EIIR: Tatort Olympia (London 2012)

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    • EIIR: Tatort Olympia (London 2012)

      Am 27. Juli 2012 werden im neueröffneten Olympic Stadium von London, und somit im Herzen der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Wir hingegen geben schon 24 Stunden zuvor den Startschuß für die 30. Olympiade neuer Zeitrechnung ab ... Wir, das sind M.V.V.M und sven1421, die Begründer und Moderatoren des Forums der deutschsprachigen Hobbyautoren & Leser Gemeinschaft SchreiberLink24 ... Gemeinsam basteln wir dabei an der aktionsreichen Geschichte des verunglückten Abschlusses der Eröffnungsfeier und den sich daraus ergebenden weitreichenden und anfangs noch völlig unabsehbaren Folgen.

      Zur effektvollen Einstimmung und gleichzeitig als ersten Vorgeschmack auf den bevorstehenden Start unserer Geschichte gibt es an dieser Stelle bereits einen kleinen Videotrailer:

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      Premiere feiert das Ganze dann mit dem ersten Kapitel am 26. Juli auf schreiberlink24.de - wobei die einzelnen Folgen dann auch jeweils zwei Wochen später hier im 24TV-Forum, der ursprünglichen Heimstätte beider Autoren, veröffentlicht werden. Allen interessierten Lesern wünschen wir wie stets schon jetzt eine gute und spannende Unterhaltung! :daumen:
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    • Suuuuper, es gibt mal eine Gemeinschaftsproduktion. :thumbs02:

      Wow, der Videotrailer lässt ja schon so einiges erahnen. :eek: Also ich bin schon ganz gespannt darauf und freue mich schon sehr aufs Lesen. :freudentanz:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Ooh! Da haben sich ja die zwei richtigen zusammengetan! Denk ich. :grin_still: - wie seid ihr denn auf die Idee gekommen?
      Ich bin jedenfalls genau wie Saxi gespannt, was dabei rauskommt und freu mich schon aufs lesen! :wolke_7:

      liebe Grüße
      claudia
      Weihnachten: "Euch ist heute der Retter geboren, Christus der Herr." die Bibel in Lukas 2,11
    • Saxi schrieb:

      Suuuuper, es gibt mal eine Gemeinschaftsproduktion. :thumbs02:

      claudia312 schrieb:

      Ooh! Da haben sich ja die zwei richtigen zusammengetan! Denk ich. :grin_still: - wie seid ihr denn auf die Idee gekommen?
      M.V.V.M. und ich finden das natürlich auch super! Auf die Idee kam mein österreichischer Mitautor schon vor einiger Zeit und traf dabei durchaus auf mein Interesse. Dann nahm das Ganze unter seiner Federführung langsam Formen an, und vor etwa 2 Wochen war dann Teil 1 bereits verfaßt. :wolke_7:

      Saxi schrieb:

      Wow, der Videotrailer lässt ja schon so einiges erahnen. :eek: Also ich bin schon ganz gespannt darauf und freue mich schon sehr aufs Lesen. :freudentanz:

      claudia312 schrieb:

      Ich bin jedenfalls genau wie Saxi gespannt, was dabei rauskommt und freu mich schon aufs lesen! :wolke_7:
      Und wir freuen uns aufs gemeinsame Schreiben und natürlich auf Eure Kommentare! In knapp zwei Stunden geht es los auf schreiberlink24.de und dann wie angekündigt mit zwei Wochen Abstand auch hier! :cool1:

      EDIT: Auf die Plätze, Fertig, BUMM! ... Gegen Mitternacht erfolgt der explosive Startschuß zu unserer ersten österreichisch-deutschen Coproduktion nun auch an dieser Stelle ... Spannende Unterhaltung allen Jack-Bauer-Fans! :o)

      Kapitel 1: Die englische Eröffnung

      Stürmischer Applaus flutete am sonst komplett windstillen, überreich mit Sonnenschein gesegneten letzten Julifreitag des Jahres 2012 von den randvoll gefüllten Rängen her das gesamte Londoner Olympiastadion, als sich die Queen langsam von ihrem Sitzplatz erhob und mit strahlendem Lächeln würdevoll auf das Mikrofon der nahegelegenen großen Rednertribüne zuschritt. Dezent nickend streifte der quer durch die Reihen hin und her wandernde Blick der englischen Monarchin dabei für den Bruchteil einer Sekunde jeden der anwesenden Besucher. Dann ebbten die zigtausendfache Beifallsbekundung schlagartig ab, und eine unter der hinter der prunkvollen Fassade ihres mintfarbenen Kostüms doch sichtlich bewegte Elizabeth II verkündete mit kraftvoll erhabener Stimme: "Ich freue mich, Sie, die Sie aus aller Welt gekommen sind, um mit uns gemeinsam an einem unbeschwerten Fest internationaler sportlicher Wettkämpfe teilzuhaben, hier in unserer britischen Hauptstadt herzlich willkommen heißen zu dürfen. Möge der Geist von Olympia, der stets ein Geist des Friedens und der Völkerverständigung war, das ganze Land und die in seinem Herzen im friedlichen Wettstreit miteinander vereinten Nationen erfüllen! Lassen Sie uns einander über alle Grenzen hinweg die Hände reichen, zur Begrüßung wie auch zur Versöhnung, so wie es der stellvertretende nordirische Regierungschef James Martin McGuinness und ich vor exakt einem Monat an symbolträchtiger Stätte in Belfast taten! In Würdigung jenes historischen Moments aber bin ich besonders glücklich und stolz, heute in dieser festlichen Stunde, da die Blicke der ganzen Welt auf uns gerichtet sind, nicht allein meinen Enkelsohn Prinz Harry sondern mit ihm auch die Nichte von Mister McGuinness, Aine McGuinness, an meiner Seite zu wissen. Und so möchte ich nun die Beiden - wie auch Sie, werte Gäste - herzlich bitten, sich von den Plätzen zu erheben, und mit mir gemeinsam dem feierlichen Auftakt der Veranstaltung durch den symbolischen Akt der Entfachung des olympischen Feuers beizuwohnen".

      Überall im Stadion erhoben sich die Menschen von ihren Plätzen, während ein älterer Herr mit schütterem Haar und einer lodernden Fackel in der rechten Hand durch einen Seiteneingang ins Stadioninnere gelaufen kam, dort eine komplette Runde absolvierte und schließlich die unzähligen Treppenstufen bis zur - der Rednertribüne genau visavis aufgestellten - Feuerschale hinauflief. Dabei spürte der ganz in weiß gekleidete Mann mit der an der Brust befestigten Laufnummer "241" und dem genau darunter über der Wölbung seines Bauchansatzes befindlichen goldenen Schriftzug "London 2012" die Blicke der versammelten Menge stets auf sich. Oben angelangt, streckte er die Flammenspitze seines Fackelstabs sogleich dem gußeisernen Gefäß entgegen, bis die Zwei sich sanft berührten und das Feuer zwischen Beiden ungestüm übersprang. Zeitgleich aber hatten andererseits der jüngste Sohn von Prinz Charles und Lady Di sowie das Patenkind des Ex-IRA-Kommandeurs James Martin McGuinness rechts beziehungsweise links neben der Königin Aufstellung genommen. Und auch in ihren, einander von nun an hin und wieder verstohlen zugewandeten Augenpaaren schien sich bei genauerer Betrachtung ein kleines Feuer entzündet zu haben. Queen Elizabeth II schaute die zwei Neuankömmlinge an ihrer Seite freudig lächelnd an, dann wandte sie sich wieder der versammelten Menschenmasse im Stadion zu und verkündete feierlich: "Hiermit erkläre ich die Olympischen Sommerspiele von London, mit welchen die 30. Olympiade moderner Zeitrechnung begangen wird, für eröffnet!".

      Während die königliche Eröffnung erneut in minutenlangen stehenden Ovationen gipftelte, stieg der Fackelläufer mit der Nummer 241 derweil von der breiten Masse völlig unbemerkt die lange Treppe Stufe um Stufe wieder hinab. Am Eingang zu den Katakomben reichte er noch rasch seinen erloschenen Brennstab an einen der dort aufgestellten Offiziellen weiter und entledigte sich dann in dem ihm zuvor zugewiesenen engen unterirdischen Umkleideraum seines auffälligen sportlichen Dresses, welches er sorgfältig in einer kleinen grauen Tragetasche verstaute. In Jeans und ein weißes Poloshirt gehüllt, kehrte er schließlich mit aufgesetzter verspiegelter Sonnenbrille ins Stadioninnere zurück. Dort ging er in seinem neuen schlichten Outfit als einer von vielen nunmehr völlig in der Menge unter - ein Umstand, der ihm durchaus nicht unangenehm war. Unter all den andern kleinen Lichtern im Schatten der vermeintlich großen Leuchten seiner Tage hatte er sich eh schon immer am wohlsten gefühlt. Im Schweinwerferlicht der Öffentlichkeit zu stehen, überließ er hingegen lieber Anderen. Selbst daß es ihn an diesem Tag für ein paar Sekunden leicht gestriffen hatte, war einzig und allein der Tatsache geschuldet, daß der eigentlich geplante finale Läufer mit der Nummer 242 - hinter welchem sich namentlich kein Geringerer verbarg, als die britische Schauspiellegende Sir Sean Connery - krankheitsbedingt kurzfristig seine Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten hatte absagen müssen, wodurch sein Vorläufer mit der unscheinbaren 241 unwillkürlich zum Schlußlicht der breit angelegten Fackelstafette nachgerückt war. Dieser und andere Gedanken schossen jenem Mann am Rande des Geschehens durch den Kopf, während seine Augen hinter ihrer düsteren Spiegelverglasung zugleich aufmerksam das illustre Geschehen auf dem weiten Feld der Stadionarena verfolgten.

      Da hatten mittlerweile mehr als zweitausend junge Leute, die allesamt kleineren britischer Turnverbänden entstammten, in blauen, schwarzen, roten, gelben und grünen Trainingsanzügen in zuvor wochenlang eingeübter Formation Aufstellung genommen, jeder einen kleinen gleichgefärbten und von unzähligen Luftlöchern geradezu durchsiebten Pappkarton in Händen. Für die Zuschauer auf den Rängen schufen sie dabei das imposante Bild der fünf olympischen Ringe, deren Ineinandergreifen von jeher die enge Verbundenheit der fünf Kontinente des Erdballs symbolisiert. Und während sich Sekunden später seitlich der Tribüne auf dem großen Außenring der Arena der Einzug der Nationen - gemeinschaftlich angeführt von den Mannschaften der USA und Rußlands - in Bewegung setzte, öffneten all die verschiedenfarbigen Jungen und Mädchen auf dem Platz ihre Kartons, aus denen sich eine Schar von genau 2012 weißen Tauben in die Lüfte erhob und mit den Flügeln wild um sich schlagend anmutig dem strahlendblauen Himmelszelt zustrebte. Die versammelte Menschenmenge reagierte auf dieses Schauspiel wie gewohnt mit lautem Klatschen sowie mit vielstimmigen Ahs und Ohs. Die Queen aber winkte auf ihre bekannt zurückhaltende Art von ihrem Tribünenplatz her gleichzeitig den vorbeiziehenden Sportlern zu wie auch den dahinziehenden Vögeln nach, während sich hinter ihrem mintkostümierten Rücken wie zufällig die Fingerspitzen des britischen Prinzen und seiner nordirischen Begleitung beim Anblick der ausschwärmenden Turteltauben sanft zu berühren begannen.

      Der sonnenbebrillte ältere Herr im weißen Poloshirt, der einige Meter tiefer etwas seitlich versetzt zur Tribüne hinaufschaute, bekam von jenem, sich hintergründig abspielenden Geschehen freilich nichts mit. Er zog stattdessen etwas umständlich sein in die Jahre gekommenes Klapphandy aus der Hosentasche hervor, tippte mit leicht zitternder Hand eine achtstellige Zahlenkombination ein und schloß jene Eingabe schließlich mit der grünen Hörertaste ab. Dann hielt er sich das Funktelefon ans rechte Ohr und warf noch einmal einen prüfenden Blick ins weite Rund des Stadions, wobei seine geschulten Augen inmitten den Flügelschlägen des Taubenschwarms kurzzeitig das Aufblitzen eines grellen Lichtes seitlich an einem der Stahlpfeiler am oberen Ende der Stadionkonstruktion zu registrieren glaubten - ein Aufblitzen, das scheinbar auch einem der aufstiegswilligen Vögel ins Auge fiel und ihn dabei dermaßen blendete, daß er mit dem Kopf gegen ein unmittelbar darüberliegendes Dreiecksgestänge prallte, woraufhin er mit blutigem Schädel bewußtlos im Sturzflug niederging.

      Die abstürzende Brieftaube landete dabei im Dunkel der oberen Stadionskonstruktion exakt neben jenem Pfeiler, von dem zuvor auch die für ihre plötzliche Flugunterbrechung ursächliche Blendung herrührte. Und während sie, ihre getrübten Augen verdrehend, langsam wieder zu Bewußtsein zu kommen schien, murmelte es mit tiefer Baßstimme nur wenige Zentimeter entfernt von ihr wie aus dem Nichts: "Verdammtes Mistviech, elendiges! Nicht genug, daß einem das Dreckspack beim Einsatz immer mal wieder aufs Basecap kackt, jetzt fallen die Biester einem sogar schon direkt vor die Flinte". Kaum hörbar war in der Folge einige Male das leise Knacken der Lautsprechermembran eines Headsets zu vernehmen, dann ein geflüstertes: "Sorry, WHITE Eagle! GREEN Starling hat verstanden! Wahre ab sofort wieder strengste Funkdisziplin! Statusmeldung: Alles im grünen Bereich! Habe gemeinsam mit YELLOW Canary die grauhaarige Alte und ihren mißratenen Sprößlingsamt seiner nordirischen Mistfliege ständig im Visier! Freie Schußbahn auf die Drei ist durch einen von uns Beiden nach derzeitigem Stand der Dinge jederzeit garantiert! Voraussichtliche Trefferquote: 100%. BLUE Tit, BLACK Raven & RED Robin sind ebenfalls bereits bei den Fahrzeugen in Position gegangen. Warten auf weitere Anweisungen! Over & Out!". Das leise Knacken der Lautsprechermembran verstummte abrupt, dann herrschte im finsteren Dachgestänge bis auf das leise Gurren einer einzelnen umhertorkelnden Taube Totenstille.

      Ganz anders verhielt es sich etwas tiefer im Stadioninnern, wo der Mann im weißen Poloshirt, zufrieden mit dem Kopf nickend, sein zuvor vom Ohr entferntes Handy wieder zusammenklappte, um sich dann raschen Schrittes auf den Weg zum Hauptausgang des Stadions zu machen - nicht ohne dabei noch einmal einen kurzen Blick auf die Tribüne und den ihr genau gegenübergelegenen Punkt am oberen Ende des Stadionbaus oberhalb der von ihm in Brand gesetzten olympischen Flamme zu werfen, wo er zuvor das mysteriöse kurze Aufblitzen entdeckt hatte und von wo aus jetzt eine einzelne Taube mit rotgefärbtem Kopf im leicht benommenen Zickzack dem bereits recht weit entfernten Rest der Vogelschar nachflog. Noch immer zogen, begleitet vom Beifall der Menge, im Stadionrund Sportler der Teams aller teilnehmenden Nationen fröhlich und erwartungsvoll dreinschauend an der Tribüne der Queen vorbei, die deren ununterbrochenes Winken ebenso unermüdlich dezent lächelnd erwiderte. Und auch rechts und links unmittelbar neben ihr strahlte und winkte es unaufhörlich, während die dem Auge der Öffentlichkeit unzugänglichen Handflächen von Miss Aine und dem Prinzen sich hinterrücks der Monarchin längst unzertrennlich miteinander vereint hatten.

      Kaum zu glauben, daß die beiden jungen Leute prominenter Abstammung sich erst vor 30 Tagen und dann auch noch über ein Allerwelts-Internetportal wie Facebook kennengelernt hatten. Aine McGuinness hatte da eine Statusmeldung des Buckingham Palastes zu dem anläßlich des Nordirland-Besuchs der Queen erfolgten Handschlag zwischen Harrys Großmutter und ihrem Patenonkel unverhohlen streitbar kommentiert, und Prinz Harry hatte mittels einer privaten Nachricht auf seine berühmt-berüchtigt freche Art recht schlagfertig zurückgekontert. Neben einer längeren, persönlich gehaltenen Antwortnachricht erhielt der Enkel der Monarchin daraufhin noch am selben Abend eine Freundschaftsanfrage von Miss McGuinness, die er - da ihm der Schreibstil und die darin immer wieder zum Vorschein kommende kesse Art der McGuinness-Nichte gefiel - umgehend bestätigte. Man begann gemeinsam einen immer intensiver werdenden Chat, der bis tief in die Nacht hinein andauerte und an dessen Ende Emailadressen und private Handynummern ausgetauscht wurden. Die kommenden Abende hinter verschlossenen Türen gehörten dann ganz und gar dem telefonischen Kennenlernen der Zwei. Man versuchte sich ein möglichst umfassendes Bild von dem jeweils anderen zu machen, unterhielt sich dazu vor allem über Familie, Freunde und verschiedenste Interessen, aber auch über das Wetter sowie über Gott und die Welt. Dabei störte man sich keineswegs daran, daß Aine McGuiness und den Prinz außer der völlig unterschiedlichen Herkunft und den rund 500 Kilometern Entfernung voneinander auch noch nahezu ein volles Jahrzehnt an Lebenserfahrung trennte. Ganz im Gegenteil: Man amüsierte sich ungeachtet dessen auf beiden Seiten einfach nur königlich, und die gemeinsamen Stunden vergingen dabei geradezu wie im Fluge. Irgendwann Mitte Juli teilte Aine ihrem Onkel Martin und Tante Bernie im Rahmen einer privaten Familienfeier dann mit, daß sie vorhabe, eine ehemalige Schulfreundin in London zu besuchen und daß sie im Verlaufe ihres Aufenthalts in der englischen Hauptstadt sicher auch die eine oder andere Minute mit dem Enkel der Queen verbringen werde. James und Bernie McGuinness hatten sie zunächst ein wenig entgeistert angeschaut, ihr dann nach einigen tiefergehenden Erklärungen Aines für ihren Patenonkel und ein paar noch tiefergehenden Blicken der patenten Patentante in die leuchtenden Augen ihres Patenkindes doch alles Gute und viel Glück gewünscht. Von London und ihrer alten Schulkameradin sah Aine McGuinness in all den Stunden ihrer sechstägigen Reise dann zugegebenerweise reichlich wenig. Sie hatte nur Augen für den auf eine unbeschreiblich süße Art doch so verwegenen englischen Blaublüter, der mit ihr im Schutze der Nacht durch sämtliche einschlägige Clubs im Herzen der Londoner City tingelte, wo sie dann unter Ausschluß der sensationslüsternen Journallie ausgelassen feierten und tanzten und sich dabei kaum merklich Schritt um Schritt immer näherkamen. Tagsüber hingegen schlief man sich aus und telefonierte dann wieder stundenlang, um miteinander die nächste gemeinsame Nacht zu planen. Zum Abschied gabs am letzten Abend vom Prinzen einen zärtlichen Kuß und eine etwas geknickte Rose, die er eigenhändig und - wie er angesichts des leicht blutgetränkten Dreiangels in seinem Hosenboden mit leidvoll verzogener Miene erklärte - aus dem umzäunten Palastgarten seiner Omama gestohlen hatte und von der sie am kommenden Vormittag bis zu ihrer Rückreise außerdem auch herzlichst zum privaten Acht-Augen-Brunch im grünen Salon des Königspalastes eingeladen sei. Bei diesem Anlaß hatte sich Aine McGuinness dann auch einmal ihr ganz eigenes Bild von der sonst oftmals so rauh erscheinenden Königin machen können, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit durchaus eine charmante Tischgesellschafterin wie auch eine - zugegebenerweise streng in Maßen - liebevoll fürsorgende Großmutter abzugeben vermochte. Noch mehr jedoch hatte die Nordirin der Gemahl Ihrer Majestät, Prinz Phillip, mit seinen hier und da verstreuten, manchmal recht herben trockenen Anmerkungen und Späßen beeindruckt. Angesichts seines Großvaters wurde ihr klar, von wem Prinz Harry seine für adlige Kreise recht vorlaute und dabei dennoch so unglaublich liebenswert ungezwungene Art geerbt hatte. Mit einem üppigen zweiten Frühstück, unzähligen neuen Eindrücken und diversen Schmetterlingen im Bauch kehrte Martin McGuinness' Nichte anschließend ins heimatliche Belfast zurück, wo es sie jedoch nur wenige Tage hielt, bis sie pünktlich zur Eröffnung der Sommerolympiade in ihre neue, alte Hauptstadt und damit auch zu ihrem ganz persönlichen Traumprinzen zurückkehrte, mit dem sie nun hier im restlos ausverkauften Olympiastadion nun unter den Blicken von mehr als 80000 vollkommen ahnungslosen Menschen heimlich Händchen hielt. Ihr Blick hingegen wanderte angesichts dieses Gedankens einmal mehr unweigerlich zu Harry hinüber und traf dabei auf den seinen - und für einen Augenblick lang schien für die Beiden die Zeit stillzustehn.

      Der inzwischen am großen Torbogen des Haupteingangs eintreffende Mann mit der Sonnenbrille überzeugte sich derweil vom Gegenteil. Denn auf der hoch über seinem Kopf angebrachten Stadionsuhr, stand die Zeit keineswegs still. Der große Minutenzeiger hüpfte vielmehr gerade in dieser Sekunde einen kleinen Schritt weiter, um damit weithin erkennbar anzudeuten, daß es jetzt exakt 5 Minuten vor 12 war. Wie die Queen in seinem Rücken begann nun auch der Mann im weißen Poloshirt zu winken. Doch sein Winken durch die Gitterstäbe des Tores hindurch galt keineswegs irgendwelchen internationalen Sportlern, sondern zwei einzelnen Insassen eines unmittelbar vor der Einfahrt geparkten dunkelblauen Ford Minivan mit getönten Scheiben, und es wurde auch nicht von einem Zurückwinken, sondern von einem äußerst kurzen, im anhaltenden Stadionlärm kaum vernehmbaren Hupen vonseiten des Fahrzeugführers beantwortet.

      Die Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele neigten sich unterdes mit dem Vorbeischreiten des Teams der einheimischen Briten an ihrer Königin dem krönenden Abschluss zu. Und während der Mann im Poloshirt den Haupteingang in Richtung des davor mit laufendem Motor bereitstehenden Wagens passierte, rüsteten sich auch Elizabeth II und mit ihr der kleine Prinz und dessen Begleiterin zum Aufbruch. Die Drei verließen unter dem anhaltenden Jubel der Zuschauermenge die Tribüne und machten sich, sofort dicht umringt von unzähligen Securitybeamten, auf den Weg zu einem der gut abgeschotteten Seitenausgänge des Stadions, wo sie in die für sie bereitstehenden schwarzen Limousinen einstiegen - die Queen in die zweite, Prinz Harry und die ihm stets einen Schritt vorangehende Aine McGuinness in die dritte, die Schar ihrer Leibwächter hingegen verteilte sich auf die Wagen Nummer Eins, Vier und Fünf in der Fahrzeugkolonne, welche sich anschließend im Schritttempo durch ein Meer von auf beiden Straßenseiten Spalier stehenden Schaulustigen hindurch in Richtung Buckingham Palace auf den Weg zu machen anschickte.

      Vorm Haupteingang hatte zur selben Zeit der Mann mit den Spiegelgläsern auf dem Beifahrersitz des dunkelblauen Minivan Platz genommen und den Fahrer kurz per Handschlag begrüßt, wozu er zufrieden und auch noch ein wenig außer Puste bemerkte: "So, ich hab meinen Teil hier erfüllt, alles Weitere überlasse ich den Profis". Dabei warf er kurzerhand einen verschmitzten Blick in den Rückspiegel und raunte: "Und wir, mein Täubchen, widmen uns von dieser Sekunde an einzig und allein einander sowie unserem unmittelbar bevorstehenden Abflug ins sonnige Kuba. Laß uns das jetzt gleich mal mit einem kleinen Vorschuß auf unsere zweiten Flitterwochen besiegeln!", woraufhin er sich zu der etwas verdutzt dreinschauenden kurzhaarigen Blondine auf der Rückbank umdrehte, ihren Kopf mit beiden Händen leidenschaftlich ergriff, ihn zu sich heranzog und die Festung ihres natürlich kirschroten Lippenpaares sogleich einen langen intensiven Kuß zu belagern begann. Ein wenig verlegen drehte der Fahrer neben ihm seinen Kopf etwas zur Seite und schaltete zur eigenen Ablenkung das Autoradio ein, aus welchem die angenehm ruhige Stimme einer Radiosprecherin gerade verlautbarte: "Beim letzten Ton unseres Zeitzeichens war es genau 12 Uhr mittags. Hier nun die Schlagzeilen zur vollen Stunde auf BNC, dem British News Channel. Im Londoner Olympiastadion wurden vor wenigen Minuten die Sommerspiele von ihrer Majestät, Queen Elizabeth II, mit der Entfachung des olympischen Feuers und dem Einzug der Nationen in der neuerbauten Sportstätte feierlich eröffnet. Unser Reporter Richard Beckett war dabei und ist uns nun live zugeschaltet. Hi Rick!". Vor der geräuschvollen Hintergrundkulisse jubelnder, johlender Menschen meldete sich die kräftige rauhe Stimme eines jungen Mannes: "Seien Sie mir aufs Herzlichste gegrüßt, Kate! Ich verweile hier am südlichen Nebeneingang des Stadions auf der Weakley Plaza, wo sich soeben der lange Trek, bestehend aus fünf Limousinen mit der Königin, Prinz Harry und derem nordirischen Gaststar Miss McGuinness in Bewegung gesetzt hat und nun ...". Ein ohrenbetäubender Knall, unmittelbar gefolgt von einem zweiten unterbrachen den redegewandten Berichterstatter in seinen Ausführungen. Stattdessen vernahm man das Aufheulen entfernter Feuerwehrsirenen sowie lautes Schreien und das Kreischen einer scheinbar völlig verängstigten Menge. Brüchig und zitternd meldete sich Sekunden später auch die um Fassung ringende Stimme des zuvor noch so sicher erscheinenden Reporters zurück: "Oh mein Gott, es ist unglaublich, was sich hier gerade ereignet, Kate! Außerhalb meiner unmittelbaren Sichtweite erheben sich eine meterhohe Feuersäule in den strahlendblauen Londoner Mittagshimmel und verhüllt ihn - gleichsam einem himmlischen Trauerflohr - zunehmend mit beißendem, schwarzem Rauch, umgeben von einem gespenstisch grauen Nebelschleier. Um mich herum läuft alles, in völlige Panik verfallend, wild durcheinander. Einzig und allein vereinzelte Sicherheitskräfte eilen gezielt hinzu und versuchen verzweifelt, dem ausbrechenden Chaos Einhalt zu gebieten. Wie mir soeben von mehreren vorbeilaufenden Passanten bestätigt wurde, ist es anscheinend eine der Limousinen der Queen, die nach nur kurzem Anfahren in Höhe eines alten Schulbuchlagers explodiert ist und nun unmittelbar vor der Kreuzung zur Elmstreet lichterloh in Flammen steht". Einen Moment lang herrschte eine Stille, im Radio ebenso wie im Inneren jenes dunkelblauen Minivan, wo der Beifahrer und die hinter ihm befindliche Dame von ihrer innigen Liebkosung längst abgelassen hatten und - gemeinsam mit dem Fahrer, welcher den eilig hochgedrehten Lautstärkeregler des Autoradios fest umklammerte - zu Salzsäulen erstarrt waren. Ihre gespitzten Ohren vernahmen Sekunden später das ängstlich-bekümmerte Stimmchen der Radiosprecherin Kate: "Richard, hören Sie mich?! Können Sie mir sagen, um welchen der Wagen es sich handelt?! Ist es der der Königin?! Wie steht es um sie?! Ist sie verletzt?! Oder ist sie etwa ...?!". Es war, als sträube sich alles in der ambitionierten Frontfrau des Nachrichtensenders jenes schreckliche, unaussprechliche, in seiner tiefen Bedeutung so endgültige Wort überhaupt auch nur ansatzweise in den Mund zu nehmen. Wieder vergingen ein paar unendlich lange Sekunden, dann meldete sich tränenerstickt noch einmal Außenreporter Richard zu Wort: "Nein, teuerste Kate, es gibt bislang noch keine Bestätigung, welches der fünf Fahrzeuge von der gewaltigen Explosion betroffen ist und ob es sich nur um einen schrecklichen Unfall oder gar um einen gezielten Terroranschlag handelt. Nur eines scheint mir angesichts des Ausmaßes der Explosion schon zu diesem Zeitpunkt absolut sicher: Wir alle sollten im Moment auf das Schlimmste gefaßt sein! Denn wer auch immer in der explodierten Limousine gesessen haben mag, weilt ganz gewiß bereits in dieser Sekunde nicht mehr unter den Lebenden ..."

