebracht über den Jungen, läßt er sich auf seinen Sessel hinter dem Schreibtisch fallen und legt seine Armeestiefel hoch auf die Platte. Dieser Bengel scheint eine größere Herausforderung zu sein, als er anfangs gedacht hat. Doch er wird ihn brechen, er muß ihn brechen. Ansonsten wird sein Name, Santino Vincenco, nicht mehr die Angst und den Respekt verbreiten, den er bis jetzt verbreitet. Sondern nur noch eine Lachnummer sein. Santino trinkt erneut einen großen Schluck und überlegt dabei. Schließlich faßt er einen Entschluss, um die Sache etwas anzukurbeln. Er greift in seine Weste und holt sein Handy heraus. In seinem Telefonspreicher sucht er eine ganz bestimmte Nummer. Da, er hat sie gefunden. Es dauert nicht lange und der Teilnehmer meldet sich: "Istituto per la ricerca sul cervello. Sorella di Tessa al telefono." (Institut für Hirnforschung. Schwester Tessa am Telefon.)
      "Vorrei parlare con il dottor Lombardi." (Ich möchte Dr. Lombardi sprechen.)

      "Aspetta un minuto." (Einen Moment.)

      Wieder trinkt Santino einen großen Schluck. Nach geschätzt 1 Minute meldet sich dieser Arzt. "Qui il dottor Lombardi. E chi sono? (Hier Dr. Lombardi. Und wer sind sie?)

      "Santino Vincenco."

      Einige Zeit ist vollkommene Stille. Dann fragt der Arzt mit unsicherer Stimme. "Che cosa vogliono?" (Was wollen sie?)

      "Abbiamo parlato qualche lavaggio del cervello. Fanno ancora?" (Wir haben uns doch mal über eine Art Gehirnwäsche unterhalten.)

      "Si."

      "Penso di aver bisogno del loro aiuto. Hanno preparato il materiale?" (Ich glaube ich brauche ihre Hilfe. Haben sie das Material aufbereitet?)

      "Si."

      "Poi pacco la valigia sempre." (Dann packen sie schon mal den Koffer.)

      Santino legt mit einem bösen Grinsen auf. Er wird dem Jungen schon zeigen, wer hier das Sagen hat. Wenn er nicht freiwillig kooperiert, dann eben anders.

      Léon geht es zwischenzeitlich schon etwas besser. Er ist aufgestanden und sieht sich in dem Zimmer um. Dabei hält er eine Hand auf seine rechte Rippenseite. Der Tritt von dem Kerl hat ganz schön weh getan und ihm wahrscheinlich auch eine Rippenprellung verschafft. An Léons Hals kann man die gesamten 5 Finger von Santino erkennen. Die Stellen sind bereits blutunterlaufen.

      Der Raum ist ziemlich klein, ca. 3 x 5 Meter. Vor den Fenstern sind Gitter angebracht. Im Inneren steht ein altes Metallbett, ein kleiner Tisch und 2 Stühle. Aber wenigstens gehört zu dieser "Luxusherberge" auch ein Badezimmer. Obwohl, Badezimmer kann man dazu nicht sagen, eher Naßzelle. Ein Klo, ein Waschbecken und so etwas wie eine Dusche. Léon hat Durst und geht in das Bad. Der Spiegel ist völlig verdreckt und er muß ihn erst sauberwischen. Darin erkennt er schließlich sein Gesicht, seine aufgeschlagene Lippe und sein strangulierter Hals. Tränen träten ihm in die Augen. Er ist nicht so stark wie er sich gibt. Nein, er ist einfach nur ein guter Schauspieler. Am liebsten würde er diesen Tag aus seinem Gedächnis streichen. Diesen und den Freitag gleich mit, als er diese Nina kennengelernt hatte. Was für eine falsche Schlange sie war, das hat er leider erst viel zu spät mitbekommen. Aber seine Eltern werden ihn bald vermissen und dann nach ihm suchen. Er muß einfach nur die Zeit hier überstehen. Was dieser Kerl so richtig von ihm will, daß kann Léon nicht sagen. Es muß aber etwas mit seinen leiblichen Eltern zu tun haben.

      Maiks Sohn dreht den Wasserhahn auf und nimmt einen großen Schluck vom kühlenden Nass. Nachdem er seinen Mund ausgespühlt hat, spuckt er den Rest ins Becken. Sein Blut mischt sich mit dem Wasser und verschwindet im Abfluss. Danach hält Léon seine gefesselten Hände unter den Wasserstrahl. Er trägt bereits seit Stunden dieses Metalldinger, was Spuren hinterlassen hat. Seine Handgelenke sind rot und aufgescheuert. An einigen Stellen kann man bereits das nackte Fleisch sehen. Das Wasser tut verdammt gut und nimmt den brennenden Schmerz wenigstens für kurze Zeit.

      + + + + +






      Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
    • Wow jetzt gibts für Leon nichts mehr zu Lachen

      Kurze Zusammenfassung:
      Amelie ist ziemlich sauer auf ihren Bruder, der mittlerweile in Italien angekommen ist. Dort soll er nun umgedreht werden (mittels Gehirnwäsche).

      Da frage ich mich doch ob Mike nicht Lunte riecht, wenn die Nachricht von Leons Verschwinden bekannt werden.

      War wieder ein toller Part, mit detaillierten Infos über das Vorgehen der Entführer.

      Ich bin schon sehr gespannt wie das weitergeht

      Danke für diese tolle Story

      MfG

      M.V.V.M.
      Ich glaube das menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution. ---- RUST Cohle
    • Nein, jetzt hat Leon wirklich nichts mehr zu lachen. :eek:

      Er ist jetzt also in Italien angekommen und hat seine erste Abreibung schon bekommen. Ich bin mal gespannt wie lange er das durchhält. :11:
      Also ich glaube auch, dass Maiky Lunte riecht wenn er mitbekommt, dass Leon verschwunden ist. Und es stimmt mich erinnert Leon auch an Maiky. :thumbup:
      Also ich bin auch schon sehr gespannt wie das alles weitergeht. :thumbs02:

      Deshalb freue ich mich auch schon auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"