      [Fortsetzung folgt]

      Olympia 2012 ist ja inzwischen in der realen Welt bereits in vollem Gange ... Nicht so im Paralleluniversum der Story, die mein Mitautor M.V.V.M. und meine Wenigkeit hier soeben zu erzählen begonnen haben. Denn da verhindert das Attentat vorerst all die friedlichen Wettkämpfe ... und hat dazu noch weitreichende Folgen ... die nächste auf www.schreiberlink24.de schon in 24 Stunden und an dieser Stelle wieder in einer Woche ... Und damit unseren Lesern die Tage bis dahin nicht gar so lang werden, hier schon einmal ein kleiner Appetithappen ...
      WARNUNG: Bitte die Lautstärke des Videos in diesem Fall keinesfalls bis zum ANSCHLAG hochdrehen ;o)

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von sven1421 ()

    • Wow, was für ein explosiver Beginn. :eek:

      Das scheint mir wirklich eine super Story zu werden und sooooo spannend. :thumbs02: Jetzt möchte ich nur mal wissen wen es da mit der Explosion erwischt hat. Die Royals oder doch "nur" Bodygards? Na wir werden es ja erfahren. :thumbsup:
      Der Videoclip ist wirklich super gemacht. :clappingsmi3: Wenn ich denke, dass ich an einigen Orten der Tragödien schon war (JFK, MLK, Diana) schon komisch irgendwie.

      So dann freue ich mich schon auf den zweiten Teil :freudentanz: und ganz lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Wow, was für ein explosiver Beginn. :eek: Das scheint mir wirklich eine super Story zu werden und sooooo spannend. :thumbs02: Jetzt möchte ich nur mal wissen wen es da mit der Explosion erwischt hat. Die Royals oder doch "nur" Bodygards? Na wir werden es ja erfahren. :thumbsup:
      Allerdings, wenn auch sicher mal wieder nur stückchenweise, Episode für Episode ... :zwinker:

      Saxi schrieb:

      So dann freue ich mich schon auf den zweiten Teil :freudentanz: und ganz lieben Dank fürs Schreiben. :danke:
      Bitteschööön, und hier kommt nun auch schon Teil 2 ...

      Kapitel 2: Weißer Läufer am Zug

      Ein erst ausgesprochen zaghaftes, dann allerdings mit jedem Male heftiger werdendes Klopfen gegen die verspiegelte rechte Seitenfensterscheibe des blauen Minivans erlöste dessen drei Insassen wenige Sekunden nach der Verkündung jener schicksalsträchtigen Hiobsbotschaft über den Äther wieder aus ihrer Erstarrtheit. Der Fahrzeugführer entließ den Lautstärkeregler des Autoradios aus seinem Zugriff und tippte stattdessen kurz auf einen der unzähligen anderen Tasten am Armaturenbrett, woraufhin sich das eben noch so sanft beklopfte Seitenfenster langsam im Rahmen der zugehörigen Autotür zu versenken begann. An seiner Stelle kam der schwarzbehelmte Kopf eines typischen englischen Bobbys zum Vorschein, welcher spürbar außer Atem in bemüht amtlichem Tonfall verkündete: "Darf ich die Herrschaften im Zusammenhang mit einer offiziellen polizeilichen Ermittlung zur Feststellung ihrer Identitäten einmal um die Pässe sowie Führerschein und Fahrzeugpapiere bitten!". Der junge Mann auf dem Fahrersitz des Minivans nickte kurz. Dann beugte er sich zur gegenüberliegenden Seite herüber und langte, während das deutlich ältere Pärchen in seinem Rücken dem leicht nervös wirkenden Polizisten bereits die geforderten Ausweisdokumente entgegenstreckte, erst einmal ein wenig umständlich ins naheliegende Handschuhfach. Aus diesem kramte auch er einen Ausweis sowie noch ein paar weitere Dokumente hervor - die ganze Zeit über argwöhnisch beäugt von dem außenstehenden Schwarzhelm. Dessen zuckendes Beamtenauge glaubte dabei plötzlich, unterm durchforsteten Papierstapel eine dort abgelegte Schußwaffe zu erkennen, woraufhin er mit seiner bislang an der Uniformhosennaht angefrorenen Rechten blitzartig die alte, eigentlich nur als Talisman mitgeführte Polizeipfeife seines Urgroßvaters aus seiner Hosentasche hervorholte und - selbige ohne zu zögern im Mund verschwinden lassend - kräftig hineinbließ.

      Sichtlich erschrocken rissen die drei Insassen des Minivan fast zeitgleich ihre Arme hoch und bedeckten dabei mit den Handflächen ihre Ohren. Zugleich registrierten ihre weitaufgerissenen Augenpaare, wie sich von der linken Seite der Stadionsmauer her aus einer von dunklem Rauch umhüllten, aufgeregt durcheinanderlaufenden Menschenmasse zwei einzelne Gestalten hervortaten und zielgerichtet auf sie zugelaufen kamen. Bei einer der beiden Personen handelte es sich um eine ebenfalls schwarzbehelmte Polizistin, welche noch im Laufen ihr Funkgerät gezückt hatte und fortan ununterbrochen geradezu anmutig in jenes hineinhauchte. Die zweite Gestalt hingegen gehörte einem bewaffneten Beamten, bekleidet mit einer schußsicheren Weste mit der neonfarbenen Aufschrift "RIO". Kaum am Minivan eingetroffen, richtete Letzterer seine im Anschlag gehaltene, jederzeit zum Schuß bereit entsicherte Dienstwaffe in Richtung des Fahrzeuginnenraums. Zeitgleich beförderte er mit einem kräftigen Hüftschwung den bibbernden Bobby mit der Trillerpfeife im Mund unsanft zur Seite, zog einen Dienstausweis aus der Gesäßtasche und raunte dazu: "Agent Lestrade vom Royal Investigation Office. Ich leite die Ermittlungen vor Ort. Was sollte diese Nummer mit der Pfeife und was haben Sie hier zu melden, Officer?!". Der deutlich eingeschüchterte Träger des schwarzen Helms entfernte sein trillerndes Instrument aus dem Mund und verstaute es umständlich in seiner Hose, woraufhin er direkt vor dem Agent Aufstellung nahm und kleinlaut stotternd berichterstattete: "Sergeant Whistle vom dreizehnten Revier, Sir! Ich war im Begriff, die Insassen des blauen Ford Minivan mit dem amtlichen Kennzeichen LS09 YEL einer Routinekontrolle zu unterziehen, als mir im Innern des Handschuhfachs das Vorhandensein eines Revolvers auffiel, worauf ich ...". Mit einer kurzen ruckartigen Armbewegung fegte Agent Lestrade den ihn eifrig zutextenden Beamten erneut zur Seite: "Ok, Whistler, das war’s dann für Sie! In dem Fall übernehmen Officer Pushup und ich alles Weitere! Die Sache mit dem unangebrachten Zwischenspiel mit der längst aus dem Dienstalltag verbannten Dienstpfeife hat für Sie dann übrigens später mit Sicherheit noch ein kleines disziplinarisches Nachspiel!". Während der maskuline Helmträger daraufhin mit gesenktem Haupt langsam dahinschlurfend vondannen zog, trat sogleich dessen weibliches Pendant mit dem Funkgerät in Händen hinzu und wisperte kaugummikauend: "Lessi, das doofe Ding hier quatscht einfach nich mehr mit mir!". Leise knurrend entgegnete der Agent im Maßanzug: "Das Gleiche blüht Ihnen auch von meiner Seite, Officer Pushit, wenn Sie mich im Dienst noch einmal Lessi zu nennen wagen! Und hören Sie gefälligst mit diesem dämlichen Rumgekaue auf, wenn Sie mit mir reden, verstanden?!". Als passende Antwort spie ihm der weibliche Officer die ausgelutschte Kaugummimasse direkt vor die Füße, wozu sie sich - leicht durch ihr blondgelocktes Haar fahrend - leise in einen nicht vorhandenen Bart murmelte: "Also, in der Heier hattest Du noch nie was gegen meine Kaukünste, und außerdem heiße ich weder Pushie noch Pushup oder Pushit, sondern Pushkin, Policeofficer Alexandra Pushkin". Etwas lauter hingegen ergänzte sie zähneknirschend: "Verstanden, Agent Lestrade, Sir!". Der nickte zufrieden und wandte sich dann dem Fahrzeugführer aus den Reihen der während der ganzen Zeit nie aus den Augen gelassenen dreiköpfigen Besatzung des blauen Minivan zu: "So Freundchen, und Sie legen beide Hände ans Lenkrad, daß ich sie sehen kann! Und dann steigen Sie schön langsam aus dem Wagen. Dabei legen Sie beide Hände in den Nacken und stellen sich dann hier draußen, die Beine breit auseinander, mit dem Gesicht zum Fahrzeug!". Der Fahrer legte die Hände zunächst wie befohlen ans Steuer und erwiderte dazu gleichzeitig kopfschüttelnd: "Ich fürchte, es ist mir persönlich leider nicht möglich, Ihrer zuletzt ausgesprochenen Aufforderung Folge zu leisten!". Verärgert trat der Agent mit der Weste auf der Stelle einen großen Schritt vom Auto zurück, wozu er zu brüllen begann: "Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt! Also gut, wie Sie wünschen, dann eben auf die harte Tour!". Mit einem Ruck riß er mit der Linken die Wagentür auf , packte den Fahrer am üppigen Haarschopf und zog ihn zu sich heraus, wobei der Fahrzeugführer - kaum daß er auf beiden Beinen stand - augenblicklich komplett in sich zusammensackte und zu Boden ging. Sichtlich überrascht löste Agent Lestrade seinen Zugriff, wodurch der dem Fahrzeug entrissene Steuermann mit dem Hinterkopf derart unsanft auf dem darunter liegenden Betonboden des Parkplatzes aufschlug, daß er die Augen verdrehend an Ort und Stelle das Bewußtsein verlor.

      Zunächst schaute der RIO Agent etwas verdutzt, dann aber fing er sich rasch wieder und meinte trocken: "Der Kerl simuliert doch! Läßt sich fallen und macht dann einen auf Ohnmacht! Los, Officer Pushell, legen Sie diesem Oskaranwärter wie auch seinen beiden älteren Komparsen im Kleintransporter erst einmal unsere Variante olympischer Ringe an!". Ein zweifaches Klicken sich schließender Polizeihandschallen kündete Sekunden später von der widerstandslosen Ausführung jenes dienstlichen Befehls durch die uniformierte Wasserstoffblondine. Gemeinsam mit ihr trug Agent Lestrade den bewußtlosen Fahrer noch zum in Sichtweite abgestellten Dienstwagen, in dessen Kofferraum man den reglosen Körper kurzerhand verfrachtete. Dann kehrte der Agent wieder zum Minivan zurück, und setzte sich an dessen Steuer wortlos in Richtung Innenstadt in Bewegung, während Blaulicht und Sirene auf dem unmittelbar vor ihm fahrenden Polizeiauto mit Officer Pushkin am Steuer und dem dritten Mann im Kofferraum dafür sorgten, daß man zügig zum Ziel kam.

      Nur wenige Minuten später hatten beide Fahrzeuge die Einfahrt zu jenem imposanten Gebäude in der Londoner Innenstadt erreicht, auf dessen Innenhof eine drehbar gelagerter Tafelkomplex jederzeit für jedermann deutlich sichtbar verkündete, daß man sich nunmehr den heiligen Hallen von New Scotland Yard näherte. Agent Lestrade parkte den blauen Minivan unter Mißachtung sämtlicher Vorschriften direkt vor der Treppe zum Haupteingang und sprang mit einem Satz aus dem Wagen. Flotten Schrittes lief er zum von Officer Pushkin vorschriftsmäßig einige Meter weiter geparkten Dienstwagen und erteilte ihr kurz und knapp die Anweisung: "Du wartest schön brav hier draußen, Pushido, während ich die die beiden Alten dem Big Boß übergebe. Wenn das wirklich die Galgenvögel sein sollten, die was mit dem Anschlag auf den Wagen der Queen zu tun haben, dann springt da für mich sicher eine fette Beförderung raus und für Dich heut Abend vielleicht ja sogar ein kleines Leckerli in der Flitterwochensuite vom Ritz!". Sprachs und war auch schon verschwunden, wobei er vor ihren angewidert dreinschauenden Augen das ältere Pärchen aus dem blauen Minivan vor sich her die Treppenstufen zum Haupteingang hinaufschubste.

      Dreieinhalb Minuten später pochte es ungewohnt stürmisch gegen die hölzerne Bürotür am Ende des Flures im 20. Stock, deren goldiges Schild dem Besucher bereits strahlend den Besitzer jener dahinterliegenden Räumlichkeiten verkündete: "2012 - Chief Super Intendent Eddi Wallace, Kommissarischer Leiter von New Scotland Yard". Auf ein Hereinbitten aus dem Büroinnern wartete der Klopfer freilich gar nicht erst, er riß sofort die Türe auf und trötete, während er die in Handschellen Gelegten vor sich zur Seite drängte: "Mister Wallace, ich bringe Ihnen hier zwei unserer drei Hauptverdächtigen für den Sprengstoffanschlag auf das Fahrzeug der Königin". Mit weit offenstehendem Mund erhob sich der von dieser überfallartigen Aktion sichtlich überrumpelte kommissarische Yardchef wie in Zeitlupe aus dem Ledersessel hinter seinem Schreibtisch und ging auf den Agent und das in seiner Obhut befindliche Pärchen zu. Er warf zunächst einen Blick auf die etwas verstört dreiblickende Frau, dann auf den schulterzuckenden älteren Herrn, schließlich auf den frischgebackenen Agent seines neugegründeten Inlandgeheimdienstes RIO. An Letzteren gerichtet aber sprach er schließlich: "Das sind also Ihre vermeintlichen Verdächtigen? Na, da ist Ihnen ja wirklich ein großer Fang geglückt! Die Beiden, insbesondere der Herr hier, sind nämlich gute alte Bekannte von mir, Lestrade! Darf ich Ihnen vorstellen: Mister und Misses Svensson. Er seines Zeichens früher selbst einmal ein geschätzter Kollege in den Reihen unserer Mordkommission und mittlerweile recht angesehener und erfolgreicher Privatermittler. Meinen Glückwunsch, Lestrade! Und jetzt nehmen Sie den Beiden endlich die verflixten Handfesseln ab!". Agent Lestrade fingerte nervös ein klitzekleines Schlüsselchen aus der Brusttasche des unter seiner Weste befindlichen Seidenhemdes hervor, dann entfernte er nacheinander erst die Schellen an den Händen von Ex-Inspektor Lukas Svensson und dann an denen seiner Ehefrau Yelena. Die rieben sich kurz über ihre schmerzenden Handgelenke, dann reichten sie sich mit Mister Wallace die Hände, wobei der Yardchef neben selbigen zugleich auch die Gelegenheit ergriff, sich überschwänglich für den Übergriff seines übereifrigen Agents zu entschuldigen. Lukas aber winkte kurzerhand ab: "Daran trifft Sie ja keine Schuld, Sir! Nur um eines möchte ich Sie dringend ersuchen: Lassen Sie doch bitte unseren gehbehinderten Freund und leitenden Computerexperten unserer Antiterroreinheit CI7, Tim Hackerman, aus dem Kofferraum des unten auf dem Parkplatz stehenden Polizeiwagens mit der jungen Polizistin am Steuer befreien!". Eddi Wallace warf Agent Lestrade einen strengen Blick zu, dann befahl er: "Na los doch, Sie Unglücksrabe, worauf warten Sie noch! Sehen Sie gefälligst zu, daß Mister Hackerman umgehend aus seiner von ihnen herbeigeführten mißlichen Lage erlöst und hierher gebracht wird! Und Gnade Ihnen Gott, wenn dem Mann durch Ihre Ramboaktion auch nur ein Härchen gekrümmt wurde". Lestrades Antlitz wurde auf der Stelle leichenblaß, er knallte gehorsam die Hacken seiner Luxustreter zusamen und verschwand umgehend durch die eilends aufgerissene und anschließend wieder ins Schloß fallen gelassene Bürotür.

      Chief Super Intendent Wallace hingegen bot dem Svenssonpaar die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch an. Und während auch er sich wieder in seinem angestammten Chefsessel niederließ, raunte er kopfschüttelnd: "Ach herrje, dieser Grünschnabel Lestrade, durchaus ein ambitionierter junger Mann, aber er muß noch so viel lernen!". Lukas Svensson nickte: "Ja, er erinnert mich irgendwie an meinen früheren Vorgesetzten und jetzigen Partner Charles Wannabe. Der war ihm einmal ziemlich ähnlich - vor seinem Ausscheiden aus dem aktiven Polizeidienst. Ach, wo wir gerade dabei sind ... Sagen Sie mal, Sir, wollten Sie nicht eigentlich auch schon längst Ihren Ruhestand genießen?!".Etwas wehmütig zog Eddi Wallace die Schultern hoch: "Ja, das stimmt! Aber dann wurde, wie sie ja wissen, erst mein eigentlicher Nachfolger Harold Freakadelly ermordet und schließlich erwies sich auch noch Jeffrey Douglas auf dem Posten als absolute Fehlbesetzung. Nun ja, und jedes Mal griff man von oberster Stelle dann halt übergangsweise auf mich zurück. Ich kann nun mal einfach nicht Nein sagen! Schon gar nicht in dieser für unser geliebtes Vaterland so schweren Stunde!". Lukas beugte sich ein wenig vor: "Ja, sagen Sie mal, Sir, was ist da denn eigentlich passiert heute nach der Eröffnungsfeier?". Der Yardchef senkte sein greises Haupt und seufzte: "Ach, eine wahrhafte Tragödie ist das! Ein Anschlag auf einen Wagen unserer verehrten Königin!". Entsetzt sprangen Lukas und Yelena Svensson nahezu zeitgleich von ihren Sitzplätzen auf, wobei Svenssons Frau sichtlich bewegt zu stammeln begann: "Die Queen ... Sie sein ... ich meinen ... tot??!". Eddi Wallace schaute Yelena traurig an, dann erwiderte er: "Gott sei Dank ist Ihre Majestät, die Königin, selbst körperlich unversehrt geblieben, aber für ihren Enkel Prinz Harry und die Nichte des nordirischen Vize-Regierungschefs, Aine McGuinness, kam jede Hilfe zu spät". Schwer wie Blei fühlten sich die Körper der Svenssoneheleute mit einem Male an, während sie sich Beide kraftlos wie in Zeitlupe auf ihre Stühle zurückfallen ließen. Lukas Svensson gelang es als erstem, die Sprache wiederzufinden. Leise fragte er: "Haben wir schon irgendeine Ahnung, wer hinter diesem feigen Mordanschlag steckt?". Eddi Wallace nickte verhalten, doch noch bevor er sich äußern konnte, wurde erneut die Bürotür aufgestoßen und hinter dem sichtlich angeschlagenen Ex-Fahrer der beiden Svenssons, Tim Hackerman, der nun statt am Steuer seines Minivans in einem yardeigenen Rollstuhl saß, betrat ein etwas weniger arrogant erscheinender Agent Lestrade die Räumlichkeiten und bemerkte leicht außer Puste: "Zum Glück erwies der junge Mister Hackerman nicht ganz so arg gerädert wie sein fahrbarer Untersatz hier. Sorry nochmal! Und was nun die Hintermänner des Mordattentats auf unsern kleinen Prinzen angeht, da haben meine Leute, die mich grad über Handy kontaktiert haben, schon einen neuen Verdacht!". Lukas Svensson drehte sich zu Lestrade um, musterte ihn etwas argwöhnisch und meinte schließlich: "Nun ja, der ist dann hoffentlich nicht wieder so an den Haaren herbeigezogen wie der erste?!". Der Agent errötete leicht, dann räusperte er sich kurz und raunte: "Also, es dürfte sich nach der Auswertung des Opferprofils wohl am ehesten um einen Racheakt der von einflußreichen einheimischen italienischen Mafiosi unterstützten nordirischen Ex-IRA-Splittergruppe, LIRA, handeln. Die hatten vor kurzem bereits in mehreren Drohbriefen den Tod von Ex-IRA-Mitglied McGuinness und seiner ganzen Familie, die sie allesamt als Verräter an ihrer irischen Heimat ansehen, angekündigt. Und das englische Königshaus ist dem ganzen IRA-Gesocks ja eh schon von jeher ein Dorn im Auge gewesen. Wenn mich die Herrschaften also jetzt entschuldigen würden, ich habe da ein paar vielversprechenden Hinweisen nachzugehn". Wie früher in der Schule hob Lukas Svensson den ausgestreckten Zeigefinger in die Luft, vermeldete dann aber doch, ohne erst eine Erlaubnis zum Reden abzuwarten: "Und in alle anderen möglichen Richtungen ermitteln oder gar die Jungs vom CI7 mit ins Boot holen, wollen Sie nicht?". Ein müdes Lächeln huschte über Lestrades sonnenbankgebräuntes Gesicht: "Nette Idee, Mister Swanssson. Mag ja zu Ihrer Zeit so üblich gewesen sein. Aber das hier ist das 21.Jahrhundert, und da ticken die Uhren anders. Außerdem hab da so meine eigene Erfahrung! Hinter dem Ganzen stecken mit Sicherheit die irren Italo-Iren, und mit denen werden meine Leutchen vom Royal Investigation Office noch immer ganz gut allein fertig!". Mit einem Satz und ohne jeden Abschiedsgruß war Lestrade von der Bildfläche verschwunden. Eddi Wallace aber zuckte nur bedauernd mit den Schultern: "Das Attentat fällt beim derzeitigen Stand der Dinge klar in die Zuständigkeit des RIO, und damit entscheidet einzig und allein Agent Lestrade über die Vorgehensweise bei der Untersuchung. So leid mir das tut! Aber selbst mir sind da vorerst rein rechtlich die Hände gebunden". Yelena und Lukas Svensson verabschiedeten sich daraufhin vom Yardchef und kehrten dann gemeinsam mit Tim Hackerman in seinem Leihrollstuhl zum direkt vorm Yardeingang geparkten blauen Minivan zurück, mit dessen Hilfe sie sich schon wenige Minuten später alle Drei mit einem nahezu zeitgleich ausgestoßenen leisen Stoßseufzer vom Hof fuhren.

      In zügigem Tempo rauschte der blaue Minivan über die Straßen von London. Dabei lenkte ihn Steuermann Timmy genau in die entgegengesetzte Richtung, in welcher er zuvor von Agent Lestrate bewegt worden war. Einige Zeit schwiegen alle drei Insassen. Dann aber ertönte vom Rücksitz her ein leises: "Ihr auch habt gesehen, wievieles Staub wir da aufgewirbelt auf Flur in Etage von Chef?! Zu mein Zeit als Kraft von Reinigungsfirma das es nicht hätten gegeben". Eifrig nickend stimmte Tim Hackerman Yelena Svensson zu: "Das ist wohl wahr! Aber wer weiß, wer sich da jetzt auch im Personalbüro um die Einstellung kümmert. Ich und mein Chef, wir haben uns damals ja die Leute auch erstmal eingehend angeschaut, bevor wir ihnen eine unserer freien Stelle zukommen ließen". Etwas erstaunt hakte Yelena nach: "So, ich gemeint, Du damals haben immer nur haben sortiert und abgelegt Akten unten in Keller?!". Timy aber lächelte ihr daraufhin sichtlich verlegen über den Rückspiegel zu: "Ok, ok! Kann schon sein!". Und um von dem leidigen Thema abzukommen, ergänzte er an die Adresse seines bislang noch immer sprachlosen Beifahrers: "Wir sollten uns jetzt beeilen, daß wir noch pünktlich zum Flughafen kommen, damit Sie Beide Ihren 14-Uhr-Flieger nach Havanna erreichen. Oder was meinst Du, Exspektor?". Der damit angesprochene Lukas Svensson tat keinen Mucks. Er starrte stattdessen weiter durch die Windschutzscheibe hindurch scheinbar völlig ins Leere. Besorgt tippte ihm seine Frau von hinten auf die Schulter und meinte dazu aufgeregt: "Luki, meine Liebelinge! Dir etwas fehlen? Was denn nur sein los mit Dir? Du mir aber gar nicht gefallen!". Sanft lächelnd drehte sich der, sich langsam aus seiner Erstarrung lösende Svensson zu seiner Gattin um und sprach augenzwinkernd: "Soso, mein Schatz, nach knapp 3jähriger Ehe gefalle ich Dir also schon nicht mehr?! Nein, keine Sorge, Liebling! Mir fehlt nichts - erst recht nicht, seit ich Dich bei mir habe. Aber es gibt da etwas, das geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Eigentlich nur eine ganz unwichtige Kleinigkeit, eine völlig belanglose Beobachtung vorhin im Stadion. Ein kurzes Aufblitzen, das ich nur für den Bruchteil einer einzigen Sekunde aus dem Augenwinkel heraus an einem bestimmten Punkt der Stahlkonstruktion oberhalb der Tribüne aufseiten des Olympischen Feuers bemerkt zu haben glaubte. Und doch beschleicht mich jetzt angesichts des Attentats auf den Prinzen und seine Begleiterin mehr und mehr das Gefühl, daß es da einen Zusammenhang geben könnte". Yelena ließ sich leise seufzend in das Polster des Rücksitzes zurücksinken. Dabei kramte sie ihr Handy aus dem neben ihr liegenden Handtäschchen hervor und begann anschließend, eine längere Ziffernfolge einzutippen. Bei Lukas, der das Ganze vom Beifahrersitz über den Rückspiegel verfolgte, legte sich langsam die hohe Stirn komplett in Falten, wozu er leicht irritiert nachfragte: "Was tust Du denn da, mein Schatz?". Yelena aber erwiderte nur schulterzuckend: "Ich jetzt buchen uns um bei Flughafen auf späteres Maschine nach Kuba. Ich mich doch kennen aus mit Dein Gefühle. Du jetzt nicht eher finden Ruhe, bis Du haben herausgefunden, woher sein gekommen merkwürdiges Blitz bei Feier in Stadion". Lukas schmunzelte: "Oh ja, meine kleine kluge Yel, niemand kennt mich besser als Du! Ich liebe Dich!". Und während Yelena - ihm im Spiegelglas eine Kußhand zuwerfend - ihre telefonischen Verhandlungen mit der zuständigen Fluggesellschaft Interflight am Londoner Flughafen Heathrow begann, wandte sich Lukas Svensson an seinen Fahrer: "Du hast gehört, was meine Frau gesagt hat! Auf gehts, Timothey! Nächster Halt: Olympic Stadium!".

      Es dauerte nicht lange, dann parkte der blaue Minivan wieder vor dem Haupteingang jener Olympischen Sportstätte, die jetzt aufgrund der jüngsten Ereignisse - von allen 80000 Gästen kurz nach der gewaltigen Explosion unmittelbar vor ihren Toren verlassen - geradezu verwaist anmutete. Sämtliche für den Rest des Tages anberaumten sportlichen Wettkämpfe waren kurzerhand abgesagt worden. Eine endgültige Entscheidung, ob die Sommerspiele 2012 überhaupt stattfinden sollten, stand noch aus. Alle Flaggen waren auf Halbmast abgesenkt worden, und vor dem Seitentor, durch welches die königliche Familie die Eröffnungsfeier verlassen hatte, legten schluchzende Menschen mit gesenkten Köpfen unablässig Blumensträuße und Kränze nieder, zwischen denen sie hier und da auch ein paar Kerzen entzündeten. Ein Zeitungsjunge verteilte ein Extrablatt mit der Schlagzeile: "High Noon in London - Olympic Nightmare on Emstreet". Tim Hackerman, eben erst mit Hilfe beider Svenssons dem Fahrersitz des Minivan enthoben und ihn den in dessen hinterem Teil verstauten Elektrorollstuhl umgesetzt, kaufte dem Jüngling ein Exemplar der einseitigen Gazette ab. Beim kurzen Überfliegen des zugehörigen Artikels mußte es feststellen, daß auch die Journalie sich bereits ihre vorgefaßte Meinung über die Herkunft der Täter gebildet hatte, denn im Schlußsatz hieß es vielsagend: "Mit dieser Bluttat dürfte die LIRA die Grenzen endgültig überschritten haben und von versteckten Drohungen und Einschüchterungen zum offenen Krieg gegen das Vereinigte Königreich wie auch den Rest der freien Welt übergegangen sein". Lukas Svensson beugte sich - an der Seite seines rollstuhlbedürftigen Schützlings und Freundes Aufstellung nehmend - langsam zu Timmy herunter und raunte: "Ich schau mich jetzt mal ein wenig im Stadiuminnern um! Und Yelena und Du, Ihr könnt Euch hier draußen derweil ja mal ein wenig die Beine vertreten ...". Als ihm bewußt wurde, was er da gesagt hatte, entfuhr dem Exinspektor ein leises: "Entschuldige, Tim!". Der junge Mann im Rollstuhl aber sah ihm schmunzelnd entgegen: "Nur keine Bange, Sir! Ich steh trotz meiner Behinderung mit beiden Beinen im Leben. Und Beine vetreten hört sich nunmal immer noch besser an als Arme versteuern. Ich bin dann mal weg!". Sprachs und legte Hand an den Joystick seines fahrbaren Hitech-Untersatzes, welcher sich umgehend mit Schrittgeschwindigkeit in Richtung Weakley Plaza Ecke Elmstreet in Bewegung setzte, unmittelbar gefolgt von der sich rasch noch mit einem leidenschaftlichen Kuß von ihrem Göttergatten verabschiedenden Misses Svensson.

      Mister Svensson hingegen streifte sich anschließend noch rasch seinen - auf der Rücksitzbank des Ford mitgeführten - alten geliebten Trenchcoat mit den ausgebeulten Taschen über und verschaffte sich daraufhin mit dem auf seinen Namen ausgestellten Fackelläufer-Sonderausweis Zutritt am ansonsten für die Allgemeinheit gesperrten Stadionshaupttor, von dem aus er sich über eine der Treppen der Zuschauertribüne, die hinter einer Feuertür gelegene Feuerleiter und eine Dachluke den Zugang zu jener Stelle der oberen Stahlkonstruktion erschloß, wo er bei den Eröffnungsfeierlichkeiten das aufblitzende Licht erspäht zu haben glaubte. Es war recht finster und zugig dort oben, aber man hatte auch eine unheimlich schöne, völlig freie Aussicht auf das gesamte Stadioninnere. Lukas allerdings nahm weitestgehend Abstand davon, den Ausblick gebührend zu würdigen - stand ihm dabei doch seine Höhenangst deutlich im Weg. Nein, der Exbeamte widmete sich mithilfe der kleinen Stabtaschenlampe, die er aus einer seiner Manteltaschen hervorzauberte, lieber jenen Abgründen, die sich in deren Zwielicht auf dem Boden unterhalb der bewußten Stahlverstrebung auftaten. Zunächst war da mal eine größere Ansammlung angetrockneter tierischer Exkremente, gewiß von der seinerzeit vor Ort ebenfalls beobachteten, im Zickzackkurs aufsteigenden Taube herrührend. Das war dann aber weit und breit auch schon alles an sichtbaren Spuren. Viel interessanter unterdess erschien dem Exinspektor, was er nicht sah ... Staub. Der fehlte auf den Stahlplatten des Deckenbodens nämlich fast ganz. Und dabei war er an den unmittelbar darüberliegenden Stahlstreben doch flächendeckend in recht dicker Schicht vorhanden. Das ganze Szenario ließ nur einen Schluß zu. Hier hatte jemand geradezu akribisch saubergemacht und damit scheinbar alle Spuren seiner Anwesenheit im Nachhinein sorgfältig zu verwischen gesucht. Angesichts dieser Tatsache wagte Lukas nunmehr doch einen flüchtigen Blick in die Tiefe und damit in das Stadion hinein. Sollte seine Vermutung stimmen, und sich an dieser Stelle der Liegeplatz eines vermeintlich professionellen Scharfschützen befunden haben, dann gäbe es unter Umstämdem auch einen zweiten Schützen und einen zweiten Liegeplatz auf der unmittelbar entgegengesetzten Seite des Stadions. In aller Eile trat Lukas Svensson zum Abstieg an, durchquerte das komplette Stadion und stieg auf der anderen Seite über Treppe, Feuertür, Leiter und Dachluke erneut bis zum nächsten Höhepunkt auf. Wie bereits erahnt, bot sich dem ehemaligen Kriminalbeamten hier das gleiche Bild. Ringsherum dicke Staubablagerungen, aber am Deckenboden unterhalb des stählernen Dreiecks nur eine ganz hauchdünne Schicht. Sonst keine weiteren Spuren vorhanden. In Lukas' Kopf begann es zu rattern. In seiner lebhaften Phantasie malte er sich aus, wie man von beiden Seiten völlig unbeobachtet die Königin und ihre Begleiter ins Visier genommen hatte, untereinander jederzeit über Funk in Kontakt stehnend. Zentral koordiniert vermutlich von jemandem außerhalb. Wenn man sich aber vonseiten jener Leute schon soviel Mühe gemacht hatte, jeden Schritt der Queen, des Prinzen und der Nichte des nordirischen Regierungsvizechefs zu überwachen, ohne abzudrücken - wäre man dann nicht beim Zünden des Sprengsatzes erst recht auf Nummer sicher gegangen und hätte ... Diesen Verdacht galt es umgehend zu überprüfen. Und so eilte Lukas Svensson, nachdem er Dachluke, Feuerleiter und Feuertür hinter sich gelassen hatte, in nahezu dem gleichen Tempo die lange Stadionstreppe hinab, in dem er wenige Stunden zuvor eine der anderen Treppen hinaufgeeilt war. Galt es nämlich seinerzeit, vor aller Welt ein friedliches Feuer zu entzünden, so lag es nun unter Umständen an ihm, das Aufflammen eines kriegerischen Weltenbrands zu verhindern.

      Tim Hackerman hatte sich mittlerweile dank der Vollmachten, die ihm seine CI7-Dienstmarke verlieh, am polizeilich abgesperrten Explosionsort ein wenig genauer umsehen können. Überall lagen völlig verrußte Metalltrümmerteile herum, die zum Teil noch immer vor sich her qualmten. Der Bodenbelag der Straße war an der Stelle der unmittelbaren Detonation deutlich eingebeult und hatte ein paar unschöne Risse bekommen, die aber teilweise vom ausgebrannten Hauptteil des quer daraufliegenden Autowracks verdeckt wurden. Seitlich davon lagen - nebeneinander ausgebreitet - zwei große weiße Tücher, unter denen man die verkohlten sterblichen Überreste von Prinz Harry und Aine McGuinness nur noch erahnen konnte. Zwei Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens mit dem klangvollen Namen "My Everlasting Silence Service" machten sich gerade an die undankbare Aufgabe, die bislang ganz in weiß gehüllten Leichenteile des im Tode vereinten Paares in zwei mitgebrachte leere Zinkwannen umzubetten. Yelena Svensson, die dem ganzen tragischen Schauspiel hinter der Polizeiabsperrung beiwohnte, schossen die Tränen in die Augen. Was die königliche Familie, aber auch die nordirische Familie McGuinness in diesem Moment wohl durchmachen mußten?! Der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen ist schließlich immer etwas Schreckliches, besonders wenn er auf eine so grausame und sinnlose Art und Weise geschieht. Kaum auszudenken, wie sie sich fühlen würde, wenn ihrem geliebten Lukas, ihrer lange Jahre verschollenen Tochter Jane oder gar ihrem Enkel Luke ... Erschrocken blickte sie zur Seite, wo just in dieser Sekunde Timmy mit quitschenden Reifen seinen Elektrorolli zum Stehen brachte. Auch ihm liefen die Tränen in Strömen übers Gesicht, und leise schluchzend offenbarte er: "Sorry, Misses Svensson, wenn ich Ihnen hier jetzt was vorjammere! Aber das Ganze holt in mir einfach alles wieder hoch! Jene Explosion der Granate im Berliner U-Bahnschacht vor drei Jahren, mit der sich der von mir verfolgte Verbrecher Derrik Crawler nicht nur selbst ins Jenseits sprengte, sondern deren Folgen mich wohl zeitlebens an meinen Rollstuhl fesseln werden". Yelena Svensson strich dem betrübten jungen Mann übers akurat gefönte Haar: "Ach, Timmy! Immerhin, Du leben. Du haben hübsches Sabrina, die Dich lieben und mit der Du auch schon planen Zukunft mit kleines Baby aus künstliches Befruchtung. Ich da gerade vor mir sehen zwei armes Menschen, die alles das nicht mehr können tun". Zitternd wies der Zeigefinger ihrer rechten Hand auf die beiden Zinkwannen, die im selben Moment - sich einander seitlich sanft berührend - in den Leichenwagen geschoben wurden. Der junge Hackerman wischte sich mit dem Handrücken die Tränen vom Gesicht: "Sie haben recht! Ich lebe! Und ich liebe das Leben! Es gibt für mich auf dieser Welt noch so viel zu erleben und zu entdecken ... Apropos entdecken. Mir ist da nämlich etwas aufgefallen. Links hinter den Büschen gibt es eine Stelle, die ist im Gegensatz zu ihrer gesamten Umgebung völlig frei von Müll. Sogar das sonst zentimeterhohe Gras ist dort wie mit der Schere auf wenige Millimeter akurat zusammengestutzt. Ähnlich sieht es dort drüben rechts hinter dem kleinen Holzzaun aus. Wieder keinerlei Müll und der Zuckersandboden sieht aus wie frisch übergefegt. Merkwürdig oder?!". Aus ein paar Metern Entfernung aber erschallte in diesem Augenblick lauthals die Stimme des geradezu heranstürmenden Lukas Svensson: "Keineswegs, mein Freund, keineswegs! Nur ein weiteres Indiz für meine Theorie ...".

      Hinter der verstaubten Übergardine eines längst zu Bruch gegangenen Fensters im vierten Stock des Schulbuchlagers am Ende der Weakley Plaza beobachtete ein Mann aus seinem Versteck heraus durch das aufgepflanzte Zielfernrohr eines Präzisionsgewehrs die Straße und damit auch den während seines Eintreffens wild gestikulierenden Svensson. Er drückte auf den Sprechknopf seines umgehängten Funkgeräts und wisperte leise: "BLACK Raven ruft WHITE Eagle! Hier vor Ort schnüffeln zwei Kerle und eine Braut rum, der eine Knabe ist anscheinend etwas fußlahm und scheint nach Auskunft seiner vorgezeigten Dienstmarke von der einheimischen Antiterrortruppe zu sein. Was soll ich tun?". Aus dem Lautsprecher des Funkgeräts aber krächzte es augenblicklich elektronisch verzerrt: "Nehmen Sie mit BLUE Tit die Verfolgung des Trios auf! Vorerst unauffällig. Jede Viertelstunde Meldung an mich! Bei Bedarf stoßen GREEN Starling und RED Robin dazu. Wichtig ist: Sollte einer von denen der Wahrheit zu nahe kommen, muß er unverzüglich ausgeschaltet werden. Denken Sie daran, daß wir als Mitglieder der Eliteeinheit GAVRILO einem Ruf verpflichtet sind! Seit diese Spezialeinheit im November 1963 in Dallas ereignisbezogen spontan ins Leben gerufen wurde, haben wir all unsere Aufträge erfolgreich abgeschlossen. Die beiden Brüder J.F.K und R.F.K ebenso wie den schwarzen Bürgerrechtspfaffer M.L.K, den schwedischen Regierungssozi Olof P, Ex-Pilzkopf und Yapsenliebling John L oder die in Deutschland unbequem gewordenen Politheinis Uwe B und Jürgen W. M. Zugegeben, bei den beiden Letztgenannten bedienten wir uns etwas unüblicherer Methoden, aber entscheidend ist und bleibt am Ende der erfolgreiche Abschluß einer Mission. Das ist es schließlich, was wir auf Grundlage der Ereignisse rund um den 28. Juni 1914 als das Gavrilo-Prinzip bezeichnen. Over!". Wieder bediente der Mann am Fenster den Sprechknopf und raunte: "Wer weiß das alles besser als ich, hab ich doch selbst bei meinem ersten Auftrag im Jahre 1997 in Paris die Mutter des heute ausradierten Königsknaben objektiv gesehen nur mittels Fotokamera und meiner rasanten Fahrweise zur Strecke gebracht. Von daher sollte die Verfolgung und eventuelle Auslöschung eines herumschnüffelnden Krüppels und eines Rentnerpärchens für mich ja wohl ein Leichtes sein. Over & Out!".

      Draußen vor dem Fenster hinter dem polizeilichen Absperrband hatte Privatermittler Lukas inzwischen seine Theorie vor Yelena und Timmy ausgebreitet, woraufhin letzterer nachdenklich anmerkte: "Wir sprechen also von mindestens 4 bis 5 Scharfschützen unter zentraler Führung. Zwei von ihnen im Stadion zum Vorsondieren der Lage. Zwei bis drei weitere, die den Konvoi kurz nach seiner Abfahrt gezielt ins Kreuzfeuer nehmen. Letztlich bedient einer von ihnen oder aber der große Unbekannte in der Zentrale den Fernzünder für die Sprengladung. Und für den Fall, daß diese versagt, kann man die Zielobjekte notfalls noch immer mittels der Scharfschützen ausschalten lassen. Erinnert mich irgendwie stark an die Verschwörungstheorien beim Attentat auf Präsident Kennedy. Wie dem auch sei: So logisch das Ganze für mich auch klingt, offiziell wird da für mich nichts zu machen sein. Beweise haben wir schließlich keine, und Du hast diesen Agent Lestrade ja vorhin gehört. Das RIO ermittelt in dem Fall allein, das CI7 bleibt außen vor. Wenn wir Deinem Verdacht also nachgehen wollen, ist das momentan nur auf eigene Faust möglich. Und es könnte, wenn Du mit Deinem Verdacht richtig liegst, für uns alle verdammt gefährlich werden. Im schlimmsten Falle lebensgefährlich!". Lukas senkte das immer kahler werdende Haupt und nickte. Yelena aber holte erneut das Handy aus ihrem umgehängten Handtäschchen hervor und sprach, während sie es ihrem Mann entgegenstreckte: "Auf jedes Fall Du solltest Dir holen Hilfe von jemand, der sich auskennen mit solches Situation". Ihr Mann hob seinen Blick und schaute ihr dabei tief in ihre wunderschönen kastanienbraunen Augen, wozu er freudestrahlend ausstieß: "Du meinst, ich soll ihn, unseren allerbesten Freund ...". Im selben Moment verschwand das Strahlen auch schon wieder aus seinem Gesicht, und kleinlaut vermeldete der Svenssongemahl: "Aber ich hab ja seine Nummer gar nicht im Kopf. Und außerdem, was wird aus Kuba?". Yelena drückte ihm das Handy in die Hand und erwiderte lächelnd: "Insel von fidele Castro können warten, nationales Sicherheit nicht. Und was angehen die fragliche Nümmerchen: Was Du nicht haben in Kopf, ich dafür haben in Speicher von Kurzwahl. Los also jetzt, Du rufen endlich an und sagen, daß Du ihn brauchen. Alles, was Du müssen tun vorher, ist drücken kurzes Wahltaste und Nummer mit zwei Stellen ... 24 ..."

      [Fortsetzung folgt]

      Saxi schrieb:

      Der Videoclip ist wirklich super gemacht. :clappingsmi3: Wenn ich denke, dass ich an einigen Orten der Tragödien schon war (JFK, MLK, Diana) schon komisch irgendwie.
      Ach ja, ich hätt da gleich noch einen ...

      Kp7FTm-k6sk
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    • Oh, shit. Es hat Prinz Harry und seine Begleiterin erwischt. :eek:

      Zumindestens ist die Queen und ihr Mann unversehrt aber trotzdem ist das ein unwahrscheinlicher Verlust. :13: Na hoffentlich werden diese Mistkerle, die das gemacht haben, bald gefunden. :motz:
      Aha Kurzwahltaste 24. Das kann ja nur Jack sein. :thumbs02: Na hoffentlich kann er Lukas helfen. :daumendruck:

      Der Clip war wieder gut. Das was da im Fernsehn lief habe ich früher auch angeschaut. :daumen:

      Ich freue mich jedenfalls schon wieder wenn es weitergeht :freudentanz: und vielen Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Oh, shit. Es hat Prinz Harry und seine Begleiterin erwischt. :eek:
      Ja, ein schwerer Schlag für die britische Krone und den stellvertretenden Regierenden der Nordiren!

      Saxi schrieb:

      Zumindestens ist die Queen und ihr Mann unversehrt aber trotzdem ist das ein unwahrscheinlicher Verlust. :13: Na hoffentlich werden diese Mistkerle, die das gemacht haben, bald gefunden. :motz:
      Lukas und sein Team werden sicher alles daransetzen, das ist sicher! :daumen:

      Saxi schrieb:

      Aha Kurzwahltaste 24. Das kann ja nur Jack sein. :thumbs02: Na hoffentlich kann er Lukas helfen. :daumendruck:
      Stimmt, ein kleines Bäuerchen gibts wohl auch wieder! :zwinker:

      Saxi schrieb:

      Der Clip war wieder gut. Das was da im Fernsehn lief habe ich früher auch angeschaut. :daumen:
      "Blues Clues" aka "Blau & Schlau" war lange Zeit meine liebste Kindersendung. Hab damals ständig mitgefiebert und mitgesucht nach Hinweisen ... und das mit schon über 30! :wolke_7:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich jedenfalls schon wieder wenn es weitergeht :freudentanz: und vielen Dank fürs Schreiben. :danke:
      Bitte, bitte! Haben wir gern gemacht! Und tun wir natürlich auch weiterhin gern ...

      So, und damit geht es dann auch schon weiter mit dem dritten Teil unserer Story, in dem nun die Geschichte endgültig zur österreichisch-deutschen Coproduktion mutiert ... mit einer zwar nicht königlichen, sondern eher bäuerlichen Zepter-Übergabe an meinen Partner M.V.V.M. :cool1:

      Kapitel 3: Variante Schwarzer Bauer

      Lukas Svensson lieh Yelenas Handy nach dem Eintippen besagter Kurzwahl sein Ohr. Lange Zeit ertönte nur ein sich monoton wiederholendes Freizeichen, dann aber meldete sich das zarte Stimmchen eines kleinen Mädchens: “Hi! Hier bin ich am Telefon, wer ist denn dort?“. Im ersten Moment glaubte Svensson, sich womöglich verwählt zu haben, dann aber fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: “Ah, Du mußt wohl die kleine Teri sein! Hier spricht der Onkel Lukas, könntest Du mir mal Deinen Opi geben, mein Engel?!“. Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann vernahm man erneut die feine Kinderstimme: “Das geht jetzt nicht! Mein Grandpa ist grad sehr beschäftigt. Er muß nämlich mit mir zusammen Blues Clues anschaun, weißt Du?!“. Und tatsächlich ertönte in selber Sekunde hintergründig die auch dem Exinspektor – selbst Großvater eines kleinen Jungen - aus der angesprochenen Kindersendung wohlbekannte Phrase: “Ein Hinweis! Ein Hinweis!“. Lukas aber raunte sanft ins Handy: “Tja, Du mußt wissen, Teri, der Onkel Lukas sucht nämlich auch nach so ein paar Hinweisen. Und ich brauch dazu ganz dringend die Hilfe von Deinem Grandpa. Es dauert auch nur einen klitzekleinen Moment, versprochen!“. Wieder vergingen ein paar Augenblicke, dann kam vonseiten des aufgeweckten Mädchens als Antwort kurz und knapp: "OK!". Dazu wechselte der Telefonhörer deutlich vernehmbar den Besitzer. Und schließlich erklang das immer noch vertraute, wenn auch schon so lang nicht mehr gehörte: “Jack hier! Was gibts denn, mein Freund?“. Lukas Augen begannen angesichts dieser Art von Ansprache zu glänzen, wozu er erwiderte: “Ich könnte mal wieder Deine Hilfe brauchen, Jack. Man hat quasi vor meinen Augen gerade die Limousine unseres Prinzen Harry und seiner nordirischen Begleiterin in die Luft gejagt, wodurch beide getötet wurden. Und am Tatort sind wir auf ein paar Dinge gestoßen, die auf ein von langer Hand geplantes und durch zwei Teams versierter Scharfschützen doppelt abgesichertes Sprengstoffattentat schließen lassen. Das vor Ort zuständige RIO ermittelt allerdings einzig und allein in Richtung einer von einflußreichen Mafiosi finanzierten Splittergruppe der ehemaligen IRA namens LIRA“. Am anderen Ende erklärte es nachdenklich murmelnd: "Das Ganze klingt in meinen Ohren eher nach einer explosiven Variation der Verschwörungstheorien im Falle unseres ermordeten Präsidenten JFK und damit nach amerikanischer Vorgehensweise. Was unter Umständen vielleicht ja auch gar nicht mal so abwegig wäre. Denn eine frühere Kollegin erzählte mir vor ein paar Tagen, als wir uns rein zufällig bei TOYS'R'US trafen, daß ihr im Rahmen einer verdeckten Ermittlung aufgefallen sei, daß sich etwas mehr als eine Handvoll ehemaliger, teilweise kurz zuvor unehrenhaft entlassener Mitglieder unserer Special Forces innerhalb der vergangenen drei Monate nach und nach nach Europa abgesetzt habe. Ganz für sich allein stehend, machte diese Information wenig Sinn, aber im Kontext mit dem von Dir beschriebenen Anschlagsszenario kommt ihr auf einmal eine ganz neue Bedeutung zu“. Lukas Svensson nickte eifrig und rief dazu ganz aufgeregt in das Handy an seinem Ohr: "Dann kann ich also darauf zählen, daß Du in die nächste Maschine in Richtung London steigst und mit mir vor Ort ...". Der gute, alte Freund am andern Ende unterbrach ihn: "Es tut mir leid, Lukas, aber das kann ich beim besten Willen nicht tun. Mein Platz ist hier bei meiner Tochter Kim und meiner Enkelin Teri. Ich kann und will kein Special Agent mehr sein, sondern einfach nur noch ganz normaler Vater und Großvater. Kannst Du das verstehen?!". Svensson seufzte traurig, dann erwiderte er leise vor sich her nickend: "Das versteht wohl niemand besser als ich, mein Freund. Wie viel unwiederbringliche Zeit mit unseren Töchtern haben wir dank unseres stets so aufopfernden Dienstes an unseren jeweiligen Vaterländern und den sicher auch daraus resultierenden Trennungen von unseren Ehepartnern schon versäumt?! Nein, Jack! Ich kann Deinen Einwand nur allzu gut begreifen".

      Einige Sekunden einvernehmlichen Schweigens folgten, dann aber bemerkte Svenssons Gesprächspartner: "Ich danke Dir für Dein Verständnis, Lukas! Und dennoch möchte ich Dir natürlich gern helfen, was in diesem Fall Deinen Wunsch nach professioneller Hilfe angeht. Ich hätte da die Nummer eines Mannes für Dich, der selbst jahrelang offiziell wie auch im Hintergrund für verschiedene Regierungsbehörden arbeitete und privat schon so Einiges an harten Schicksalsschlägen wegzustecken hatte. Er mag Dir hier und da ein wenig raubeinig in seinem Vorgehen und vielleicht auch ein wenig mißtrauisch Dir und anderen gegenüber vorkommen. Hab dann in solchen Fällen einfach etwas Nachsicht mit ihm, denn wer weiß, wie wir reagieren würden, wenn man uns wieder und wieder alles nimmt, was wir im Leben gerade erst richtig lieb zu gewinnen beginnen. Aber ich kann dir versichern, er ist einer der Besten auf seinem Gebiet. Vorstellen kann sich Dein neuer Partner dann ja selbst, seine Nummer lautet jedenfalls: 007-24-911-30011974. Aber ich kann dir leider nicht versprechen, dass er dir helfen wird. Ich kann dir nur sagen, du solltest es auf jeden Fall versuchen. Vielleicht kannst du ihn ja daran erinnern, warum er sein Land um jeden Preis beschützt hat. Mir bleibt dann nur noch, Euch Beiden viel Erfolg bei Eurer gemeinsamen Mission zu wünschen. Paß gut auf Dich auf, mein Freund! Und grüß mir Yelena und die anderen!". Aus dem Hintergrund ertönte gleichzeitig ein etwas piepsiges und dabei doch unheimlich süßes: "Grandpa! Wo bleibst Du denn so lange? Blue und Steve haben schon alle drei Hinweise gefunden". Lukas fing am andern Ende der Leitung unweigerlich zu schmunzeln an und sprach dabei: "Hör nur ruhig auf Deine Teri, Jack! Sie braucht Dich jetzt am meisten, und Du hast Dir den Ruhestand im Kreise Deiner Familie redlich verdient. Wir hören voneinander!". Schweren Herzens drückte Lukas die rote Hörertaste, dann umgehend wieder deren grünes Pendant, gefolgt von der 16stelligen Ziffernfolge, die er sich während Jacks Ausführungen mit dem zwischen Ohr und Schulter eingeklemmten Handy nebenbei mittels eines schon recht abgenutzten Buntstiftstummels auf einer leeren Seite seines - aus der Manteltasche hervorgekramten - blauen Notizbuches hingekritzelt hatte.

      Los Angeles. Ein Telefon klingelte. Jemand ging ran. „Ja? Calleigh?“, fragte die Stimme. Sie klang hoffnungsvoll und erfreut.
      „Ähm hier spricht Lukas Svensson. Ich bin ein guter Freund von Mister Bauer.“, erwiderte Lukas Svensson am anderen Ende.
      Es herrschte enttäuschtes Schweigen in der Leitung. „Die Antwort lautet jetzt schon nein.“, blockte der Mann dann ab, ehe er sich noch vorgestellt hatte.
      „Wieso Nein? Sie wissen ja noch nicht mal wieso ich anrufe.“ kam es von Svensson.
      Der Kerl am anderen Ende der Leitung seufzte. Warum hatte er eigentlich abgehoben? Die Person die er erwartet hatte, war nicht dran. „Kein Interesse. Auf Wiederhören.“, erwiderte die Stimme und legte auf. Der Mann wandte sich ab und setzte sich auf seine Couch. Seine Waffe lag direkt vor ihm. Viele Male hatte er vor dieser Entscheidung gestanden. Das Telefon klingelte erneut. Er ignorierte es. Der Anrufbeantworter würde rangehen. Nach dem vierten Klingeln trat eine kurze Pause ein, die von einem Piepton unterbrochen wurde. Dann ertönte die Ansage auf dem Anrufbeantworter: „Ich bin nicht erreichbar.“
      Dann ein erneuter Piepton, der signalisierte, dass der vermutlich enttäuschte Anrufer seine Nachricht hinterlassen konnte. Dann hörte er wieder diesen Svensson. „Hören Sie. In London ist eine Bombe explodiert. Vermutlich stecken ehemalige Angehörige Ihrer Special Forces dahinter. Ich brauche Ihre Hilfe. Verdammt, ich kenne ja noch nicht mal Ihren Namen. Was würden Sie tun, wenn Ihr Land von einem Terroranschlag heimgesucht wurde?“
      Der Mann sprang auf und nahm den Hörer in die Hand. „Was wollen Sie von mir?“
      Überraschtes Schweigen am anderen Ende der Leitung. „Ich brauche Sie hier in London. Ich brauche jemanden, der mir Rückendeckung gibt.“
      „Gibt es nicht genug fähige Leute in Ihrem Land?“, unterbrach der Kerl.
      Ein kurzes Seufzen. „Ich brauche jemanden, der diesen Kerlen gewachsen ist. Der ähnlich ausgebildet ist. Der was auf dem Kasten hat.“
      „Warum ich?“, fragte die Person.
      „Weil Sie einer der Besten auf Ihrem Gebiet sein sollen.“, erwiderte Lukas. „Zumindest sagt Jack dies über Sie. Ich hoffe er hat sich nicht geirrt.“
      Mike schwieg. Dann antwortete er: „Er hat sich nicht geirrt, aber ich bin nicht verfügbar.“
      „Wieso nicht?“, fragte Svensson mit nachdrücklicher Stimme.
      „Persönliche Gründe.“
      Er konnte Lukas am anderen Ende der Leitung seufzen hören. „Ich verstehe. Aber Sie haben mir immer noch nicht gesagt, was Sie tun würden um Ihr Land zu beschützen. Ich will das gleiche für mein Land tun. Würden Sie nicht auch jede Unterstützung anfordern um die Terroristen zu fassen, die Ihrem Land das angetan haben?“
      Das war der Punkt, an dem Mister Svensson einen Nerv getroffen hatte. Der Kerl seufzte und nach einem kurzen Zögern antwortete er: „Okay. Ich nehme den nächsten Flug nach London. Ich schicke Ihnen die Flugnummer, damit Sie wissen wann ich lande.“
      „Vielen Dank! Wie heißen Sie?“
      „Michael Gaber.“

      10 Stunden und 40 Minuten später in London

      Tim hatte Lukas zum Flughafen gefahren um Michael abzuholen. Svensson hoffte, dass jetzt nicht irgendein Hard-Boiled Detektiv mit Alkoholproblemen aus dem Flugzeug stieg. Er hielt ein Schild hoch, auf welchem M. Gaber stand. Doch bisher hatte niemand auf ihn reagiert. Vielleicht war Mister Gaber gar nicht in das Flugzeug gestiegen. Er stand beinahe 20 Minuten herum und wartete. Dieser Gaber ließ sich aber wirklich Zeit.

      Doch Mike hatte den Ex-Inspektor längst entdeckt. Er hielt sich bedeckt um auf Nummer Sicher zu gehen, dass es keine Falle war. Er beobachtete die Umgebung. Sah nach allen Seiten ob irgendjemand anderes den Mann mit dem Schild ebenfalls beobachtete. Als er sich seiner Sache absolut sicher war, näherte er sich dem Schildträger. Er schenkte ihm jedoch keine Aufmerksamkeit. Noch nicht. Erst wollte er sehen, ob irgendjemand an der Tür lauerte. Nichts. Mike blieb abrupt stehen und sagte dann: „Ich bin Michael Gaber.“
      Der Ex-Inspektor drehte sich um und begutachtete den Kerl. Er war etwa 1’83 Meter groß und wog um die 90 Kilogramm. Seine grün-braunen Augen musterten den Inspektor. Er trug einen schwarzen Anzug. Keine Krawatte, die obersten zwei Knöpfe seines weißen Hemdes standen offen. Kein Alkoholabhängiger Möchtegern Special Agent. Eher ein Profi. Das merkte Lukas sofort. An seinem Auftreten, die prüfenden Blicke. „Ich bin Lukas Svensson.“, sagte er und reichte ihm die rechte Hand. Mike umgriff sie fest, blickte sich kurz um und war blitzschnell hinter dem Inspektor. Dessen rechte Hand verdrehte er so, dass er sie auf den Rücken legen konnte. Mike ließ seine Reisetasche auf den Boden sinken. Dann packte er den Ex-Inspektor am Kragen seines abgetragenen Trenchcoats und drückte ihn in eine Nische, die in der Wand der Ankunftshalle war und den Passagieren die Sicht nahm. „Okay Mister Svensson“, raunte Mike. „Ich hoffe Sie haben einen Ausweis dabei, denn andernfalls werden Sie dieses Gebäude in einem Leichensack verlassen.“
      Die Aktion kam für den Inspektor überraschend und er schluckte kurz und stöhnte immer wieder kurz auf vor Schmerz. „Da ich mir dachte, dass Sie eine Bestätigung für die Identität meinerseits haben wollen, habe ich natürlich meinen Reisepass eingesteckt.“ Er fasste vorsichtig und langsam in seine linke äußere Manteltasche und zückte das Reise- und Ausweisdokument. Mike nahm ihm das Ding ab und begutachtete das Bild. Da war der gleiche Kerl zu sehen, mit dem gepflegten Schnauzer, den rotbraunen Haaren und der Halbglatze. Er warf einen kurzen Blick auf die Augenfarbe und ließ Lukas dann los. Er gab ihm seinen Reisepass zurück und gab ihm seinen eigenen. Der Inspektor warf ebenfalls einen Blick hinein und konnte die Identität des Mannes bestätigen. Er reichte ihm das Dokument und sagte dann: „Man, Jack hatte Recht. Sie sind einer der Besten.“
      „Reine Vorsichtsmaßnahme. So bleibt man in meinem Geschäft am Leben.“, erwiderte Mike gelassen, holte seine Reisetasche und verließ mit Lukas das Gebäude der Ankunftshalle. Draußen wartete bereits Tim in seinem dunkelblauen Minivan. Während Mike seine Tasche hinten in den Kofferraum verfrachtete, stellte Lukas seinen Fahrer vor: „Das ist mein Fahrer Tim. Er ist leider querschnittsgelähmt und muss deshalb im Wagen warten.“

      Mike saß die ganze Zeit über still auf dem Beifahrersitz neben Tim mit Lukas auf dem Rücksitz und beobachtete aufmerksam seine Umgebung.
      „Sind Sie verheiratet Mike?“, fragte der Inspektor an Mike gewandt, um das Eis etwas zu brechen.
      „Ich war es.“, antwortete er knapp. Er wollte nicht mehr sagen, als notwendig war. Das war seine Angewohnheit. Er war nicht besonders gesprächig. Deshalb war er ja auch ein Einzelgänger.
      „Aber jetzt nicht mehr?“, fragte Lukas interessiert und lehnte sich soweit es der Gurt zuließ nach vorn zum Beifahrer, der – wie üblich in London – auf der linken Seite saß. „Meine Frau ist am 11. September 2001 im Südturm des World Trade Centers gestorben.“, erwiderte Mike und zwar in einem Ton, der das Thema gleich vom Tisch fegte. „Tut mir Leid. Es ist nur so, ich spreche nicht gern über meine Familie und um weiteren Fragen gleich vorzubeugen: Ich hab eine Tochter, die will allerdings nichts von mir wissen und eine Freundin, die von einem Scharfschützen ermordet wurde. Wie steht’s mit Ihnen?“
      Lukas brauchte einen Moment um zu antworten, da er die Informationen erst verarbeiten musste. „Es tut mir Leid. Die Sache mit Ihrer Frau, Ihrer Freundin und Ihrer Tochter.“, sagte Svensson. „Sie haben wohl viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Ich hab eine bezaubernde Ehefrau. Ihr Name ist Yelena. Dann hab ich eine Tochter aus meiner ersten Ehe die mit Vornamen Lisa heißt.“
      Mike nickte. „Meine heißt Calleigh.“
      „Ah, deshalb haben Sie am Telefon den Namen Calleigh gesagt. Sie hatten erwartet, dass Ihre Tochter dran ist.“
      Mike antwortete nicht und es legte sich wieder eine Stiller über den Wagen von Tim. Bis Mike die Stille jäh mit einer Frage unterbrach: „Sagen Sie Lukas, haben Sie Freunde, die sich Sorgen um Sie machen?“
      Svensson schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein. Wieso fragen Sie?“
      Mike blickte in den linken Außenspiegel und erwiderte: „Tja, dann haben wir jetzt ein Problem.“
      Lukas verstand nicht worauf Mike hinauswollte und fragte: „Wieso haben wir ein Problem?“
      „Drehen Sie sich um. Sehen Sie die beiden Limousinen die hinter dem Bus, der etwa zwei Autos hinter uns ist, fahren?“, fragte Mike und wandte den Blick nicht von dem Außenspiegel. Er drehte sich um und sah tatsächlich zwei Autos die immer nach links ausscherten und einen Blick nach vorn riskierten. „Da vorn biegen Sie links ab.“, sagte Mike und deutete auf eine Kreuzung. „Und drücken Sie etwas aufs Gas. Ich will da vorher eine Bestätigung haben.“, fügte er noch hinzu.
      Tim tat was Mike sagte und bog links ab. Eine Gasse weiter vorne bog er erneut links ab, da er wusste, was Mike vorhatte. Mike blickte weiterhin in den Außenspiegel. Die beiden Limousinen, in den Farben grau und blaugrau, bogen ebenfalls ab. Noch bevor Tim erneut abbiegen konnte, sah Mike, wie sich der Beifahrer des grauen Wagens aus dem Fenster lehnte und einen schwarzen Gegenstand in der Hand hielt. Mike erkannte ein M4 Gewehr, wenn er eines sah und das was der Kerl da in der Hand hielt war eindeutig das Sturmgewehr mit dem amerikanische Militärangehörige ausgestattet waren. Die Waffe hatte einen längeren Lauf als sonst. Mike blickte genauer hin und erkannte einen Schalldämpfer. Schon blitzte die Waffe vorn an der Mündung auf und drei Kugeln sausten durchs Wageninnere. Die Heckscheibe platzte und die Splitter flogen bis nach vorn, wo sie an den Rückenlehnen der vorderen Sitze abprallten. Der Großteil ergoss sich jedoch über Svensson. Die Kugeln durchschlugen die Windschutzscheibe und hinterließen hässliche Löcher, an deren Rändern sich Risse bildeten. Das war das gute an der Windschutzscheibe. Sie konnte nicht splittern, da sie aus Sicherheitsglas bestand. „Tragen Sie eine Waffe?“, fragte Mike gelassen.
      Lukas blickte ihn verwirrt an. „Ich dachte, Sie wären in unserem Fall der Mann fürs Grobe." Dabei griff er sich mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht an den Unterarm und ergänzte schließlich: „Tragen Sie selbst keine Waffe?“
      „Doch, die liegt nur leider gerade in ihre Einzelteile zerlegt hinten im Kofferraum.“, erwiderte Mike noch immer in ruhigem Tonfall.
      „Im Handschuhfach sollte ein Revolver liegen. Reichen Ihnen sechs Schuss?“, schaltete sich Tim ein.
      „Mir reichen zwei.“, erwiderte Mike und öffnete das Handschuhfach. Darin befand sich ein kompakter Revolver der Marke Smith and Wesson. Es war das Model 19-4. Dieser Revolver wurde von 1957 bis 1999 produziert und galt als ziemlich zuverlässig. In der Kammer befanden sich 6 Patronen des Kalibers .357 Magnum. Ein gut platzierter Schuss an der richtigen Stelle und die Typen endeten in der nächsten Hausmauer. Mike öffnete das Fenster und drehte sich auf dem Sitz herum. Er streckte die rechte Hand aus dem Fenster und gab einen Schuss ab. Der Knall war laut, leider kein Profiequipment wie er es verwendet hätte, aber vielleicht war Krach gar nicht so schlecht. Durch Krach würden vielleicht die Cops auf die Szene aufmerksam. Leider verfehlte er den Reifen, weil der Wagen unruhig hin und her wanderte. Dafür feuerte der Kerl mit der M4 nochmals eine Salve ab und die traf. Mike hörte wie die Kugeln in das Blech des Kofferraumdeckels eindrangen. Jetzt wurde es langsam Zeit etwas zu unternehmen. Gaber versuchte erneut, den linken Vorderreifen zu zerstören. Dummerweise bog Tim in genau diesem Moment nach rechts ab, sodass Mike die Sicht genommen wurde. Dafür schlugen erneut drei Kugeln in den Wagen ein. Alle drei auf der rechten Seite des Wagens. „Ist alles okay?“, fragte Mike und brüllte dabei etwas um den tosenden Fahrtwind zu übertönen. Von Svensson und Tim drang ein laut verständliches: „Alles klar.“ an seine Ohren. Dummerweise war diese Straße ziemlich breit und die Limousinen ziemlich schnell, sodass sie die drei Verfolgten in die Zange nahmen. Auch der Beifahrer des blaugrauen Fahrzeuges lehnte sich aus dem Wagen und eröffnete mit demselben Gewehr das Feuer. Mike zog den Kopf ein und auch Svensson und Tim duckten sich um nicht von den Kugeln durchlöchert zu werden. Die Kugeln heulten mit einer enormen Geschwindigkeit durch das Innenleben des Fahrzeuges. Die Kopfstützen wurden förmlich zerrissen. Die Seitenscheiben auf der Fahrerseite explodierten und die Splitter verteilten sich auf der Straße. Mike riskierte einen Blick hinaus und sagte: „Biegen sie jetzt links in die Seitengasse ab.“
      Tim riss das Steuer herum und erwischte die Kante einer Mauer mit dem linken Außenspiegel. Der wurde weggeschleudert, aber sie hatten es geschafft. Die Gasse war schmal und so konnten die Fahrzeuge nur hintereinander einfahren. Mike nahm den Revolver in die linke Hand und drehte sich erneut herum. Er feuerte durch die nicht mehr vorhandene Heckscheibe und die beiden Kugeln trafen den Fahrer des grauen Wagens. Die Limousine wurde langsamer und schlingerte wild durch die Seitenstraße. Der Beifahrer zog den Kopf ein und stieß den Fahrer aus dem Fahrzeug um die Kontrolle wieder zu erlangen. Er fing den Wagen ab und drückte wieder aufs Gas. Die Seitenstraße endete in einer T-Kreuzung. „Nach links.“, befahl Mike und streckte den Kopf wieder aus dem Fenster. Die Smith and Wesson hatte er wieder in der rechten Hand und zielte erneut. Erneut zwei Schüsse. Die beiden Schüsse durchlöcherten den Reifen, der zischend die Luft ausstieß und dafür sorgte, dass der Wagen erneut außer Kontrolle geriet. Der Fahrer hatte viel zu viel beschleunigt und der Wagen knallte in die Hausmauer. Der Fahrer, der keinen Sicherheitsgurt angelegt hatte, wurde aus dem Wagen geschleudert und brach sich an der massiven Mauer das Genick. Dummerweise hatte Mike nur noch einen Schuss übrig. Der musste sitzen. Dummerweise war die Gasse auch nicht viel breiter als die andere und so konnte Mike den Reifen nicht treffen. Er wechselte die Kanone wieder in die linke Hand und nahm dieses Mal den Schützen ins Visier. Der hatte noch immer das Gewehr rausgestreckt und versuchte zu feuern. Mike war schneller. Das Geschoss durchschlug die Windschutzscheibe und riss ein großes Loch in die Brust des Beifahrers. Doch damit war die Munition des Revolvers verbraucht. „Das war’s mit der Waffe.“, sagte Mike und warf sie auf den Rücksitz zu Svensson. Wenigstens waren sie die beiden Schützen los. Der blaugraue Wagen hielt jedoch hartnäckig auf die Stoßstange der beiden zu. Die Seitengasse würde in 100 Metern zu Ende sein und auf eine stark befahrene Hauptstraße münden. Vielleicht konnten sie den Verkehr so manipulieren, dass es den zweiten Wagen erwischte. Mike schätzte die Möglichkeiten ab und suchte nach einer Alternative. „Treten Sie das Gaspedal voll durch Tim.“, sagte Mike und blickte nach vorn. Tim drückte drauf und der Wagen beschleunigte. Sie hatten mittlerweile beinahe 70 Stundenkilometer drauf. Das Gefährt schoss aus der Seitengasse, genau vor einem Bus hinaus und schaffte es haarscharf vorbei. Tim hatte Probleme das Steuer unter Kontrolle zu bringen und der Wagen brach mal nach links, dann nach rechts aus. Dummerweise erfasste sie ein PKW und schleuderte sie herum. Sie standen nun quer über die Fahrbahn und der Verkehr musste ausweichen. Mehrere Autos stießen bei den Ausweichmanövern mit entgegenkommenden Fahrzeugen zusammen. Die graue Limousine kam ebenfalls aus der Seitengasse gerast und wurde dabei seitlich auf der Fahrerseite von einem Lastkraftwagen erfasst. Der Wagen überschlug sich und knallte gegen ein anderes Fahrzeug. Die rechte Seite war eingedrückt und verformt. Tim fuhr rückwärts und stellte sich auf den Gehsteig. Die beiden Profis sprangen aus dem Fahrzeug und eilten zu dem Fahrer der grauen Limousine. Doch es war sinnlos. Der Fahrer hing blutüberströmt in dem Wrack. Mike beugte sich hinunter und tastete nach einem Puls. Er tastete an mehreren Stellen, doch er fand keinen. Der Mann war tot. Vier Verfolger, alle tot. Sie hatten nichts. Gaber erhob sich wieder und blickte zu Svensson. Schüttelte den Kopf. In der Ferne waren Sirenen zu vernehmen.

      {Fortsetzung folgt}

      Jetzt - wo M.V.V.M. vorerst das Schreiben der Geschichte übernommen hat - bleibt mir übrigens auch umso mehr Zeit für die passende "Deko". :8): Und da einem Spitzenteam eben auch ein würdiger Auftritt gebührt, hier nun der ultimative Videotrailer im Stil einer der Weltklasse-Serien dieses Jahrhunderts und mit ein paar netten kleinen Überraschungen unter den prominenten "Stargästen" ...

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      Und auch vonseiten meines Partners gibt es da noch eine kleine Ausschmückung für unser gemeinsames geschichtliches Thema, die wir unseren LeserInnen natürlich keinesfalls vorenthalten möchten:

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    • Wow, was für ein Update. :eek:

      Aha, also Jack selbst kommt nicht zum Einsatz, dafür aber ein uns auch sehr bekannter Mann. Lukas und Mike Garber werden zusammenarbeiten. :thumbs02: Aber das ging ja schon ganz schön explosiv los mit den Beiden. Das war eine ganz schöne Schießerei. Und alle vier Verfolger konnten gekillt werden. :thumbsup: Na ich bin mal gespannt wie das mit Lukas und Mike weitergeht.

      Und deshalb freue ich mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Der Clip ist wieder mal supergut gemacht. Vielen Dank Sven und vielen Dank an M.V.V.M. für die wunderschöne Ausschmückung in Form des Bildes. :thank you:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Aha, also Jack selbst kommt nicht zum Einsatz, dafür aber ein uns auch sehr bekannter Mann.
      Gönnen wir Jack ein wenig Ruhe. Dank S8 wissen wir ja, daß sie eh nicht lang anhalten wird. :crying2:

      Saxi schrieb:

      Lukas und Mike Garber werden zusammenarbeiten. :thumbs02: Aber das ging ja schon ganz schön explosiv los mit den Beiden. Das war eine ganz schöne Schießerei. Und alle vier Verfolger konnten gekillt werden. :thumbsup:
      Letzteres war natürlich äußerst ungünstig, was das Erlangen neuer Erkenntnisse zu den Drahtziehern des Terrorakts angeht. :huh:

      Saxi schrieb:

      Na ich bin mal gespannt wie das mit Lukas und Mike weitergeht.
      Wir auch! :wolke_7:

      Saxi schrieb:

      Und deshalb freue ich mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:
      Gerngeschön! Und schon gehts spannend weiter ... :daumen:

      Kapitel 4: Die Stellung des Schwarzen Königs

      Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr trafen relativ schnell am Tatort ein. Die Feuerwehr kümmerte sich um die Wracks, nachdem sie die Leichen aus diesen bergen konnte. Die Leichen wurden wiederum von der Rettung in Augenschein genommen und danach an den Gerichtsmediziner übergeben, der gemeinsam mit den Beamten der City of London Police, die für das Zentrum Londons zuständig waren, eintraf. Die Beamten befragten währenddessen Lukas, Mike und Tim. Doch schon bei Lukas standen die Beamten an. Er kannte zum Glück den leitenden Polizisten, einen Mann namens Goodberg. Daher wurde die Befragung sogleich eingestellt und die Betroffenen von Journalisten abgeschirmt. Mike ging zum Kofferraum von Tim’s Wagen und holte seine Reisetasche heraus. Dort holte er einen silbernen Aktenkoffer hervor und öffnete ihn. Darin befand sich seine Waffe, eine Beretta 92F, die völlig zerlegt war. Mike baute sie mit ein paar einfachen Handgriffen zusammen und steckte sie in ein Schulterholster, welches er unter seinem Sakko trug. Lukas trat an ihn heran und sagte: „Die Spurensicherung hat Scharfschützengewehre im Kofferraum des Wagens gefunden. Ich hätte gern, dass Sie nochmals einen Blick darüber werfen.“
      Mike nickte und folgte Svensson zu dem Wagen, in dessen Kofferraum die Waffen sich befanden. Er warf einen prüfenden Blick darauf und erklärte: „M24 Scharfschützengewehr. Verschießt Patronen im Kaliber 7,62. Hergestellt wird diese Waffe seit 1988. Wird von den Streitkräften der Vereinigten Staaten von Amerika benutzt. Also stecken wirklich Leute von den Green Berets dahinter.“
      Lukas blickte verwirrt zu Mike und fragte dann: „Von den Green Berets?“
      „Auch bekannt als Special Forces.“, erwiderte Mike.
      „Die Scharfschützen führen uns jetzt nicht mehr zu ihrem Auftraggeber.“, erklärte Svensson enttäuscht.
      „Vielleicht doch. Diese Typen waren gut, jedoch haben Sie vergessen, die Seriennummern wegzufeilen. Wir können anhand dieser Seriennummer herausfinden welche Einheit diese Waffen verwendet hat.“
      Lukas hegte nun doch noch etwas Hoffnung für die Auflösung des Falls. „Also handelt es sich nicht um Angehörige der LIRA.“
      Mike nickte. „Das sind vollausgebildete Profis. Gegründet wurden die Special Forces 1952. Diese Männer sind geschulte Kämpfer. Sie kennen die Methoden der unkonventionellen Kriegsführung wie keine andere Einheit der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika. Das wird harte Arbeit.“
      „Aber Sie haben sie getötet. Also ist es nicht unmöglich, diese harte Arbeit auszuführen.“
      Mike konnte mit Lob nicht wirklich viel anfangen. Seine Orden hingen in irgendeinem Safe in Langley und Washington. Gaber wollte einen Blick auf den Tatort werfen um vielleicht herauszufinden wie gut diese Kerle waren. Während des Fluges hatte Mike verschiedene Ausgaben von Tageszeitungen gelesen, unter anderem die Los Angeles Times und die London Times. Er hatte über den tragischen Anschlag gelesen, bei dem Prinz Harry und Miss McGuinness ums Leben kamen. „Ich will mir den Tatort ansehen.“, sagte Mike mit Nachdruck und ging zurück zu Tim’s Wagen. „Was gleich?“, fragte Svensson und sprang wieder hinten in den Wagen.
      „Ja gleich.“, erwiderte Mike und stieg wieder vorne auf der Beifahrerseite ein. Der Wagen war sichtlich mitgenommen, aber noch fahrtauglich. Tim stieß rückwärts zurück und raste zum Stadion. Dort angekommen stiegen Svensson und Gaber aus und Lukas führte den Gast ins Innere des Stadions. „Ich hab hier schon ein paar Stellen gefunden, wo die Scharfschützen gelegen haben.“
      Mike begutachtete den Fundort und ging in die Hocke. Eindeutig die Umrisse eines Scharfschützen. Der Blick war auf die Straße freigegeben. „Die Scharfschützen waren nur die Versicherung.“, klärte Mike auf und warf einen weiteren Blick nach unten. „Das hatte ich mir bereits gedacht. Die Frage die sich mir stellt ist folgende: Wer hat den Auslöser betätigt? Einer der Scharfschützen vielleicht? Oder doch eher der Anführer, der in seiner Zentrale das Spektakel mitverfolgte?“
      Mike schüttelte den Kopf. „Die Scharfschützen können Sie aus der Theorie streichen. Die waren in dem Moment als die Bombe gezündet waren mit ihren Fingern an den Abzügen ihrer Gewehre, also bleibt nur noch der unbekannte Anführer in seiner Zentrale. Ich schätze er hat das Spektakel im Fernsehen mitverfolgt und sich auf die Beobachtungen der Scharfschützen verlassen, ehe er die Bombe zündete. Vermutlich hatten Sie die Queen auch im Visier, doch aus irgendeinem Grund haben Sie sie nicht getötet. Ich schätze, dass man mit der Queen andere Pläne verfolgt. Die Gelegenheit wäre super gewesen. Man hätte die gesamte Kolonne ausschalten können. Warum haben diese Typen es nicht getan?“
      Die Straßenbeleuchtung hellte die Umgebung um das Stadion auf und verlieh ihm gleichzeitig einen einzigartigen düsteren Touch. Hier waren drei Menschen durch einen Terroranschlag ums Leben gekommen. Der Fahrer, der Prinz und Miss McGuinness.
      Diese Kerle waren gefährlich und mussten aufgespürt werden. Mike ging wieder nach unten. „Wo befinden sich die Überreste des Wracks und des Sprengstoffs?“
      „Bei der Zentrale des Royal Investigation Office. Aber da haben wir keinen Zutritt.“, erklärte Lukas und stieg wieder in Tim’s Wagen. Mike gesellte sich dazu und sagte dann: „Überlassen Sie das mir.“
      Er zückte sein Handy und wählte eine Nummer: „Tom? Ich bin es. Rufen Sie die Zentrale in London an. Die sollen ihren Arsch hochkriegen und im Royal Investigaton Office einen Termin für mich klar machen.“
      Kurzes Schweigen. „Wenn Sie es nicht tun, dann werde ich Sie nach meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten besuchen. Aber inoffiziell und dann wird man in der Los Angeles Times davon berichten, wie der Direktor der CIA einen tödlichen Haushaltsunfall hatte. Klar genug?“
      Wieder eine kurze Pause. „Vielen Dank Tom.“
      Mike legte auf. Wir werden in zwanzig Minuten beim Royal Investigation Office erwartet.
      Also fuhr man wieder zu New Scotland Yard, dieses Mal jedoch mit Einladung. Der Mann am Tor ließ sie unbehelligt passieren. „Sie können doch nicht einfach einem hochrangigen Direktor drohen.“
      „Wieso nicht? Sie vergessen eines Mister Svensson. Ich existiere offiziell nicht.“, erwiderte Mike. Ohne Jack hätte er ihn niemals aufgespürt.
      Sie stiegen aus und trafen dabei auch auf Agent Lestrade. „Sie schon wieder. Svensson, Sie gehen mir auf die Nerven. Wann geht es in Ihren Dickschädel, es waren die Jungs von LIRA. Diese Typen bekennen sich zu dem Anschlag.“
      „Das ist Blödsinn.“, schaltete sich Mike ein. „Die wollen nur den Ruhm ernten.“
      „Und Sie sind?“
      „Niemand.“, erwiderte Mike aufgebracht.
      Agent Lestrade’s Augen zogen sich zusammen und er trat einen Schritt auf Mike zu. Dieser wich jedoch nicht zurück. „Wenn Sie noch einen Schritt näher kommen, dann …“
      „Was dann?“, unterbrach ihn Lestrade herausfordernd
      „Blicken Sie mal nach unten.“
      Lestrade’s Blick wanderte nach unten, dort wo sein bestes Stück sich befand. Ein Lauf zeigte auf jene Stelle. Mike hatte unbemerkt seine Beretta gezogen und sie auf Lestrade’s königliche Kronjuwelen gerichtet. „Kommen Sie doch näher.“, forderte Mike und grinste dabei.
      Lestrade starrte wütend zu Mike. „Ich weiß was Sie denken. Kann ich diesen Typen verhaften? Ich sage Ihnen wie die Antwort lautet: Nein. Es sei denn, Sie wollen den Zorn der CIA auf sich ziehen. Wollen Sie das?“
      Schweigen. Lukas konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Lestrade drehte sich um und ging erhobenen Hauptes. „Auf Wiedersehen!“, rief Mike ihm noch nach. Auch Tim musste lachen. Der Mistkerl wurde von Mike in seine Schranken verwiesen. Das Trio wurde per Fahrstuhl von einem Mitarbeiter in den Keller gebracht, wo die Einheit ihr Labor hatte. Dort wurde das Wrack gerade untersucht. Die verantwortlichen Leute von der Forensik verließen augenblicklich den Raum, als Svensson, Hackerman und Gaber eintraten. Mike untersuchte mit seinem Blick das verbliebene Wrack des Fahrzeugs. Diese Sprengstoffwirkung kam ihm bekannt vor. Er hatte diese Art von Schaden schon mal wo gesehen. Aber wo? Die Überbleibsel des Sprengstoffs lagen auf einem Tisch der gegenüber von dem Wrack Platz gefunden hatte. Mike trat an das Ding heran und plötzlich erinnerte er sich wieder an die Mission. „Ich hab das Ding schon mal gesehen.“, sagte Mike vor sich hin.
      „Was? Wo? Wann?“, fragte Lukas überrascht.
      „Den Sprengsatz. Den hab ich schon mal gesehen. 2005 im Irak. Das war mein letzter Einsatz als CIA Agent. Ich habe mit einem Team der Special Forces zusammengearbeitet. Wir sollten irgendeinen Al-Quaida Sympathisanten aufspüren und ausschalten. Damals war ein Colonel mit uns da draußen. Das war verwunderlich, denn er wollte mitkommen. Er hat den Sprengsatz gebaut. Die gleiche Bauweise. Der Türsummer wirkte als Auslöser zur Detonation.“, erklärte Mike und zeigte den Beiden die Überreste des Summers. „Der Mann den wir suchen heißt Douglas O’Farrell.“

      In einem alten Bürogebäude etwas außerhalb der City of London
      O’Farrell hatte in seinem Leben schon vieles erlebt. Es hatte mit dem Verlust seines Vaters begonnen. Er war damals 8 Jahre alt, als sein Vater 1968 in Vietnam gefallen war. Von da an, war nichts mehr so wie es war. Er wurde von seiner Mutter allein erzogen und lernte schnell was es hieß, auf eigenen Beinen zu stehen. 10 Jahre später ging er selbst zur Armee. Er verpflichtete sich dauerhaft und schaffte es 1983 in die Spezialeinheit der US Army: Das United States Special Forces Command. Dort fand er Freunde und sie waren wie eine Familie. Doch O’Farrell war es Leid ständig in einem Krieg zu sein, der sowieso aussichtslos war. Seinen letzten Einsatz hatte er im Jahr 2005. Damals schickte man ihn mit irgend so einem Heini von der CIA los um einen Typen zu töten. Er baute den Sprengsatz und sie schalteten ihn aus. Danach tauchte er unter. Er und sein Team trafen sich zufällig wieder und O’Farrell konnte sie für sich gewinnen. Sie ließen einen Mythos wieder auferstehen: Die GAVRILO Einheit. Sie kümmerten sich um Personen, die Probleme verursachten oder eben zu viel Macht besaßen. Doch in diesem Moment wusste er, dass er ein paar seiner Männer verloren hatte. Niemand meldete sich mehr. Die Zielperson ihrer Überwachung war also doch gefährlicher als er vermutet hätte. Das wunderte ihn, denn nach der Beschreibung seiner Männer, dachte er sich, das sei ein kinderleichter Auftrag. Was war schief gelaufen? Die Luft wurde langsam knapp. Aber glücklicherweise brauchte er diese Männer nicht für den zweiten Schritt seines Plans. Es durfte nur zu keinen Ausfällen mehr kommen, denn ansonsten müssten sie improvisieren und das war mit einem gewissen Risiko behaftet. Immerhin war das kein Raubüberfall, was sie da planten. Sie wollten eine Botschaft an die Welt übermitteln. GAVRILO sollte nicht mehr nur ein Mythos sein. Die Welt sollte wissen, dass sie existierte und dass man die Männer dieser Einheit fürchten sollte. Keine Regierung war mehr sicher. Jeder Mensch war entbehrlich und konnte ersetzt werden. Warum sollte er dann unsterblich sein? Dabei war er nur zufällig auf diese Einheit gestoßen. Er hatte auf seiner Flucht recherchiert. Hatte alte Zeitungsberichte über Attentate und mysteriöse Todesfälle gelesen. Jedoch immer nur von den Leuten, die im Rampenlicht standen. Dann hatte er die Hintergründe erkannt und war zutiefst beeindruckt gewesen. Diese Männer waren in seinen Augen Helden.
      O’Farrell warf einen Blick auf seine Uhr und war überrascht, wie glatt alles lief. Mit ein bisschen Glück würde er noch heute Nacht in ein Flugzeug steigen und das Vereinigte Königreich verlassen. Zeit alles in die Wege zu leiten.

      Mike war wieder am Telefon. Er hatte einen alten Freund bei der NSA am Apparat und sprach mit ihm über Douglas O’Farrell. „Jim, ich weiß, dass die NSA Telefonate überwacht. Gib mir einfach die Informationen. Dann lege ich sofort auf. Ja ich weiß, dass du mir nach der Sache mit meiner Tochter nichts mehr schuldest.“
      „Das klingt ja nicht gerade erfolgsversprechend.“, raunte Lukas.
      „Ich mach dir einen Vorschlag. Du gibst mir die Information und ich lass dich dafür am Leben. Du weißt, was ich alles auf dem Kasten habe und was ich mit den Entführern von Calleigh gemacht habe.“
      Kurzes Schweigen. Dann griff Mike sich einen Stift und einen Block und kritzelte ein paar Zahlen und Buchstaben darauf. Der Ex-Inspektor erkannte eine Adresse. „Danke Jim. Ich schulde dir was.“, erwiderte Mike und legte auf.
      „Und?“, fragte Lukas mit brennendem Interesse.
      Mike grinste. „Wir haben eine Adresse.“
      „Ausgezeichnet. Fahren wir. Unterwegs verständige ich das Special Air Service.“, erklärte Lukas.
      „Moment mal, sind diese Typen nicht von der Army?“
      Lukas nickte bestätigend. „Aber ich denke mal, dass sie uns den Gefallen tun werden. Immerhin wurde London von einem Terroranschlag erschüttert, da hilft man doch gerne, oder?“
      „Wo Sie Recht haben.“, erwiderte Mike gelassen und schraubte einen Schalldämpfer auf seine Beretta 92F. Er kontrollierte, ob das Magazin gefüllt war und ob eine Kugel im Lauf war. Alles hatte seine Richtigkeit. Zehn Minuten später rasten sie schon aus der Stadt in Richtung eines alten Bürogebäudes.

      O’Farrell stieg in einen grauen Van und verließ gemeinsam mit neun ausgewählten Männern das Gebäude. Es wurde Zeit, dass die Show ihren Beginn nahm. Es verlief alles genau nach Plan. Vier Männer würden zurückbleiben und alles für die erfolgreiche Übertragung vorbereiten. Die Welt würde schon bald in eine neue Terrorkrise stürzen. Eine Terrorkrise, die niemand aufhalten konnte.

      {Fortsetzung folgt …}
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    • Und spannend geht's weiter. :thumbs02:

      Mike und Lukas haben jetzt also angefangen zu ermitteln und alles genau unter die Lupe zu nehmen. Jetzt müssten sie nur noch den unbekannten Anführer finden. :daumendruck: Oha das hört sich aber nicht gut an mit dieser neuen Terrorkrise in die die Welt stürzen würde. :eek: Oh man, ich bin gespannt was da alles noch kommt. :11:

      Ich freue mich schon wieder auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Und spannend geht's weiter. :thumbs02:
      Bei dem Autoren-Kollektiv kann man durchaus davon ausgehen, daß es auch so bleibt! :cool1:

      Saxi schrieb:

      Mike und Lukas haben jetzt also angefangen zu ermitteln und alles genau unter die Lupe zu nehmen. Jetzt müssten sie nur noch den unbekannten Anführer finden. :daumendruck:
      Wird unseren Hauptfiguren im Doppelpack doch sicher gelingen, oder?! :S

      Saxi schrieb:

      Oha das hört sich aber nicht gut an mit dieser neuen Terrorkrise in die die Welt stürzen würde. :eek: Oh man, ich bin gespannt was da alles noch kommt. :11:
      Oh ja, es kommt am Ende meistens noch dicker, als man am Anfang vermutete! :ohm:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich schon wieder auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:
      War und mal wieder ein Vergnügen, ebenso wie das Verfassen des 5.Kapitels ...

      Kapitel 5: Die offene Königsstellung

      Das Bürogebäude war von Einsatzkräften der britischen Spezialeinheit Special Air Service umstellt worden. Mike und Lukas bezogen dahinter Stellung und verfolgten die Stürmung. Gaber hatte seine Beretta fest in der Hand und war bereit für den bevorstehenden Zugriff. "Ich wär soweit!", sagte ein Captain der Einheit und nickte mit dem Kopf in Richtung des Bürogebäudes. Dann ging es los. Die Männer des SAS rannten in das Gebäude. Dicht gefolgt von Lukas und Mike. Das Untergeschoss war schnell gesichert, also ging es weiter ins Obergeschoss. Plötzlich fielen Schüsse und die Männer des SAS brüllten laut Befehle. Mike und Lukas eilten hinterher. Zwei Männer lagen tot am Boden. Mike lief weiter, während der Inspektor sicherheitshalber nach einem Puls suchte. Gaber bog ab und versuchte vor den SAS Leuten weitere Terroristen zu finden. Sie brauchten zumindest einen lebend. Man erreichte eine Schaltzentrale. Dort saßen zwei Männer vor Bildschirmen mit irgendwelchen Plänen darauf. Gaber hielt abrupt inne und beobachtete die Szene. Dann stürmte er rein und schlug dem einen den Lauf seiner Waffe ins Gesicht, während er dem anderen mit einem gut gezielten Tritt den Stuhl unter seinem Hintern wegtrat. Dann tauchten die Agenten vom SAS auf und fesselten die Leute. Auch Lukas kam hereingestürmt und blickte auf die beiden gefesselten Männer. "Gute Arbeit!", lobte der Ex-Inspektor. Mike nickte dankend und steckte seine Waffe weg. Dann betrachtete er die Bildschirme und war etwas verdutzt. Was war das?
      Auch Svensson warf einen prüfenden Blick auf die beiden Bildschirme und ihm stockte der Atem. Er wurde kreidebleich und hatte seine Augen weit aufgerissen. Der Grund: Er hatte erkannt um welche Pläne es sich handelte!

      Der Schleier der Dunkelheit senkte sich langsam und dennoch unaufhaltsam über Londons City. In seinem Schatten traten aus dem Dickicht eines größeren Buschareals nach und nach zehn komplett in schwarz gekleidete, finstere maskierte Gestalten hervor und sondierten aufmerksam das direkt vor ihnen liegende, ausgedehnte Wiesengelände mit dem akkurat gepflegten englischen Rasen, welches am gegenüberliegenden Ende von einem recht imposanten Gebäudekomplex begrenzt wurde. Dabei fielen ihre abschweifenden Blicke immer wieder auf den von einen von ihnen vorgehaltene Tablet-PC, auf dem sich größtenteils dieselben Pläne befanden, wie Gaber und Svensson sie zuvor auch auf den Monitoren im gestürmten Bürogebäude entdeckt hatten. Unter einer der Masken der hier versammelten Männer erhob sich schließlich die brummige Stimme O'Farrells: "Ich habe es Euch ja gesagt! Das hier ist der beste Weg, um da ungesehen rein zu kommen. In so ein stattliches Objekt mit seinen unzähligen Sicherheitseinrichtungen gelangt man nunmal am sichersten durchs Hintertürchen. Nur solche Einfallspinsel wie die von mir im Bürogebäude zurückgelassenen Rekruten Coto & Braga kommen auf die absurde Idee, vom nahegelegenen Fluß aus in Tauchmontur erst ein riesiges Loch in eine der Uferbegrenzungungen zu bohren, um sich über das Netz angrenzender Abwasserkanäle durch eine versteckte brüchige Wand bis in den muffigen Keller des zu infiltrierenden Hauses vorzuarbeiten. Uns hingegen trennen nunmehr auch ganz ohne große Kraftanstrengung und nasse Füße nur noch ein paar hundert Meter vom Objekt unserer Begierde und damit von der uns längst zustehenden weltweiten Anerkennung für unsere unzähligen Heldentaten". Mit diesen Worten verstaute er das bislang vors Auge gehaltene Nachtsichtokular sorgsam in der Brusttasche seiner Uniformjacke und zog stattdessen seine Waffe. Diese noch gesichert, aber bereits mit dem Finger am Abzug, fest vor seine Brust pressend, kommandierte er den Rest seiner Truppe: "Auf Männer, mir nach! Zirka 300 Meter in Richtung 2 Uhr langsam gleitend bis zu dem Geräteschuppen. Vorwärts!". Die militärisch ausgebildeten zehn Kämpfer ließen sich auf diesen Befehl hin in Sekundenschnelle ins feuchte Gras sinken. Sie verschmolzen dabei quasi mit dem natürlichen Untergrund und bewegten sich auf ihm kaum wahrnehmbar auf das gesteckte Ziel zu. Dort angekommen aber preßten sie allesamt ihre durchtrainierten Körper an steinerne Außenwand des Schuppens und warteten einige Sekunden nahezu regungslos, bis sich die gußeiserne Tür leise quietschend öffnete und von innen her ein brüchiges Stimmchen leise verkündete: "Alles klar, von meiner Seite aus. Die komplette Besatzung der hausinternen Polizeistation schlummert dank der besonderen schlaffördernden Zusatzstoffe meines selbstgemachten Holunderweins tief und fest, wodurch auch die Aufzeichungen der auf dem gesamten Gelände verteilten Kameras völlig unbeobachtet bleiben. Sie können also ganz beruhigt nähertreten!". Zehn schwarze Männer schlüpften in Windeseile durch den Türspalt, wobei der letzte von ihnen das Gußeisentor beinahe geräuschlos hinter sich schloß. Im Innern wurde mittels eines Streichholzes kurzerhand der Docht eine altertümlichen Petroleumlampe entzündet. Er zauberte die gespenstische Silhouette eines alten farbigen Mannes hervor, der Anführer O'Farrell mit dem Finger auf ihn zeigend erklärte: "Männer, das ist Mister Moerdehr, der Gärtner dieses prunkvollen Anwesens. Ihm verdanken wir den Hinweis auf einen alten, längstvergessenen unterirdischen Gang, durch den früher die Dienerschaft von einer hier angesiedelten Gesndeküche aus die frisch bereiteten, warmen Speisen auf schnellstem Wege in den Speiseraum ihrer anspruchsvollen Herrschaft überführte. In diesem Sinne: Zeit, jene Servicestrecke wieder einmal in Betrieb zu nehmen. Machen wir den Damen und Herren des hohen Hauses unsere Aufwartung und servieren ihnen unser Lieblingsgericht: Exekution nach Art des Hauses Gavrilo Force". Lächelnd legte seinen Arm um die Schulter des unmittelbar neben ihm stehenden Gärtners und flüsterte: "Einen an sich wirklich gepflegten Garten haben Sie da, mein Lieber! Nur die kleinen Sandhügel mittendrin stören ein wenig. Scheint fast so, als gäbe es in der unmittelbaren Umgebung des herrschaftlichen Hauses doch den einen oder anderen bislang unentdeckten Maulwurf. Naja, aber solchem undankbaren Ungeziefer kann man schon irgendwie herre werden, nicht wahr?! Am besten, man dreht ihm kurz und schmerzlos den Hals um". Der rechte Arm O'Farrells umklammerte noch in selbiger Sekunde blitzschnell den dürren Gärtnerhals, während die linke Hand des Maskierten mit sicherem Griff dessen Kopf mitsamt seines von blankem Entsetzen gepackten Gesichtsausdrucks ruckartig zur Seite drehte. Ein kurzes Knacken war im Bereich der Halswirbel zu vernehmen, dann sank der wieder in Freiheit entlassene Körper des alteingesessenen Gartenbauarbeiters wie ein nasser Sack Blumenerde leblos zu Boden. O'Farrells stiefelummantelter Fuß aber stieß den Leichnam unsanft beiseite, dann raunte sein Besitzer kühl: "Männer, Ihr habt die Zielpersonen unseres Unternehmens auf Euren Smartphonedisplays. Denen wird während der Erstürmung vorerst kein Haar gekrümmt. Alles andere, was Euch unterwegs an beweglichen Objekten begegnet, wird unverzüglich ausgeschaltet und ist als unvermeidlicher Kollateralschaden anzusehen. So wie unser kleiner übereifriger Unkrautvernichter hier". Und während er ein paar Meter neben der Gärtnersleiche am Boden mittels weniger Handgriffe eine unter einer dicken Sandschicht verborgene alte rostige Luke zutage beförderte, ergänzte er leise grinsend: "Es ist soweit! Dieser gemeinsame Abstieg unserer Einheit, der binnen weniger Minuten von einem unaufhaltsamen Aufstieg gekrönt sein wird, erhebt uns noch heute nacht international von gesellschaftlichen Outsidern zu Insidern des englischen Königshauses. Männer, am Ende dieses dunklen Ganges warten auf uns die Räumlichkeiten des Buckingham Palace!".

      Zu dem war im selben Augenblick auch Exinspektor Svensson unterwegs. Auf dem Beifahrersitz des blauen Minivan mit Tim am Steuer jagte er nervös hin und her wackelnd durch die hell erleuchteten breiten Straßen der abendlichen Großstadtmetropole. Er unterdrückte dabei das ständig in seinem Hirn hämmernde: "Schneller, schneller!". Denn er kannte seinen Steuermann gut genug, um zu wissen, daß der eh schon alles nur Mögliche aus ihrem fahrbaren Untersatz herausholte. Mehr noch! Das geschulte Auge Hackermans erkannte aus dem Augenwinkel heraus sogar die unausgesprochene und dennoch bohrende Frage seines Fahrgastes: 'Wie lang noch?'. Und so antwortete er, die von Autos überflutete Straßenführung in Richtung Königspalast fest im Blick behaltend: "Bei dem Verkehr noch knapp 10 Minuten, Lukas!".

      Die zehnköpfige Truppe O'Farrells brauchte da beim nicht vorhandenen Verkehrsaufkommen im Tunnel unter dem Palastanwesen deutlich weniger Zeit, bis sie am Ziel angelangt war. Ihr Anführer erklomm am anderen Ende des Ganges als Erster die wenigen, nach oben führenden Stufen und stemmte sich dann mit der Schulter gegen die dortige Holzluke. Es brauchte ein halbes Dutzend Versuche, dann gaben die Bretter ächzend nach und mit ihnen auch der getäfelte Boden, der sie bisher von oben her verdeckt hatte. Mit ihren Waffen schußbereit im Anschlag krabbelten alle zehn Männer durch das dabei entstandene Loch ins Freie und fanden sich inmitten einer Art Treppenhaus wieder, das aus vielen, größtenteils mit kostbaren Teppichen bedeckten weißem Marmorstufen und reichhaltig mit blattgoldverzierten Geländern gebildet wurde. Einen Augenblick lang waren die Augen der Eindringlinge vom unerwarteteten Glanz ihrer Umgebung geblendet, dann aber formatierte man sich wie gewohnt rasch und begann unter Führung O'Farrells mit dem allseitigen Ausschwärmen zur sofortigen Stürmung und feindlichen Übernahme des Gebäudes. Dabei verfehlte der von vornherein beabsichtigte Überraschungseffekt seinen Sinn nicht. Wo auch immer die Ex-US-Söldner auf vereinzelten Widerstand vonseiten hausinterner Wachmannschaften oder der Dienerschaft trafen, knackten binnen Kürze ein paar Genicke, oder aber die Spitze eines rasch gezückten Dolches vollführte eine 360-Grad-Drehung in menschlichen Eingeweiden. In beiden Fällen sanken die jeweiligen Opfer umgehend zu Boden und blieben dort regungslos liegen. Hin und wieder aber deckten sich die Gesichtszüge der beim Sturm aufgefundenen Personen mit den auf den Smartphones ihrer Angreifer abgebildeten Mitgliedern der Royal Family, die auch dank der stets an ihrer Seite befindlichen Leibwächter leicht auszumachen waren. Letztere wurden mittels eines gezielten Kopfschusses aus einer schallgedämpften Waffe kurzerhand ausgeschaltet. Die Royals selber hingegen geknebelt und gefesselt, und schlußendlich - nachdem sich in nur 5 Minuten der geradezu himmlisch anmutende Palast in die Hölle eines menschliches Schlachthaus verwandelt hatte - allesamt in der Green Drawing Room zusammengetrieben. Zufrieden trat dort auch O'Farrell, als er vier Männern aus seinem Team - mit neu erteilten Anweisungen ausgerüstet - fortgeschickt hatte, im Kreise seiner verbliebenen Mannschaft vor die am Boden hockende, gutverschnürte siebenköpfige Königsfamilie hin. Breit grinsend zog er sich die Maske vom Gesicht und resümierte genüßlich: "Auge in Auge mit Charlieboy und sein Kamillchen, Kater Willy und seine Katerina sowie Herbergsvater Don Phillipus. Ja, sogar die Hausherrin Donna Lizzi II höchstpersönlich gibt sich heute abend die Ehre, uns bei sich zuhaus willkommen zu heißen. Was für ein erlauchtes Rahmenprogramm für unseren ersten öffentlichen Auftritt". Sich mehrmal leise räuspernd trat im selben Augenblick einer von seinen Vasallen vorsichtig an O'Farrell heran und raunte ihm linksseitig ins Ohr: "Sir, wenn Sie gestatten, würde ich im Anschluß an unsere geplante Übertragung mit meiner Maschinenpistole gern erst ein saftiges kleines Loch in Williams Birne bohren, um anschließend die frischgebackene Witwe bei einer Privataudienz in ihrem Schlafgemach zu trösten. Wenn ich mir die unterwürfig am Boden kauernde Katy so anschau, hätt ich nämlich schon Bock auf so ein finales Schäferstündchen, bevor wir all den feudalen Ziegen und deren versammelter Hammelherde ein für allemal die Lämpchen ausknipsen". Zur musikalischen Untermalung seines widerwärtigen Bittgesuchs stimmte der sichtlich erregte Maskenträger dann - völlig schief - noch den leise vor sich hin genuschelten Einzeiler an: "I kissed a Royal, and I liked it". Sein Boß verzog angesichts dieser unrühmlichen Sangesdarbietung geradezu schmerzhaft das Gesicht, dann raunte er seinem unmusikalischen Mitläufer zu: "Ich hoffe nur, Du bist im Umgang mit Deiner jeweilig einzusetzenden Waffe deutlich geschickter, als es beim Treffen des richtigen Tones der Fall ist. Sonst kommst Du nämlich unter meinem Kommando weder beim verbliebenen Dianasprößling noch später bei seiner Noch-Gattin zum Schuß. Im Grunde genommen ist es mir aber persönlich völlig egal, was Du am Ende unserer Mission privat mit Goldlöckchen anstellst. Die Öffentlichkeit wird davon ja nach unserem gewaltigen Abgang hier eh kein Sterbenswörtchen erfahren, weil Tote nunmal zeitlebends zum Schweigen verurteilt sind". Und damit wandte er sich um zu jenem seiner Männer, der hinter ihm in schwarzen Seidenhemd und Krawatte mit einem Bluetooth-Headset am Ohr auf seinem aufgeklappten Laptop eifrig in die Tasten hämmerte. Ihm gespannt über die Schulter schauend, raunte O'Farrell: "Na, wie siehts aus, Debian?! Alles roger?". Der Angesprochene aber schüttelte im Angesicht seines flackernden Monitors sichtlich nervös den Kopf hin und her: "Da stimmt was nicht, Sir! Ich kann unsere IT-Crew im Büro nicht mehr erreichen! Weder per Mobilfunk noch über ICQ oder Mail. Ich fürchte, das bedeutet, daß sie aufgeflogen sind". O'Farrell stieß ein paar leise Flüche aus, faßte sich aber schnell wieder: "Ok, macht nichts, dann starten wir eben Plan B! Aktiviere den von uns eigens dafür angelegten Youtube-Account! Dort lädst Du das fertige Video hoch und verschickst den Link dazu dann mittels der zugehörigen Spammailroutine auf einen Schlag millionenfach in alle Welt. In dreißig Minuten gehts los! So oder so wird unsere Botschaft ihr Ziel erreichen" ...

      Ihr Ziel erreicht hatten in diesem Augenblick auch Lukas und Tim. Während letzterer den - zum Verhör der festgesetzten Terroristen - im erstürmten Büro zurückgebliebenen Mike Gaber per Handy telefonisch von ihrer Ankunft in Kenntnis setzte, rannte Lukas im unermüdlichen Tempo seines vortägigen Fackellaufs über den Vorplatz des Buckingham Palastes auf die hinter dem Tor auf und ab gehende Wache zu. Aus dem Wagen heraus beobachtete Timmy, wie seinen väterlicher Freund durch die Stäbe des großen gußeisernen Gittertores hindurch den Mann in der roten Uniform zu sich heranrief und sich mehrere Minuten lang recht aufgeregt mit ihm unterhielt. Schließlich wanderte Svenssons prüfender Blick zu der Fassade des imposanten Palastes, woraufhin er deutlich erkennbar nickte. Der Uniformierte aber nahm seinen buschigen schwarzen Helm vom Kopf und klemmte ihn sich unter die Schulter, woraufhin er das Tor mittels eines Funksignales einen Spalt breit aufgehen ließ und durch es hindurch zu Svensson heraUstrat, um Seite an Seite mit ihm zum blauen Minivan zurückkehrte. Hier angelangt öffnete der Exinspektor die Beifahrertür und nahm neben dem erstaunt zu ihm hinüberblickenden Hackerman platz. Diesem erklärte er schulterzuckend: "Im Palast bei der Königin ist alles ruhig, wie mir der nette junge Mann hier gerade glaubhaft versicherte. Vermutlich sind wir einfach einem Irrtum aufgesessen, und die Terroristen verfolgen inzwischen ein ganz anderes Ziel. Laß uns schnell wieder zurückfahren!". An den freundlich nickenden Uniformträger gewandt aber ergänzte er: "Vielen Dank und nochmals nichts für ungut, mein Bester!". Der entfernte sich daraufhin ruhigen Schrittes in Richtung Palasttor zurück, während Tim mit Lukas an seiner Seite den Minivan wendete und in entgegengesetzer Richtung davonfuhr ...

      [Fortsetzung folgt]
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    • Omg, Buckingham Palace wurde geentert. :eek:

      Und die Königsfamilie ist bereits schön verschnürt gefangengenommen. :11: Wow jetzt wirds aber ernst. Es wird doch nicht noch mehr tote Royals geben. :fear2: Und dann soll es auch noch ein Video geben. Man man man wie das wohl alles endet. :11: Und inzwischen Ist Lukas beim Palast angekommen und erfährt von diesem Wachmann, der vielleicht gar keiner ist, dass alles ok ist. Das darf doch alles nicht war sein. :11: Es wird immer spannender.

      Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Omg, Buckingham Palace wurde geentert. :eek:
      Yip, der Palast der Republik ... äh des Königreichs ... wurde von ein paar Ver-Mummies hausbesetzt. :ohm:

      Saxi schrieb:

      Und die Königsfamilie ist bereits schön verschnürt gefangengenommen. :11: Wow jetzt wirds aber ernst. Es wird doch nicht noch mehr tote Royals geben. :fear2:
      Unter Umständen dürfte da ja noch Einiges an blauem Blut fließen ::: :13:

      Saxi schrieb:

      Und dann soll es auch noch ein Video geben. Man man man wie das wohl alles endet. :11:
      Na gut, weil Du's bist, verrat ich mal schon, wo das Ganze enden wird ...
      Spoiler anzeigen
      Im letzten Kapitel :grin_still:

      Saxi schrieb:

      Und inzwischen Ist Lukas beim Palast angekommen und erfährt von diesem Wachmann, der vielleicht gar keiner ist, dass alles ok ist. Das darf doch alles nicht war sein. :11: Es wird immer spannender.
      Und der Gipfel ist dabei wohl noch keineswegs erreicht :cool1:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:
      Wir danken fürs Lesen und freun uns jetzt aufs Bereitstellen des nächsten Teils ... :daumen:

      Kapitel 6: Die geschlagene Weiße Königin

      Einige hundert Meter hatten CI7-Mitarbeiter Tim Hackerman und sein Beifahrer, der Ex-Beamte von Scotland Yard, Lukas Svensson, schwiegend dasitzend in ihrem blauen Minivan schon zurückgelegt. Das inzwischen wieder fest verschlossene, zweigeteilte eiserne Vorhang des Tores vom Buckingham Palace befand sich längst außer Sichtweite. Timmy wagte zwischenzeitlich immer öfter einen kurzen Blick nach links, wo sein Seniorpartner angestrengt grübelte, wie dessen zusammengezogene Stirnfalten klar erkennbar verrieten. Der junge Hackerman wußte nur zu genau, daß der alte Herr in solchen Momenten unter keinen Umständen gestört werden wollte, und dennoch wagte er es schließlich mit einem zögerlich hervorgebrachten: "Dann ist also zum Glück im Königspalast wirklich alles in Ordnung?!". Svensson schien zunächst auf die - als halboffene Frage formulierte - erleichterte Feststellung gar nicht zu reagieren, dann aber riß er seinen Kopf förmlich zur Seite und rief: "Alles in Ordnung?! Gar nichts ist da in Ordnung, verdammt nochmal! Halt die Karre sofort an, Timothy!". Erschrocken preßte Tim Hackerman seinen nicht gelähmten Oberkörper gegen die Rückenlehne des Fahrersitzes, während seine zittrige Hand mit ganzer Kraft auf den am Amaturenbrett eingelassenen Bremshebelersatz drückte. Mit quietschenden Reifen kam der Minivan augenblicklich dabei neben einer Straßenlaterne zum Stehen. Und während sich Timmy mit dem bloßen Handrücken erst einmal völlig entgeistert ein paar Schweißperlen von der Stirn wischte, erklärte ihm der zuvor äußerlich so ruhig und gelassen erscheinende Exinspektor komplett außer sich: "Diese verflixten Dreckskerle haben die königliche Familie und das ganze Palastgelände doch längst in ihrer Gewalt. Es war von Anfang an so offensichtlich! Allein schon dieser angebliche Wachmann ... Die Scots Guards der Queen sind von jeher strengstens dazu angehalten, auf die Ansprache durch Passanten nicht zu reagieren. Was hingegen tut Rotkehlchen mit dem schwarzen Wuschelhelm?! Trällert sofort drauf los wie ein Vögelchen am Morgen. Mehr noch, er setzt sogar - jeder militärischen Kleiderordnung zuwiderhandelnd - im Dienst die vorgeschriebene Kopfbedeckung ab. Und dann verläßt er zum krönenden Abschluß auch noch minutenlang seinen Postenbereich, um einen Zivilisten zu dessen Wagen zu eskortieren?! Nein, mein Freund, daß in dieser schwarzrot uniformierten Hülle kein echter Wachmann Ihrer Majestät steckt, hätte sogar ein Blinder mit Krückstock gesehen. Zumal er bei genauerem Hinschaun auch noch US-Army-Stiefel trug, während ein korrekt beschuhtes Beinpaar völlig regungslos hinter dem Wärterhäuschen nahe der Palastmauer hervorlugte. So, und jetzt fackeln der Fackelläufer Nummer 241 des Britischen Empire und sein Gefährte nicht mehr lange! Starte unser Vehikel, und dann auf schnellstem Weg zur hinteren Front des Königshauses, wo wir sofort zum großen gegnerischen Lauschangriff ansetzen werden. Ich informiere unterwegs noch unseren Partner Mike telefonisch über die neusten Erkenntnisse, wenn Du mir mal das Handy rüber reichst". Tim übergab seinem Beifahrer das angeforderte Smartphone mit dem Hinweis: "Einfach über die Bildschirmtatstatur die 007 eingeben und abschließend die Doppelkreuztaste drücken!". Dann betätigte er die Automatikschaltung des Minivans und drückte anschließend kurzerhand auf seinen Gaspedalersatzbutton, wodurch sich der fahrbare Untersatz wieder in Bewegung setzte und nach einem verkehrswidrigen U-Turn in deutlich überhöhter Geschwindigkeit das zuvor von Svensson avisierte Ziel ansteuerte.

      Im Grünen Salon des Buckingham Palace hingegen war Douglas O'Farrell durch den von ihm ausgetauschten Wachmann am vorderen Eingangstor über den Kurzauftritt eines alten Mannes namens Lukas Svensson unterrichtet worden, der in Begleitung des scheinbar gehbehinderten Steuermanns eines blauen Ford-Minivan aufgetaucht sei und zudem ein paar merkwürdige Fragen gestellt habe. O'Farrell überlegte kurz, dann erinnerte er sich an die Aussagen seiner inzwischen ausgeschalteten Scharfschützen, die am Tatort an der Elm Street am Nachmittag zuvor eine ähnliche Personenkonstellation gemeldet hatten. Schnellen Schrittes bewegte er sich, den berichterstattenden Wachposten über Bluetooth Headset als Mann im Ohr behaltend, quer durch den Saal auf seinen immer noch am Boden hockenden Computerfachmann zu und raunte ihm zu: "Sofort Phase C starten, Debian!". Debian nickte kurz, ohne auch nur eine Sekunde den Blick von seinem Laptopmonitor zu lösen, dann hämmerte er mit etwa 3 Anschlägen pro Sekunde auf unzählige Tasten und schloß seine Eingaben am Terminal des Rechners schließlich mit Enter ab. Auf dem Bildschirm aber erschien schon im nächsten Moment die Meldung "Mobiles Funknetz vorübergehend außer Betrieb!" ...

      Die gleiche Hiobsbotschaft erhielt auch Lukas Svensson auf Tims Smartphonedisplay bei seinem halben Dutzend vergeblicher Versuche, seinen mit den im erstürmten Bürogebäude zurückgebliebenen Terroristen zurückgelassenen Mitstreiter Mike Gaber anzuklingeln. Schließlich legte er das Mobiltelefon vor sich auf dem Armaturenbrett ab und murmelte entschlossen: "Na gut, wie es Euch gefällt! Dann vorerst eben nur wir Zwei allein heut nacht gegen den Rest dieser weltweit vernetzten Terrorbrut!". Timmy aber nickte nur stumm, während er den Minivan an einer besonders dunklen Stelle der hohen und mit Stacheldraht gekrönten Gartenmauer im hinteren Abschnitt des Palastgeländes nahezu geräuschlos zum Stehen brachte. Svensson öffnete langsam die Autotür auf seiner Seite und hüpfte dann mit einem einzigen Satz aus dem Wagen. An Timmy gerichtet, raunte er noch: "Du bleibst im Wagen und versuchst weiter, Mike zu verständigen! Aber vorher stößt Du mir bitte noch unser trickreiches Hintertürchen auf". Damit lief der Exinspektor auf leisen Sohlen gebückt bis zur rückwärtigen Klappe des Minivans, die von Tim mittels Knopfdruck von oben her geöffnet wurde und sich dabei nach und nach in eine Art Rampe verwandelte. Über sie stieß Lukas augenblicklich ins Wageninnere vor und kehrte binnen weniger Sekunden aus diesem zurück, Tims Elektrorolli über die angebrachte Joysticksteuerung etwas unbedarft neben sich her fahren lassend. Im Zickzackkurs lenkte er die motorgetrieben Gehhilfe bis direkt an die Gartenmauer, wo er die Elektronik sofort wieder komplett abschaltete. Svensson bestieg kurzerhand erst die Sitzfläche des Rollstuhls, dann dessen wacklige Rückenlehne, wobei er sich zuvor noch umständlich seines geliebten Trenchcoats entledigt hatte, den er nunmehr zweifach zusammengelegt über die stacheldrahtige Mauerkrone warf. Sich mit beiden Handflächen fest auf den stoffummantelten Stacheln abstützend erklomm er mühsam die obere Mauerkante, von der er nach dem zügigen Wiederüberstreifen seines Regenmantels mit einem kurzen Sprung ins düstere Garteninnere hopste. Ein eben dort angepflanzter Rosenbusch bescherte Lukas eine eher unsanfte Landung. Und auch die ausgedehte Gesäßfläche seiner Jeanshose hatte sich kurz vor dem Absprung noch leicht im Stacheldraht verhakt und ihm bis in die oberste Hautschichte seiner rechtsseitigen Poebene einen tiefen Dreiangel gerissen. Und während sich Großvater Svensson mit seiner rechten Hand ein paar Mal sanft über die betroffene Stelle strich, entfleuchte dem schmerzverzerrten Gesicht mit seinen fest zusammengepreßten Lippen ein leises: "Mist! Warum passiert sowas immer gerade mir?!". Mehr Zeit zum Jammern und Zähneknirschen gönnte sich der private Ermittler freilich nicht, schließlich hatte er hier eine Mission zu erfüllen. Und sobald sich seine Pupillen an die ihn hier umgebende Dunkelheit angepaßt haben würden, hätte er auch wieder ein Ziel vor den Augen. Ein paar Sekunden vergingen, dann war es soweit: Halblinks erschien ihm die spärlich beleuchtete Rückfront des Königspalastes, an dessen rechter Seite sich vor einem kleinen, etwas abseits stehenden Gebäude ein menschlicher Schatten hin und her zu bewegen schien. Lukas ging auf der Stelle zu Boden und begann dort, Zentimeter für Zentimeter auf jenes bewegliche Ziel zuzugleiten, zwischendurch immer wieder sekundenlang innehaltend und dabei - so gut es eben möglich war - mit der gepflegten Grasfläche des Erdbodens fest verschmelzend.

      Lukas Svensson mochte sich nach einer Gleitzeit etwa 8 gestaffelten Minuten wohl noch zirka 24 Meter von seiner schattigen Zielperson entfernt sein, als er die Stimme jener dunklen Gestalt leise flüstern hörte: "Sie haben uns da ja scheinbar ein paar schon etwas veraltete Pläne zukommen lassen. Zum Glück für Sie und Ihre Freundin hatten die baulichen Veränderungen am Palast keine nachhaltigen Auswirkungen auf unsere Erstürmung des Gebäudekomplexes. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn wir wegen Ihres Versagens Ihrer Sheila das Bäuchlein hätten aufschlitzen müssen, nicht wahr, Inspektor Lestrade?! Nun, wie dem auch sei, wir sind jedenfalls drin und haben sechs Mitglieder der Königsblauen als Geisel nehmen können. Damit endet unsere erfolgreiche Zusammenarbeit! Den Rest übernehmen wir, was die ultimativ letzte Ansprache der Queen an ihr Volk wie auch die Exekution Ihres Premiers angeht. Wenn alles klappt, können Sie Ihre Kleine schon in wenigen Stunden irgendwo in den weiten Wäldern Canadas wieder wohlbehalten in die Arme schließen. Und bis dahin halten Sie gefälligst Ihre verdammte britische Bullenfresse und sehen lieber zu, daß Sie Ihrem geliebten Vaterland schleunigst den Rücken kehren, verstanden?! Hier in der Hauptstadt dürfte die Luft für Sie und uns nämlich in Kürze schon ziemlich dünn werden, Sie verstehen?!". Der schwarze Mann mit dem Hörer eines schnurgebundenen Festnetztelefons am Ohr blieb einige Sekunden lang fest angewurzelt stehen, wozu sein maskierter Schwarzkopf geradezu diabolisch kicherte, dann legte den Hörer auf und stellte den Apparat am Boden ab.

      Im Palastinnern hatte O'Farrell mittlerweile die rasch entfesselte und von ihrem Knebel entbundene, aufgrund ihrer Trauer um ihren Enkelsohn Prinz Harry ganz in schwarz gekleidete Queen Elizabeth II in recht brutaler Art und Weise gezwungen, an einem der zum Garten weisenden Fenster im angrenzend verwaisten Thronzimmer Platz zu nehmen. Dazu drückte er ihr ein Schriftstück in die Hand und deutete ihr an, es sich durchzulesen. Die Königin zog mit ruhiger Hand ihre Lesebrille aus der mitgeführten Handtasche hervor, dann überflog sie all die computergedruckten Zeilen und erklärte schließlich, dem Anführer ihrer Geiselnehmer fest in die Augen blickend: "Mein Herr, Sie sind kein britischer Staatsbürger, wie?! Denn sonst wüßten Sie ja wohl, daß Sie mir mit all dem hier keine Furcht einflößen können. Tut mir schrecklich leid für Sie, aber Sie werden aus mir mit ihren Drohungen kein kleines bibberndes Häufchen Elend machen! Sie wollen mich foltern und umbringen?! Nur zu, ich bin bereit dieses Opfer zu bringen, so wie ich für diese Nation schon viele Opfer gebracht habe. Ich habe Vater und Mutter begraben müssen, und jetzt sogar meinen über alles geliebten Enkel Harry. Wenn es nach Ihnen geht, dann werde ich heute Nacht womöglich auch noch meinen Mann Phillipp sowie meinen Sohn Charles, meinen zweiten Enkel William und deren Lebensgefährtinnen verlieren. Und am Ende vermutlich dann sogar noch mein eigenes Leben, nicht wahr?! Nur zu, töten können Sie uns! Aber völlig auslöschen, das können Sie uns nicht - nicht unsere Existenz, nicht unsere Würde und schon gar nicht unsere über alles geliebte Nation. Das Königreich Großbrittanien wird auch aus solch einer Krise am Ende nur gestärkter hervorgehen. Erhobenen Hauptes werden die verbliebenen Mitglieder unseres Königshauses und unserer parlamentarischen Demokratie unverzagt in die Zukunft voranschreiten und auf unseren Gräbern ein noch größeres Großbrittanien erschaffen - eines, das Leuten wie Ihnen auch weiterhin tollkühn die Stirn zu bieten vermag!". Douglas O'Farrell stand die ganze Zeit recht unbeweglich da, dann aber verkündete er: "Nette Ansprache, Großmütterchen Lizzy! Fast mit denselben Worten sind wir damals bei den Special Forces auf die United States eingeschworen worden. Jedes Wort eine einzige leere Hülse, die erst unsere Organisation mit dem zündendem Pulver gefüllt und dann auf all die humanistischen Möchtegern-Weltverbesserer und pazifistisch gesinnten Sprücheklopfer in aller Welt abgefeuert hat. Ganz recht, auch für Sie und Ihre versammelte Sippschaft sowie Ihr amtierendes Regierungspüppchen Mister Cameron 'D-Ass' haben wir heute abend noch ein paar tödliche Kügelchen reserviert. Und dank Ihres ganzen rührseligen Geschwafels eben, das wir übrigens bereits in kompletter Länge unbemerkt auf Video aufgezeichnet haben, ist es uns nun möglich, aus dem bewegten Bildmaterial mittels einer verzerrt unterlegten google-generierten Audiospur unsererseits einen schönen königlichen Abgesang ans britische Fußvolk zusammenzuschustern samt einer Einladung des noch amtierenden Regierungschefs zu unserer privaten Feierlichkeit hier. Meinen untertänigsten Dank, allerwerteste Ex-Monarchin in spe!". Mit diesen Worten packte er die Queen am Kragen und schleifte sie wieder zu den anderen Mitgliedern des Königshauses zurück, wo er dann auch sie erneut fesselte und knebelte.

      Am Hintergang der Königin tappte noch immer jene finstere Gestalt aus den Reihen der kaltblütigen Hausbesetzer völlig im Dunkeln, während er sich anschickte, mithilfe des zum Ohr geführten Telefonhörers ein weiteres Ferngespräch aufzunehmen: "Adler ruft Horst! Alles klar bei Dir?! Wie gehts dem kleinen Liebling unseres großen hilfreichen Chefpolypen? Ist das Miststück auch schon brav zur militärisch ausgebildeten Pflegemutti?! Kannst dem Biest Sheila morgen früh getrost den Hals umdrehn, ihren bulligen Gespielen erledigt unser kanadisches Außenteam eh direkt bei seiner Ankunft in Ottawa. Was den Stand der Dinge hier angeht? Nun, wir sind schon drin und bereiten grad die Übertragung ins Netz vor. Am Ende unserer Aktion hier werden die ruhmreichen Taten unserer bislang unbekannten Truppe endlich in aller Munde sein! Der ganzen Welt aber wird angesichts unseres heutigen Vorgehens der Atem stocken, ganz besonders der Einwohnerschaft Groß-Londons!". Noch einmal ertönte ein leises teuflisches Gekicher, dann landete der Telefonhörer auf der Gabel und der Apparat wieder am Boden. Genau dort, wo wenige Meter entfernt immer noch Lukas Svensson lag, in dessen Kopf sich die Gedanken geradewegs überschlugen: Lestrade also hatte den Terroristen die streng geheimen Palastpläne ausgeliefert, und damit auch die eigene Königin ihrem schrecklichen Schicksal. Und das alles nur, weil man ihn dazu mit einer gewissen Sheila erpreßte, die sich offensichtlich in den Händen der Gangsterbande befand. Last but not least aber würde man scheinbar sogar noch versuchen, den Premierminister aus der Downing Street hierher zu locken, vermutlich über den Inhalt der angesprochenen Internetübertragung. Doch was hatte es mit diesen mysteriösen Bemerkungen bezüglich der bevorstehenden Luftknappheit und dem stockendem Atem auf sich ... Lukas konnte diesen Gedanken nicht zuende denken, denn in einiger Entfernung näherten sich in seinem Rücken deutlich vernehmbar schwere Schritte. Der Exinspektor wartete noch ein paar Sekunden ab, dann nutzte er das plötzliche Verschwinden des Schattenmannes vor sich hinter dem Schuppen, um mit einer beherzt gewagten Lauf-und-Spring-Kombination durch die inzwischen weit geöffnete Tür ins Innere des überdachten Geräteverhaus zu hechten. Hier bewegte er sich in völliger Dunkelheit zunächst einige Meter voran, dann brachte ihn etwas unmittelbar vor seinen Füßen Gelegenes unsanft zu Fall. Svensson erstarrte und horchte auf. Doch draußen schien man zum Glück von seinem keineswegs geräuschlosen Sturz nichts mitbekommen zu haben. Vermutlich deshalb, weil eben dort zur selben Zeit ein munterer Strahl einer wasserähnlichen Flüssigkeit weitaus geräuschintensiver gegen die Wellblechverkleidung der Schuppenrückseite plätscherte, wozu sich sogleich nach dem Aufziehgeräusch eines Reißverschlusses auch noch ein zweites, leicht zeitversetztes Plätschern gesellte. Erleichtert atmete Lukas auf. Er tastete nach dem vermeintlichen Hindernis, welches seinen plötzlichen Niedergang verursacht hatte, und ertastete dabei nach und nach die leblose Gestalt eines Menschen. Neben dessen umgedrehtem Hals jedoch erfühlte Svensson auch noch etwas anderes ... eine große, schwere Holzkiste. Vorsichtig kramte er die Taschenlampe aus seiner Regenmanteltasche hervor und knipste sie mit leicht vorgehaltener Hand an. Im spärlichen Licht jener Funzel entdeckte er auf dem Holzkistendeckel unter einem offensichtlich weggeätzten Schriftzug den übriggebbliebenen Aufdruck "NATO Military Designation: GB (T+)". Im Innern aber erkannte er ein gutes Dutzend dickwandiger, festverschraubter und mit einem orangefarben hinterlegten Totenkopfsiegel versehener Metallflaschen. Lukas schwante angesichts dieser Entdeckung nichts Gutes ...

      Wenig Gutes erwarteten auch die blaublütigen Geiseln im Grünen Salon des naheliegenden Palastes. Sie kauerten festverschnürt am Boden, wobei einer der Geiselnehmer die ganze Zeit über am Ausschnitt des blauen Blazers von Prinz Williams sichtlich angewiderter Gemahlin Kate herumfingerte. Schließlich schlug der Gangster dessen Revers zur Seite, und beförderte damit einen Ansteckbutton mit der dem Abbild mehrerer buntmaskierter Personen und der Aufschrift "Free Pussy Riot!" zutage. Gern hätte er sich noch weiter mit der königlichen Anhängerin jener versteckten Botschaft befaßt, doch in diesem Moment wurde er von seinem Boß herangerufen, um sich gemeinsam mit seinen anderen Mitstreitern das scheinbar gerade zuende bearbeitete Video von seinem Kumpan am Laptopmonitor vorführen zu lassen. Zu sehen war auf dem Bildschirm die Königin, die etwa eine Minute lang unaufhörlich ihre Lippen bewegte. Dazu aber vernahm man aus den Laptoplautsprechern eine fremdartig klingende Computerstimme, welche völlig emotionslos verlautbaren ließ: "Britisches Volk! Hier spricht Eure Königin, derzeit in Gewahrsam der Eliteeinheit 'Gavrilo Forces - Commando Olympia 2012' befindlich. Deren vornehmliches Anliegen ist es, der ganzen Welt zu verkünden, daß sie hinter all den Exekutionen namhafter und dennoch entbehrlich gewordener Persönlichkeiten wie John F. und Robert F. Kennedy, Martin Luther King und Prinzessin Diana stecken. Auch ich werde durch ihre Hand gerichtet, wenn der amtierende Premierminister nicht noch vor Mitternacht hier im Palast erscheint, um sämtlichen Mitgliedern der Einheit persönlich Straffreiheit sowie freien Abzug in ein Land ihrer Wahl zu garantieren". O'Farrell nickte zufrieden: "Perfekt! Jetzt beendest Du erst einmal die Störung des Mobilfunknetzes, dann lädst Du das Ganze per WLAN-Stick unter unserem Account 'Gavrilo Forces' auf Youtube hoch und verschickst dann den Link dazu wie besprochen in alle Welt". Und mit einem kurzen Blick auf den goldfarbenen Chronometer an seinem Handgelenk ergänzte er: "21 Uhr 59 und 0 Sekunden. Also X-241! Sollte dem Regierungschef wohl mehr als genügen, um von dem Video Kenntnis zu erhalten und sich dann schleunigst hierher chauffieren zu lassen. Zumal er ja nicht einmal weiß, daß er mit Anbruch der Geisterstunde auch gleichzeitig seinen Geist aufgeben wird".

      Lukas Svensson hingegen wußte nur zu genau um die tödlichen Pläne der versammelten Terrorbrut. Und so wartete er nur noch auf den passenden Augenblick, um ungesehen zu Tim und dessen Minivan zurückzukehren und diesem seine neusten Erkenntnisse und Entdeckungen mitzuteilen. Die Gelegenheit bot sich schon wenige Sekunden später, als es von Big Ben her gerade Zehn zu schlagen begann und sowohl der Schwarze Mann wie auch der vorhin zu ihm hinzugestoßene Posten auf eine gemeinschaftliche Zigarettenlänge hinter der rückwärtigen Schuppenwand verschwanden. Auf leisen Sohlen machte sich der pensionierte Privatschnüffler quer über die ausgedehnte Rasenfläche des Palastgartens in Windeseile aus dem Staub. Dabei erreichte er binnen einer halben Minute die Gartenmauer, an deren Innenseite er sich nun ein paar hundert Meter entlang bewegte, bis er auf eine angelehnte Leiter stieß, die offensichtlich von den Eindringlingen im Falle der Notwendigkeit eines plötzlichen Rückzugs dort stehengelassen worden war. Svensson erklomm die 12 Sprossen, überstieg unter erneuter Zuhilfenahme seines bereits arg ledierten Regenmantels die stacheldrahtbesetzte Mauerkrone und gelangte von dort aus mit einem einzigen Sprung wieder auf die entgegengesetzte Seite der Mauer. An der Außenseite nunmehr in entgegengesetzter Richtung entlang laufend, traf er alsbald auch wieder auf den blauen Minivan, aus dessem Innern ihm Timmy bereits freudestrahlend entgegenrief: "Mein Smartphone hat jetzt endlich wieder Empfang! Und ich steh auch grad mit Mike in Verbindung, den ich bereits auf den neusten Stand gebracht hab". Der völlig außer Puste eintreffende Svensson ließ sich sofort das Mobiltelefon übergeben, dann fügte er den vorherigen Ausführungen Timmys sein eigenes Erkenntnisupdate hinzu. Am anderen Ende der Leitung herrschte eine Minute lang Totenstille, dann aber knurrte es vonseiten Mike Gabers: "Dazu paßt auch das Internetvideo, daß unsere Techniker hier gerade frisch aufgespürt haben und das, obwohl es erst seit etwa knapp 5 Minuten online zu sein scheint, schon 2401 Klicks erhielt. Es zeigt die Queen, die sich in den Händen einer bislang unbekannten Terrorzelle befindet und in deren Namen um das umgehende Erscheinen des Premiers ersucht. Andernfalls droht der Königin anscheinend eine Hinrichtung um Mitternacht". Atemlos und völlig außer sich schüttelte Svensson den Kopf hin und her: "Nein, nein und nochmals nein! Der Herr Premierminister darf dieser Aufforderung unter keinen Umständen nachkommen, sonst werden sie alle ermorden! Eine andere Lösung muß her, und ich hab da auch schon einen Plan! Machen Sie sich und die Männer an Ihrer Seite zur mitternächtlichen Stürmung des Palastgebäudes bereit!" ...

      [Fortsetzung folgt]

      Und hier nun zum krönenden Abschluß noch das in eine Hommage an einen echten Horrorfilmklassiker verpackte Video mit der von den Terroristen mißbrauchten Rede der gefangengehaltenen Queen an ihr Volk ...

      SYpHLjEJGMA
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    • Saxi schrieb:

      Omg, Buckingham Palace wurde geentert. :eek:
      Yip, der Palast der Republik ... äh des Königreichs ... wurde von ein paar Ver-Mummies hausbesetzt. :ohm:

      Saxi schrieb:

      Und die Königsfamilie ist bereits schön verschnürt gefangengenommen. :11: Wow jetzt wirds aber ernst. Es wird doch nicht noch mehr tote Royals geben. :fear2:
      Unter Umständen dürfte da ja noch Einiges an blauem Blut fließen ::: :13:

      Saxi schrieb:

      Und dann soll es auch noch ein Video geben. Man man man wie das wohl alles endet. :11:
      Na gut, weil Du's bist, verrat ich mal schon, wo das Ganze enden wird ...
      Spoiler anzeigen
      Im letzten Kapitel :grin_still:

      Saxi schrieb:

      Und inzwischen Ist Lukas beim Palast angekommen und erfährt von diesem Wachmann, der vielleicht gar keiner ist, dass alles ok ist. Das darf doch alles nicht war sein. :11: Es wird immer spannender.
      Und der Gipfel ist dabei wohl noch keineswegs erreicht :cool1:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:
      Wir danken fürs Lesen und freun uns jetzt aufs Bereitstellen des nächsten Teils ... :daumen:

      Kapitel 6: Die geschlagene Weiße Königin

      Einige hundert Meter hatten CI7-Mitarbeiter Tim Hackerman und sein Beifahrer, der Ex-Beamte von Scotland Yard, Lukas Svensson, schwiegend dasitzend in ihrem blauen Minivan schon zurückgelegt. Das inzwischen wieder fest verschlossene, zweigeteilte eiserne Vorhang des Tores vom Buckingham Palace befand sich längst außer Sichtweite. Timmy wagte zwischenzeitlich immer öfter einen kurzen Blick nach links, wo sein Seniorpartner angestrengt grübelte, wie dessen zusammengezogene Stirnfalten klar erkennbar verrieten. Der junge Hackerman wußte nur zu genau, daß der alte Herr in solchen Momenten unter keinen Umständen gestört werden wollte, und dennoch wagte er es schließlich mit einem zögerlich hervorgebrachten: "Dann ist also zum Glück im Königspalast wirklich alles in Ordnung?!". Svensson schien zunächst auf die - als halboffene Frage formulierte - erleichterte Feststellung gar nicht zu reagieren, dann aber riß er seinen Kopf förmlich zur Seite und rief: "Alles in Ordnung?! Gar nichts ist da in Ordnung, verdammt nochmal! Halt die Karre sofort an, Timothy!". Erschrocken preßte Tim Hackerman seinen nicht gelähmten Oberkörper gegen die Rückenlehne des Fahrersitzes, während seine zittrige Hand mit ganzer Kraft auf den am Amaturenbrett eingelassenen Bremshebelersatz drückte. Mit quietschenden Reifen kam der Minivan augenblicklich dabei neben einer Straßenlaterne zum Stehen. Und während sich Timmy mit dem bloßen Handrücken erst einmal völlig entgeistert ein paar Schweißperlen von der Stirn wischte, erklärte ihm der zuvor äußerlich so ruhig und gelassen erscheinende Exinspektor komplett außer sich: "Diese verflixten Dreckskerle haben die königliche Familie und das ganze Palastgelände doch längst in ihrer Gewalt. Es war von Anfang an so offensichtlich! Allein schon dieser angebliche Wachmann ... Die Scots Guards der Queen sind von jeher strengstens dazu angehalten, auf die Ansprache durch Passanten nicht zu reagieren. Was hingegen tut Rotkehlchen mit dem schwarzen Wuschelhelm?! Trällert sofort drauf los wie ein Vögelchen am Morgen. Mehr noch, er setzt sogar - jeder militärischen Kleiderordnung zuwiderhandelnd - im Dienst die vorgeschriebene Kopfbedeckung ab. Und dann verläßt er zum krönenden Abschluß auch noch minutenlang seinen Postenbereich, um einen Zivilisten zu dessen Wagen zu eskortieren?! Nein, mein Freund, daß in dieser schwarzrot uniformierten Hülle kein echter Wachmann Ihrer Majestät steckt, hätte sogar ein Blinder mit Krückstock gesehen. Zumal er bei genauerem Hinschaun auch noch US-Army-Stiefel trug, während ein korrekt beschuhtes Beinpaar völlig regungslos hinter dem Wärterhäuschen nahe der Palastmauer hervorlugte. So, und jetzt fackeln der Fackelläufer Nummer 241 des Britischen Empire und sein Gefährte nicht mehr lange! Starte unser Vehikel, und dann auf schnellstem Weg zur hinteren Front des Königshauses, wo wir sofort zum großen gegnerischen Lauschangriff ansetzen werden. Ich informiere unterwegs noch unseren Partner Mike telefonisch über die neusten Erkenntnisse, wenn Du mir mal das Handy rüber reichst". Tim übergab seinem Beifahrer das angeforderte Smartphone mit dem Hinweis: "Einfach über die Bildschirmtatstatur die 007 eingeben und abschließend die Doppelkreuztaste drücken!". Dann betätigte er die Automatikschaltung des Minivans und drückte anschließend kurzerhand auf seinen Gaspedalersatzbutton, wodurch sich der fahrbare Untersatz wieder in Bewegung setzte und nach einem verkehrswidrigen U-Turn in deutlich überhöhter Geschwindigkeit das zuvor von Svensson avisierte Ziel ansteuerte.

      Im Grünen Salon des Buckingham Palace hingegen war Douglas O'Farrell durch den von ihm ausgetauschten Wachmann am vorderen Eingangstor über den Kurzauftritt eines alten Mannes namens Lukas Svensson unterrichtet worden, der in Begleitung des scheinbar gehbehinderten Steuermanns eines blauen Ford-Minivan aufgetaucht sei und zudem ein paar merkwürdige Fragen gestellt habe. O'Farrell überlegte kurz, dann erinnerte er sich an die Aussagen seiner inzwischen ausgeschalteten Scharfschützen, die am Tatort an der Elm Street am Nachmittag zuvor eine ähnliche Personenkonstellation gemeldet hatten. Schnellen Schrittes bewegte er sich, den berichterstattenden Wachposten über Bluetooth Headset als Mann im Ohr behaltend, quer durch den Saal auf seinen immer noch am Boden hockenden Computerfachmann zu und raunte ihm zu: "Sofort Phase C starten, Debian!". Debian nickte kurz, ohne auch nur eine Sekunde den Blick von seinem Laptopmonitor zu lösen, dann hämmerte er mit etwa 3 Anschlägen pro Sekunde auf unzählige Tasten und schloß seine Eingaben am Terminal des Rechners schließlich mit Enter ab. Auf dem Bildschirm aber erschien schon im nächsten Moment die Meldung "Mobiles Funknetz vorübergehend außer Betrieb!" ...

      Die gleiche Hiobsbotschaft erhielt auch Lukas Svensson auf Tims Smartphonedisplay bei seinem halben Dutzend vergeblicher Versuche, seinen mit den im erstürmten Bürogebäude zurückgebliebenen Terroristen zurückgelassenen Mitstreiter Mike Gaber anzuklingeln. Schließlich legte er das Mobiltelefon vor sich auf dem Armaturenbrett ab und murmelte entschlossen: "Na gut, wie es Euch gefällt! Dann vorerst eben nur wir Zwei allein heut nacht gegen den Rest dieser weltweit vernetzten Terrorbrut!". Timmy aber nickte nur stumm, während er den Minivan an einer besonders dunklen Stelle der hohen und mit Stacheldraht gekrönten Gartenmauer im hinteren Abschnitt des Palastgeländes nahezu geräuschlos zum Stehen brachte. Svensson öffnete langsam die Autotür auf seiner Seite und hüpfte dann mit einem einzigen Satz aus dem Wagen. An Timmy gerichtet, raunte er noch: "Du bleibst im Wagen und versuchst weiter, Mike zu verständigen! Aber vorher stößt Du mir bitte noch unser trickreiches Hintertürchen auf". Damit lief der Exinspektor auf leisen Sohlen gebückt bis zur rückwärtigen Klappe des Minivans, die von Tim mittels Knopfdruck von oben her geöffnet wurde und sich dabei nach und nach in eine Art Rampe verwandelte. Über sie stieß Lukas augenblicklich ins Wageninnere vor und kehrte binnen weniger Sekunden aus diesem zurück, Tims Elektrorolli über die angebrachte Joysticksteuerung etwas unbedarft neben sich her fahren lassend. Im Zickzackkurs lenkte er die motorgetrieben Gehhilfe bis direkt an die Gartenmauer, wo er die Elektronik sofort wieder komplett abschaltete. Svensson bestieg kurzerhand erst die Sitzfläche des Rollstuhls, dann dessen wacklige Rückenlehne, wobei er sich zuvor noch umständlich seines geliebten Trenchcoats entledigt hatte, den er nunmehr zweifach zusammengelegt über die stacheldrahtige Mauerkrone warf. Sich mit beiden Handflächen fest auf den stoffummantelten Stacheln abstützend erklomm er mühsam die obere Mauerkante, von der er nach dem zügigen Wiederüberstreifen seines Regenmantels mit einem kurzen Sprung ins düstere Garteninnere hopste. Ein eben dort angepflanzter Rosenbusch bescherte Lukas eine eher unsanfte Landung. Und auch die ausgedehte Gesäßfläche seiner Jeanshose hatte sich kurz vor dem Absprung noch leicht im Stacheldraht verhakt und ihm bis in die oberste Hautschichte seiner rechtsseitigen Poebene einen tiefen Dreiangel gerissen. Und während sich Großvater Svensson mit seiner rechten Hand ein paar Mal sanft über die betroffene Stelle strich, entfleuchte dem schmerzverzerrten Gesicht mit seinen fest zusammengepreßten Lippen ein leises: "Mist! Warum passiert sowas immer gerade mir?!". Mehr Zeit zum Jammern und Zähneknirschen gönnte sich der private Ermittler freilich nicht, schließlich hatte er hier eine Mission zu erfüllen. Und sobald sich seine Pupillen an die ihn hier umgebende Dunkelheit angepaßt haben würden, hätte er auch wieder ein Ziel vor den Augen. Ein paar Sekunden vergingen, dann war es soweit: Halblinks erschien ihm die spärlich beleuchtete Rückfront des Königspalastes, an dessen rechter Seite sich vor einem kleinen, etwas abseits stehenden Gebäude ein menschlicher Schatten hin und her zu bewegen schien. Lukas ging auf der Stelle zu Boden und begann dort, Zentimeter für Zentimeter auf jenes bewegliche Ziel zuzugleiten, zwischendurch immer wieder sekundenlang innehaltend und dabei - so gut es eben möglich war - mit der gepflegten Grasfläche des Erdbodens fest verschmelzend.

      Lukas Svensson mochte sich nach einer Gleitzeit etwa 8 gestaffelten Minuten wohl noch zirka 24 Meter von seiner schattigen Zielperson entfernt sein, als er die Stimme jener dunklen Gestalt leise flüstern hörte: "Sie haben uns da ja scheinbar ein paar schon etwas veraltete Pläne zukommen lassen. Zum Glück für Sie und Ihre Freundin hatten die baulichen Veränderungen am Palast keine nachhaltigen Auswirkungen auf unsere Erstürmung des Gebäudekomplexes. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn wir wegen Ihres Versagens Ihrer Sheila das Bäuchlein hätten aufschlitzen müssen, nicht wahr, Inspektor Lestrade?! Nun, wie dem auch sei, wir sind jedenfalls drin und haben sechs Mitglieder der Königsblauen als Geisel nehmen können. Damit endet unsere erfolgreiche Zusammenarbeit! Den Rest übernehmen wir, was die ultimativ letzte Ansprache der Queen an ihr Volk wie auch die Exekution Ihres Premiers angeht. Wenn alles klappt, können Sie Ihre Kleine schon in wenigen Stunden irgendwo in den weiten Wäldern Canadas wieder wohlbehalten in die Arme schließen. Und bis dahin halten Sie gefälligst Ihre verdammte britische Bullenfresse und sehen lieber zu, daß Sie Ihrem geliebten Vaterland schleunigst den Rücken kehren, verstanden?! Hier in der Hauptstadt dürfte die Luft für Sie und uns nämlich in Kürze schon ziemlich dünn werden, Sie verstehen?!". Der schwarze Mann mit dem Hörer eines schnurgebundenen Festnetztelefons am Ohr blieb einige Sekunden lang fest angewurzelt stehen, wozu sein maskierter Schwarzkopf geradezu diabolisch kicherte, dann legte den Hörer auf und stellte den Apparat am Boden ab.

      Im Palastinnern hatte O'Farrell mittlerweile die rasch entfesselte und von ihrem Knebel entbundene, aufgrund ihrer Trauer um ihren Enkelsohn Prinz Harry ganz in schwarz gekleidete Queen Elizabeth II in recht brutaler Art und Weise gezwungen, an einem der zum Garten weisenden Fenster im angrenzend verwaisten Thronzimmer Platz zu nehmen. Dazu drückte er ihr ein Schriftstück in die Hand und deutete ihr an, es sich durchzulesen. Die Königin zog mit ruhiger Hand ihre Lesebrille aus der mitgeführten Handtasche hervor, dann überflog sie all die computergedruckten Zeilen und erklärte schließlich, dem Anführer ihrer Geiselnehmer fest in die Augen blickend: "Mein Herr, Sie sind kein britischer Staatsbürger, wie?! Denn sonst wüßten Sie ja wohl, daß Sie mir mit all dem hier keine Furcht einflößen können. Tut mir schrecklich leid für Sie, aber Sie werden aus mir mit ihren Drohungen kein kleines bibberndes Häufchen Elend machen! Sie wollen mich foltern und umbringen?! Nur zu, ich bin bereit dieses Opfer zu bringen, so wie ich für diese Nation schon viele Opfer gebracht habe. Ich habe Vater und Mutter begraben müssen, und jetzt sogar meinen über alles geliebten Enkel Harry. Wenn es nach Ihnen geht, dann werde ich heute Nacht womöglich auch noch meinen Mann Phillipp sowie meinen Sohn Charles, meinen zweiten Enkel William und deren Lebensgefährtinnen verlieren. Und am Ende vermutlich dann sogar noch mein eigenes Leben, nicht wahr?! Nur zu, töten können Sie uns! Aber völlig auslöschen, das können Sie uns nicht - nicht unsere Existenz, nicht unsere Würde und schon gar nicht unsere über alles geliebte Nation. Das Königreich Großbrittanien wird auch aus solch einer Krise am Ende nur gestärkter hervorgehen. Erhobenen Hauptes werden die verbliebenen Mitglieder unseres Königshauses und unserer parlamentarischen Demokratie unverzagt in die Zukunft voranschreiten und auf unseren Gräbern ein noch größeres Großbrittanien erschaffen - eines, das Leuten wie Ihnen auch weiterhin tollkühn die Stirn zu bieten vermag!". Douglas O'Farrell stand die ganze Zeit recht unbeweglich da, dann aber verkündete er: "Nette Ansprache, Großmütterchen Lizzy! Fast mit denselben Worten sind wir damals bei den Special Forces auf die United States eingeschworen worden. Jedes Wort eine einzige leere Hülse, die erst unsere Organisation mit dem zündendem Pulver gefüllt und dann auf all die humanistischen Möchtegern-Weltverbesserer und pazifistisch gesinnten Sprücheklopfer in aller Welt abgefeuert hat. Ganz recht, auch für Sie und Ihre versammelte Sippschaft sowie Ihr amtierendes Regierungspüppchen Mister Cameron 'D-Ass' haben wir heute abend noch ein paar tödliche Kügelchen reserviert. Und dank Ihres ganzen rührseligen Geschwafels eben, das wir übrigens bereits in kompletter Länge unbemerkt auf Video aufgezeichnet haben, ist es uns nun möglich, aus dem bewegten Bildmaterial mittels einer verzerrt unterlegten google-generierten Audiospur unsererseits einen schönen königlichen Abgesang ans britische Fußvolk zusammenzuschustern samt einer Einladung des noch amtierenden Regierungschefs zu unserer privaten Feierlichkeit hier. Meinen untertänigsten Dank, allerwerteste Ex-Monarchin in spe!". Mit diesen Worten packte er die Queen am Kragen und schleifte sie wieder zu den anderen Mitgliedern des Königshauses zurück, wo er dann auch sie erneut fesselte und knebelte.

      Am Hintergang der Königin tappte noch immer jene finstere Gestalt aus den Reihen der kaltblütigen Hausbesetzer völlig im Dunkeln, während er sich anschickte, mithilfe des zum Ohr geführten Telefonhörers ein weiteres Ferngespräch aufzunehmen: "Adler ruft Horst! Alles klar bei Dir?! Wie gehts dem kleinen Liebling unseres großen hilfreichen Chefpolypen? Ist das Miststück auch schon brav zur militärisch ausgebildeten Pflegemutti?! Kannst dem Biest Sheila morgen früh getrost den Hals umdrehn, ihren bulligen Gespielen erledigt unser kanadisches Außenteam eh direkt bei seiner Ankunft in Ottawa. Was den Stand der Dinge hier angeht? Nun, wir sind schon drin und bereiten grad die Übertragung ins Netz vor. Am Ende unserer Aktion hier werden die ruhmreichen Taten unserer bislang unbekannten Truppe endlich in aller Munde sein! Der ganzen Welt aber wird angesichts unseres heutigen Vorgehens der Atem stocken, ganz besonders der Einwohnerschaft Groß-Londons!". Noch einmal ertönte ein leises teuflisches Gekicher, dann landete der Telefonhörer auf der Gabel und der Apparat wieder am Boden. Genau dort, wo wenige Meter entfernt immer noch Lukas Svensson lag, in dessen Kopf sich die Gedanken geradewegs überschlugen: Lestrade also hatte den Terroristen die streng geheimen Palastpläne ausgeliefert, und damit auch die eigene Königin ihrem schrecklichen Schicksal. Und das alles nur, weil man ihn dazu mit einer gewissen Sheila erpreßte, die sich offensichtlich in den Händen der Gangsterbande befand. Last but not least aber würde man scheinbar sogar noch versuchen, den Premierminister aus der Downing Street hierher zu locken, vermutlich über den Inhalt der angesprochenen Internetübertragung. Doch was hatte es mit diesen mysteriösen Bemerkungen bezüglich der bevorstehenden Luftknappheit und dem stockendem Atem auf sich ... Lukas konnte diesen Gedanken nicht zuende denken, denn in einiger Entfernung näherten sich in seinem Rücken deutlich vernehmbar schwere Schritte. Der Exinspektor wartete noch ein paar Sekunden ab, dann nutzte er das plötzliche Verschwinden des Schattenmannes vor sich hinter dem Schuppen, um mit einer beherzt gewagten Lauf-und-Spring-Kombination durch die inzwischen weit geöffnete Tür ins Innere des überdachten Geräteverhaus zu hechten. Hier bewegte er sich in völliger Dunkelheit zunächst einige Meter voran, dann brachte ihn etwas unmittelbar vor seinen Füßen Gelegenes unsanft zu Fall. Svensson erstarrte und horchte auf. Doch draußen schien man zum Glück von seinem keineswegs geräuschlosen Sturz nichts mitbekommen zu haben. Vermutlich deshalb, weil eben dort zur selben Zeit ein munterer Strahl einer wasserähnlichen Flüssigkeit weitaus geräuschintensiver gegen die Wellblechverkleidung der Schuppenrückseite plätscherte, wozu sich sogleich nach dem Aufziehgeräusch eines Reißverschlusses auch noch ein zweites, leicht zeitversetztes Plätschern gesellte. Erleichtert atmete Lukas auf. Er tastete nach dem vermeintlichen Hindernis, welches seinen plötzlichen Niedergang verursacht hatte, und ertastete dabei nach und nach die leblose Gestalt eines Menschen. Neben dessen umgedrehtem Hals jedoch erfühlte Svensson auch noch etwas anderes ... eine große, schwere Holzkiste. Vorsichtig kramte er die Taschenlampe aus seiner Regenmanteltasche hervor und knipste sie mit leicht vorgehaltener Hand an. Im spärlichen Licht jener Funzel entdeckte er auf dem Holzkistendeckel unter einem offensichtlich weggeätzten Schriftzug den übriggebbliebenen Aufdruck "NATO Military Designation: GB (T+)". Im Innern aber erkannte er ein gutes Dutzend dickwandiger, festverschraubter und mit einem orangefarben hinterlegten Totenkopfsiegel versehener Metallflaschen. Lukas schwante angesichts dieser Entdeckung nichts Gutes ...

      Wenig Gutes erwarteten auch die blaublütigen Geiseln im Grünen Salon des naheliegenden Palastes. Sie kauerten festverschnürt am Boden, wobei einer der Geiselnehmer die ganze Zeit über am Ausschnitt des blauen Blazers von Prinz Williams sichtlich angewiderter Gemahlin Kate herumfingerte. Schließlich schlug der Gangster dessen Revers zur Seite, und beförderte damit einen Ansteckbutton mit der dem Abbild mehrerer buntmaskierter Personen und der Aufschrift "Free Pussy Riot!" zutage. Gern hätte er sich noch weiter mit der königlichen Anhängerin jener versteckten Botschaft befaßt, doch in diesem Moment wurde er von seinem Boß herangerufen, um sich gemeinsam mit seinen anderen Mitstreitern das scheinbar gerade zuende bearbeitete Video von seinem Kumpan am Laptopmonitor vorführen zu lassen. Zu sehen war auf dem Bildschirm die Königin, die etwa eine Minute lang unaufhörlich ihre Lippen bewegte. Dazu aber vernahm man aus den Laptoplautsprechern eine fremdartig klingende Computerstimme, welche völlig emotionslos verlautbaren ließ: "Britisches Volk! Hier spricht Eure Königin, derzeit in Gewahrsam der Eliteeinheit 'Gavrilo Forces - Commando Olympia 2012' befindlich. Deren vornehmliches Anliegen ist es, der ganzen Welt zu verkünden, daß sie hinter all den Exekutionen namhafter und dennoch entbehrlich gewordener Persönlichkeiten wie John F. und Robert F. Kennedy, Martin Luther King und Prinzessin Diana stecken. Auch ich werde durch ihre Hand gerichtet, wenn der amtierende Premierminister nicht noch vor Mitternacht hier im Palast erscheint, um sämtlichen Mitgliedern der Einheit persönlich Straffreiheit sowie freien Abzug in ein Land ihrer Wahl zu garantieren". O'Farrell nickte zufrieden: "Perfekt! Jetzt beendest Du erst einmal die Störung des Mobilfunknetzes, dann lädst Du das Ganze per WLAN-Stick unter unserem Account 'Gavrilo Forces' auf Youtube hoch und verschickst dann den Link dazu wie besprochen in alle Welt". Und mit einem kurzen Blick auf den goldfarbenen Chronometer an seinem Handgelenk ergänzte er: "21 Uhr 59 und 0 Sekunden. Also X-241! Sollte dem Regierungschef wohl mehr als genügen, um von dem Video Kenntnis zu erhalten und sich dann schleunigst hierher chauffieren zu lassen. Zumal er ja nicht einmal weiß, daß er mit Anbruch der Geisterstunde auch gleichzeitig seinen Geist aufgeben wird".

      Lukas Svensson hingegen wußte nur zu genau um die tödlichen Pläne der versammelten Terrorbrut. Und so wartete er nur noch auf den passenden Augenblick, um ungesehen zu Tim und dessen Minivan zurückzukehren und diesem seine neusten Erkenntnisse und Entdeckungen mitzuteilen. Die Gelegenheit bot sich schon wenige Sekunden später, als es von Big Ben her gerade Zehn zu schlagen begann und sowohl der Schwarze Mann wie auch der vorhin zu ihm hinzugestoßene Posten auf eine gemeinschaftliche Zigarettenlänge hinter der rückwärtigen Schuppenwand verschwanden. Auf leisen Sohlen machte sich der pensionierte Privatschnüffler quer über die ausgedehnte Rasenfläche des Palastgartens in Windeseile aus dem Staub. Dabei erreichte er binnen einer halben Minute die Gartenmauer, an deren Innenseite er sich nun ein paar hundert Meter entlang bewegte, bis er auf eine angelehnte Leiter stieß, die offensichtlich von den Eindringlingen im Falle der Notwendigkeit eines plötzlichen Rückzugs dort stehengelassen worden war. Svensson erklomm die 12 Sprossen, überstieg unter erneuter Zuhilfenahme seines bereits arg ledierten Regenmantels die stacheldrahtbesetzte Mauerkrone und gelangte von dort aus mit einem einzigen Sprung wieder auf die entgegengesetzte Seite der Mauer. An der Außenseite nunmehr in entgegengesetzter Richtung entlang laufend, traf er alsbald auch wieder auf den blauen Minivan, aus dessem Innern ihm Timmy bereits freudestrahlend entgegenrief: "Mein Smartphone hat jetzt endlich wieder Empfang! Und ich steh auch grad mit Mike in Verbindung, den ich bereits auf den neusten Stand gebracht hab". Der völlig außer Puste eintreffende Svensson ließ sich sofort das Mobiltelefon übergeben, dann fügte er den vorherigen Ausführungen Timmys sein eigenes Erkenntnisupdate hinzu. Am anderen Ende der Leitung herrschte eine Minute lang Totenstille, dann aber knurrte es vonseiten Mike Gabers: "Dazu paßt auch das Internetvideo, daß unsere Techniker hier gerade frisch aufgespürt haben und das, obwohl es erst seit etwa knapp 5 Minuten online zu sein scheint, schon 2401 Klicks erhielt. Es zeigt die Queen, die sich in den Händen einer bislang unbekannten Terrorzelle befindet und in deren Namen um das umgehende Erscheinen des Premiers ersucht. Andernfalls droht der Königin anscheinend eine Hinrichtung um Mitternacht". Atemlos und völlig außer sich schüttelte Svensson den Kopf hin und her: "Nein, nein und nochmals nein! Der Herr Premierminister darf dieser Aufforderung unter keinen Umständen nachkommen, sonst werden sie alle ermorden! Eine andere Lösung muß her, und ich hab da auch schon einen Plan! Machen Sie sich und die Männer an Ihrer Seite zur mitternächtlichen Stürmung des Palastgebäudes bereit!" ...

      [Fortsetzung folgt]

      Und hier nun zum krönenden Abschluß noch das in eine Hommage an einen echten Horrorfilmklassiker verpackte Video mit der von den Terroristen mißbrauchten Rede der gefangengehaltenen Queen an ihr Volk ...

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    • Oh, oh, jetzt wirds aber langsam brenzlig. :eek:

      Aha das Video mit der gefakten Ansprache der Queen ist also fertig und im Umlauf. Da dennkt man dann zuerst, dass der Premierminister doch hoffentlich rechtzeitig erscheint, denn sons gibt es eine Katastrophe und dann sagt Lukas er darf auf keinen Fall kommen denn sonst gibt es erst recht ein Massaker. :11:
      Na auf den Plan bin ich aber echt mal gespannt. Da kann man nur die Daumen drücken, dass es klappt. :daumendruck:

      Dein Video ist echt wieder super gemacht. Klasse kann man da nur sagen. :thumbs02: Gute Idee mit dem Gedenken an Heather O'Rourke.

      Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Oh, oh, jetzt wirds aber langsam brenzlig. :eek:
      Zumindest wird es brandgefährlich. :huh:

      Saxi schrieb:

      Aha das Video mit der gefakten Ansprache der Queen ist also fertig und im Umlauf. Da dennkt man dann zuerst, dass der Premierminister doch hoffentlich rechtzeitig erscheint, denn sons gibt es eine Katastrophe und dann sagt Lukas er darf auf keinen Fall kommen denn sonst gibt es erst recht ein Massaker. :11:
      Dilemma, Dilemma! :ohm:

      Saxi schrieb:

      Na auf den Plan bin ich aber echt mal gespannt. Da kann man nur die Daumen drücken, dass es klappt. :daumendruck:
      Ja, man darf auch Egon zu meinem Mister Olsen ... äh Svensson ... sagen! Und wie Egon nix ohne seine Freunde Benny und Kjeld auf die Beine stellen konnte, so vertraut Lukas bei seinem Plan auf Mike und Timothy. :daumen:

      Saxi schrieb:

      Dein Video ist echt wieder super gemacht. Klasse kann man da nur sagen. :thumbs02: Gute Idee mit dem Gedenken an Heather O'Rourke.
      Danke, ihr Charakter Carol Ann und Filemmacher Steven Spielberg, als der gute Geist, der sie (be-)rief, haben ihrem kurzen Erdendasein Gott sei Dank ein bleibendes Vermächtnis verliehen. :wolke_7:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:
      Na, dann starten wir doch einfach mal durch ... :cool1:

      Kapitel 7: Kurze Rochade

      Eine knappe halbe Stunde später erreichte der blaue Minivan mit Tim Hackerman und Lukas Svensson an Bord die Einfahrt zur Downing Street, zu deren Sicherheitszone das Fahrzeug auch umgehend freie Zufahrt erhielt, nachdem Timmy sich als Mitglied der Antiterroreinheit CI7 ausgewiesen und den wachhabenden Beamten sein Anliegen vorgetragen hatte. Und so stand man schon nach wenigen Sekunden vor der stets hochglanzpolierten schwarzen Eingangstür mit der Nummer 10, die vor Lukas' geistigen Auge in einer Art traumatischen Dejavu merkwürdigerweise zur hintergründigen Melodie von Britney Spears' "Someday I Will Understand" die Bilder seines Compagnons Charles Wannabe, seiner längstverstorbenen Eltern sowie das einer gewaltigen Explosion hervorrief und in deren Nähe nahezu zeitgleich - aus der entgegengesetzten Richtung kommend - ein Einsatzwagen des CI7 eintraf. Letzterem entsprangen auf der Stelle zwei Agenten, die Exinspektor Svensson keineswegs unbekannt erschienen, auch wenn er im ersten Moment nicht genau wußte, wo er ihnen schon einmal begegnet war. Tim Hackerman konnte seinem in letzter Zeit hier und da immer mal wieder etwas angeschlagenen Gedächtnis allerdings prompt auf die Sprünge helfen, als er den beiden Männern durch das heruntergelassene Seitenfenster zurief: "Agent Smith! Agent Wesson! Holen Sie mir bitte umgehend meinen E-Rolli aus dem Minivan und seien Sie mir beim Umstieg behilflich! Die am Telefon besprochenen Gerätschaften haben Sie dabei?". Smith und Wesson, die zusammen mit Svensson und Hackerman vor etwa zweieinhalb Jahren an der Erstürmung eines vom teuflischen Oberschurken Lou Cypher bewohnten Hauses teilgenommen hatten, nickten eifrig. Timmy aber wandte sich seinem, bereits vorm Treppenabsatz der nahegelegenen Haustür Aufstellung nehmenden Seniorpartner Lukas zu und bemerkte augenzwinkernd: "Nun denn, ich mach mich jetzt mit meinen Jungs in der Tiefgarage wie besprochen unverzüglich ans Werk! Möge die Macht mit Dir sein, Luke!". Lukas Svensson drehte sich kurz noch einmal um und spreizte als passende Erwiderung die von seiner rechten, zur Faust geballten Hand abgespreizten Zeige- und Mittelfinger zum Victorygruß auseinander. Dann betätigte er mit seiner linken Hand voller Entschlossenheit den - einem Löwenkopf nachempfundenen - gußeisernen Türklopfer der schwarzglänzenden Hauspforte.

      Selbige wurde ihm binnen weniger Sekunden vom Hausherren höchstpersönlich geöffnet. Der schien bereits im Aufbrechen begriffen und blickte Svensson dabei recht erstaunt entgegen: "Ja, mein Herr, Sie wünschen bitte?!". Lukas streckte dem Schlipsträger im grauen Maßanzug mit einer künstlichen Ansteckblume im Kopfloch freundlich die Hand entgegen: "Svensson mein Name! Lukas Svensson! Herr Premierminister, Sie sind bereits über die Geiselnahme unserer Königin und ihrer Familie sowie über die Hauptforderung der Terroristen unterrichtet worden, wie ich annehme?!". Premierminister Cameron angespanntes Gesicht begann zu nicken, während seine rechte Hand die seines Gegenüber ergriff und schüttelte. Lukas' linke Hand legte sich vertrauensvoll auf die rechte Schulter des britischen Regierungschefs, wozu er raunte: "Nun, ich denke mal, weder unser Volk noch Sie legen gesteigerten Wert darauf, sich freiwillig als ungeschützte Zielscheibe in die Fänge dieser skrupellosen Verbrecher zu begeben. Und ich hätte da nun ein Angebot für Sie, das Sie nicht ablehnen können". Der Hausherr trat einen Schritt zurück und bat seinen Besucher mit einer einladenden Geste zu sich herein. Hinter verschlossener Tür hatten sich Lukas und der britische Premier eine Viertelstunde lang ausgiebig und teilweise auch recht konbtrovers über den tollkühnen und keineswegs ungefährlichen Plan des Exinspektors unterhalten. Schließlich aber hatte Cameron Svenssons Vorschlägen zugestimmt. Die entsprechenden Maßnahmen wurden eingeleitet, woraufhin sich der Mann im grauen Maßanzug zügig in die, auch übers Treppenhaus erreichbare Tiefgarage seines Hauses begab und dort in den von Tim und den restlichen CI7-Leuten präparierten Dienstwagen des Premierministers einstieg. Mit ihm und dem als Chauffeur verkleideten Agent Smith am Steuer aber rauschte man dann in raschem Tempo über die Straßen des nächtlichen London in Richtung Königspalast.

      Hier angekommen, ließ der Wachposten am Eingangstor die Limousine nach kurzem Kontrollblick ins Wageninnere breit grinsend passieren. Agent Smith hielt das Dienstfahrzeug des Premiers auf dem inneren Palasthof direkt vor einer weitgeöffneten Seitentür des Palastes, woraufhin ein maskierter und mit einer Pistole bewaffneter Terrorist - gesichert von einem etwas abseits stehenden Mitstreiter mit einer Maschinenpistole im Anschlag - dem Schlipsträger auf dem Rücksitz mit einer deutlichen Handbewegung andeutete, auszusteigen und mit ihm zu kommen. Der Anzugträger leistete der Aufforderung unverzüglich Folge, während Agent Smith - vom Mann mit der Maschinenpistole strengstens bewacht - im Auto zurückblieb. Über unzählige schmale und breite Gänge und Treppen, quer durch die herrlichsten Räumlichkeiten hindurch, vorbei an den in kleineren und größeren Blutlachen da liegenden Leichen etlicher Hausangestellter und Sicherheitsleute, schupste der maskierte Mann seinen unfreiwilligen Begleiter, bis Beide schließlich im ersten Stock im Grünen Salon anlangten, wo bereits der Rest der Terrorgruppe wie auch die, auf dem edlen Parkett kauernden, fest verschnürten und geknebelten Mitglieder der Königsfamilie auf sie warteten. Douglas O'Farrell trat hämisch grienend auf den Mann im Maßanzug zu und sprach: "Freut mich, daß Sie es einrichten konnten, Mister Cameron! Aber wer kann sich auch schon einer so eindringlichen Einladung entziehen, vor allem, wenn Sie von der Queen höchstpersönlich und noch dazu quasi öffentlich ausgesprochen wird. Ich muß schon sagen, Sie sehen im Fernsehen irgendwie ganz anders aus, aber das traf auf unsere bisherigen prominenten Zielobjekte ja durchaus auch zu. Tja, mein Lieber, ich nehme mal an, Sie haben sich den Verlauf Ihrer spätabendlichen Audienz so vorgestellt: Sie garantieren unserer Gruppe Straffreiheit und lassen uns mittels eines Charterflugs außer Landes fliegen, und damit hat sich's dann". Einen Augenblick lang herrschte Schweigen im Raum. Nur die üppig verzierte, goldbesetzte Standuhr in der linken hinteren Ecke des Salons tickte gnadenlos Sekunde für Sekunde vor sich her. Schließlich trat O'Farrell mit vorgehaltener Waffe einen Schritt auf den wie angewurzelt dastehenden blauen Schlipsträger zu. Er packte ihn mit fester Hand an der rechten Schulter und verkündete mit finsterer Miene: "Na, dann machen wir uns mal an die Arbeit, damit der kleine David hier beizeiten in die Heier kommt, oder?!". Dazu winkte er mit der linken Hand einen seiner Männer zu sich heran, der dem Mann mit der Ansteckblume ein bereits vorbereitetes Schriftstück unter die Nase hielt. Der schwarz auf weiß ausgedruckte Wisch sicherte - in recht pathetischer Weise verfaßt - der Gruppe namens "Gavrilo Forces Commando Olympia 2012", im weiteren Text kurzerhand GFCO2012 genannt - auf internationaler Ebene den Erlaß einer strafrechtlichen Verfolgung für sämtliche in der Vergangenheit und der Gegenwart, aber auch für alle in Zukunft begangenen Taten zu. Dem Anzugträger wurde dazu ein goldener Füller gereicht. Und auch wenn sich alles in seinem Innern strebte, so etwas Unverschämtes zu unterzeichnen, so setzte er letztlich mit einem Blick in die angsterfüllten und von körperlicher wie seelischer Erschöpfung gleichermaßen deutlich gezeichneten Gesichter der königlichen Familie den unverschnörkelten Schriftzug "David Cameron" unter das Papier. Wieder spürte der Unterzeichnende den festen Händedruck O'Farrells auf seiner Schulter, wozu dieser ihm zufrieden ins Ohr zischte: "Na sehen Sie! War doch gar nicht so schwer, oder?! Nun noch ein klitzekleiner Anruf am Flughafen mit der eindringlichen Bitte, mir und meinen Leuten hier einen Exklusivflug und eine freie Flugbahn für heute nacht 02 Uhr 00 zu reservieren, wobei wir unser Flugziel an Bord völlig frei selbst bestimmen können. Freie Selbstbestimmung, das müßte Ihnen als einem europäischem Demokraten doch gefallen, nicht wahr?!".

      Mit diesen Worten reichte Douglas O'Farrell dem unbeweglich dastehenden Mann im Maßanzug sein Handy. Mit ruhiger Hand nahm der Träger des blauen Schlipses das Mobiltelefon entgegen, drückte scheinbar noch etwas unbeholfen ein paar Tasten und führte das Telefon schließlich zum rechten Ohr, wobei er murmelte: "Heathrow Flugzentrale?! Hier Prime Minister Cameron, Dienstkennung: BPM155-HP, Codewort: HyperHyper. Bitte geben Sie unverzüglich Order für einen durch mich persönlich autorisierten Charterflug der Royal Air Force One. Abflug ist heute nacht um 2 Uhr. Erbitte zudem die Herstellung einer sofortigen Startbereitschaft und das Freihalten einer kompletten Startbahn. Vielen Dank! Ende!". Ein zufriedenes Grinsen huschte über O'Farrells fiese Visage, während er sein Handy aus den Händen seines Gegenüber wieder in Empfang nahm. Dazu bemerkte er: "Ok, dann können wir Sie jetzt also schlafen schicken, wie?! Gut, dann tun wir das mal, aber auf unsere ganz spezielle Art!". Eiskalt preßte der demaskierte Anführer der Terrorbrut dem Krawattenträger im edlen Zwirn den Lauf seiner entsicherten Waffe an die leicht schweißige hohe Stirn. Dann drückte er, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ab.

      Es machte einmal leise Klick, dann war es sekundenlang totenstill. Schallendes Gelächter ertönte schließlich aus dem Munde O'Farrells und hallte von den Salonwänden mehrfach geradezu gespenstisch wieder. Der selbsternannte Terroristenführer aber brüllte mit einem Male los: "Für wie blöd halten Sie mich eigentlich? Kann man mich vielleicht auf so einfältige Art hinters Licht führen?! Wohl kaum, Mister Cameron! Oder sollte ich Sie doch lieber Svensson nennen?! Lukas Svensson, 1944 in Königsberg geboren, gegen Kriegende nach Berlin übergesiedelt, später mit seinen Erzeugern aus dem Osten nach Westdeutschland geflüchtet und von dort nach England übersiedelt. Nach dem Unfalltod von Mum und Dad erst beim Onkel und dann, nach dessen gewaltsamem Ableben, im Heim großgeworden. Später nach mherjähriger Ausbildung in den Polizeidienst eingetreten. Dann jahrelang bei Scotland Yard als Beamter der Mordkommission gearbeitet. Und schließlich nach der Pensionierung mit einem Exkollegen nunmehr schon seit zweienhalb Jährchen als Privatschnüffler tätig. Und das sogar ziemlich erfolgreich, wenn man der Presse Glauben schenken darf. Sehen Sie, und genau dieses öffentliche Ansehen hat mir Ihre wahre Identität verrraten. Da hilft es Ihnen auch nichts, daß sie sich für Ihr kleines Schmierentheater hier Ihren Schnurrbart abrasiert und eine alberne Perrücke über Ihr schütteres Haupthaar gestülpt haben. Dank eines Fotoabgleichs eines Standbildes vom Überwachungskameravideoclip Ihrer kurzen Stippvisite vor ein paar Stunden bei meinem Mann am Eingangstor mit dem öffentlichen Bildmaterial auf Google Images durch meinen Computerexperten hier hat mir das Internet binnen kürzester Zeit nahezu Ihren kompletten Lebenslauf offengelegt. Inklusive der Namen und Wohnanschriften Ihrer geliebten Ehefrau Yelena und Ihres Töchterchens Lisa. Zwei meiner inoffiziellen Mitarbeiter sind nach einem kurzen Anruf von mir schon zu Ihnen nach Hause unterwegs, um Ihnen einen kleinen Besuch abzustatten. Wie der letztendlich ausgeht, das liegt freilich ganz und gar an Ihnen. Wissen Sie, Lukas ... Ich darf Sie doch Lukas nennen, jetzt, wo wir uns schon so gut kennen und wissen, woran wir beim jeweils Anderen sind, nicht wahr?! ... Also eigentlich wollte ich die Sache hier ja so zuende bringen: Ich und meine Männer töten über unseren inzwischen vielbeachteten Youtubeaccount live vor laufender Kamera erst die Königin Elizabeth und dann den Herrn Premier, was die dadurch von einer Sekunde auf die nächste kopflos gewordene Nation in eine tiefe Panik, eine politische wie auch wirtschaftliche Krise und damit unaufhaltsam ins völlige Chaos gestürzt hätte. Leider haben Sie mit Ihrer Superman-Show diesen Plan ein wenig durchkreuzt, so daß wir ihn nun etwas variieren müssen. Ich schlage vor, Sie denken einmal kurz an Ihre süße kleine Exilrussin und Ihren kleinen Goldschatz aus erster Ehe, die Beide mit einem großen Loch im Kopf so gar keinen guten Eindruck machen würden. Und dann nehmen Sie meine Wumme hier und versetzen Ihrer Königin, für die Sie soviel zu riskieren bereit zu sein schienen, in aller Öffentlichkeit selbst den Gnadenschuß, um Sie vorzeitig von all den Qualen des Zuschauens beim Hinrichten Ihrer restlichen Familie zu erlösen. Sie sind doch ein gläubiger Christ, wie ich lesen durfte, und wollen ganz sicher nicht, daß Ihre geliebte Monarchin unnötig leiden muß, ebensowenig wie Ihre Yelena und die kleine Lisa, stimmts?!". Wie ein Aasgeier umkreiste er während seiner gehässigen Ansprache mit weit aufgerissenen Augen den förmlich zur Salzsäule erstarrten Svensson, dem allein bei dem Gadanken an den gewaltsamen Tod seiner geliebten Gattin und seiner Tochter die Tränen in Strömen in die Augen schossen.

      Die salzigen Perlen, die sich fortan aus einem verwaschenen Blick heraus in wahren Sturzbächen über die Wangen des falschen Premierministers ergossen, entzückten O'Farrell. Er spürte, wie schon so oft zuvor, daß er den Nerv seines Gegenspielers getroffen hatte, Und so gab er sich im Überschwang des Gefühls unbezwingbarer Überlegenheit mit einem kurzen Blick auf das Chronometer an seinem aalglatt rasierten Handgelenk geradezu gönnerhaft der, in seinen Augen längst zur Strecke gebrachten Beute gegenüber: "Ok, ich bin ja kein Unmensch, mein Lieber! Ich räume Ihnen noch eine kleine Bedenkzeit ein. Es ist jetzt exakt 23 Uhr 14, also sagen wir mal 45 Minuten! Und bis dahin betrachten Sie sich ruhig weiter als Gast des Hauses". Mit diesen Worten packte er Svensson unsanft am Arm und zerrte ihn auf den Boden, wo er den Exinspektor von einem seiner Männer ebenso sorgfältig verschüren und mittels eines Knebels vorübergehend mundtot machen ließ wie die Mitglieder der britischen Königsfamilie ...

      Die Zeit arbeitete gegen ihn. Lukas befand sich nun im Palast und brauchte vermutlich selbst Unterstützung. Doch Mike musste erfahren, wozu der ganze Aufwand gut war. Die Ermittler stellten sich jedoch quer. Sie wollten Mike nicht zu den Gefangenen lassen. Sie sahen es als ihre Pflicht an, es selbst herauszubekommen. Quatsch. Mike brauchte nur fünf Minuten. Dann war der Kerl gesprächiger als Oprah es jemals war. Sie schlossen ihn aus. Wollten keinen Amerikaner, der die Arbeit für sie erledigte. Gaber hatte die Nase gestrichen voll. Er streunte durchs Hauptquartier und blickte sich immer wieder um. Er erweckte den Eindruck, als suche er die Toilette. Eine der Wachen sah ihn und hinderte ihn am Weiterkommen. „Was suchen Sie hier?“, lautete die Frage der Wachen.
      „Ähm … ja. Ich suche das Büro des leitenden Beamten.“
      Der Wachmann blickte gleich freundlicher drein und stellte sich neben Mike. „Das ist ganz einfach. Sie gehen den Flur zurück, aus dem Sie gerade gekommen sind. Dann nach links abbiegen und an der zweiten Türe von rechts klopfen Sie dann an.“
      „Vielen Dank.“, erwiderte Mike. Dann blitzschnell, zog er die Waffe des Beamten, eine Browning HI Power und schlug ihm damit auf den Hinterkopf. Der Wachmann sackte zusammen und blieb bewusstlos am Boden liegen. Mike nahm ihm seine Key-Card ab und öffnete damit die Tür zum Überwachungsraum. Dort zerschlug er das Zahlenfeld und sperrte die leitenden Männer des Yards ein. Dann trat er in den eigentlichen Verhörraum ein und schlug den Ermittler, der die Befragung führte mit einem gezielten Hieb von seinem Stuhl und ein Tritt gegen den Schädel beförderte ihn ins Land der Träume. Mike hatte die Browning von dem Wachmann gezogen und durchgeladen. Die Waffe hielt er dem Verdächtigen vors Gesicht. „Was soll das alles? Haben Sie den Verstand verloren?“, drang es aus den Lautsprechern.
      Doch Mike ignorierte die Kerle und sagte, an den Verdächtigen gewandt: „Ich frage Sie jetzt nur einmal. Sie haben nur diese eine Chance, kapiert?“
      Der Verdächtige wirkte nicht sehr beeindruckt. „Was hat O’Farrell vor?“
      Keine Reaktion. Mike drückte ab. Die Kugel streifte das Ohr des Verdächtigen und riss dennoch ein beachtliches Stück ab. Der Mann griff sich sogleich an die verwundete Stelle und stöhnte vor Schmerzen. Mike drückte nochmal ab. Er musste diesem Kerl zeigen, dass er ihn auch verletzen würde, wenn er keine Fragen stellte. Dieses Mal erwischte die Kugel ihn am Oberarm. Und ein weiterer Knall und eine Schusswunde in der linken Schulter des Mannes. „Verstehen Sie mich jetzt? Ich stelle die Frage kein weiteres Mal. Ich werde Sie solange foltern, bis Sie mir sagen, was ich wissen will!“, sagte Mike erzürnt.
      Er drückte nochmal ab. Doch jetzt hielt er dem Kerl die Waffe an die Schusswunde, die er an der Schulter erlitten hatte. Der Kerl riss die Augen auf. Schrie und keuchte. „Die wollen Sarin freisetzen!“

      [Fortsetzung folgt ...]

      Einen kleinen bildlichen Eindruck von der Verwandlung Svenssons in sein politprominentes Vor-Bild vermittelt an dieser Stelle auch mein Vorschauvideo ...

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    • Wow, was war das denn. :eek:

      Lukas als falscher Premierminister und doch ist er aufgeflogen. Man ist das ein Nervenkrieg da drin. :11: Oh, dieser O´Farrell ist wirklich ein Aasgeier. :thumbdown:
      Na hoffentlich erreicht Mike was. Zumindestens weiß er ja jetzt was O'Farrell vor hat. Ich bin sehr gespannt wie das weitergeht.

      Das Vorschauvideo ist eine klasse Idee. Vielen lieben Dank dafür. Wow, Sven ohne Bart ist schon sehr ungewohnt aber auch nicht schlecht. :thumbs02:

      Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Teil :freudentanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"
    • Saxi schrieb:

      Lukas als falscher Premierminister und doch ist er aufgeflogen. Man ist das ein Nervenkrieg da drin. Oh, dieser O´Farrell ist wirklich ein Aasgeier.
      Tja, O'Farrell hat den Braten gerochen und aus Lukas ein schönes großes Paket gemacht. :angry:

      Saxi schrieb:

      Na hoffentlich erreicht Mike was. Zumindestens weiß er ja jetzt was O'Farrell vor hat.
      Und Wissen ist ja bekanntlich Macht! Möge die Macht mit Mike sein! :daumen:

      Saxi schrieb:

      Das Vorschauvideo ist eine klasse Idee. Vielen lieben Dank dafür. Wow, Sven ohne Bart ist schon sehr ungewohnt aber auch nicht schlecht.
      Naja, eigentlich ist ja nur bei SvensSo(h)n der Bart ab. Beim geistigen Vater hingegen bleibt er dran! :grin_still:

      Saxi schrieb:

      Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Teil und lieben Dank fürs Schreiben.
      Gern geschehen, und ein paar Zeilen tiefer gehts auch schon spannungsreich weiter - im Wechselspiel von M.V.V.M. und mir. :thumbsup:

      So, und eh wir nun ins achte Kapitel durchstarten, noch rasch ein kleiner Vorgucker auf das Geschehen, einmal mehr stilistisch verpackt in eine TV-Serie mit Erinnerungsfaktor ...

      SDC2HQAL76E

      Ok, nachdem einen das Video wohl wenig Gutes ahnen läßt, hier nun der achte Teil in seiner gesamten wortwörtlichen spannungsgeladenen Pracht ... :nervoes:

      EIIR: TATORT OLYMPIA (LONDON 2012)

      Kapitel 8: Damenopfer

      Im Buckingham Palace war es mittlerweile Fünf vor Zwölf, sofern man dem Ziffernblatt der versilberte Kaminuhr im rechten Eck des Grünen Salons Glauben schenkte. Lukas wäre zu gern bereit gewesen, dies zu tun, hätte ihn nicht die goldene Standuhr im gegenüberliegenden Eck sogleich eines Besseren belehrt. Denn die demonstrierte anschaulich, daß ihm gerade noch 241 Sekunden verblieben bis zum Verstreichen der ihm vom Boß der königlichen Geiselnehmer gesetzten Bedenkzeit. Von der Seite her trat im selben Augenblick O'Farrell an ihn heran, beugte sich zu ihm herunter und durchtrennte mit einer einzigen schneidigen Bewegung eines in seiner Linken gehaltenen Armymessers die Fesseln an Svenssons Leib. Nur eine Sekunde später spürte der immernoch als Premierministerdouble verkleidete Exinspektor den kalten Stahl der Messerklinge an seinem Nacken, wo sie mit einem weiteren Ruck auch die Befestigung seines Knebels durchtrennte. Zögernd erhob sich Lukas vom Boden. Seine zittrigen Beine fühlten sich taub an, und seine Handgelenkte schmerzten. Dem ersten Anschein nach schien der Frischentfesselte jetzt wieder völlig frei zu sein. Doch der Schein trügte, wie die auf ihn gerichteten Mündungen der Waffen in den Händen der drei sich augenblicklich um ihn scharenden Terroristen nur allzu deutlich klarstellte. O'Farrell hingegen war in seinem Rücken im selben Moment mit dem Entbinden von Queen Elizabeth II beschäftigt, die er wenige Sekunden später am Kragen ihrer schwarzen Bluse packte und dabei recht unsanft auf die Beine stellte. Ebenso grob schubste er die Königin anschließend in Richtung Svensson vor sich her. So sehr sich Ihre Majestät dabei auch erhobenen Hauptes um die Wahrung ihrer Würde bemühte, am Ende geriet ihr leicht zitternder Körper doch ins Wanken. Einzig und allein der inzwischen mit ihr auf gleicher Höhe stehende Lukas konnte ihren Sturz noch rechtzeitig aufhalten, indem er der strauchelnden Monarchin - ohne auch nur eine Sekunde zu zögern - unter die Arme griff. Der Fall der Queen war damit fürs Erste abgewendet, und mit einem Lächeln bedankte sich die britische Herrscherin bei ihrem Untertan. Jenes eh viel zu selten lächelnde Antlitz aber verkehrte sich binnen weniger Augenblicke in ein schmerzverzerrtes, als ihr Douglas O'Farrell von hinten die Spitze seines Messers fest in den Rücken bohrte. An Lukas gerichtet, erklärte er dabei diabolisch grinsend: "Es wird Zeit! Wie lautet nun also Ihre Entscheidung, Mister Svensson? Die Dame hier oder Ihre beiden Ladies daheim? Wer soll heute nacht Ihr Herzblut teilen und mit Ihnen gemeinsam in das ersehnte himmlische Paradies eingehen?". Einen Moment lang herrschte tiefstes Schweigen im Palast, dann aber brüllte O'Farrell wütend: "Na los doch! Spucken Sie's aus! Wen sind Sie bereit zu opfern? Die Alte hier, mit der Sie rein gar nichts verbindet außer einer gemeinsamen Staatsbürgerschaft oder Ihre geliebte Frau, der Sie vor Gott und der Welt ewige Treue geschworen haben, und Ihr eigen Fleisch und Blut? Ich kann natürlich auch gleich meine Männer anrufen und Ihnen sagen, daß Ihnen ein greises Weibsbild mit einer Krone auf dem Schädel mehr wert ist als die Familie". Zur Untermauerung seiner Drohung fischte seine Rechte das Handy aus der Hosentasche hervor und hielt es hoch über seinem Kopf in die Luft. Einmal mehr entströmten Svenssons Augäpfeln wahre Wasserfälle aus Tränen übermächtigen Zorns und ohnmächtiger Verzweiflung zugleich, wozu er schluchzend ausrief: "Nein, tun Sie das nicht! Ich flehe Sie an, nicht meine Yelena und meine kleine Lisa! Ich werde tun, was Sie von mir verlangen!".

      Sichtlich zufrieden nickte O'Farrells teuflisch grinsende Fratze. Dann winkte er seinen Computerexperten zu sich heran und ließ durch ihn die mit dessen Laptop verbundene Kamera direkt vor Svenssons Augen in Aufstellung bringen. Der Computertyp selbst begab sich im Anschluß zurück an seine Tastatur, die er wieder ein paar Sekunden lang mit allen zehn Fingern bearbeitete. Schließlich ballte er seine linke Hand zu einer Faust und reckte sie mit nach oben abgespreiztem Daumen deutlich erkennbar in die Höhe, wozu er verkündete: "Na dann mal bitte recht freundlich, die Dame und Herr. Sie Beide sind jetzt nämlich live auf Youtube zu bewundern!". Lukas senkte sein greises Haupt im Angesicht seiner Königin und stammelte kleinlaut: "Eure Majestät, es tut mir leid, aber mir bleibt keine andere Wahl. Ich müßte Sie jetzt untertänigst bitten, daß Sie ...". Svensson verstummte, seine Stimme versagte ihm angesichts dieses schrecklichen Horrorszenarios einfach den Dienst. An ihrer Stelle aber meldete sich dafür die umso festere Stimme der Queen zu Wort: "Sie meinen, ich müßte mich vor Ihnen niederknien. Und sicher möchten Sie, daß ich dabei mein Antlitz von Ihnen abwende?! Letzteres aber werde ich nicht tun. Ich bin bereit, selbst dem Tode tapfer ins finstere Auge zu blicken, wenn meine Stunde gekommen ist". Sprachs und ging vor ihm auf die königlichen Knie, den Blick fest nach oben in die niedergeschlagenen Augen von Lukas Svensson gerichtet. Dem aber drückte O'Farrell in selber Sekunde seine noch rasch entsicherte Pistole in die rechte Hand, und raunte ihm dazu ins rechte Ohr: "Showtime, Mister Svensson! Verpassen Sie Engelands First Lady ein schickes neues Loch ins hochadlige Lockenköpfchen! Und das ein bißchen pronto, wenn ich bitten darf! Wir haben schließlich nicht die ganze Nacht lang Zeit! Na los jetzt! Tun Sie's!". Wie in Trance ergriff der Exinspektor mit einem tränenverschleierten Blick erst in die Kameralinse und dann auf die Standuhr im Zimmereck die dargereichte Waffe und setzte die Mündung inmitten der Stirn Ihrer Majestät der Königin auf.

      Mike war mit einem Einsatzteam zum Buckingham Palace gerast. Er hoffte nur, dass die Zeit ausreichte. Mike war immer noch in Zivil. Er wollte vorerst allein reingehen um unauffällig den einen oder anderen Terroristen auszuschalten. Das alles kam ihm schrecklich bekannt vor. Wie oft hatte er es schon mit Geiselnahmen zu tun? Wie oft hatte er Terroristen schon gejagt und zur Strecke gebracht? Doch der Job war nie leicht. Mike kletterte über den Zaun des Buckingham Palace. Zu allererst wollte er die Fliegerabwehrkanonen ausschalten, die sich zur Abwendung von Terrorangriffen aus der Luft gut versteckt in einem abgesperrten Bereich des Palastgartens befanden und mit denen das Sarin freigesetzt werden soll. Er schlich hinüber zu der Gerätschaft und platzierte einen eigens dafür gebauten Sprengsatz daran. Die Detonation würde nur die Kanone zerstören, nicht jedoch die Behälter mit Sarin. Nun war es an der Zeit, dass die Show ihren Lauf nahm. Gaber drang weiter nach vorne. Seine Beretta trug er unauffällig unter seinem Sakko. Er betrat das ehrwürdige Gebäude und schlich durch die Gänge.

      Mittlerweile fehlten nur noch ganze 24 Sekunden bis Mitternacht. Lukas' bebenden Lippen enkam ein leise gesäuseltes: "Es tut mir so unendlich leid, daß ich Ihnen das hier nicht ersparen kann, Eure Majestät!". Der königliche Blick der Queen aber bohrte sich nur noch tiefer in seine Augenhöhlen hinein, während sie geradezu liebevoll erwiderte: "Sie sind ein guter Mensch, das spüre ich. Entschuldigen Sie sich nicht dafür, daß Ihnen Ihre Familie alles bedeutet. Das geht mir ja genauso. Mein ganzes Leben habe ich meiner Familie, meiner königlichen Bestimmung, meinem Volk und unserem Land geopfert, Mister Svensson. Der Tod hat für mich seinen Schrecken längst verloren, denn auch ich glaube - wie Sie - felsenfest an Gott, unsern Herrn und das Ewige Leben. Darum bin ich mir sicher, daß wir uns schon bald an der Himmelstür wiedersehn. Heute und hier aber sage ich Ihnen und meiner ganzen Nation Lebewohl! Möge Gott Sie schützen, Sie und das gesamte Vereinigte Königreich!". Mit diesen letzten Worten senkte sie ihren Blick ein wenig und richtete ihn nunmehr schräg nach vorn - an Svensson vorbei, hin zum verbliebenen Rest ihrer im hinteren Eck vorm Kamin auf engstem Raum zusammengekauerten Familie. Aus den Augen von Prinz Philip, Prinz Charles, Camilla, Prinz William und Kate quollen Tränen. Am liebsten hätte Elizabeth mitgeweint, doch sie zwang sich tief durchatmend ein letztes Mal zur - ihr von Kind auf streng anerzogenen - Contenance. Und so bemühte sie sich einsam kniend um eine ihrer gesellschaftlichen Stellung angemessene würdige Ausstrahlung, während sie jedem Einzelnen ihrer Lieben noch einmal tief in die Augen schaute. Dabei blinzelte ihnen zu, so als wolle sie sagen: 'Fürchtet Euch nicht! Denn auch wenn ich Euch jetzt für eine Zeitlang verlassen muß, so bin ich im Herzen doch stets bei Euch, alle Tage bis ans Ende der Welt'. Und während bei diesem Gedanken ihr ganzes königliches Leben mit all seinen Höhen und Tiefen im Zeitraffer an ihrem geistigen Auge vorbeizuziehen begann, erwartete die Queen äußerlich völlig ruhig anmutend - in doppelter Hinsicht zurückblickend - jenen dumpfen Knall, der ihren plötzlichen Abgang von der weltlichen Bühne endgültig besiegeln sollte.

      Am entgegengesetzten Ende im Palastinnern hallten inzwischen Schritte durch das Gemäuer, und Mike hechtete gerade noch rechtzeitig in Deckung, ehe eine Wache um die Ecke kam und ihn entdecken konnte. Mike hielt sich verschanzt. Er zog sich in den Schatten zurück. Der Typ ging einfach an ihm vorbei. Bemerkte ihn nicht. Dies war sein letzter Fehler. Mike sprang aus dem Schatten und legte dem Kerl seinen rechten Arm um den Hals, während er ihm den linken Unterarm ins Genick drückte. Ein heftiger Ruck und das Genick des Mannes war gebrochen. Mike ließ ihn wortlos zu Boden gleiten und setzte seinen Weg fort.

      In diesem Moment schlug im Grünen Salon die Kaminuhr Zwölf. Die Deckenbeleuchtung der Kronleuchter flackerte dreimal kurz auf. Lukas meinte dabei, kurzzeitig ein eigenartiges Pfeifen und Quietschen zu vernehmen, wie es die Güterzüge auf einem Rangierbahnhof erzeugen. Schlußendlich jedoch verstummte in seinen Ohren auch jenes - Mark und Bein durchdringendes - quietschende Pfeifgeräusch wieder exakt mit dem zwölften und letzten Schlag vonseiten der ihrer Zeit etwas hinterher hinkenden Kaminuhr her jäh. Eine geradezu gespenstische Stille hielt einen Moment lang Einzug, in der kein Geräusch und kein Sterbenswörtchen mehr zu vernehmen waren. Svenssons rechter Zeigefinger krallte sich förmlich um den Pistolenhahn, während er sich selbst und der vor ihm hockenden Monarchin gleichermaßen zuflüsterte: "Gott möge mir vergeben!". Dann aber betätigte er wie in Zeitlupe den Abzug ...

      Mike Gaber brauchte keine Minute, um zu der Szene zu gelangen, wo Svensson seine schwere Entscheidung treffen musste. Ein Techniker sollte ihm bereits ein Zeichen geschickt haben. Hoffentlich war es angekommen. Dann fiel ein Schuss. Mike zog im selben Moment seine schallgedämpfte Beretta und stürmte nach vorn. Der Schuss war tödlich gewesen. Der getroffene Körper wurde umgerissen und schlug hart auf dem Boden auf. Ein wahrlich schrecklicher und grausamer Moment des Entsetzens, der sich auf den Gesichtern der Anwesenden im Raum widerspiegelte. Der verbliebene Enkel der Queen war geschockt. Ebenfalls seine Gattin.

      Der Kopf der Wache war explodiert. Svensson hatte im letzten Moment die Waffe herumgerissen. Das Lichtflackern war rechtzeitig gekommen. Doch nun war er ungeschützt. Der Terrorist hinter ihm, richtete sein M4 auf Svenssons Rücken, wurde jedoch von zwei Schüssen sauber niedergestreckt. Gaber eilte in den Raum und erfasste eine weitere Wache, duckte sich jedoch, als eine Salve aus dem Maschinengewehr die Marmorsäule in Stücke riss. Svensson stürzte sich auf die Queen. Versuchte sie zu schützen. Mike fuhr herum und richtete sich auf. Feuerte und erwischte den Terroristen mit einem Kopfschuss. Sein nächstes Ziel war O’Farrell – der die Gattin von William mit sich mitzog als er die Flucht ergreifen wollte. Er hatte ihn bereits im Visier. Sein Finger krümmte sich um den Abzug der Beretta. „Mike!“, rief Lukas und deutete in eine andere Richtung. Dann eine weitere Schrecksekunde. Einer der Terroristen wollte das Sarin im Raum freisetzen. Dies würde unweigerlich das Ende bedeuten. Doch zwei gut gezielte Schüsse streckten den Terroristen nieder. Das Einsatzteam stürmte den Palast. Gerade noch rechtzeitig. Mike blickte zu Lukas, der sich erhoben hatte und die Queen wieder auf die Beine zog. „Schnappen wir uns diesen Mistkerl O’Farrell.“, sagte Lukas wütend.
      Die Queen wusste nicht so recht, was geschehen war. Sie hatte eigentlich mit ihrem Leben abgeschlossen und plötzlich flogen Kugeln durch die Luft. Dass sie da natürlich zusammenklappte war kein Wunder. „Er hat die Duchess of Cambridge.“, knurrte Mike. Dann griff er in seine Jacke und zog seine Walther P99c, die er Lukas zuwarf. „Hier, ich hoffe Sie können schießen.“
      „Die lässigen Sprüche gehen Ihnen wohl nie aus, wie?“, fragte Lukas mit ernster Miene.
      „Nein. Übrigens Ihre Familie ist in Sicherheit. Dank Ihrer Idee, von Mister Hackerman ein Richtmikrofon im Wagen des Premierministers zum Abhören aller Geschehnisse im Palastinnern zu installieren, konnte die Antiterroreinheit O'Farrells Leute ausschalten, noch bevor sie bei Ihrer Frau und Ihrer Tochter eintrafen. Und ich habe gleich ein paar Leute vom CI7 geschickt, die Beide erst einmal außerhalb Londons in Sicherheit bringen.“
      „Danke Mike.“, erwiderte Lukas und rannte neben Gaber her.
      Schon nahmen sie die Verfolgung auf.

      [FORTSETZUNG FOLGT …]
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    • Wow, der Vorgucker, der übrigens super gemacht ist vorallem der Waltons Style ist eine klasse Idee, hat ja wirklich nichts Gutes erwarten lassen. :11:

      Der arme Lukas sollte nun wirklich die Queen erschießen. Aber gottseidank kam Mike wiedermal gerade noch rechtzeitig um Schlimmeres zu verhindern.
      Und dann gings nochmal richtig ab und die Queen wusste gar nicht wie ihr geschieht. Aber endlich ist diese Geiselnahme beendet. Und Lukas Familie ist auch in Sicherheit. :thumbsup:
      Und jetzt bin ich mal gespannt ob die beiden mit der Verfolgung erfolgreich sind.

      Ich freue mich schon wieder auf die Fortsetzung :freudentanz: und dankeschön fürs Schreiben. :danke:

      Gruß

      Saxi :)
      "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt ist ein Mensch"